Heute hole ich zum Rundumschlag aus!

Hallo,

in meinem letzten Beitrag resümierte ich, dass das Leben in China eigentlich gar nicht so schlecht ist und ich vor meinem Deutschlandurlaub wahrscheinlich einfach unter einem gewissen Heimatentzug litt. Diese vermeintliche Feststellung möchte ich hiermit (teilweise) revidieren. Vielmehr kann ich wiedermal genau das bestätigen, was mir bereits in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen war: Der Umgang mit den Chinesen und deren Gepflogenheiten ist für mich schlicht und ergreifend ein Graus. Doch anstatt direkt zum Punkt zu kommen, der das Fass definitiv zum Überlaufen brachte, schildere ich meine vergangene Woche der Reihe nach.

Nach überstandener Krankheit, die zwar heftig, aber kurz ausfiel, reisten wir anlässlich des Mondfestes mit etwas Verspätung zu Haojings Familie nach Chibi. Bereits im Vorfeld war klar, dass ich während dieser Woche nicht vollständig auf Alkohol und Kohlenhydrate verzichten konnte, weswegen ich wenige geplante Ausnahmen in mein Ernährungsparadigma einbauen musste. Das funktionierte erstaunlich gut. Allem Anschein nach ist das Mondfest wesentlich unbedeutsamer als das Frühlingsfest. Einige Verwandte waren in der Woche gar nicht erst angereist und es wurde auch nicht so aufwendig aufgetischt wie ich erwartete.

Beim berüchtigten Mondkuchen handelt es sich übrigens nicht um einen selbstgebackenen Kuchen, sondern lediglich um kleines, abgepacktes, keksähnliches Gebäck. Das hätte mir eigentlich im Vorfeld klar sein können, da es hierzulande sowieso nicht der Norm entspricht, selber zu backen oder überhaupt einen Ofen zu besitzen. In Chibi war es sehr heiß. Wir hatten Tag und Nacht Temperaturen um die 35 Grad Celsius und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Durch das Schlafen unter der Klimaanlage fing ich mir zu meinem Übel eine unangenehme Erkältung ein, die mir wirklich starke Kopfschmerzen bescherte. Medikamente hatten wir leider nicht dabei.

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Deswegen kaufte Haojing für mich Schmerztabletten aus einer chinesischen Apotheke. Zunächst hatte ich ein paar Bedenken, jene auch einzunehmen. Da diese aber sowieso weltweit nach industriellen Standards hergestellt werden, sind sie wahrscheinlich auch überall gleichermaßen gesundheitsgefährdend. Jedenfalls haben mir die Tabletten wirklich gut gegen die Schmerzen geholfen und ich konnte mich erholen. Relativ schnell war ich wieder gesund. Meine Frau und ich wollen in Zukunft gerne ein Haus in Deutschland und in China aufbauen. Für letzteren Standort haben wir inzwischen konkrete Pläne geschmiedet.

Das Haus, in dem Haojing aufgewachsen ist, liegt in einem kleinen Bergdorf, etwa 30 Minuten von Chibi entfernt. Mittlerweile ist es baufällig und kann nicht mehr bewohnt werden. Wir wollen es abreißen und dort ein neues Haus hinsetzen. Da es ein Naturschutzgebiet ist, darf dort offiziell kein Neubau errichtet werden, weswegen wir unser kleines Projekt als Umbau bei den zuständigen Behörden durchboxen wollen. Die erste Instanz hat uns bereits grünes Licht gegeben, von der zweiten erhielten wir bis dato keine Rückmeldung. Die Lage ist perfekt. Dort gibt es einen kleinen Bergsee und einen riesigen Bambuswald.

Wir möchten gerne in einem modernen Haus leben, das mit Wasser, Strom, Klimaanlage, Fußbodenheizung und natürlich Glasfaserinternet ausgestattet ist. Auch eine anständige Isolierung, wie sie in China eher unüblich ist, haben wir selbstredend eingeplant. Da einer von Haojings Onkeln ein Bauunternehmen leitet, steht der Realisierung eigentlich nur noch die ausstehende Genehmigung im Wege. Das Ganze wird wahrscheinlich sogar schneller vonstattengehen als mir lieb ist. Eigentlich hatte ich mich noch nicht darauf eingestellt, ein Haus zu bauen, doch je länger wir warten, desto eher wird unser Antrag auf Umbau abgelehnt.

