Ich bin zwar alleine, aber nicht einsam!

Hallo,

die vergangenen Tage verbrachte ich wieder größtenteils alleine. Haojing reiste vorletzten Sonntag nach Chibi, weil sie sich um einige Formalitäten für unseren Hausbau kümmern musste. An dieser Stelle geht es vor allem darum, einen Kredit von der Bank gewährt zu bekommen. Da sich ihr Flug um einige Stunden verspätete, konnte sie ihre Mitfahrgelegenheit von Wuhan nach Chibi leider nicht wahrnehmen, weswegen sie eine Nacht in der Stadt bleiben musste. Meine Frau übernachtete bei einer ihrer zahlreichen Cousinen und deren Ehemann. Natürlich verbrachte sie auch eine schöne Zeit mit den beiden Kindern der jungen Familie.

Obwohl Haojing heute beruflich etwas vollkommen anderes macht, ist sie gelernte Lehrerin. Sie versteht sich wirklich gut mit Kindern, was selbstredend keine schlechte Eigenschaft ist. Im kleinen Walddorf bei Chibi ist unser Hausbau jedenfalls bereits voll im Gange. Irgendwie fühle ich mich mit dieser rasanten Geschwindigkeit nicht wirklich wohl, doch so lange Haojing das gesamte Management übernimmt, bin ich mit allem einverstanden. In China ist das nun einmal normal. Ich wurde übrigens schon mehrfach verwundert gefragt, warum wir noch keine Kinder haben, obwohl wir bereits über ein Jahr verheiratet sind.

Meine Frau blieb über eine Woche in ihrer alten Heimat und kam erst am gestrigen Montag zurück nach Dayouzhen – allerdings nur für eine Nacht, denn heute Morgen musste sie bereits wieder beruflich für zwei Tage verreisen. Am Sonntag geht es dann sogar für eine volle Woche nach Peking. Diese Gelegenheit werde ich mir allerdings nicht entgehen lassen. Ich werde Haojing und ihre Arbeitskollegen begleiten und vormittags alleine die chinesische Hauptstadt erkunden. Möglicherweise kann mir Haojings Freundin Carolyn, die an unserer Hochzeit für meine Eltern übersetzt hat, einige Sehenswürdigkeiten zeigen.

Da ich unter der Woche von 15 bis 20 Uhr arbeiten muss, darf ich mich vormittags wohl oder übel nicht allzu weit vom Hotel entfernen. Allerdings werde ich auch einen komplett freien Samstag in Peking zur Verfügung haben, wo ich dann wohl eine größere Tour absolvieren werde. In der zurückliegenden Woche habe ich das kleine Excel-Programm, das ich in meiner Freizeit erstellt habe, am eigenen Leibe in der Praxis ausgetestet. Mithilfe dessen lassen sich zahlreiche Makro- und Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralien oder Aminosäuren in der eigenen Ernährung anzeigen und über einen längeren Zeitraum tracken.

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Deshalb wiege ich seit nunmehr zehn Tagen mein sämtliches Essen akribisch ab und dokumentiere meine Ergebnisse. Das Programm funktioniert hervorragend. Als netter Nebeneffekt habe ich in diesem Zeitraum bereits zwei Kilogramm abgenommen. Darüber hinaus habe ich bemerkt, dass ich nur sehr wenig klares Wasser am Tag trank. Nun achte ich darauf, dass ich auf mindestens zweieinhalb Liter komme, was ziemlich schnell zu einer dramatischen Verbesserung meines Hautbildes führte. Ich bin begeistert. Ich bin sehr gespannt, ob die größere Menge Wasser noch weitere positive Effekte auf Körper und Geist haben wird.

Die Anschaffung meiner Schrittzähler-App hat sich überdies ebenfalls rentiert. Inzwischen bewältige ich nur noch selten weniger als 10.000 Schritte am Tag. Dabei habe ich nicht einmal das Gefühl, dass ich mich zum Gehen zwingen muss. Vielmehr gehört es mittlerweile schlicht und ergreifend zur täglichen Routine dazu. Erwähnenswert ist zudem noch, dass das Wetter in Jiangsu selbst Mitte November noch spätsommerlich ist. Tagsüber übertreffen wir die 20-Grad-Marke absolut regelmäßig. In den Nächten kühlt es jedoch stark ab. Hier merkt man das nicht Vorhandensein einer Heizung in unserer Wohnung bereits deutlich.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein Spaziergang mit leicht ironischem Unterton!

