Ein beispielloser Kofferwirrwarr!

Hallo,

Haojing und ich sind nun seit knapp einer Woche wieder in China. Diesmal hatten wir einen durch und durch holprigen Start, was meine Laune während der ersten Tage nicht gerade verbessert hat. Wir hatten unsere Reise nach Deutschland bereits früh gebucht. Da wir zu diesem Zeitpunkt davon ausgingen, dass ich meine einjährige Aufenthaltserlaubnis – wie letztes Jahr – in Chibi verlängern lassen müsste, sollten wir in Shanghai eigentlich in den Flieger nach Wuhan umsteigen. Meine Frau hatte ihren Wohnsitz inzwischen jedoch auf Dayouzhen umgemeldet, weswegen wir hierfür (zum Glück) direkt nach Hause konnten.

Aus diesem Grund ging es für uns in Shanghai nicht nach Wuhan, sondern nach Huai’an. Leider sah die Lage für unser Gepäck nicht ganz so rosig aus. Obwohl man uns am Schalter in Luxemburg versicherte, dass wir unsere Koffer in Shanghai wiederbekämen, da wir diese schließlich durch den Zoll bringen müssten, wurde alles direkt nach Wuhan durchgecheckt und wir hatten keine Möglichkeit mehr, das zu verhindern. Wir konnten uns nur noch entscheiden, ob wir mit Gepäck nach Wuhan oder ohne Gepäck nach Huai’an fliegen würden. Bislang wurde unser Gepäck in China – aus dem Ausland kommend – noch nie durchgecheckt.

Das funktionierte diesmal vermutlich, weil es sich ebenfalls um einen internationalen Flughafen handelt. Letztendlich flogen wir nach Huai’an, was im Nachhinein betrachtet wohl nicht die richtige Entscheidung gewesen ist. Allerdings waren wir nach dem Langstreckenflug sehr müde und wollten einfach nur nach Hause. In den darauffolgenden Tagen kostete es Haojing viel Anstrengung, unsere Koffer wiederzubekommen. Sie musste zahllose Papiere, darunter eine Verzichtserklärung, ausfüllen und an die Fluggesellschaft senden. Erst drei Tage später erhielten wir unser Gepäck, das teilweise einen echt ramponierten Eindruck machte.

Der Umgang mit unseren Koffern muss vollkommen sorglos gewesen sein. Vielleicht wurden sie sogar mit Absicht jeden Weg geworfen, der irgendwie möglich war. Glücklicherweise sind es Hartschalenkoffer, weswegen verhältnismäßig wenig kaputt ging. Leider überlebten eine Schnapsflasche, eine Packung Salz (deren teurer Inhalt sich mit dem Schnaps vermischte) und weitere Verpackungen nicht. Meine teuren PC-Teile erlitten glücklicherweise keine Schäden. Diese wurden selbstverständlich nicht mit irgendwelchen Flüssigkeiten in einen Koffer gelegt. Zu unserem großen Glück fehlte auch nichts.

Unsere erste Amtshandlung in Dayouzhen war ein Besuch bei der ortsansässigen Polizeistation, um für mich eine Meldebescheinigung abzuholen. Danach folgten ein köstliches Abendessen und eine anschließende Fußmassage. Erst hinterher betraten wir unsere eiskalte Wohnung, wo es nach einer Dusche schnell ins Bett ging. Am nächsten Morgen ging es für uns zur Ausländerbehörde nach Xiangshui. Obwohl Binhai etwas näher liegt, gehört unser Ort zu ersterer Verwaltungseinheit. Dort angekommen gaben wir sämtliche Unterlagen ab. Eine erneute Gesundheitsprüfung (wie letztes Jahr) war diesmal nicht notwendig.