Nun möchte ich aber zu den Dingen kommen, über die ich mich in China schon so oft kolossal aufgeregt habe. Immer wieder, wenn wir bei meinen Schwiegereltern zu Besuch sind, wird mir am eigenen Leib demonstriert, wie fürchterlich fremdbestimmt das Leben der Chinesen ist. Die Eltern entscheiden darüber, was ihre Kinder machen, selbst wenn sie – wie in unserem Fall – schon 30 Jahre alt sind. Wenn die Schwiegermutter sagt, dass wir jetzt ins Restaurant fahren, um zu Essen, dann wird das gemacht. Wenn die Schwiegermutter sagt, dass wir jetzt beliebige Verwandte besuchen fahren, dann wird das auch gemacht.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man eigene Pläne gemacht hat oder diese bereits am Durchführen ist. In jenem Fall wird man angerufen und nach Hause beordert, um genau das zu unternehmen, wonach die Schwiegermutter gerade verlangt. Vieles davon liest sich zunächst wohl erträglicher als es sich tatsächlich anfühlt. An dieser Stelle sollte man bedenken, dass derartige Kommandos jederzeit, vollkommen aus dem Nichts heraus, eintreffen und dass sich ein schwiegermütterlicher Plan von jetzt auf gleich wieder komplett ändern kann. Summa summarum führt das zu einem absolut unorganisierten, bedrückenden Tagesablauf.

Anhand dieser Beschreibung könnte man meinen, ich würde Haojings Mutter nicht mögen, doch dem ist nicht so. Vielmehr handelt es sich um eine Eigenart der chinesischen Familienkultur, die für mich absolut unvereinbar mit Wohlbefinden ist. Deshalb reise ich nicht gerne nach Chibi und ich war sehr froh darüber, als wir am Samstag endlich nach Hause fliegen konnten. Doch unglücklicherweise war die Odyssee noch nicht vorbei. Wie sich meine Leserschaft sicherlich erinnert, wurde uns im Juli für zwei Wochen ein Au-Pair-Junge gewissermaßen aufgezwungen. Als Dankeschön wollte uns seine Familie vom Flughafen abholen und zum Essen einladen.

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Darauf hatte ich eigentlich überhaupt keine Lust, da ich endlich nach Hause wollte und wegen des frühmorgendlichen Flugs auch nur zwei Stunden Schlaf intus hatte. Dennoch sagte ich zu, weil wir bereits mehrfach abgesagt hatten und sie uns immer wieder einladen würden. Auf einmal hieß es, dass sie noch gerne mit uns in einen Park fahren würden. Nur kurze Zeit später, als wir uns mit sämtlichem Gepäck bereits im Auto befanden, wurde uns mitgeteilt, dass die Familie das ganze Wochenende in diesem Park bleiben würde und schon ein Zimmer für Haojing und mich gebucht hätte. Das Auto war quasi dorthin unterwegs.

Über diesen auf unfassbare Weise aufgezwungenen Kurzurlaub habe ich mich dermaßen aufgeregt, das glaubt mir keiner. Natürlich habe ich die Wut schön in mich hineingefressen, weil ich keine Szene machen wollte, aber ich bin auch jetzt – zwei Tage später – noch auf 180. Dabei spielt es keine Rolle, dass dieser Park wirklich schön war und wir auch weite Teile des Wochenendes genießen konnten. Es geht mir einfach darum, dass das Leben in China fremdbestimmt und scheinheilig bis zum Gehtnichtmehr ist. Mit voller Absicht haben uns diese Leute in eine Situation gebracht, in der wir einfach nicht mehr absagen konnten.

An diesem Samstag hatten Haojing und ich übrigens unseren ersten Hochzeitstag. Deswegen versuchte ich, meinen Ärger zu vergessen und die Zeit ein wenig zu genießen. Der Park bestand aus einem großen, künstlich angelegten Wald, durch den man zu Fuß gehen oder sich mit einem kleinen Elektrobus fahren lassen konnte. Tagsüber sind wir unter anderem Tretboot gefahren und waren in einem guten Restaurant essen. Ich hatte Steak. Am Abend fand eine Show mit Live-Musik statt. Am Sonntagnachmittag ging es nach einem großen Abschiedsessen schließlich nach Hause. Abends war ich geplättet, aber glücklich, endlich zurück zu sein.

