Eine Party und ein enttäuschender Sonntag!

Hallo,

inzwischen ist bereits mehr als eine Woche vergangen, nachdem ich meinen letzten Beitrag an meinem Geburtstag erstellt habe. Irgendwie war ich vergangene Woche sehr unmotiviert und fühlte mich einfach nicht gut. Ob das nun an der mentalen Belastung aufgrund des Übergangs in meine Dreißiger oder schlicht und ergreifend an der Kohlenhydrat- und Alkoholvöllerei an diesem Wochenende lag, weiß ich nicht. Möglicherweise war es eine Mischung aus beidem. Wie ich bereits letztes Mal erwähnte, haben mir meine Eltern eine Kaffeemaschine geschenkt, die einen wirklich sehr schmackhaften Kaffee aufbrüht.

Nachdem ich mich über das tolle Geschenk aus der alten Heimat freute, bekam ich ein leckeres Frühstück, bestehend aus zahlreichen süßen Brötchen und Kuchen. Natürlich durfte mein Lieblingsbier (Flensburger) an diesem Tag nicht fehlen. Haojing hatte es extra für mich via Alibaba bestellt und kaltgestellt. Den Vormittag verbrachten wir – mein kostbares Bier und ich – alleine. In Haojings Mittagspause trafen wir uns in einem kleinen Fastfood-Restaurant, in dem ich mir ein Menü, bestehend aus einem Bürger, Fritten, Chicken Nuggets sowie einer Cola, gönnte. Anschließend machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause.

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Dort verweilte ich jedoch nicht allzu lange, denn meine Kollegen vom Tischtennis hatten das Training anlässlich meines Geburtstags auf 15 Uhr vorverlegt, weil ich die ganze Mannschaft für 18:30 Uhr in die Karaoke-Bar eingeladen hatte. Als Überraschung wollten mich meine Kollegen vorher noch zum Essen einladen. So weit, so gut, aber leider nehmen Chinesen nicht ganz so viel Rücksicht auf die Pläne anderer, wenn sie selbst etwas veranstalten wollen. Obwohl sie alle auch zum Karaokesingen eingeladen waren, haben sie das Essen ebenfalls auf halb sieben gelegt. Somit verspätete ich mich als Gastgeber zu meiner eigenen Feier.

Glücklicherweise hatte meine Frau bereits Feierabend und kümmerte sich in der Zwischenzeit um die übrigen Gäste, die natürlich pünktlich kamen. Das Abendessen mit meinen Tischtenniskollegen war dennoch richtig schön. Sie haben einen Geburtstagskuchen für mich backen und diesen mit meinem Internetpseudonym „KodeX“ verzieren lassen, weil das mein WeChat-Name ist. Vermutlich dachten sie, dass mein Name in lateinischen Buchstaben so geschrieben wird. Selbstverständlich kam ich nicht darum herum, einige Gläser Reisschnaps zu trinken. Als ich schließlich in der Karaoke-Bar ankam, hatte ich schon gut einen sitzen.

Beim Singen gab es dann nur noch chinesisches Bier und keinen Schnaps mehr. Ich weiß nicht genau, wie viele Leute auf der Feier waren, aber insgesamt werden es zirka 25 gewesen sein. Gesungen haben aber irgendwie immer wieder dieselben. Ich musste leider auch zweimal zum Mikrofon greifen. Da ich ein äußerst schlechter Sänger bin, möchte ich nicht detailliert auf diese peinlichen Auftritte eingehen. Wir machten relativ früh Schluss, weswegen ich rechtzeitig für den letzten Bundesligaspieltag der Saison wieder zu Hause war. Währenddessen trank ich eine weitere Flasche Flensburger und öffnete einen guten schottischen Whisky.

Am Abend telefonierte ich noch mit meiner Familie, die meinen 30. Geburtstag in Deutschland feierte, ohne dass ich dort vor Ort war. Letzten Endes war es ein wunderschöner Tag, an dem ich aber viel zu viel gegessen und auch ein bisschen zu viel getrunken hatte. Am darauffolgenden Sonntag musste ich bereits früh aufstehen, weil ich mit zu einem Tischtenniswettbewerb fahren sollte. Meine körperliche und geistige Verfassung war aufgrund des Vortags verständlicherweise nicht die beste. Trotzdem fuhr ich sehr gerne mit, aber um es vorwegzunehmen: Der Tag war eine reine Enttäuschung, aber alles der Reihe nach.

