Ein anstrengendes, schönes Wochenende ist vorbei!

Hallo,

wie ich bereits in meinem letzten Beitrag schrieb, hatten Haojing und ihre Arbeitskollegen im Vorfeld unheimlich viel Arbeit mit den Vorbereitungen auf den „Feldtag“. Einige Chinesen blieben sogar rund um die Uhr im Büro und hatten letzten Endes ihre Familien über eine Woche lang nicht gesehen. Ich hatte immerhin das Glück, dass meine Frau noch zum Übernachten nach Hause kam. Außerdem war ich öfters mit ihr und ihren Kollegen zu Abend essen. Mit großem Stolz kann ich verkünden, dass ich endlich ein chinesisches Bier gefunden habe, das wirklich gut schmeckt und das ich mir auch (gelegentlich) in Deutschland kaufen würde.

Es heißt „Tsingtao“ und hat tatsächlich einen Alkoholgehalt von sage und schreibe 4,2 Prozent. Das Bier ist zwar nicht ganz so herb wie ein gutes Pils, aber man kann es trotzdem genießen. Im Bier-Tasting, das ich irgendwann im Januar in Chibi durchgeführt habe, hätte ich für diese Sorte einen neuen Rang erfinden müssen, so sehr setzt es sich geschmacklich vom übrigen Rest ab. Für das Oktoberfest, das wir am Sonntagnachmittag veranstalteten, hatten wir neben den vier deutschen Biersorten ebenfalls ausreichend Tsingtao besorgt. Das hatte jedoch nicht nur geschmackliche, sondern natürlich auch kostentechnische Gründe.

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Am besten fange ich aber mit Freitagabend an. Da Haojing bereits total erschöpft war, hat sie mich gebeten, einen deutschen Kollegen nach Binhai in das 5-Sterne-Hotel zu fahren, in dem wenig später Julia Klöckner und ihre Delegation ankommen sollten. Ich bin dann also zum ersten Mal selbst mit dem Auto durch eine chinesische Großstadt gefahren und es klappte erstaunlich gut. Ich hatte allerdings Glück mit dem Verkehr. Außerdem ist Binhai auch nur laut deutscher Definition eine Großstadt. Am Samstagmorgen kam es dann zu einem kleinen Schockmoment: Früh morgens hatte Haojing einen (ungefährlichen) Autounfall.

Sie übersah an einer Ausfahrt einen kleinen Dreiradler und fuhr einfach in diesen hinein, woraufhin er umkippte. Glücklicherweise kam es nur zum Sachschaden, aber das dringend benötigte Projektauto musste in die Werkstatt und Haojing wollte nicht mehr fahren. Sie besorgte ein Ersatzauto für das Wochenende und ich übernahm sämtliche Fahrdienste. Also musste ich früh morgens in Eile aufstehen und meine Chauffeur-Künste auspacken. Nachdem wir endlich in der Maschinenstation ankamen, wo der Empfang der deutschen Ministerin stattfinden sollte, konnten wir einen großen, roten Teppich bewundern.

Es dauerte nicht lange, dann kamen Frau Klöckner und ihre zirka 60 Personen zählende Delegation an. Die Chinesen inszenierten ihren Einmarsch, als wäre sie eine Kaiserin. Meiner Meinung nach sind Minister nicht so wichtig. Für ihren Besuch wurden jedenfalls Unmengen an Geldern sowie Ressourcen verschwendet und eigentlich wurden nur zahllose Hände geschüttelt und Dinge besprochen, die man auch am Telefon hätte besprechen können. Nach einigen Reden und künstlerischen Darbietungen fuhren wir hinaus auf die Felder. Dort hatte die Huanghai-Farm bereits mehrere Stationen für den „Feldtag“ aufgebaut.

Wir gingen nach und nach jede Station ab. Dabei versuchte Julia Klöckner stets sehr interessiert zu wirken und stellte manchmal auch eine Rückfrage. Auf mich wirkte das allerdings sehr aufgesetzt. Meine Frau glänzte währenddessen mit einer wirklich guten Übersetzung. Anschließend gingen wir alle noch gemeinsam zum Mittagsbuffet. Kurz darauf musste unsere Ministerin allerdings schon wieder abreisen, um ihren Flug nach Shanghai zu erwischen. Am Nachmittag gingen wir die Stationen erneut ab. Diesmal wurden auch die großen Landmaschinen demonstriert, weil die Beteiligten schlicht und ergreifend mehr Zeit hatten.

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Am Abend fuhren wir erneut in das 5-Sterne-Hotel in Binhai, wo es ein hochklassiges Abendessen gab. Der erste Veranstaltungstag wurde als großer Erfolg gefeiert. Am zweiten Tag absolvierte ich wieder zahlreiche Fahrdienste und half den gesamten Vormittag dabei, das Oktoberfest vorzubereiten. Dabei hatte ich mehrfach die Gelegenheit, meine Chinesisch-Kenntnisse in der Praxis einzusetzen und lernte verschiedene neue Leute kennen. Obwohl es lange Zeit nicht danach aussah, als würden wir rechtzeitig mit den Vorbereitungen fertig werden, schafften wir es, bevor die zirka 200 Gäste von der Feldbesichtigung zurückkehrten.

Da sich Haojing dazu bereiterklärte, im Anschluss an die Feierlichkeiten zurückzufahren, konnte ich endlich ein Bier trinken. Anhand der Bilder ist gewiss zu erkennen, dass ich es nicht bei einem Bier belassen habe. Im Vorfeld hatte die chinesische Seite Angst davor, dass das Oktoberfest ein Reinfall würde. Zum Glück bestätigten sich diese Befürchtungen nicht und es wurde ein voller Erfolg. Selbst die so skeptische Chefetage hatte sichtlich Spaß und Freude. Leider machten wir bereits nach etwa zwei Stunden Feierabend. Hoffentlich kommen auf Haojing und die Mitarbeiter der Huanghai-Farm nun ruhigere Wochen zu.

Liebe Grüße,

Benjamin

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