Liebe Grüße,

Benjamin

Eigentlich ist China gar nicht so schlimm…

Hallo,

mehr oder weniger überraschend musste ich in den vergangenen zweieinhalb Wochen feststellen, dass ich viele Dinge, die mich vor meiner Deutschlandreise am Leben in China genervt haben, gar nicht mehr so schlimm finde. Diese fallen mir natürlich nach wie vor auf, doch irgendwie stören sie mich weniger als zuvor. Das mag daran liegen, dass der längere Aufenthalt in meiner alten Heimat das berüchtigte Fass, das überzulaufen drohte, wieder geleert hat. Jedenfalls macht sich inzwischen ein leichtes Heimatgefühl bemerkbar, wenn ich durch die Straßen von Dayouzhen schlendere, obwohl die schönen Ecken äußerst rar gesät sind.

Um diese Sache besser einordnet zu können, muss ich natürlich ein paar Monate abwarten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir meine Sehnsucht nach der Eifel irgendwann wieder meinen Chinaaufenthalt madig machen wird. Summa summarum habe ich mich inzwischen aber eingelebt. Ich schlafe wieder ordentlich. Die letzten drei Nächte bekam ich sogar eine ausreichende Menge Schlaf, da Haojing zurzeit auf einer Geschäftsreise ist. Vielleicht sollten wir wirklich mal das Bett im Gästeschlafzimmer zurechtmachen, damit ich ab und zu ausschlafen kann. Dafür müssten wir den Raum aber erst einmal gründlich entrümpeln.

In Deutschland habe ich mir einen neuen Tischtennisschläger gekauft. Das war bitter nötig, da mein alter bereits drei Jahre alt war. Mit dem Holz war ich sehr zufrieden, weswegen ich mir für meinen neuen Schläger das gleiche ausgewählt habe. Allerdings bin ich von einer geraden auf eine konkave Griffform gewechselt. Damit verliere ich zwar ein wenig an Flexibilität, doch so sitzt der Schläger fester in der Hand. Meine neuen Beläge auf Vor- und Rückhand sind wesentlich härter und schneller als zuvor. Das macht das Handling allgemein schwieriger, meine Schläge dafür aber besser. An das neue Spielgefühl muss ich mich noch gewöhnen.

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In der Praxis funktioniert es ganz gut. Im Training komme ich gegen manche Gegner besser, gegen andere schlechter parat. Vor allem die Aufschlagannahme und der Topspin gestalten sich viel schwieriger. Das Schnittspiel und das Draufschlagen sind demgegenüber wesentlich einfacher. Im Anschluss an das Training letzten Sonntag, haben mich meine Kollegen zum Essen eingeladen. Es war sehr lecker, doch es ist mir immer noch ein Rätsel, wieso Chinesen so sehr auf Fisch abfahren, der mit kleinen, spitzen Gräten völlig durchsetzt ist. Nach jedem Stück muss man minutenlang im Mund die Gräten ausfindig machen und herausholen.

Momentan haben wir recht angenehmes Wetter. Man kommt zwar schon ins Schwitzen, doch irgendwie fühlen sich 30 Grad Celsius hier anders an als 30 Grad Celsius in Deutschland. Ich glaube, dass die hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit dem Wind einen kühlenden Effekt hat. Die Pflanzenwelt erfreut sich ebenfalls am hiesigen Klima. Ich vermute, dass wir aktuell die schönste Jahreszeit in Jiangsu haben. Die Bäume in der Parkanlage tragen ein Blätterkleid in kräftigen Grüntönen und zahlreiche Blumen sind in den verschiedensten Farben am Blühen. Sonne und Wolken wechseln stets und gelegentlich ergießt sich ein Regenschauer.

Meine Frau ist zurzeit in Harbin, einer Millionenstadt ganz im Norden von China. Dort ist es ein gutes Stück kälter als bei uns. Sie muss für eine deutsche Delegation, die irgendwelche Felder besichtigt, dolmetschen. In ihrer Abwesenheit muss ich mein Frühstück leider selbst zubereiten. Ich esse jeden Morgen fünf Spiegeleier mit Tomaten. Abends esse ich gebratenes Gemüse und als Nachtisch gibt es zurzeit Heidelbeeren mit Käse. Seit ich wieder in China bin, habe ich übrigens vier Kilogramm abgenommen. Allerdings fliegen wir kommende Woche nach Chibi, wo mich Haojings Familie wohl wieder mit Essen und Schnaps abfüllen will.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich stehe wieder im Klassenzimmer!