Wir fuhren mit einigen Autos in die ungefähr 45 Minuten entfernt liegende Stadt Xiangshui. Dort betraten wir eine kleine Halle, in der vier eng aneinanderstehende Platten untergebracht waren. Die Halle war prallgefüllt mit Spielern aus der gesamten Region. Es war einfach nur ungemütlich. Jeder Verein bildete mehrere Mannschaften, bestehend aus drei Spielern. Pro Spiel wurden lediglich drei Einzel gespielt. Wie viele Vereine und Mannschaften in Summe anwesend waren, kann ich unmöglich einschätzen. Wir kamen um 8 Uhr morgens an. Bis ich das erste Mal eingesetzt wurde, vergingen etliche Stunden, in denen ich mich langweilte.

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Zu einem zweiten Einsatz kam es überhaupt nicht. Ich wartete an jenem Tag quasi zehn Stunden auf einer unbequemen Holzbank, um ein einziges Match zu spielen, das ich obendrein noch mit eins zu drei verlor. Ich bin wirklich sehr enttäuscht. Ich hatte mir vom Spielbetrieb wirklich mehr erhofft. Immerhin konnte ich einigen enorm guten Tischtennisspielern zuschauen. Das war zwar phasenweise durchaus beeindruckend, aber das ist trotzdem nichts, wofür ich einen Tag lang gerne auf einer Holzbank sitze und mich währenddessen nicht einmal mit irgendjemandem unterhalten kann. Ich möchte nicht nochmal am Spielbetrieb teilnehmen.

Die Wochentage danach waren mehr oder weniger ereignislos. Wie ich bereits erwähnte, konnte ich mich kaum für etwas motivieren. Haojing hat nach wie vor viel Arbeit. Abends schauen wir uns inzwischen regelmäßig „Game of Thrones“ an. Sie kannte die Serie noch nicht. Letzten Samstag sind wir mit einigen Arbeitskollegen meiner Frau nochmal in die Karaoke-Bar gegangen, weil wir noch Guthaben von meiner Party übrighatten. Diesmal hatten wir einen kleineren Raum. Es war echt schön. Ich fand sogar ein paar Lieder, deren Text ich halbwegs konnte. Das ändert natürlich nichts an der Tatsache, dass ich keinen Ton treffe.

Liebe Grüße,

Benjamin

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Die Ruhe vor dem Sturm!

Hallo,

in der zurückliegenden Woche ist wieder einmal nicht allzu viel passiert. Dennoch möchte ich heute von mir lesen lassen, weil der darauffolgende Beitrag sonst aus offensichtlichen Gründen (Geburtstagsfeier, Tischtennisspiel) wohl vollkommen überfüllt wäre. Für die, die es nicht wissen: Ich bin am heutigen Samstag 29 Jahre alt geworden! Weil die letzten Tage – wie ich bereits erwähnte – nicht die ereignisreichsten waren, bleibt mir nun Raum, um über unbedeutendere Dinge zu sprechen, die allerdings einen großen Teil meines Alltags ausmachen. Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Also schreibe ich einfach mal drauf los.

Aktuell faste ich aus gesundheitlichen Gründen dreimal pro Woche. Das heißt, ich esse sowohl an Montagen als auch an Mittwochen und Freitagen nichts – überhaupt nichts. An diesen Tagen trinke ich auch nur Wasser, Tee und (schwarzen) Kaffee. Viele Leute mögen das für verrückt halten, aber wenn man sich ein bisschen mit der Materie (Stichwort: Menschheitsgeschichte) beschäftigt und auch mal etwas von „Autophagie“ gehört hat, ergibt das durchaus Sinn. In Deutschland habe ich in der Regel nur an einem Wochentag gefastet. Durch die Erhöhung auf drei kalorienfreie Tage erziele ich logischerweise noch bessere Effekte.

Bei mir hat es sich eingebürgert, an Fastentagen auszuschlafen und früh ins Bett zu gehen. Ich stehe ungefähr um 10 Uhr morgens auf, trinke ein oder zwei Tassen Kaffee, lerne Chinesisch, mache meinen Spaziergang und hinterher ein paar Liegestützen. Dann beginnt bereits meine Arbeit, an die ich folglich fünf Stunden gebunden bin. Anschließend erledige ich die fällige Hausarbeit. Am Abend lege ich mich schließlich auf das Sofa vor den Fernseher, esse ein paar Körner Steinsalz, trinke viel Wasser und versuche so schnell wie möglich müde zu werden. Selbstverständlich gehe ich in den allerseltensten Fällen vor Haojing ins Bett.

