Ein wenig Hysterie vor den Feierlichkeiten!

Hallo,

in meinem letzten Beitrag habe ich jede Menge Wut rausgelassen. Inzwischen hat sich meine miese Stimmung wieder gelegt. Das heißt nicht, dass ich die Vorkommnisse von letzter Woche auf einmal gutheiße, sondern lediglich, dass ich jetzt wieder gut gelaunt bin. Dennoch sollte bedacht werden, dass der aufgezwungene Wochenendurlaub aus Sicht der Chinesen ein sehr großzügiges, wohlgemeintes Geschenk an Haojing und mich war. In Dayouzhen hat sich während unserer Abwesenheit nicht allzu viel getan. Eigentlich ist noch alles beim Alten. Dementsprechend musste ich am Dienstag wieder im Klassenzimmer antreten.

Am zweiten Wochentag unterrichte ich immer den älteren Jahrgang der Vorschule. Die Kinder sind ungefähr sechs Jahre alt. Bislang hatte ich mit ihnen die Zahlen von eins bis zehn, die Bezeichnungen für einige Tiere und einen einfachen Begrüßungsdialog durchgenommen. An diesem Tag fingen wir mit Obst und Gemüse an. Natürlich wird es noch einige Unterrichtsstunden dauern, bis die neuen Wörter sitzen. Mit dem jüngeren Jahrgang, den ich regelmäßig donnerstags unterrichte, bin ich noch nicht so weit. Das liegt einerseits daran, dass sie jünger sind, und andererseits daran, dass mir die zweite Klasse erst später zugeteilt wurde.

Letzte Woche Dienstag fragte mich die Klassenlehrerin, ob ich nach dem Unterricht noch Basketball mit den Kindern spielen könnte. Eigentlich wollte ich nach Hause gehen, aber um nicht unhöflich zu sein, sagte ich für 20 Minuten zu. Das hat sich gelohnt, denn es hat echt Spaß gemacht. Ein Großteil der Kinder hat mittlerweile keine Angst mehr vor mir. Wir haben den Ball hin und her gespielt und abwechselnd auf die Körbe geworfen. Leider traf ich auch mal einen kleinen Jungen im Gesicht (man muss halt vorsichtig sein), aber sonst war es wirklich eine angenehme Erfahrung. Ich konnte es kaum glauben, dass die Zeit so schnell vorbeiging.

Letzte Woche war wieder eine Art Straßenmarkt in unserem Heimatort. Auf einer der beiden Hauptstraßen werden dann immer mehrere Verkaufsstände aufgebaut. Gekauft habe ich mir dort noch nie etwas. Die Preise sind vermutlich sehr günstig, doch ich sehe es nicht ein, mir etwas zu kaufen, das ich nicht wirklich brauche. Nur etwas zu kaufen, weil es günstig ist, ist nämlich alles andere als genügsam. An einem anderen Tag fuhren meine Frau und ich noch an eine künstliche Teichanlage, die extra für den Besuch der deutschen Landwirtschaftsministerin innerhalb von drei Tagen aus dem Boden gestampft wurde.

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Am Wochenende waren wir noch mit drei von Haojings Arbeitskollegen in einem Restaurant in Binhai Hot Pot essen. Es war sehr lecker. Ich finde es jedes Mal erstaunlich, was die Chinesen alles essen. Hierzu zählen die verschiedensten Innereien und Pflanzen, bei denen man in anderen Teilen der Welt wohl nicht mal auf die Idee käme, diese zu verspeisen. Leider kam es in der vergangenen Woche auch zu einer leicht prekären Situation. Da sich der chinesische Nationalfeiertag näherte, wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Dazu zählte unter anderem auch ein Check, ob die Ausländer dort wohnen, wo sie gemeldet sind.

Weil wir mich Anfang des Jahres aus dämlichen Gründen in Chibi melden mussten, bekam meine Schwiegermutter einen unangenehmen Anruf von der lokalen Polizei. Sie sagte, dass ich verreist wäre. Das war eine schlechte Antwort und führte dazu, dass ich wohl zurück nach Chibi hätte fliegen müssen, um mich bei den zuständigen Ämtern zu melden. Zum Glück ließ Haojing ihre Kontakte spielen. Einer ihrer Cousins ist gut mit dem zuständigen Polizisten befreundet und regelte die Angelegenheit noch rechtzeitig. Wir hatten Glück, dass meine Abwesenheit noch nicht an die nächsthöhere Instanz gemeldet worden war.

Liebe Grüße,

Benjamin

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