Hallo,

inzwischen sind wir bereits seit zwei Wochen wieder in China und zu unserem großen Glück können wir nachts wieder zu unseren gewohnten Uhrzeiten einschlafen. Der Jetlag ist also endlich überwunden. Das mindert allerdings nicht die missliche Tatsache, dass ich in China generell eher schlecht schlafe. Ich weiß nicht genau, woran das liegt, aber es spielen wohl zahlreiche Faktoren eine Rolle. Einerseits sind die Matratzen generell sehr hart. Andererseits stehen die Chinesen sehr früh auf und verursachen bereits in den Morgenstunden enorm viel Lärm, den das äußerst schlecht gedämmte Haus kaum abzuschwächen vermag.

Des Weiteren sind Jalousien, die den Raum vollständig abdunkeln, hierzulande einfach nicht gängig. Sobald es anfängt zu dämmern, ist mir unser Schlafzimmer für einen erholsamen Schlaf also bereits zu hell. Wenn man nun berücksichtigt, dass ich seit jeher ein bis zwei Stunden brauche, um überhaupt einschlafen zu können, wird mein Problem offensichtlich: Ich schlafe zu spät ein und kann nicht einmal anständig ausschlafen. Auf längere Dauer kann das nicht so gut sein, weswegen ich demnächst eine Schlafmaske ausprobieren möchte. Ohrstöpsel kommen für mich jedoch aus anderweitigen Gründen leider nicht infrage.

Momentan kursiert eine Schweinekrankheit durch das Land, an der – Gerüchten zufolge – bereits Menschen gestorben sind. Deswegen wurde bei uns der gesamte Schweinebestand notgeschlachtet. Das führt natürlich zu einer gewissen Knappheit. Natürlich kann ich auf das Fleisch verzichten, doch leider wird unser selbstgemachtes Bratfett langsam knapp. Da Haojing weder Rind noch Milchprodukte isst und ich unter keinen Umständen flüssige Pflanzenöle erhitzen möchte, haben wir kaum Optionen. Zu unseren Möglichkeiten zählen noch unverarbeitetes Kokosöl, Palmöl oder auch Gänseschmalz. Doch diese Fette sind in China nicht einfach zu bekommen.

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Die Schweinefleischknappheit besitzt allerdings auch durchaus positive Seiten: Die kulinarische Auswahl an anderen Tieren steigt rapide. Ich hatte bereits zweimal gegrilltes Lammbein. Dieses verfügt über ein besonders großes Stück aus zusammenhängendem, zartem Fleisch, das nicht von Knochen, Knorpel, Sehnen, dicken Fettschichten oder undefinierbarem Zeug durchwachsen ist, so wie es in China sonst üblich ist. Dieses Gericht ist derart lecker, dass ich beim ersten Mal ein vollständiges Lammbein alleine vertilgte. Außerdem habe ich vergangene Woche Zikaden gegessen, die mir ebenfalls sehr gut bekommen sind.

Da die Sommerferien seit September vorbei sind, kam ich wieder im Klassenraum zum Einsatz. Glücklicherweise muss ich nur zweimal pro Woche (jeden Dienstag und Donnerstag) eine Stunde Englisch unterrichten. Ich betreue zwei Klassen, von denen ich bislang aber nur eine kennengelernt habe. In dieser befinden sich etwas mehr als 20 fünf- bis siebenjährige Kinder. Der erste Unterricht entpuppte sich als mühsam, da ich diesmal niemanden an meiner Seite habe, der meine Anweisungen übersetzt. Dieser Umstand macht es nochmal besonders schwierig, einen solchen Haufen irgendwie im Zaum zu halten.

Um das Eis zu brechen, habe ich Schokolade aus Deutschland (Ritter Sport Mini) mitgebracht und verteilt. Darüber haben sich die Kinder riesig gefreut. Ich bin sehr gespannt, wie sich diese Sache in Zukunft entwickeln wird. Momentan herrscht feucht-warmes Wetter in Jiangsu. Es regnet relativ oft, was mich aber bei den Temperaturen um die 30 Grad Celsius überhaupt nicht stört. Ich gehe nach wie vor regelmäßig zur Massage. Letztes Mal war ich in einem anderen Salon, der ein bisschen weniger nach Bordell aussieht. Dort bekam ich eine 30-minütige Rückenmassage, wurde anschließend geschröpft und war hinterher nur acht Euro leichter.

Liebe Grüße,

Benjamin

Mit nasser Kleidung unterwegs im Affenpark!