An einem Nicht-Fastentag stehe ich selten nach 8 Uhr morgens auf. Meine Frau kocht mir stets fünf Spiegeleier mit Tomaten zum Frühstück. Wenn man nur vier Tage pro Woche isst, sollte man an jenen Tagen eine adäquate Menge an lebenswichtigem Protein zu sich nehmen. Danach esse ich ein paar Früchte und Nüsse als Nachtisch. Mittags trinke ich meistens einen Bulletproof-Kaffee und abends kocht Haojing wieder für mich. Der restliche Tagesablauf ändert sich nicht. An den Wochenenden arbeite ich natürlich nicht, spiele dafür aber an beiden Tagen Tischtennis. Bislang hängt mir dieser gefestigte Tagesablauf noch nicht zum Hals raus.

In dieser Woche ging ich auch mal abends spazieren. Bei der Freizeitanlage von Dayouzhen befindet sich ein großer Platz, auf dem man abends tanzen gehen kann. Dieses Angebot wird von zahlreichen Anwohnern regelmäßig wahrgenommen. Ich wollte mich bisher noch nicht zum Affen machen, aber ich bin mir sicher, dass mich meine Frau früher oder später dazu überredet bekommt, auch mal mitzumachen. Während eines Spaziergangs habe ich außerdem Werbung für ein Frauenkrankenhaus gesehen, die mich eher an Werbung für ein Rotlichtviertel erinnert. Doch eigentlich wird der Frau suggeriert, nach der Behandlung hübsch zu sein.

Um ehrlich zu sein, bin ich heute nicht 29, sondern 30 Jahre alt geworden. Zu allem Übel, muss Haojing heute arbeiten, weswegen ich heute lange alleine bleiben werde. Immerhin haben meine Eltern ein tolles Geschenk für mich nach China geschickt. Wir haben nun endlich eine ordentliche Kaffeemaschine und einen riesigen Vorrat an gutem Kaffee! Mit dem Gerät kann man sowohl Pad-Kaffee als auch Filterkaffee zubereiten. Ich habe mich sehr darüber gefreut und war auch echt überrascht. Heute Abend gehe ich mit ein paar Tischtenniskollegen essen und anschließend in eine Karaoke-Bar. Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein dunkles Wochenende geht zu Ende!

Hallo,

eigentlich liegt eine relativ ereignislose Woche hinter uns, deren Highlight wohl die Reparatur unseres Staubsaugers war, die ich vornahm. Um ehrlich zu sein, habe ich den Staubsauger nicht wirklich repariert, sondern lediglich einen großen Haufen Staub rausgenommen, der die Saugleistung stark reduzierte, aber immerhin habe ich ihn dafür vollständig aufgeschraubt. Des Weiteren haben wir gegen Ende der Woche endlich einen neuen Vorrat an Nüssen und Kernen gekauft, die wir regelmäßig beim Fernsehen snacken. Diesmal haben wir uns für Walnüsse, Pistazien und zwei verschiedene Sorten Sonnenblumenkerne entschieden.

Bevor ich zum durchaus kuriosen Wochenende kommen, möchte ich noch über chinesische TV-Serien reden, die Haojing gelegentlich auf einem Netflix-ähnlichen Portal schaut. Diese Serien sind gespickt mit Szenen, die auf eine derart lächerliche Arte und Weise unrealistisch sind, dass ich aus dem Lachen gar nicht mehr herauskomme. Um ein Beispiel zu nennen, findet sich ein Mann, nur mit einem Schwert bewaffnet, umzingelt von acht Bogenschützen, die gleichzeitig auf ihn schießen. Der Mann wehrt alle acht Pfeile mit seinem Schwert ab, in dem er sich schnell um die eigene Achse dreht. Danach tötet er alle Bogenschützen mit Leichtigkeit.

Dabei handelt es sich tatsächlich um eine ernsthafte, populäre Serie in China, in der es keinerlei Superkräfte oder ähnliches gibt. Diese spielt einfach nur im chinesischen Mittelalter, aber in unserer Welt. Ich könnte noch viele andere Szenen aufzählen, bei denen man denkt, dass das unmöglich deren Ernst sein könne, aber ich belasse es lieber (erstmal) bei dieser einen. Am Freitagabend freute ich mich noch sehr auf das Wochenende. Ich hob mir extra ein paar interessante YouTube-Videos auf, um sie mir am Samstag anzuschauen. Als ich voller Vorfreude aufwachte, erfuhr ich, dass wir gerade eine geplante Stromabschaltung hatten.

