Der letzte Beitrag vor meiner Wiederkehr!

Hallo,

heute verfasse ich meinen letzten Beitrag, bevor ich am Wochenende nach Deutschland fliegen werde. Bevor ich zu meinen Erlebnissen während der zurückliegenden Tage komme, möchte ich ein kleines Zwischenfazit ziehen. Mein Eindruck vom Leben in China ist eher durchwachsen. Als Deutscher ist man geneigt, diesen Umstand der „bösen“ chinesischen Regierung zuzuschreiben, doch dem ist nicht so. Ich persönlich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Unterdrückung oder eingeschränkter Freiheit. Einzig die offensichtliche Internetzensur, die man aber ziemlich einfach umgehen kann, hat mich gestört.

Tatsächlich habe ich viel mehr Probleme mit den Menschen selbst, also mit den hiesigen Gepflogenheiten. Aus der Sicht eines Deutschen, sind Chinesen unheimlich unorganisiert, weltfremd und zwanghaft. An dieser Stelle kommt natürlich noch verstärkend hinzu, dass ich hier auf dem Land lebe. In einer Großstadt sähe das wohl etwas anders aus. Ich bin mir allerdings sicher, dass ich diese Kritikpunkte dennoch anbringen würde. Außerdem vermisse ich inzwischen das heimische Essen. Wenn ich mit einem Chinesen darüber rede, kann er das nicht verstehen, weil die chinesische Küche schließlich so umfangreich sei.

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Das ist zwar an und für sich nicht falsch, aber das macht die Abwesenheit meiner heimischen Lebensmittel trotzdem nicht wett. Selbstredend gibt es hierzulande auch gewisse Vorzüge. Das mobile Internet ist überall superschnell und diese „kriminellen“ Freivolumen gibt es auch nicht. Ich habe seit meiner Ankunft im Dezember umgerechnet 20 Euro für Mobilfunk bezahlt, was auch für chinesische Verhältnisse günstig ist – und alles ist „unlimited“. Darüber hinaus sind die Chinesen sehr freundlich, zuvorkommend und es ist ihnen scheißegal, wenn man seine Einkäufe mit versiffter Jogginghose und Anzugsschuhen erledigt.

Momentan ist es in Jiangsu außergewöhnlich kalt. Es ist mittlerweile Juli und meistens bleiben die Temperaturen unter 30 Grad Celsius. Dabei liegen wir hier auf demselben Breitengrad wie Nordafrika. Darüber möchte ich mich allerdings nicht beschweren, denn das finde ich eigentlich ganz angenehm. Ich habe übrigens erste Rückmeldungen von den Eltern der Kinder, denen ich Englisch versuche beizubringen, bekommen. Sie mögen mich scheinbar so sehr, dass sie morgens schon eine halbe Stunde vorher unbedingt losfahren möchten. Obwohl ich eigentlich überhaupt nicht weiß, was ich tue, mache ich scheinbar alles richtig.

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Da Haojing und ich uns im Sommer für eine längere Zeit nicht sehen werden, haben wir uns einen schönen Samstag in Binhai gegönnt. Ich habe mich sogar dazu bereiterklärt, mit ihr shoppen zu gehen. Dazu sollte man wissen, dass es fast keine Beschäftigung auf der Welt gibt, die ich mehr verachte. Leider ist meine Frau sehr wählerisch. Wir besuchten also über Stunden hinweg dutzende von Läden und kauften letzten Endes zwei Teile. Im Anschluss an diese Odyssee gingen wir ins Kino und schauten uns irgendeinen Hongkong-Film mit englischem Untertitel an, bei dem es um die Bekämpfung des Drogenkartells ging.

Hinterher gingen wir noch in ein wirklich sehr gutes Restaurant zu Abend essen. Wir bekamen beide einen kleinen Kochtopf, dessen Inhalt durch einen in den Tisch eingebauten Mini-Induktionsherd erhitzt wurde. Dort hineinlegen konnten wir eigentlich alles, was uns lieb ist. Wir entschieden uns jedoch für verschiedene Fleisch-, Fisch- sowie Gemüsesorten. Es gab auch eine gute Weinkarte, doch da ich Haojing versprochen hatte, nach Dayouzhen zurückzufahren, verzichtete ich auf Alkohol. Alles in allem war es ein wirklich gelungener Samstag. Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr auf meine bevorstehende Deutschlandreise.

Liebe Grüße,

Benjamin

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