Hallo,

wirklich wieder in Dayouzhen eingelebt habe ich mich noch nicht. Die Zeitumstellung macht mir leider immer noch zu schaffen und es ist mir noch nicht möglich, vor 3 Uhr nachts einzuschlafen. Haojing ist hinsichtlich Jetlags inzwischen glücklicherweise etwas weiter als ich, da sie bereits letzte Woche mehrfach früh aufstehen musste. Theoretisch könnte ich mich auch in der Frühe aus dem Bett zwingen, doch in der Praxis ist das schwieriger als man denkt. Ab Montagmorgen werde ich aber wieder in der hiesigen Vorschule Englisch unterrichten, weswegen sich diese Problematik in den kommenden Tagen von selbst erledigen sollte.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass mein Opa für uns ein paar tolle Dinge geschnitzt hat. Diese haben wir aus Deutschland mit in unsere Wohnung geholt. Auf dem Wandregal ist nun ein Ständer mit sieben einzigartigen Haarnadeln untergebracht. Über dieses Geschenk hat sich vor allem Haojing sehr gefreut, da sie sehr oft Haarnadeln verwendet, um ihre angsteinflößenden Asiaten-Haare zu bändigen. Mein Kopf wurde nach unserer Ankunft frisch geschoren, weswegen ich demgegenüber wohl keine Verwendung für die Teile habe. Doch unabhängig davon verschönert das Kunstwerk natürlich den gesamten Raum.

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In unserem Gästezimmer bin ich vergangene Woche auf einen ungebetenen Gast gestoßen. An der Decke saß tatsächlich ein Gecko. Ich habe absolut keine Ahnung wie dieser in unsere Wohnung gekommen ist. Sämtliche Fenster sind durch Fliegengitter geschützt und sonstige Öffnungen sind mir nicht bekannt. Möglicherweise gibt es irgendwelche Löcher, von denen ich nichts weiß, oder er hat den richtigen Moment abgewartet und ist durch die Haustür eingedrungen. Nach kurzer Zeit verlor ich das Reptil aus den Augen. Wir teilen uns nun die Wohnung. Das finde ich aber nicht schlimm, denn immerhin frisst er störende Insekten.

Letzten Donnerstag kamen Haojings Vorgesetzter, seine Frau und sein Sohn in Dayouzhen an. Letztere werden für einen Monat bleiben. Am gestrigen Samstag fuhren wir fünf gemeinsam nach Lianyungang. Dort besuchten wir einen Art Freizeitpark, welcher der Figur „Sūn Wùkōng“ aus der chinesischen Mythologie gewidmet ist. Bei ihm handelt es sich um einen Affen mit Superkräften, der auf einer Wolke reitet und einen magischen Kampfstock besitzt. Auf dieser Figur basiert übrigens der berühmte Anime-Charakter „Son Goku“ aus „Dragon Ball“. In diesem Freizeitpark waren jedenfalls mehrere Darsteller in Affenkostümen unterwegs.

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Nachdem wir in den Park eintraten hatten wir eine leichte Wahl zu treffen: Besteigen wir drei Stunden mühsam den Berg oder lassen wir uns 15 Minuten mit dem Kleinbus hochfahren? Natürlich entschieden wir uns mit dem dreijährigen Kind für die einfache Variante. Der Fahrer fuhr zwar wie eine Sau, aber wir kamen unversehrt oben an. Dort bestiegen wir den Gipfel, der noch ein paar Meter höher lag, schauten uns ein paar Tempel an und genossen die schöne Aussicht. Zurück wanderten wir eine ganze Weile, bis wir uns trennten. Haojing, ihr Chef und ich wollten mit den schnellen Action-Schlauchbooten herunterfahren.

Während Sasha und ihr Sohn die Seilbahn nahmen, setzten wir uns nach einer gewissen Warte- und Einweisungszeit in die Boote. Bereits vor dem Start waren unsere Schuhe, die wir nicht ausziehen durften, sowie Hintern eingenässt, da sich Wasserablauflöcher in den Böden der Boote befanden. Dann ging es los – und es war echt heftig. Zweimal wären Haojing und ich fast umgekippt. Zwischendrin ging es wirklich sehr steil nach unten. Ziemlich schnell waren wir vollständig durchnässt. Zum Glück kamen wir gesund unten an. Anschließend gingen wir noch (natürlich nass) in ein gutes Restaurant für Meeresfrüchte.

Liebe Grüße,

Benjamin

Wir sind gut in China angekommen!