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Diese sollte das gesamte Wochenende andauern, weil Wartungsarbeiten durchgeführt werden mussten. Selbstredend gab es im Vorfeld keine Ankündigung. Glücklicherweise haben wir einen Gasherd, weswegen wir kochen und auch heißes Wasser (Stichwort: Kaffee) zubereiten konnten. Wir räumten unsere Wohnung ein wenig auf, hatten aber nicht allzu viel Arbeit damit, weil wir bereits unter der Woche geputzt hatten. Abends ging ich Tischtennis spielen. Glücklicherweise verfügte die nahegelegene Turnhalle über Strom. An diesem Wochenende war ich besonders gut in Form. Ich gewann tatsächlich jedes einzelne Spiel.

Unter meinen Kontrahenten befand sich auch ein Spieler, den ich bislang noch nie schlagen konnte, weswegen ich sehr zufrieden mit meiner Leistung war. Nächsten Sonntag findet ein Turnier statt und ich soll Teil der Mannschaft sein. Darauf bin ich sehr gespannt. Am Samstagabend wollte ich gerne Fußball schauen. Bei uns ging immer noch kein Strom, weswegen wir uns dazu entschieden, in Haojings Büro zu fahren. Leider stand das Auto in der Garage, deren Tor elektrisch funktioniert. Mit Gewalt wollte ich es nicht öffnen, weil ich befürchtete, vielleicht irgendetwas zu beschädigen. Doch wir fanden dennoch einen Weg.

Der VW Tiguan, den wir benutzen dürfen, hat tatsächlich eine 220-Volt-Steckdose vor den Rücksitzen. Wir nahmen ein Verlängerungskabel aus der Wohnung, schlossen das elektrische Garagentor an die Steckdose an und starteten den Motor. Es funktionierte – nun war es möglich, das Tor zu öffnen. Somit konnten wir ins Büro fahren und ich konnte mir auf Haojings Arbeits-PC das Spiel von Borussia Dortmund anschauen. Gierig haben wir auch sämtliche Elektrogeräte aufgeladen. Der Sonntag verlief ähnlich wie der Samstag, nur hatten wir am Abend wieder Strom und ich konnte mich nach dem Training warm duschen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Immerhin habe ich eine entspannte Zeit!

Hallo,

während der letzten Tage hatte vor allem Haojing viel um die Ohren. Wie ich bereits in meinem letzten Beitrag schrieb, waren erneut deutsche Experten vor Ort, die von ihr betreut werden mussten. Da der letzte Teamleiter bei den Chinesen unbeliebt war und sich darüber hinaus einige Differenzen zwischen beiden Seiten auftaten, wurde dieser nach Deutschland zurückbeordert. Momentan ist der Arbeitgeber meiner Frau auf der Suche nach einem Nachfolger, doch es ist anscheinend gar nicht so einfach, eine ausreichend qualifizierte Person zu finden, die bereit ist, ihre Heimat für drei Jahre zu verlassen.

Interessant finde ich, dass es beim Hauptstreitpunkt um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ging. Während es in Deutschland üblich ist, einfach die gesamten Felder präventiv zu spritzen, sehen die chinesischen Richtlinien erst nach einem ausreichend großen Schädlingsbefall entsprechende Maßnahmen vor. Dabei denkt man doch eigentlich, die Chinesen würden solche Chemikalien völlig bedenkenlos einsetzen und unsere tollen deutschen Äcker wären nahezu schadstofffrei. In Wahrheit scheint es also eher umgekehrt zu sein. Selbstredend hatte die Huanghai-Farm auch andere Probleme mit dem ehemaligen Teamleiter.

Ich habe mein Wochenende damit verbracht, möglichst faul zu sein – zumindest was die immer wiederkehrende Hausarbeit angeht. An mir selber habe ich natürlich gefeilt. Meine Spaziergänge werden zunehmend länger. Es ist zwar gar nicht mal so einfach, vollkommen neue Straßen zu erkunden, weil ich inzwischen schon fast überall in Dayouzhen war, aber ich kombiniere gerne altbekannte Wege zu neuen Routen, die ich dann im schnellen Schritt durchquere. Außerdem habe ich inzwischen auch damit angefangen, jeden Tag ein paar Liegestützen zu machen. Das Training hilft mir auf jeden Fall gegen meine Rückenbeschwerden.

Darüber hinaus waren Haojing und ich wieder in einem Massage-Salon. Diesmal wurde ich nicht mehr von dem Mann des Todes, sondern von einer hübschen Frau massiert. Diese hatte allerdings auch jede Menge Kraft und es hat echt mehrere Male ziemlich wehgetan. An etlichen Körperstellen hat sie es so richtig knacken lassen. Tatsächlich hat sie sogar meinen Hals auf irgendeine Weise verdreht, dass es auch dort zu beängstigenden Geräuschen kam. Letzten Endes war ich aber durch und durch zufrieden und ich möchte gerne regelmäßig dorthin gehen. Meine liebe Frau ist davon leider nicht ganz so begeistert.