Hallo,

wie ich bereits in meinem letzten Beitrag schrieb, versuche ich meine üppige Freizeit mit sinnvollen Aktivitäten zu füllen. Dazu zählen ausgiebige Spaziergänge, weswegen ich mir extra eine Schrittzähler-App auf mein Handy geladen hatte. Meinen vorläufigen Tagesschnitt von etwa 6.000 Schritten wollte ich verbessern. Nun kann ich stolz verkünden, dass ich gestern über 12.000 und heute sogar über 15.000 Schritte zurücklegte. Hier spielt natürlich mit, dass es Wochenende ist, doch ich finde meine Leistung trotzdem durchaus beachtlich. Für die Zukunft möchte ich mich aber nicht unter Druck setzen und mache ganz locker weiter.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass ich überhaupt nicht gerne laufe. Sobald ich damit beginne, sehne ich sofort wieder dem Ende entgegen. Wenn ich Bewegung in meinen Alltag einbaue, dann soll diese keine Qual für mich sein, sondern mein Leben bereichern. Beim Spazierengehen oder Wandern fühle ich mich durch und durch gut und das Tischtennisspielen bereitet mir jede Menge Spaß. Ich finde, der einzige Weg, etwas langfristig durchhalten zu können, ist, es nicht durchhalten zu müssen. Es sollte Freude bringen. Und wenn es keine Freude bringt, sollte es wenigstens schnell und effektiv sein (z.B. Liegestütze).

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Apropos Tischtennis: Wegen meiner kleinen Operation konnte ich nun schon über drei Wochen nicht mehr spielen. Inzwischen hat sich die Wunde geschlossen und macht nach jedem Verbandswechsel einen solideren Eindruck. Ich denke, dass ich mich nächsten Samstag wieder in die Turnhalle begeben und mein Glück auf die Probe stellen werde. Außerdem kann ich mich wohl bald endlich wieder aufrecht duschen. Eine gewöhnliche Dusche gestaltet sich nämlich durchaus schwierig, wenn eine Stelle am Oberbauch nicht nass werden darf. Inzwischen habe ich den Dreh zwar raus, aber unkomfortabel ist die ungewollte Akrobatik dennoch.

Letzte Woche war Haojing beruflich in der Hafenstadt Qingdao, die etwas mehr als vier Fahrtstunden von uns entfernt liegt. Diese hat tatsächlich eine deutsche Vergangenheit, was man angeblich sehr gut an der Altstadt sehen kann. Da ich nicht dabei war, konnte ich die Gerüchte bislang nicht verifizieren. Allerdings stammt meine (chinesische) Lieblingsbiermarke „Tsingtao“ aus Qingdao, was eindeutig für deutsche Wurzeln spricht. Früher wurde die Stadt genauso geschrieben wie das Bier. Heute werden die chinesischen Zeichen „青“ und „島“ nicht mehr mit „Tsing“ und „Tao“, sondern mit „Qing“ und „Dao“ übersetzt. Die Aussprache ist natürlich dieselbe.

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Zuletzt manövrierte ich mich in eine recht unangenehme Situation, aber alles der Reihe nach. Während eines ausgiebigen Spaziergangs, bei dem ich mit meinem Handy zahlreiche Fotos schoss, fand ich eine Geldmünze auf dem Boden. Obwohl ein Yuan nur ungefähr 13 Cent wert ist, war ich echt happy über diesen Fund und wollte ihn später beim Einkauf im Supermarkt ausgeben. Als ich dann an der Kasse stand, bemerkte ich, dass ich irgendwo unterwegs meinen 100-Yuan-Geldschein verloren haben musste. Er fiel mir offenbar irgendwann heraus, als ich mein Handy zum Fotografieren aus der Hosentasche nahm.