Ein fehlendes Papier aus Chibi dürfen wir als Foto via WeChat nachreichen. Es sieht also alles danach aus, als ginge die Verlängerung meiner Aufenthaltsgenehmigung problemlos vonstatten. Ansonsten ist nicht viel passiert. Der Jetlag fällt diesmal wesentlich milder als bei unserer letzten Rückreise aus. Am Sonntag war ich nochmal Tischtennis spielen. Hierfür steht uns eine neue, hellere Räumlichkeit zur Verfügung, die mir besser gefällt als die alte, aber 20 statt fünf Minuten zu Fuß entfernt liegt. Darüber hinaus haben wir mein Büro endlich in den anderen Raum verlegt. Ohne meine wundervolle Frau hätte ich mich nie dazu aufraffen können.

Liebe Grüße,

Benjamin

Bis zum nächsten Jahr!

Hallo,

es ist fast geschafft. Am Samstagabend werde ich endlich ein Flugzeug besteigen und elf Stunden gen Westen fliegen. Leider muss ich sowohl vor als auch nach dem Langstreckenflug ebenfalls für eine kurze Zeit abheben, was meine Reise insgesamt auf etwa 24 Stunden verlängert, und dennoch bin ich frohen Mutes. Aller Voraussicht nach werde ich am Sonntagvormittag in Luxemburg landen, wo meine Familie (hoffentlich) schon auf mich wartet. Haojing ist diesmal natürlich auch dabei. Da ich den Blog aus meiner Perspektive schreibe, bleibe ich in den meisten Fällen aber lieber beim „Ich“. Das ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung.

Es gibt nicht außergewöhnlich viel Neues. Haojing musste leider wieder einmal beruflich verreisen. Über das Wochenende blieb sie zwei Nächte weg. Als sie am Montag spätabends zurückkam, blieb kaum Zeit zur Erholung. Dienstags stand wieder ein stressiger Arbeitstag an und abends musste sie schon in den nächsten Flieger einsteigen. Diesmal ging die Reise privat nach Chibi. Meine Frau musste weitere Formalitäten bezüglich unseres Baukredites regeln. Übrigens ist inzwischen das Fundament unseres Hauses fertiggestellt. Nach dem Abriss des maroden Elternhauses musste zunächst jede Menge Erdreich aufgetürmt werden.

Das hat den Sinn, dass unser neues Haus von Hochwasser verschont bleibt, sollte der kleine Bergbach, der direkt daneben fließt, mal davon betroffen sein. Ich mache mir momentan noch wenige Gedanken über das Haus in China. Aus meiner Sicht errichten wir eher eine Art Aufenthaltsort für die Zeit, die wir jedes Jahr in Chibi verbringen müssen. Für diejenigen, die denken, ich käme eventuell nicht mehr nach Deutschland zurück: Pech gehabt, Ich komme wieder! Ich habe definitiv nicht vor, länger als die angestrebten drei Jahre in diesem Land zu wohnen. Ein volles Jahr ist nun vorbei und ich werde nun ein kleines Resümee ziehen.

Entgegen der Erwartung vieler Deutscher sind es weder Angst noch staatliche Unterdrückung, die meinen Aufenthalt in China eher unangenehm gestalten. Im Alltag bekommt man vom politischen System eigentlich gar nichts mit und kann einfach vor sich hinleben. Zwar habe ich es in diesem Blog schon mehrfach durchklingen lassen, doch muss ich es nun nochmals deutlich aussprechen: Die Chinesen und deren kulturelle Gepflogenheiten sind für mich schlicht und ergreifend unvereinbar mit einem entspannenden Dasein. Hinzu gesellen sich noch zahlreiche Kleinigkeiten, die für mich und andere Westler schier unbegreiflich erscheinen.

china2019_01727

Die chinesische Mentalität lässt sich mit einem Bild aus unserer Wohnung am besten aufzeigen. Die Gardinenstange hängt bereits seit unserem Einzug halb herausgerissen an der Wand. Ich kann es nicht im Detail erklären, aber irgendwie steht genau das sinnbildlich für so vieles. Ein Chinese würde niemals auf die Idee kommen, das zu reparieren. Es würde ihm wahrscheinlich nicht einmal auffallen und wenn es ihm doch auffiele, wäre es ihm total egal. In China wird nichts repariert oder instandgehalten – es wird einfach nur möglichst billig neugemacht. Dabei ist es vollkommen bedeutungslos, was für ein Ramsch dabei herauskommt.