Massage-Salons sind in China oftmals versteckte Bordells. Ich glaube, ihr gefällt der Gedanke nicht, dass ich in Zukunft auch mal alleine zur Massage gehen werde. Aber das wird mich nicht davon abhalten. In den zurückliegenden Tagen war ich übrigens ein paar Mal einkaufen. Es ist unglaublich, wie günstig man hierzulande frisches Gemüse bekommt. Die restliche Auswahl im Supermarkt ist für einen Deutschen allerdings gewöhnungsbedürftig. Es gibt enorm viele Drinks aus gezuckerter Sojamilch in den verschiedensten Geschmacksrichtungen. Gezuckerte Joghurtgetränke sind jedoch ebenfalls reichlich vorhanden.

Da ich nach wie vor weitestgehend auf Zucker verzichte, ist das für mich natürlich keine Alternative. Viel lieber trinke ich einen Bulletproof-Kaffee. Das ist eigentlich ein normaler Kaffee, in dem man ein Stück Kokosfett (ich nehme meistens einen gehäuften Esslöffel) auflöst, bevor man ihn trinkt. Eine Alternative zu Kokosfett ist Butter, aber die bekommt man im ländlichen China nicht so einfach. Diese Kaffee-Variante hat den Vorteil, dass sie unheimlich lange sättigt. Überdies beinhalten Kokos- und Milchfett gewissen Fettsäuren, die vom Körper sofort in Energie umgewandelt werden. Ich kann dieses Getränk jedem wärmstens empfehlen.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Und wieder sind deutsche Experten vor Ort!

Hallo,

wir sind inzwischen schon seit einer Woche zurück in Dayouzhen und ich kann mich nicht darüber beschweren, mit Arbeit überlastet zu sein. Das trifft leider nicht auf Haojing zu, denn gegen Ende der letzten Woche kamen zwei deutsche Experten an, die natürlich von ihr betreut werden müssen. Einer der beiden blieb nur drei Tage, während der andere erst am kommenden Sonntag zurück in die Heimat fliegt. Da der Aufenthalt nur von kurzer Dauer ist, sind die Tage folglich mit einem besonders umfangreichen Programm ausgefüllt. Derzeit ist meine liebe Ehefrau dementsprechend intensiv in die Arbeit eingespannt.

Das Schöne am Besuch eines ausländischen Experten ist aus meiner Perspektive, dass ich mit jemandem reden kann, der kein Chinese ist. Das liest sich vielleicht etwas gemein, aber für einen Deutschen ist der tägliche Umgang mit Chinesen auf Dauer gar nicht so einfach. Die Kommunikation gestaltet sich schwierig. Selbst unter Vernachlässigung der Sprachbarriere, die zweifellos schwierig zu vernachlässigen ist, heißt „Nein“ in den meisten Fällen „Ja“ und umgekehrt. Wenn ich zum Beispiel ausdrücklich sage, dass ich nichts mehr essen möchte, wird mir trotzdem neues Essen gegeben. Die Höflichkeitsregeln sind ein Graus.

Ich nutze meine Freizeit hingegen mit ausgiebigen, zügigen Spaziergängen und Hausarbeit. Unglücklicherweise habe ich meinen linken Fuß scheinbar ein bisschen zu sehr belastet. Seit drei Tagen plagt mich ein unangenehmer Belastungsschmerz an der Fußsohle, der von der Sehne des mittleren Zehs auszugehen scheint. Ich bin zwar kein Experte, aber ich denke, dass die Sehne wohl irgendwie gereizt ist. Deswegen schone ich mich aktuell, auch wenn ich auf diese Weise meine Wochenziele nicht erreichen kann. In diesem Fall ist das aber nicht so schlimm, weil ich eine echte Begründung und keine Ausrede habe.

Meiner Paradedisziplin der Hausarbeit – dem Abwasch – kann ich dennoch nachgehen. Ich bin tatsächlich sehr pingelig, was Sauberkeit angeht. Insofern reinige ich das Geschirr und die Küche stets äußerst gründlich. Ich muss jedoch zugeben, dass ich manchmal auch ein wenig übertreibe, da es nach dem Abendessen sowieso wieder dreckig ist. Auf irgendeine Weise macht mir das Spülen offensichtlich Spaß. Bald steht auch wieder ein Hausputz auf dem Programm, doch am liebsten möchte ich hierfür zwei schmerzfreie Füße haben. Ich rechne damit, dass ich am Wochenende wieder volle Mobilität aufweisen werde.