Die Situation war zunächst ein bisschen peinlich. Während ich versuchte, irgendwo in meiner Tasche doch noch einen Geldschein zu finden, hoffte ich insgeheim, dass Haojing abnehmen würde, wenn ich sie gleich anriefe. Ich hatte Glück. Ich schickte ihr ein Foto vom QR-Code an der Supermarktkasse und sie bezahlte die Summe für mich. Danach wurde mir allerdings auch die Ironie der Situation bewusst. Ich freute mich riesig darüber, dass ich einen Yuan gefunden hatte, dabei hatte ich eigentlich 99 Yuan verloren. Anschließend wurde ich noch von neugierigen Kindern mit ihren Elektrorollern bis zu meiner Haustür verfolgt. Was für ein Tag!

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein paar Dinge aus meinem Alltag…

Hallo,

aus meiner Sicht plätschert die Zeit weder langsam noch schnell vor sich hin. Vormittags gehe ich regelmäßig spazieren. Dabei versuche ich, meinen Kopf leer zu bekommen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir eigentlich permanent Gedanken mache. Ich glaube, dass das nicht so gut für meine geistige Gesundheit ist, weswegen ich damit begonnen habe, mich unterwegs irgendwo an einem schönen Plätzchen hinzusetzen und ganz bewusst an nichts zu denken. Man könnte es auch Meditation nennen. Jedenfalls hoffe ich vor allem, dass sich dadurch mein nerviger Tinnitus verbessern oder sogar vollständig einstellen wird.

Bislang tut mir dieses neue Verhalten ziemlich gut und ich werde wohl demnächst damit anfangen, intensiver zu meditieren. Ich beschäftige mich viel mit gesunder Ernährung beziehungsweise einem generell gesunden Lebensstyl. Doch an diese Baustelle hatte ich mich zuvor leider nur halbherzig herangewagt. Darüber hinaus habe ich eine Schrittzähler-App auf meinem Handy installiert, um herauszufinden, wie viel ich am Tag wirklich laufe. Ich bin zwar gut darin, zu schätzen, aber Kontrolle ist nun einmal besser als Vertrauen. Im Schnitt ging ich bislang zirka 6.000 Schritte pro Tag. Das halte ich zwar für ausreichend, aber dennoch ausbaufähig.

Irgendwann im April hatte ich damit begonnen, an jedem zweiten Tag einmal so viele Liegestütze am Stück zu machen, wie ich kann. Das habe ich tatsächlich bis heute durchgezogen und es ist inzwischen sogar zur Gewohnheit geworden. Natürlich pausierte ich immer im Krankheitsfall oder auch in den ersten Tagen nach meiner kleinen Operation. Summa summarum komme ich inzwischen auf 27 Liegestütze am Stück. Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht nach einer großen Zahl. Mit intensivem Training hätte ich in der Zeit sicherlich bessere Ergebnisse erzielen können, doch ich möchte etwas machen, das ich langfristig durchhalte.

Drei- bis viermal pro Woche eine Minute Muskeltraining ist auf jeden Fall etwas, das ich mein ganzes Leben lang machen kann. Darüber hinaus ist der Liegestütz wohl eine der besten Übungen, die man überhaupt durchführen kann, weil sehr viele Muskelgruppen trainiert werden. Mittlerweile sind auch die Ergebnisse sichtbar, was selbstredend für zusätzliche Motivation sorgt. Außerdem bin ich dazu übergegangen, mein Frühstück, bestehend aus fünf Spiegeleiern und zwei Tomaten, auf das Mittagessen zu verschieben. Vormittags esse ich nichts. Damit fühle ich mich wesentlich wohler. Ich kann nur jedem empfehlen, das Frühstück sausen zu lassen.

Haojing musste in den letzten Tagen extrem viel arbeiten. Es waren wieder mehr deutsche Experten vor Ort als im Normalfall, weswegen meine arme Frau schon früh morgens aus dem Haus musste, mittags nur kurz zu Hause war und meistens erst spät abends Feierabend machen konnte. Ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen, weil ich so viel weniger arbeiten muss. Mein Beruf bindet mich unter der Woche für vier bis fünf Stunden täglich. Darüber hinaus unterrichte ich dienstags und donnerstags noch jeweils für eine Zeitstunde Englisch an einer Vorschule. Zusätzlich übernehme ich einen Großteil der anfallenden Hausarbeiten.

