Eigentlich ist China gar nicht so schlimm…

Hallo,

mehr oder weniger überraschend musste ich in den vergangenen zweieinhalb Wochen feststellen, dass ich viele Dinge, die mich vor meiner Deutschlandreise am Leben in China genervt haben, gar nicht mehr so schlimm finde. Diese fallen mir natürlich nach wie vor auf, doch irgendwie stören sie mich weniger als zuvor. Das mag daran liegen, dass der längere Aufenthalt in meiner alten Heimat das berüchtigte Fass, das überzulaufen drohte, wieder geleert hat. Jedenfalls macht sich inzwischen ein leichtes Heimatgefühl bemerkbar, wenn ich durch die Straßen von Dayouzhen schlendere, obwohl die schönen Ecken äußerst rar gesät sind.

Um diese Sache besser einordnet zu können, muss ich natürlich ein paar Monate abwarten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir meine Sehnsucht nach der Eifel irgendwann wieder meinen Chinaaufenthalt madig machen wird. Summa summarum habe ich mich inzwischen aber eingelebt. Ich schlafe wieder ordentlich. Die letzten drei Nächte bekam ich sogar eine ausreichende Menge Schlaf, da Haojing zurzeit auf einer Geschäftsreise ist. Vielleicht sollten wir wirklich mal das Bett im Gästeschlafzimmer zurechtmachen, damit ich ab und zu ausschlafen kann. Dafür müssten wir den Raum aber erst einmal gründlich entrümpeln.

In Deutschland habe ich mir einen neuen Tischtennisschläger gekauft. Das war bitter nötig, da mein alter bereits drei Jahre alt war. Mit dem Holz war ich sehr zufrieden, weswegen ich mir für meinen neuen Schläger das gleiche ausgewählt habe. Allerdings bin ich von einer geraden auf eine konkave Griffform gewechselt. Damit verliere ich zwar ein wenig an Flexibilität, doch so sitzt der Schläger fester in der Hand. Meine neuen Beläge auf Vor- und Rückhand sind wesentlich härter und schneller als zuvor. Das macht das Handling allgemein schwieriger, meine Schläge dafür aber besser. An das neue Spielgefühl muss ich mich noch gewöhnen.

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In der Praxis funktioniert es ganz gut. Im Training komme ich gegen manche Gegner besser, gegen andere schlechter parat. Vor allem die Aufschlagannahme und der Topspin gestalten sich viel schwieriger. Das Schnittspiel und das Draufschlagen sind demgegenüber wesentlich einfacher. Im Anschluss an das Training letzten Sonntag, haben mich meine Kollegen zum Essen eingeladen. Es war sehr lecker, doch es ist mir immer noch ein Rätsel, wieso Chinesen so sehr auf Fisch abfahren, der mit kleinen, spitzen Gräten völlig durchsetzt ist. Nach jedem Stück muss man minutenlang im Mund die Gräten ausfindig machen und herausholen.

Momentan haben wir recht angenehmes Wetter. Man kommt zwar schon ins Schwitzen, doch irgendwie fühlen sich 30 Grad Celsius hier anders an als 30 Grad Celsius in Deutschland. Ich glaube, dass die hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit dem Wind einen kühlenden Effekt hat. Die Pflanzenwelt erfreut sich ebenfalls am hiesigen Klima. Ich vermute, dass wir aktuell die schönste Jahreszeit in Jiangsu haben. Die Bäume in der Parkanlage tragen ein Blätterkleid in kräftigen Grüntönen und zahlreiche Blumen sind in den verschiedensten Farben am Blühen. Sonne und Wolken wechseln stets und gelegentlich ergießt sich ein Regenschauer.

Meine Frau ist zurzeit in Harbin, einer Millionenstadt ganz im Norden von China. Dort ist es ein gutes Stück kälter als bei uns. Sie muss für eine deutsche Delegation, die irgendwelche Felder besichtigt, dolmetschen. In ihrer Abwesenheit muss ich mein Frühstück leider selbst zubereiten. Ich esse jeden Morgen fünf Spiegeleier mit Tomaten. Abends esse ich gebratenes Gemüse und als Nachtisch gibt es zurzeit Heidelbeeren mit Käse. Seit ich wieder in China bin, habe ich übrigens vier Kilogramm abgenommen. Allerdings fliegen wir kommende Woche nach Chibi, wo mich Haojings Familie wohl wieder mit Essen und Schnaps abfüllen will.

Liebe Grüße,

Benjamin

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