Hallo,

mein fast sechs Wochen langer Deutschlandurlaub ist vorbei. Letzten Donnerstag sind Haojing und ich von Luxemburg über Paris und Peking zurück nach Lianyungang geflogen. Von dort aus wurden wir abgeholt. Insgesamt waren wir 26 Stunden unterwegs. Es war Freitagabend kurz vor Mitternacht und ich war hundemüde. Eigentlich kam ich zu einer perfekten Uhrzeit zu Hause an, denn wäre ich sofort schlafen gegangen, hätte ich mit Sicherheit trotz sechsstündiger Zeitverschiebung entspannt durchgeschlafen. Unglücklicherweise machte mir ausgerechnet der Bundesligaspielplan einen fetten Strich durch die Rechnung.

Da der BVB das Freitagabendspiel bestritt, musste ich mich noch irgendwie wachhalten bis um 2:30 Uhr angestoßen wurde. Nach einer solchen Reise ist das gar nicht so einfach, doch irgendwie gelang es mir. Letzten Endes hat es sich sogar gelohnt, da mein Lieblingsverein das Match noch gegen Ende gedreht und gewonnen hat. Während des Fußballspiels trank ich noch die letzten Tsingtao-Bierdosen, die wir noch im Kühlschrank hatten. Nach meinem reichhaltig alkoholischen Aufenthalt in der alten Heimat, möchte ich die nächsten Wochen abstinent leben. Nichtsdestotrotz wird es gewissermaßen eine Ausnahme geben.

Im September reisen wir wieder nach Chibi, weil das chinesische Mondfest stattfinden wird. Das ist hierzulande nach dem Frühlingsfest die zweitgrößte Feierlichkeit. Nachdem ich mich während meines Aprilbesuchs erfolgreich gegen den Schnapskonsum wehren konnte, glaube ich nicht, dass ich mich ein weiteres Mal davor drücken kann. Im Augenblick ist das natürlich noch Zukunftsmusik. Ich werde in den nächsten Wochen übrigens nicht nur auf Alkohol, sondern auch auf Kohlenhydrate verzichten. In den letzten Wochen habe ich nämlich fünf Kilogramm zugenommen – und das, obwohl ich zwischendurch oft gefastet habe.

Wenn ich einfach esse, ohne mir Gedanken darüber zu machen, werde ich ganz schnell dick. Um mich langfristig wohl zu fühlen und vor allem gesund zu bleiben, muss ich einfach spezielle Strategien anwenden. Allerdings macht mir das intensive, detaillierte Beschäftigen mit Ernährung viel Spaß, weswegen das kein Problem ist. Apropos Ernährung: Eine Methode, um vor dem Fußballspiel wach zu bleiben, war Essen. Haojing war chinesisches Barbecue holen. Diesmal aß ich neben anderen Leckereien eine gebratene Kröte, die wirklich sehr lecker schmeckte. Allerdings bedurfte es durchaus einer gewissen Überwindungskraft.

Am Samstag haben wir zwei uns ordentlich durchmassieren lassen. Zunächst war ich bei einer Massagefrau, die permanent versucht hat, mit mir zu reden. Das fand ich eigentlich sehr lieb und es war sogar ein bisschen verständliche Kommunikation möglich. Die eigentliche Massage war auch in Ordnung, selbst der Teil, an dem sie über meinen Rücken lief. Hinterher gingen meine Frau und ich noch zur Fußmassage, woraufhin sie Essen einkaufen ging und ich einen kleinen Spaziergang absolvierte. Dabei schlenderte ich auch über den Platz, wo das Nacht- oder eher das Abendleben der hiesigen Bevölkerung stattfindet.

Diesmal leiden Haojing und ich wirklich sehr unter dem Jetlag. Zumindest aus meiner Sicht ist es die unangenehmste Zeitumstellung, die ich bislang durchleben musste. In der Nacht von Samstag auf Sonntag konnte ich erst um 5 Uhr morgens ins Bett gehen, um zu schlafen. Gegen Mittag zwang ich mich schließlich um kurz vor 12 Uhr aufzustehen und lag anschließend drei Stunden lang mit Kopfschmerzen regungslos auf dem Sofa herum. Das ist dann wohl leider die Retourkutsche für meinen ungebrochenen Willen, jedes BVB-Spiel sehen zu müssen. Aber es lohnt sich trotzdem! Ansonsten ist bei uns aber alles in Ordnung.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Der letzte Beitrag vor meiner Wiederkehr!