Dennoch habe ich viel Freizeit, die ich mit Spaziergängen, Tischtennisspielen, YouTube und meinem Computer verbringe. Ich arbeite zurzeit sowohl an einem Excel- als auch an einem Ubuntu-Projekt. Ich habe mir viele Dinge selbst beigebracht und bin sehr zufrieden mit meinen persönlichen Fortschritten. Außerdem genieße ich die Ruhe und natürlich den tollen Kaffee. Ich koche sehr gerne. Als Abendessen gibt es meistens grünes Gemüse und ein wenig Fleisch. Zuletzt hatten wir uns für viel Geld unverarbeitetes Palmfett bestellt, das wir zum Braten verwendeten. Am heutigen Dienstag haben wir endlich neues Schweineschmalz hergestellt.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein kurzer Business-Trip nach Wuxi!

Hallo,

Nach überstandener Operation musste ich vergangene Woche alle zwei Tage zur Nachkontrolle und Wundreinigung. Während der ersten Tage bereitete mir die Stelle noch relativ viele Schmerzen, vor allem bei Bewegung. Mit der Zeit wurde das natürlich stetig besser. An dieser Stelle verzichte ich darauf, Bilder zu veröffentlichen. Jedoch ähnelte die Wunde in Form und Größe ungefähr einem überdurchschnittlich großen Bauchnabel. Nach der zweiten Nachuntersuchung freute sich der Arzt noch über den rasch voranschreitenden Heilungsprozess. Nur zwei Tage später beschwerte er sich über die langsam vonstattengehende Besserung.

Dabei handelte es sich übrigens um ein und denselben Arzt. Zunächst ging es ihm scheinbar zu schnell, im Anschluss zu langsam. Bei einer weiteren Kontrolle entschied er sich schließlich für letztere Version. Offenbar muss sich ein bauchnabelgroßes, tiefes Gewebeloch binnen drei Tagen vollständig schließen. Inzwischen führe ich Verbandswechsel sowie Desinfektion selbstständig zu Hause durch, weil es einfach keinen Sinn ergibt, wegen dieser Kleinigkeit jedes Mal wieder in das hiesige Krankenhaus zu gehen. Die Wunde ist mittlerweile auch schon ziemlich klein und wird sich wohl innerhalb der nächsten Tage vollständig schließen.

Letzte Woche waren Haojing und ich für zwei Tage in Wuxi. Dabei handelt es sich um eine – selbst für chinesische Verhältnisse – große Stadt im Süden von Jiangsu, wo ungefähr 6,4 Millionen Menschen leben. Dort wurde meiner Frau über einen bekannten Geschäftspartner ein neuer Geschäftspartner vermittelt, der mit seiner Stoff- und Kleidungsfirma in die ganze Welt exportiert. Wir waren in einem ziemlich coolen Hotel mitten in der Innenstadt untergebracht. Dort bewohnten wir für eine Übernachtung ein Zimmer im 52sten Stockwerk des Wolkenkratzers. Die Aussicht war wirklich grandios, vor allem als es dunkel wurde.

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Am Abend schauten wir uns erst einmal im Hotel um. Dort gab es eine Skylounge und zahlreiche noble Restaurants und Bars. Im Anschluss gingen wir in die Stadt. Nicht weit entfernt war ein kleines Fußgängerviertel, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Wie ich es in anderen chinesischen Großstädten schon des Öfteren gesehen hatte, war dieser Bereich sehr sauber und ansehnlich in bunten Farben ausgeleuchtet. Wir aßen gemeinsam in einem Hong-Kong-Imbiss, wo ein Schild aushing, das die Besucher ausdrücklich dazu ermutigte, Fotos zu schießen. Später trafen wir uns noch mit einem von Haojings Geschäftspartnern.

