Ich wurde chirurgisch bearbeitet!

Hallo,

zu Beginn der letzten Woche ist bei uns gar nicht so viel passiert und alles war eigentlich ganz normal. Erwähnenswert ist allerdings das herbstliche Wetter, das nun auch in Jiangsu herrscht. Das Thermometer steigt tagsüber nur noch selten auf über 20 Grad Celsius an. Nachts ist es sogar richtig kühl. Es kann aber sein, dass das Wetter in den kommenden Wochen wieder etwas wärmer wird. Bald beginnt die zweite Erntezeit für dieses Jahr, weswegen Haojing wohl wieder viel Zeit mit Organisieren und Übersetzen verbringen muss. Das ist zwar schade, doch die Arbeit bereitet ihr auch Freude. Ich kann mich währenddessen gemütlich entspannen.

Da mich bereits seit längerer Zeit ein tiefsitzender, entzündeter Pickel an einer ungewöhnlichen Stelle am Bauch plagte, suchte ich am Freitag das nächste Krankenhaus auf, um mir dieses sogenannte Atherom herausnehmen zu lassen. Eigentlich wollte ich das während meines nächsten Deutschlandaufenthalts durchführen lassen, doch ich wollte dann doch keine zwei Monate mehr warten. Darüber hinaus möchte ich den Urlaub in meiner alten Heimat nicht unbedingt mit Arztterminen und Schmerzen verschwenden. Haojing und ich mussten nicht lange warten, bis wir an der Reihe waren und der Arzt mich untersuchte.

Hierzu muss man wissen, dass in China noch sehr viele traditionelle Methoden Anwendung finden. Der Arzt ertastete meinen Puls am Daumen und leitete aus meinem Energiefluss (Chi) ab, dass meine Lunge und meine Leber geschwächt wären. Zwar habe ich großen Respekt vor der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und lehne das Energiekörperkonzept ebenfalls nicht kategorisch ab, doch von manchen Praktiken halte ich eher wenig. Es ist mir schleierhaft, wie man Schwächen in bestimmten Organen durch Fingerauflegen erfühlen können soll. Um meine Lungen und Leber langfrisitig zu stärken, muss ich nun dreimal am Tag eine bestimmte Medizin einnehmen.

Dabei handelt es sich um einen dickflüssigen Cocktail aus bitterschmeckenden Kräutern. Das Zeug ist widerlich. Als Kaffeetrinker kann ich über die Bitterstoffe aber nur lachen. Letztendlich probiere ich diese Therapie trotz aller Zweifel aus. Einerseits könnte ich falsch liegen und die Stärkung meiner Lungen und Leber behebt tatsächlich sämtliche Wehwehchen. Andererseits tu ich meiner Gesundheit mit bitteren Kräutercocktails gewiss nichts Schlechtes. Nach der exotischen Diagnosesitzung kamen wir allerdings zurück auf mein akutes Problem, das chirurgisch entfernt werden musste. Bereits im Vorfeld war mir klar, dass die Sache unangenehm würde.

Der Operationssaal war klein und wirkte irgendwie schäbig, das Besteck machte jedoch einen sterilen Eindruck. Da die Region recht entzündet war, musste die lokale Betäubungsspritze leider (mehrfach) in äußerst schmerzempfängliches Gewebe gestochen werden. Überdies wirkte der behandelnde Arzt nicht gerade erfahren. Leider war die Betäubung nicht ausreichend, weswegen ich während des Eingriffs immer wieder die Zähne zusammenbeißen musste. Im weiteren Verlauf gesellte sich ein älterer Arzt hinzu, der sein Handwerk offensichtlich besser verstand. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich die kleine Operation zum Glück gut überstanden.

Seitdem erhole ich mich und es geht mir jeden Tag ein Stück besser. Die Wunde verheilt gut, doch sie wird natürlich eine fette Narbe zurücklassen. Da ich mich schonen musste, verbrachte ich viel Zeit am Computer, um unser Haus mit Hilfe von CAD zu modellieren. Meine Frau hatte diesbezüglich eine ziemlich genaue Vorstellung, weswegen ich hinsichtlich Form und Größe nur wenig protestierte. Unser Antrag auf Umbau wurde unlängst genehmigt, weswegen die Bauarbeiten demnächst beginnen werden. Sobald ich die Zeichnungen (mit sämtlichen Bemaßungen) fertiggestellt habe, leiten wir diese an Haojings Onkel weiter und die Bauarbeiten gehen los.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

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