Hallo,

heute verfasse ich meinen letzten Beitrag, bevor ich am Wochenende nach Deutschland fliegen werde. Bevor ich zu meinen Erlebnissen während der zurückliegenden Tage komme, möchte ich ein kleines Zwischenfazit ziehen. Mein Eindruck vom Leben in China ist eher durchwachsen. Als Deutscher ist man geneigt, diesen Umstand der „bösen“ chinesischen Regierung zuzuschreiben, doch dem ist nicht so. Ich persönlich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Unterdrückung oder eingeschränkter Freiheit. Einzig die offensichtliche Internetzensur, die man aber ziemlich einfach umgehen kann, hat mich gestört.

Tatsächlich habe ich viel mehr Probleme mit den Menschen selbst, also mit den hiesigen Gepflogenheiten. Aus der Sicht eines Deutschen, sind Chinesen unheimlich unorganisiert, weltfremd und zwanghaft. An dieser Stelle kommt natürlich noch verstärkend hinzu, dass ich hier auf dem Land lebe. In einer Großstadt sähe das wohl etwas anders aus. Ich bin mir allerdings sicher, dass ich diese Kritikpunkte dennoch anbringen würde. Außerdem vermisse ich inzwischen das heimische Essen. Wenn ich mit einem Chinesen darüber rede, kann er das nicht verstehen, weil die chinesische Küche schließlich so umfangreich sei.

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Das ist zwar an und für sich nicht falsch, aber das macht die Abwesenheit meiner heimischen Lebensmittel trotzdem nicht wett. Selbstredend gibt es hierzulande auch gewisse Vorzüge. Das mobile Internet ist überall superschnell und diese „kriminellen“ Freivolumen gibt es auch nicht. Ich habe seit meiner Ankunft im Dezember umgerechnet 20 Euro für Mobilfunk bezahlt, was auch für chinesische Verhältnisse günstig ist – und alles ist „unlimited“. Darüber hinaus sind die Chinesen sehr freundlich, zuvorkommend und es ist ihnen scheißegal, wenn man seine Einkäufe mit versiffter Jogginghose und Anzugsschuhen erledigt.

Momentan ist es in Jiangsu außergewöhnlich kalt. Es ist mittlerweile Juli und meistens bleiben die Temperaturen unter 30 Grad Celsius. Dabei liegen wir hier auf demselben Breitengrad wie Nordafrika. Darüber möchte ich mich allerdings nicht beschweren, denn das finde ich eigentlich ganz angenehm. Ich habe übrigens erste Rückmeldungen von den Eltern der Kinder, denen ich Englisch versuche beizubringen, bekommen. Sie mögen mich scheinbar so sehr, dass sie morgens schon eine halbe Stunde vorher unbedingt losfahren möchten. Obwohl ich eigentlich überhaupt nicht weiß, was ich tue, mache ich scheinbar alles richtig.

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Da Haojing und ich uns im Sommer für eine längere Zeit nicht sehen werden, haben wir uns einen schönen Samstag in Binhai gegönnt. Ich habe mich sogar dazu bereiterklärt, mit ihr shoppen zu gehen. Dazu sollte man wissen, dass es fast keine Beschäftigung auf der Welt gibt, die ich mehr verachte. Leider ist meine Frau sehr wählerisch. Wir besuchten also über Stunden hinweg dutzende von Läden und kauften letzten Endes zwei Teile. Im Anschluss an diese Odyssee gingen wir ins Kino und schauten uns irgendeinen Hongkong-Film mit englischem Untertitel an, bei dem es um die Bekämpfung des Drogenkartells ging.

Hinterher gingen wir noch in ein wirklich sehr gutes Restaurant zu Abend essen. Wir bekamen beide einen kleinen Kochtopf, dessen Inhalt durch einen in den Tisch eingebauten Mini-Induktionsherd erhitzt wurde. Dort hineinlegen konnten wir eigentlich alles, was uns lieb ist. Wir entschieden uns jedoch für verschiedene Fleisch-, Fisch- sowie Gemüsesorten. Es gab auch eine gute Weinkarte, doch da ich Haojing versprochen hatte, nach Dayouzhen zurückzufahren, verzichtete ich auf Alkohol. Alles in allem war es ein wirklich gelungener Samstag. Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr auf meine bevorstehende Deutschlandreise.