Hinzu kommen zahlreiche andere seltsame Dinge: Man zwingt seinen Mitmenschen andauernd irgendwelche Gefallen auf, obwohl eigentlich niemand darauf Lust hat. Man säuft wie ein Loch und muss vor jedem Schluck aussprechen, wie toll man seinen Gegenüber doch findet. Frauen mittleren Alters posieren wie Teenager vor ihren Smartphones und laden die Bilder und Videos in soziale Netzwerke. Ich will das Ganze jetzt nicht zu schlecht malen. Vielleicht lässt mich die Sehnsucht nach meiner Heimat einfach nur das Schlechte sehen. Ich mache jetzt Pause. Mein nächster Beitrag wird irgendwann Anfang oder Mitte Januar erscheinen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Zu Hause ist nicht viel los!

Hallo,

Seitdem wir aus Peking zurückkamen, ist nicht allzu viel passiert. Das ist der Grund, aus dem dieser Beitrag erst spät erscheint. Leider muss ich preisgeben, dass mir der Ausflug in die chinesische Hauptstadt rückblickend nicht ganz so gutgetan hat. Sie riss mich aus meinem festen Rhythmus heraus und brachte anscheinend so einiges durcheinander. Vermutlich deswegen ging es mir die ersten Tage in Dayouzhen auch eher schlecht. Meine Stimmung war am Boden. Ich durchlebte eine kurze depressive Phase, in der ich mich zu nichts motivieren konnte. Das ging so weit, dass ich sogar den Schulunterricht in der Woche absagte.

Meine Zukunft als Aushilfe in der Schule habe ich in den vergangenen Tagen ebenfalls überdacht. Obwohl mich die Kinder lieben, macht mir das Unterrichten wirklich überhaupt keinen Spaß. Jedes Mal, wenn ich dort hingehen muss, sträubt sich jede Körperzelle in mir davor. So darf es nicht weitergehen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, damit gänzlich aufzuhören. Ich will zwar nicht vollkommen ausschließen, irgendwann nochmal als Lehrer anzufangen, aber zumindest im Moment ist die Fortführung dieser Tätigkeit für mich keine Option. Ich möchte lieber Zeit mit mir selbst verbringen und so wenig feste Termine wie möglich haben.

Inzwischen habe ich meine depressive Verstimmung von letzter Woche weitestgehend überwunden. Ich bin zwar noch nicht wieder voll im Flow, wie ich es vor unserem Kurzurlaub war, doch befinde ich mich auf einem guten Weg. Allerdings fühle ich mich nicht dazu verpflichtet, nochmals genauso streng zu mir zu sein. In jener Zeit habe ich mich zwar sehr gut gefühlt, doch ich kann unmöglich andauernd mein Essen abwiegen und mindestens 10.000 Schritte am Tag gehen. Schließlich lebe ich nicht alleine, sondern zusammen mit Haojing, die nicht unter meiner eisernen Disziplin leiden sollte. Dementsprechend bleibt die Lebensmittelwaage aktuell im Regal.

Dafür waren wir in den letzten Tagen mehrfach Barbecue essen. Wie die Chinesen Gemüse und Fleisch grillen, habe ich schon in der Vergangenheit beschrieben. Der Vollständigkeit halber wiederhole ich mich trotzdem. Man betritt zunächst einen kleinen Laden und sucht sich in einer Theke Spieße mit verschiedenen Leckereien aus. Diese werden im Anschluss auf einem großen Gasgrill, der vor dem Laden am Straßenrand steht, vom Grillmeister zubereitet. Währenddessen wartet man im Innenraum am Esstisch. Sobald die Spieße fertig sind, bekommt man sie serviert. Das chinesische Barbecue ist in der Regel sehr fleischlastig.