Das Hotelfrühstück war ziemlich gut. Zwar fiel das chinesische Buffet für meinen Geschmack etwas zu üppig aus, doch das war dann wohl schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass wir uns in China befanden. Außerdem gab es auch westliches Essen. Ich konnte tatsächlich Kaffee, Lachs, Salat und sogar echten Käse ausfindig machen. Wer nie in China war, kann sich nicht vorstellen, wie selten Käse ist. Wenn man überhaupt so etwas wie Käse findet, dann sind das industriell abgepackte, seltsamschmeckende Scheiben, die vielleicht überhaupt keinen echten Käse, dafür aber jede Menge Chemie und Konservierungsstoffe, enthalten.

In Dayouzhen ist mittlerweile wieder Erntezeit. Selbstredend sind extra hierfür einige deutsche Experten angereist, weswegen ich meine Frau im Moment eigentlich nur zur Schlafenszeit zu Gesicht bekomme. Momentan wird Reis geerntet, der anschließend auf den Asphalt gelegt wird, um in der Sonne zu trocknen. Ich nutze die Freizeit, um spazieren zu gehen und generell möglichst lange draußen zu bleiben. Da ich aktuell kein Tischtennis spielen kann, verspüre ich einen deutlich gesteigerten Bewegungsdrang. Darüber hinaus ist es wieder wärmer als letzte Woche. Tagsüber misst das Thermometer angenehme 25 Grad Celsius.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Ich wurde chirurgisch bearbeitet!

Hallo,

zu Beginn der letzten Woche ist bei uns gar nicht so viel passiert und alles war eigentlich ganz normal. Erwähnenswert ist allerdings das herbstliche Wetter, das nun auch in Jiangsu herrscht. Das Thermometer steigt tagsüber nur noch selten auf über 20 Grad Celsius an. Nachts ist es sogar richtig kühl. Es kann aber sein, dass das Wetter in den kommenden Wochen wieder etwas wärmer wird. Bald beginnt die zweite Erntezeit für dieses Jahr, weswegen Haojing wohl wieder viel Zeit mit Organisieren und Übersetzen verbringen muss. Das ist zwar schade, doch die Arbeit bereitet ihr auch Freude. Ich kann mich währenddessen gemütlich entspannen.

Da mich bereits seit längerer Zeit ein tiefsitzender, entzündeter Pickel an einer ungewöhnlichen Stelle am Bauch plagte, suchte ich am Freitag das nächste Krankenhaus auf, um mir dieses sogenannte Atherom herausnehmen zu lassen. Eigentlich wollte ich das während meines nächsten Deutschlandaufenthalts durchführen lassen, doch ich wollte dann doch keine zwei Monate mehr warten. Darüber hinaus möchte ich den Urlaub in meiner alten Heimat nicht unbedingt mit Arztterminen und Schmerzen verschwenden. Haojing und ich mussten nicht lange warten, bis wir an der Reihe waren und der Arzt mich untersuchte.

Hierzu muss man wissen, dass in China noch sehr viele traditionelle Methoden Anwendung finden. Der Arzt ertastete meinen Puls am Daumen und leitete aus meinem Energiefluss (Chi) ab, dass meine Lunge und meine Leber geschwächt wären. Zwar habe ich großen Respekt vor der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und lehne das Energiekörperkonzept ebenfalls nicht kategorisch ab, doch von manchen Praktiken halte ich eher wenig. Es ist mir schleierhaft, wie man Schwächen in bestimmten Organen durch Fingerauflegen erfühlen können soll. Um meine Lungen und Leber langfrisitig zu stärken, muss ich nun dreimal am Tag eine bestimmte Medizin einnehmen.

Dabei handelt es sich um einen dickflüssigen Cocktail aus bitterschmeckenden Kräutern. Das Zeug ist widerlich. Als Kaffeetrinker kann ich über die Bitterstoffe aber nur lachen. Letztendlich probiere ich diese Therapie trotz aller Zweifel aus. Einerseits könnte ich falsch liegen und die Stärkung meiner Lungen und Leber behebt tatsächlich sämtliche Wehwehchen. Andererseits tu ich meiner Gesundheit mit bitteren Kräutercocktails gewiss nichts Schlechtes. Nach der exotischen Diagnosesitzung kamen wir allerdings zurück auf mein akutes Problem, das chirurgisch entfernt werden musste. Bereits im Vorfeld war mir klar, dass die Sache unangenehm würde.