Weil unsere Sofa-Sitzgruppe an unserer Lieblingsstelle nur allzu leicht auseinanderdriftet und dort eine unangenehme Spalte entsteht, haben wir uns Möbelverbinder gekauft. Diese werden an beide Sofas geschraubt und sorgen dafür, dass man die Möbelstücke ineinander verhaken kann. In der Praxis funktioniert das leider nicht, da die Verbinder zu eng anliegen und sich zu weit in den Stoff der Sofa-Außenwand eindrücken. Deswegen müssen wir noch eine Art Unterlage besorgen. Ein paar Muttern wären wohl die eleganteste und hübscheste Lösung, doch stinknormale Holzbretter würden genauso gut funktionieren.

Liebe Grüße,

Benjamin

Endlich habe ich den chinesischen Führerschein!

Hallo,

bevor Haojing und ich wieder aus Chibi abreisten, lernten wir noch die Freundin vom Sohn des sechsten Onkels kennen. Sie war zu Besuch und wurde der Familie vorgestellt. Getroffen haben wir die beiden auf einem Basketballfeld, wo er sie wohl mit ein paar Körben beeindrucken wollte. Ich weiß zwar nicht mehr, wie sie heißt, aber sie war wirklich enorm schüchtern, wenn nicht sogar ängstlich. Da ich am Dienstag wieder arbeiten musste, habe ich leider einen tollen Tagesausflug verpasst. Haojing war mit dem Liebespaar und ein paar Familienmitgliedern in einer kleineren Stadt, die im traditionellen Stil gebaut wurde.

Am Dienstagabend beluden wir bereits das Auto. Wir packten noch ein paar Dinge ein, die wir beim letzten Besuch nicht mitnehmen konnten, unter anderem einen Staubsauger und ein Bügeleisen. Am folgenden Mittwoch fuhren wir in der Frühe los nach Xianning, wo meine Führerscheinprüfung stattfinden sollte. Obwohl wir sämtliche Papiere beisammenhatten, gab es bei der Anmeldung ein haarsträubendes Problem. Der zuständige Polizist wollte meinen deutschen Führerschein nicht anerkennen – und zwar aus einem Grund, der lächerlicher kaum sein könnte. In der Legende steht „4b“ für das Ablaufdatum des Führerscheins.

Da ich den normalen Führerschein für die Fahrzeugklasse „B“ habe, steht hinter diesem Feld natürlich das Ausstelldatum. Er hat daraus geschlossen, dass mein Führerschein zu diesem Zeitpunkt, also vor fast 13 Jahren, abgelaufen wäre. Nachdem wir ihm erklärt hatten, dass „4b“ und „B“ nicht dasselbe sind und ihm auf der Führerscheinvorderseite den tatsächlichen Punkt „4b“ zeigten, fand er das nächste Problem. Dahinter steht lediglich ein Strich, wie bei jedem anderen, der den normalen deutschen Führerschein vor 2013 gemacht hat. Er wollte einfach nicht verstehen, dass dieser Strich bedeutet, dass es kein Ablaufdatum gibt.

Laut ihm könne es unmöglich sein, dass eine Behörde einen Punkt für das Ablaufdatum auf den Führerschein schreibt, dort dann aber kein Ablaufdatum einträgt. Danach fand er in der Legende noch den Punkt „11“ („Gültig bis“). Als er dann sah, dass in den entsprechenden Feldern ebenfalls nichts eingetragen war, zweifelte er die Gültigkeit des Führerscheins komplett an. Es war zum Verzweifeln. Glücklicherweise habe ich eine taffe Ehefrau, die viele Leute kennt. Sie rief einen Bekannten an, der zufälligerweise den Chef der Führerscheinbehörde in Xianning kennt. Für ein wenig Schmiergeld, meldete er sich bei diesem.

Der zuständige Polizist verschwand kurz und kam schließlich – um einiges freundlicher gesinnt – wieder zu uns zurück. Als Gültigkeitsnachweis mussten wir nun einfach nur noch eine chinesischsprachige Website ausdrucken, auf der zu lesen ist, dass ab 2013 ausgestellte EU-Führerscheine eine Gültigkeit von 15 Jahren haben. Diese Regelung zählt zwar nicht für meinen Lappen, aber das war mir in diesem Fall total egal. Endlich wurde ich zur Prüfung zugelassen. Hierfür musste ich in einen abgesperrten Bereich gehen, wo Haojing nicht hineindurfte. Zu meinem Glück wurde ich sofort bis ganz nach vorne durchgewunken.