Was ich generell an chinesischen Restaurants nicht mag, ist diese unbequeme Beengtheit. Die Stühle sind meistens klein und ungepolstert. Die Tische werden mit Gläsern, Schalen, Tellern und weiteren Utensilien vollgestellt, dass man quasi keinen Platz hat. Das Geschirr ist eher klein, vor allem die Gläser, die oftmals sogar nur aus Plastik bestehen. Alles wirkt unglaublich beengt. Hinzu kommt noch, dass das Ambiente in der Regel recht uneinladend und unsauber erscheint. Natürlich gibt es auch teure Restaurants, die einen sauberen Eindruck machen und auch etwas mehr Platz bieten. Aber es ist trotzdem nicht dasselbe wie in Deutschland.

Am Wochenende absolvierten Haojing und ich gemeinsam mit drei ihrer Arbeitskollegen einen kleinen Ausflug. Als erstes besuchten wir ein paar Felder, um nach dem Rechten zu sehen. Danach fuhren wir zu dem großen Gewächshaus, in dem wir bereits vor ein paar Monaten mal waren. Diesmal war es allerdings recht kalt und es waren keine anderen Besucher vor Ort. Als letztes besuchten wir noch einen ehemaligen Mitarbeiter der Farm, der sich inzwischen selbstständig gemacht hat und Wassermelonen anbaut. Für mich ist diese Thematik allerdings nicht ganz so interessant, weswegen ich gedanklich schon relativ früh zu Hause war.

Liebe Grüße,

Benjamin

Meine Woche in Peking…

Hallo,

inzwischen ist es Samstag und unsere Woche in Peking ist nahezu vorbei. Morgen früh müssen wir das Hotel bereits um 5:30 Uhr verlassen, damit wir unseren Flug nach Yancheng erwischen. Da Haojing einige deutsche Experten und Diplomaten begleitete und ich meiner regulären Arbeit nachgehen musste, konnten wir selbstredend keinen wirklichen Urlaub machen. Ich hatte jeweils nur die Vormittage und die Abende, während meine Frau eigentlich erst gegen Tagesende ihre Freizeit hatte. Von unserem Besuch in der Verbotetenen Stadt, der originalen Peking-Ente und dem kurzen Bummelausflug hatte ich bereits letztes Mal berichtet.

Natürlich haben wir mittlerweile eine längere Aktivitätenliste vorzuweisen. Da ich gerne spazierengehe, habe ich vormittags die Gegend um unser Hotel herum erkundigt. Dabei spürte ich einige nette Läden auf, in denen man einen guten Kaffee trinken kann. Für 26 Yuan kaufte ich mir quasi an jedem Morgen einen (oder auch mal zwei) Americano, also einen großen schwarzen Kaffee. Danach versuchte ich regelmäßig das Konto meines Schrittzählers aufzufüllen. Das funktionierte eigentlich ganz gut. Leider kommt man in einer Großstadt nicht allzu schnell voran, weswegen pro Zeit relativ wenig Strecke zurückgelegt wird, aber es gibt Schlimmeres.

Am Mittwochabend sind Haojing und ich in ein bekanntes Kneipenviertel gefahren. Dort suchten wir zunächst ein Restaurant. Ich wollte gerne mal wieder etwas Westliches essen, weswegen wir uns für einen Spanier entschieden. Dort bestellte ich eine Käseplatte mit echtem Käse. Wow, das hatte ich wirklich vermisst. Außerdem hatten wir noch Ei, Fleisch, Gemüse und Pommes. Anschließend freute ich mich noch über ein köstliches Dessert. Da Haojing fast nur chinesisches Essen isst, probierte sie eigentlich nur ein paar Sachen. Chinesen sind leider sehr unaufgeschlossen, wenn es um ausländisches Essen geht. Sie essen fast nichts.