Der Operationssaal war klein und wirkte irgendwie schäbig, das Besteck machte jedoch einen sterilen Eindruck. Da die Region recht entzündet war, musste die lokale Betäubungsspritze leider (mehrfach) in äußerst schmerzempfängliches Gewebe gestochen werden. Überdies wirkte der behandelnde Arzt nicht gerade erfahren. Leider war die Betäubung nicht ausreichend, weswegen ich während des Eingriffs immer wieder die Zähne zusammenbeißen musste. Im weiteren Verlauf gesellte sich ein älterer Arzt hinzu, der sein Handwerk offensichtlich besser verstand. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich die kleine Operation zum Glück gut überstanden.

Seitdem erhole ich mich und es geht mir jeden Tag ein Stück besser. Die Wunde verheilt gut, doch sie wird natürlich eine fette Narbe zurücklassen. Da ich mich schonen musste, verbrachte ich viel Zeit am Computer, um unser Haus mit Hilfe von CAD zu modellieren. Meine Frau hatte diesbezüglich eine ziemlich genaue Vorstellung, weswegen ich hinsichtlich Form und Größe nur wenig protestierte. Unser Antrag auf Umbau wurde unlängst genehmigt, weswegen die Bauarbeiten demnächst beginnen werden. Sobald ich die Zeichnungen (mit sämtlichen Bemaßungen) fertiggestellt habe, leiten wir diese an Haojings Onkel weiter und die Bauarbeiten gehen los.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Ich habe ein neues Lieblings-Restaurant!

Hallo,

Die zurückliegenden Tage waren recht ereignisreich. Letzten Montag hatte Haojing Geburtstag und wurde 31 Jahre alt. Da für die meisten Chinesen der Mondkalender aber wichtiger als der Sonnenkalender ist, hatte meine Frau eigentlich schon zum zweiten Mal Grund zu feiern. Aus Sicht ihrer Familie hatte sie bereits vor zwei Wochen Geburtstag. Da ich als Deutscher allerdings meine gewohnte Zeitschreibung bevorzuge, halte ich mich einfach an den 30. September. Eigentlich schenken wir uns zu solcherlei Anlässen nichts. Dennoch wollte ich Haojing mit Blumen überraschen. Als sie zur Arbeit fuhr, machte ich mich in Dayouzhen auf die Suche.

Leider fand ich so gut wie nichts. Ich machte schließlich in einem kleinen Laden halt, der einige Topfpflanzen im Portfolio hatte. Die Verkäuferin schien sehr überrascht über mein Vorhaben zu sein. Sie fragte mich andauernd, wo ich herkomme und wo ich wohne. Ich dachte schon, sie wollte mir gar nichts verkaufen. Außerdem war die Auswahl äußerst beschränkt. Es gab nur zwei Pflanzen, die auf irgendeine Weise geblüht haben. Ich entschied mich spontan für eine und kaufte dazu den einzigen Blumentopf, der da war. Als ich wieder zu Hause war, putzte ich sämtliche Blätter vorsichtig ab, da eine dicke Staubschicht die Ästhetik arg trübte.

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Haojing kam in der Mittagspause nach Hause und freute sich riesig über das kleine Geschenk. Obwohl sie nachmittags wieder arbeiten musste, hatten wir einen wunderschönen Tag. Am nächsten Morgen wurde ich (wiedermal) um fünf Uhr morgens durch Feuerwerkskörper geweckt. Es war der chinesische Nationalfeiertag und alle spielten verrückt. Haojing und ich sahen uns die Militärparade im Fernsehen an. Ich ging irgendwann an meinen Computer, weil mir das zu langweilig wurde. Die Volksrepublik China wurde dieses Jahr übrigens 70 Jahre alt. Darauf sind die Menschen hier sehr stolz. Überall hängen chinesische Flaggen herum.