Ich kam in einen großen Saal, in dem mindestens 50 junge Chinesen die Prüfung an speziell dafür hergerichteten Computern gerade am Durchführen waren. Irgendwie schaffte ich es, den Prüfungsbeamten mitzuteilen, dass ich die Prüfung gerne auf Englisch absolvieren würde. Dann wurde ich an einen Platz gesetzt und fing an. Leider bewahrheitete sich meine Befürchtung, dass die englische Übersetzung der Übungsfragen nicht mit der englischen Übersetzung der echten Prüfungsfragen übereinstimmte. Die zahlreichen Antworten, die ich aufgrund von Wiederholung auswendig konnte, waren also wertlos.

Da ich einige Fragen nicht zu 100 Prozent verstand, war ich mir meiner Sache relativ unsicher. Die Übersetzung war schlecht und ich kenne natürlich auch nicht alle englischen Wörter. Letzten Endes habe ich die Prüfung dennoch zu meiner großen Erleichterung mit 97 Punkten bestanden. Auf meinen Führerschein musste ich keine zehn Minuten warten, weswegen ich sofort Autofahren durfte. Ich fuhr vier Stunden lang von Xianning in Richtung von Hefei, bis wir an einem Hotel haltmachten, damit ich einige Stunden arbeiten konnte. Anschließend fuhr Haojing für vier Stunden weiter, bis wir in der Nähe von Nanjing waren.

Das letzte Stück wurde dann wieder von meiner Wenigkeit übernommen. Nach vier weiteren Stunden – um 2 Uhr nachts – kamen wir endlich in Dayouzhen an. Ich fühlte mich glücklich und erleichtert, aber auch äußerst müde. Nun sind wir wieder in unserer Wohnung und der Alltag geht weiter. Im Moment ist es hier ungewöhnlich kalt. Man muss echt erfinderisch sein, um sich vor dem beißenden Wind zu schützen. Da wir alle Lebensmittel vor unserer Reise nach Chibi aufgebraucht hatten, war nun wieder Zeit zum Einkaufen. Darüber hinaus machten wir uns neues Schweineschmalz, das wir immer zum Braten verwenden.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Von frohen Osterwünschen zu etwas Quantenphysik!

Hallo,

zu Beginn dieses Beitrags wünsche ich meiner Leserschaft erst einmal ein frohes Osterfest. Hier in China ist das überhaupt kein Thema. Ich bin mir sogar sicher, dass die meisten Chinesen nicht einmal etwas davon wissen. Demgegenüber sind das chinesische Frühlings- und Mondfest in Europa wahrscheinlich auch nicht allzu bekannt. Erlebt habe ich in den zurückliegenden Tagen wieder jede Menge. Da wir im Moment noch in Chibi bei meiner Schwiegermutter hausen, haben wir quasi Urlaub – oder zumindest etwas ähnliches. Unter der Woche muss ich lediglich vier bis fünf Stunden vor meinem Laptop hocken und arbeiten.

Am Samstag gingen Haojing, ihre Mutter und ich einen Tempel besuchen, in dem eine Freundin meiner Schwiegermutter als buddhistische Nonne (Bhikkhuni) lebt. Sie hatte ein paar Probleme mit ihrem neuen Computer und ich sollte ihr helfen. Ich war überrascht, dass es eine richtig gute Maschine mit einem brandaktuellen, sehr performanten Prozessor war. Helfen konnte ich ihr leider nicht. Dennoch war sie mir sehr dankbar und wir tauschten ein paar Worte aus. Ich bin tatsächlich nachhaltig beeindruckt von ihrer Intelligenz. Dass sie technisch besonders versiert ist, bemerkte ich schon anhand des vorhandenen Equipments.

Sie besitzt einen wirklich modernen Computer, der ihr zu langsam war und sich deshalb eine SSD einbauen ließ. Darüber hinaus lässt sie ihren Tempel mit App-gesteuerten WLAN-Kamaras überwachen. Das alles hat sie eigenhändig eingerichtet. Das ist ziemlich cool für eine glatzköpfige Frau, die bestimmt mehr als 50 Jahre alt ist und in einem Tempel irgendwo im Bambuswald wohnt. Unser Gespräch entwickelte sich schließlich noch in eine ganz spannende Richtung. Sie begann über Quantenphysik zu sprechen und darüber, dass diese Dinge beschreibt, die im Buddhismus bereits seit tausenden Jahren bekannt sind.