Liebe Grüße,

Benjamin

In den Unterricht gedrängt…

Hallo,

meine Reise nach Deutschland naht. In weniger als zwei Wochen werde ich (vorübergehend) wieder im Haus meiner Eltern wohnen. Währenddessen möchte ich keine neuen Blog-Beiträge verfassen, da ich gerne möglichst stressfreien Urlaub machen will. Ein durchschnittlicher Beitrag verschlingt ungefähr zwei Stunden meiner kostbaren Lebenszeit. Hierzulande mache ich das aber natürlich gerne, weil ich wirklich viel Freizeit habe. Überdies schätze ich das Interesse meiner Leserschaft am Leben in Deutschland eher gering ein. Nach meiner Ankunft werde ich dennoch knapp darauf hinweisen, dass ich wieder in der alten Heimat bin.

Ich möchte jeden meiner Leser, der etwas mit mir unternehmen möchte, dazu ermutigen, sich bei mir zu melden, wenn ich in Deutschland bin. Ich kann mich unmöglich bei jedem melden, bin aber sehr daran interessiert, möglichst viel persönlichen Kontakt zu haben. Die ersten Tage werden natürlich meiner Familie gehören. Darüber hinaus werde ich zunächst für drei Wochen Vollzeit arbeiten gehen, weswegen ich nicht allzu viel Zeit haben werde. Doch im Anschluss habe ich kaum Pläne und viel Freiraum. Unglücklicherweise bin ich dann nicht mobil, da ich kein Auto mehr besitze, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

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In meinem letzten Beitrag schrieb ich, dass ich erst nach meiner Rückkehr aus Deutschland mit dem Unterrichten anfangen werde, weil das im ersten Gespräch so ausgemacht wurde. Allerdings befinden wir uns in China, weswegen man nicht allzu viel auf solcherlei Absprachen geben sollte. Am Montagabend trafen sich Haojing und ich nochmal mit dem Schulleiter und seiner Frau. Sie wollte mich ebenfalls kennenlernen. Das Gespräch verlief eigentlich ganz gut, aber leider haben wir uns einen 16-jährigen Au-pair-Jungen aufschwatzen lassen und ich stimmte zu, dass bereits am Folgetag ein erster Probeunterricht stattfinden könnte.

Mein Eindruck bestätigte sich also erneut: Wenn man einem Chinesen den kleinen Finger reicht, greift er gleich die ganze Hand – und versucht zudem noch den Arm auszureißen. Eigentlich wollte ich Ende August ein bisschen Englischunterricht geben. Jetzt sitzt bei uns ein lustloses, männliches Hausmädchen herum, das von seinen reichen Eltern dazu genötigt wird, sein Englisch verbessern zu wollen. Ich tue mich sehr schwer damit, eine fremde Person in meiner Wohnung um mich herum zu haben. Doch es wäre uns eventuell überhaupt nicht gut bekommen, den Ersuch der wohlhabenden, einflussreichen Eltern abzulehnen.

Nach dem ersten Probeunterricht folgte ein zweiter. Und dann legten die Chinesen fest, dass ab sofort bis zum 11. Juli an jedem Tag ein Unterrichtskurs stattfinden sollte – natürlich vollkommen ohne mein Einverständnis. Damit bin ich zwar nicht gerade glücklich, aber immerhin ist das Ende in Sichtweite und es wurden nur sieben Kinder eingeschrieben. Die Kinder sind zwischen vier und sieben Jahre alt – also im Vorschulalter und somit ein Stück jünger als ich im Vorfeld erwartet hatte. Ich musste mir ein paar Dinge einfallen lassen, um spielerisch zu lernen, damit sich die Kleinen nicht langweilen oder unruhig werden.

Immerhin ist der Au-pair-Junge während des Unterrichts hilfreich, da er mit den Kindern reden kann. Zusätzliche Hilfe bekomme ich von einer 13-jährigen Schülerin, die aber auch nur sehr rudimentäres Englisch spricht. In der vergangenen Woche war meine Frau für drei Tage in Nanjing und hat mir meine Lieblingsfrucht – die Heidelbeere – mitgebracht. Damit hat sie mir am Wochenende einen köstlichen Nachtisch zubereitet, den ich in Zukunft gerne öfters konsumieren möchte. Außerdem überraschte sie mich nach dem Tischtennistraining mit einer neuen Frisur. Ihre Haare sind nun nur noch mittellang. Mir gefällt es sehr gut.

Liebe Grüße,

Benjamin