Am Freitagabend hatten wir noch Besuch von drei Arbeitskollegen meiner Frau. Haojing kochte für alle und anschließend sahen wir uns noch gemeinsam eine Folge der Serie „Black Mirror“ an. Ich kenne bereits alle Episoden, doch unsere Gäste wollten sich die Serie unbedingt mal anschauen. Spät abends spülte ich noch den gewaltigen Geschirrhaufen ab, denn schon am nächsten Vormittag sollten wir beide uns auf den Weg nach Yancheng begeben. Haojing und ich wollten dort einen Kurzurlaub verbringen, weil wir am Sonntag sowieso einen Experten vom dortigen Flughafen abholen mussten. Der Verkehr auf der Autobahn war die Hölle.

Die Woche, in die der Nationalfeiertag fällt, wird „Goldene Woche“ genannt. Währenddessen haben zahlreiche Arbeiter frei und darüber hinaus kostet die Benutzung der Autobahn keine Maut. Als wir endlich in Yancheng waren, wollten wir Koreanisch essen gehen. Wir parkten in der Tiefgarage unter einer großen Galerie. Unglücklicherweise fanden wir das Restaurant nicht und kamen auch durch Fragen nicht weiter. Deswegen entschieden wir uns kurzerhand für einen Tibeter. Für mich war das Essen in Ordnung, Haojing war leider etwas enttäuscht. Im Anschluss machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Programmpunkt.

Wir hatten einen Escape Room gebucht. Zusammen mit einer Gruppe von vier ziemlich jungen Chinesinnen arbeiteten wir uns durch mehrere Räume und schafften es am Ende sogar. Bei vielen Fragestellungen war ich keine Hilfe, da mein Chinesisch schlicht und ergreifend zu schlecht war. Wenige Aufgaben hätte die Gruppe aber wohl nicht ohne mich geschafft, weswegen ich durchaus zufrieden war. Um Bilder zu machen, war es zu dunkel. Am Abend fuhren wir beide noch Go-Karts. Haojing hatte jedoch keinen Spaß daran und fuhr nach nur kurzer Zeit wieder in die Box. Das führte dazu, dass ich meine restlichen Runden alleine drehte.

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Wir übernachteten in einem tollen Hotel, direkt neben dem europäischen Viertel, wo wir am Sonntagmorgen hingingen. Dort sind dutzende Häuser im europäischen Stil aufgebaut. Die Gegend war enorm sauber und idyllisch. Ich habe derart viele Fotos geschossen, dass ich gar nicht alle auf meinem Blog veröffentlichen kann. Mitten im europäischen Viertel fanden wir ein japanisches Restaurant. Das traf sich gut, denn es war schon bald Mittagszeit. Dort zu Gastieren war definitiv die beste Entscheidung des gesamten Wochenendes. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so gut in einem Restaurant gegessen zu haben.

Es gab jede Menge rohen Fisch, aber auch einen Gemüsesalat mit Fischlaich, gegrilltes Rindfleisch, gebratenen Pak Choi, ein Gericht aus Gänseleber und Ei sowie eine süßliche Kürbissuppe. Jede Speise schmeckte ganz vorzüglich, aber ganz besonders stachen das Rindfleisch und die verschiedenen Gewürze respektive Soßen hervor. Dort werde ich auf jeden Fall nochmal essen gehen. Ich übertreibe nicht. Das Essen war wirklich eine Offenbarung. Hinterher machten wir uns schon auf den Weg zum Flughafen, um den Kurzeitexperten abzuholen. Kurioserweise stellte sich heraus, dass er Luxemburger ist. Die Welt ist tatsächlich klein.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein wenig Hysterie vor den Feierlichkeiten!