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Dabei bezog sie sich darauf, dass es keine objektive Realität gibt und dass das, was wir Wirklichkeit nennen, erst dadurch entsteht, dass sie von einem bewussten Beobachter wahrgenommen wird. Zuvor ist diese nur eine surreale Möglichkeit im Meer aller Möglichkeiten. Sehr selten treffe ich auf einen Menschen, der so intelligent ist wie diese Nonne. Ich bin wirklich beeindruckt. Sie attestierte mir übrigens, dass ich bereits aus irgendeinem irdischen Kreislauf ausgebrochen wäre. An dieser Stelle kenne ich mich aber zu schlecht mit dem Buddhismus aus, um mehr darüber berichten zu können. Es ist aber ganz bestimmt etwas Postitives.

Bevor wir uns verabschiedeten durfte ich noch einem Ritual beiwohnen, bei dem ich schlussendlich eine Frage an Buddha stellen konnte. Ich musste meine Hände falten, mich mehrere Male verbeugen und hinknien. Anschließend warf die Nonne irgendein Gerät auf den Boden, dessen Ausrichtung mir glücklicherweise bescheinigte, es Wert zu sein, eine Frage an Buddha zu stellen. Ich musste mich auf eine Sache konzentrieren. Mir fiel nicht viel ein, weswegen ich mich einfach für „Glück“ entschied. Danach holte die Nonne einen Zettel aus einem kleinen Nebenraum, auf dem Buddhas Antwort zu lesen war.

Frei übersetzt steht Folgendes auf dem Zettel: „Du besitzt eine goldene Kugel, aber du möchtest damit unbedingt einen Vogel abschießen. Du triffst den Vogel nicht. Jetzt hast du keine goldene Kugel mehr.“ Unglücklicherweise ist das eine Nachricht, die eher negativ ausgelegt wird. Dementsprechend deprimiert waren die Anwesenden, da sie mir eine positivere Antwort gewünscht hatten. Mich stört das aber weniger, denn ich glaube nicht an ein deterministisches Universum. Vielleicht entpuppt sich diese Botschaft sogar als eine hilfreiche Warnung, um ein eventuell drohendes Unglück rechtzeitig abzuwenden.

Natürlich sind wir am Wochenende noch anderen Tätigkeiten nachgegangen. Als wir den Tempel wieder verließen, fuhren wir zu einem Freund meiner Schwiegermutter, der ein Stück Land direkt am See besitzt. Er fuhr Haojing und mich mit seinem Ruderboot ein gutes Stück über das Wasser. Unsere einzige Aufgabe bestand darin, ruhig in der Mitte sitzen zu bleiben. An den Abenden waren wir zweimal essen. Am Samstag luden wir ein paar Verwandte zum chinesischen Barbecue ein, während wir am Sonntag mit Haojings Freundin Yuan ein echt tolles Restaurant besuchten. Hinterher gingen wir drei noch am Flussufer spazieren.

Chibi ist eine wunderschöne Stadt. Wenn es in den Wintermonaten nicht so arschkalt wäre, könnte ich mir wirklich vorstellen, hier eine längere Zeit zu bleiben. Selbstredend würde dies eine eigene Wohnung voraussetzen, denn ich habe keine Lust darauf, bei meiner Schwiegermutter zu leben. Am Montag fuhren wir in einer kleinen Gruppe auf einen der nahegelegenen Berge. Als es mit dem Auto nicht mehr weiterging, absolvierten wir den Restweg zu Fuß. Eigentlich wollten wir vom Gipfel die tolle Aussicht genießen, doch leider machte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Der Nebel war schlicht und ergreifend zu dicht.

Am Mittwochmorgen findet meine Führerscheinprüfung statt. Ich fühle mich eigentlich recht sicher, wobei ich am Samstag bei einer Übungsprüfung mit 89 Punkten durchfiel. Dafür hatte ich am Sonntag zweimal die vollen 100 Punkte. In den gefühlt letzten 30 Testdurchläufen bin ich nur ein einziges Mal durchgefallen. Die Verkehrsregeln sind hierzulande recht ähnlich wie in Deutschland. Man setzt Fernlicht und Hupe allerdings wesentlich öfter ein. Außerdem gibt es da noch eine Übungsfrage (siehe Bildergalerie), die mich stutzig macht. Hat etwa auch in Deutschland der Linksabbieger an einer Kreuzung Vorfahrt?

Liebe Grüße,

Benjamin