Hallo,

in meinem letzten Beitrag habe ich jede Menge Wut rausgelassen. Inzwischen hat sich meine miese Stimmung wieder gelegt. Das heißt nicht, dass ich die Vorkommnisse von letzter Woche auf einmal gutheiße, sondern lediglich, dass ich jetzt wieder gut gelaunt bin. Dennoch sollte bedacht werden, dass der aufgezwungene Wochenendurlaub aus Sicht der Chinesen ein sehr großzügiges, wohlgemeintes Geschenk an Haojing und mich war. In Dayouzhen hat sich während unserer Abwesenheit nicht allzu viel getan. Eigentlich ist noch alles beim Alten. Dementsprechend musste ich am Dienstag wieder im Klassenzimmer antreten.

Am zweiten Wochentag unterrichte ich immer den älteren Jahrgang der Vorschule. Die Kinder sind ungefähr sechs Jahre alt. Bislang hatte ich mit ihnen die Zahlen von eins bis zehn, die Bezeichnungen für einige Tiere und einen einfachen Begrüßungsdialog durchgenommen. An diesem Tag fingen wir mit Obst und Gemüse an. Natürlich wird es noch einige Unterrichtsstunden dauern, bis die neuen Wörter sitzen. Mit dem jüngeren Jahrgang, den ich regelmäßig donnerstags unterrichte, bin ich noch nicht so weit. Das liegt einerseits daran, dass sie jünger sind, und andererseits daran, dass mir die zweite Klasse erst später zugeteilt wurde.

Letzte Woche Dienstag fragte mich die Klassenlehrerin, ob ich nach dem Unterricht noch Basketball mit den Kindern spielen könnte. Eigentlich wollte ich nach Hause gehen, aber um nicht unhöflich zu sein, sagte ich für 20 Minuten zu. Das hat sich gelohnt, denn es hat echt Spaß gemacht. Ein Großteil der Kinder hat mittlerweile keine Angst mehr vor mir. Wir haben den Ball hin und her gespielt und abwechselnd auf die Körbe geworfen. Leider traf ich auch mal einen kleinen Jungen im Gesicht (man muss halt vorsichtig sein), aber sonst war es wirklich eine angenehme Erfahrung. Ich konnte es kaum glauben, dass die Zeit so schnell vorbeiging.

Letzte Woche war wieder eine Art Straßenmarkt in unserem Heimatort. Auf einer der beiden Hauptstraßen werden dann immer mehrere Verkaufsstände aufgebaut. Gekauft habe ich mir dort noch nie etwas. Die Preise sind vermutlich sehr günstig, doch ich sehe es nicht ein, mir etwas zu kaufen, das ich nicht wirklich brauche. Nur etwas zu kaufen, weil es günstig ist, ist nämlich alles andere als genügsam. An einem anderen Tag fuhren meine Frau und ich noch an eine künstliche Teichanlage, die extra für den Besuch der deutschen Landwirtschaftsministerin innerhalb von drei Tagen aus dem Boden gestampft wurde.

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Am Wochenende waren wir noch mit drei von Haojings Arbeitskollegen in einem Restaurant in Binhai Hot Pot essen. Es war sehr lecker. Ich finde es jedes Mal erstaunlich, was die Chinesen alles essen. Hierzu zählen die verschiedensten Innereien und Pflanzen, bei denen man in anderen Teilen der Welt wohl nicht mal auf die Idee käme, diese zu verspeisen. Leider kam es in der vergangenen Woche auch zu einer leicht prekären Situation. Da sich der chinesische Nationalfeiertag näherte, wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Dazu zählte unter anderem auch ein Check, ob die Ausländer dort wohnen, wo sie gemeldet sind.

Weil wir mich Anfang des Jahres aus dämlichen Gründen in Chibi melden mussten, bekam meine Schwiegermutter einen unangenehmen Anruf von der lokalen Polizei. Sie sagte, dass ich verreist wäre. Das war eine schlechte Antwort und führte dazu, dass ich wohl zurück nach Chibi hätte fliegen müssen, um mich bei den zuständigen Ämtern zu melden. Zum Glück ließ Haojing ihre Kontakte spielen. Einer ihrer Cousins ist gut mit dem zuständigen Polizisten befreundet und regelte die Angelegenheit noch rechtzeitig. Wir hatten Glück, dass meine Abwesenheit noch nicht an die nächsthöhere Instanz gemeldet worden war.

Liebe Grüße,

Benjamin