Danach suchten wir uns noch eine Kneipe aus, in der ich ein Tsingtao-Bier trank und mit großer Aufmerksamkeit einer hübschen Poledancerin zuschaute. Eigentlich dachte ich, dass es so etwas nicht (öffentlich) in der prüden chinesischen Gesellschaft gibt, aber anscheinend lag ich hier vollkommen falsch. Das Kneipenviertel hätte genauso in jeder anderen Metropole in der Welt sein können. Das Feeling wäre dassselbe. Generell haben sich viele meiner Vorurteile in Luft aufgelöst, seit dem ich in China lebe. Allerdings haben sich auch manche bewahrheitet und es sind auch einige – sagen wir mal – Erkenntnisse hinzugekommen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Freitagvormittags traf ich mich nochmal mit Mingmin. Wir besuchten gemeinsam das Chinesische Nationalmuseum. Ich war recht erstaunt darüber, dass der Eintritt kostenlos ist. Für Museen in China ist das angeblich normal, wie mich meine Begleitung aufklärte. Das Museum ist jedenfalls riesengroß. Wir hatten bei Weitem nicht genügend Zeit, um uns alles anzusehen. Von dem, was wir zu Gesicht bekamen, gefielen mir die mythologischen Kultgegenstände und einige antike Technologien am besten. Von einer Wasseruhr und einer Sternkarte war ich besonders angetan. Ich mochte aber auch jegliche Darstellungen von Drachen.

Haojing besichtigte gemeinsam mit einer deutschen Delegation die Chinesische Mauer. Darauf bin ich ein bisschen neidig. Wenn ich die chinesische Hauptstadt nun mit Shanghai vergleiche, muss ich trotzdem sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Shanghai ist zweifelsohne eine moderne, fast schon futuristisch wirkende Metropole. Dagegen erscheint Peking irgendwie unscheinbar. Man hat hier einfach nicht das Gefühl, in einer derart großen Stadt zu sein. In Shanghai ist man demgegenüber ununterbrochen beeindruckt. Zumindest geht es mir so. Andere bevorzugen vielleicht das eher europäisch anmutende Stadtbild von Peking.

Liebe Grüße,

Benjamin

Vom Alltagstrott in die Hauptstadt!

Hallo,

bevor Haojing und ich am zurückliegenden Sonntag unsere Reise nach Peking antraten, vebrachte ich noch eine normale Woche in Dayouzhen. Inzwischen hatte sich bei mir ein gewisser Alltagstrott manifestiert, den ich allerdings als ziemlich positiv empfand. Morgens stand ich gegen halb neun auf, schaute mir bei zwei Tassen Kaffee neue Youtube-Videos an, ging dann eine Stunde spazieren und machte mir anschließend mein Mittagessen, bestehend aus sechs bis sieben Eiern und zwei Tomaten. Danach trank ich dann nochmals zwei Tassen Kaffee, ruhte mich ein bisschen aus und ging dann nochmal für eine mittelgroße Runde nach draußen.

Im Anschluss musste ich dann natürlich bis 20 Uhr arbeiten. Erst danach war Zeit für mein Abendessen, das meistens aus grünem Gemüse und Fleisch bestand. Leider benutze ich für die Beschreibung dieser angenehmen Tagesroutine mittlerweile die Vergangenheitsform. Denn durch unsere Woche, die wir nun in Peking verbringen, ist diese natürlich futsch. Eigentlich wollte ich die Sache bis zum Aufbruch nach Deutschland durchziehen, aber immerhin kann ich mir die chinesische Hauptstadt ansehen. Da ich nicht wirklich ein Stadtmensch bin, fällt es mir schwer, alleine die U-Bahn oder andere öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Da Haojing die meiste Zeit arbeiten muss und ich täglich bis 15 Uhr frei habe, werde ich jedoch wohl oder übel in’s kalte Wasser springen müssen, aber alles der Reihe nach. Wir kamen am Sonntag an. An diesem Tag musste sich Haojing eigentlich nur um den Hotel-Check-in der deutschen Experten kümmern, weswegen wir beide gemeinsam mit einer anderen Deutschen die Verbotene Stadt besichtigen konnten. Dabei handelt es sich quasi im ein riesiges Schloss, in dem früher der Kaiser von China wohnte. Die Verbotene Stadt ist von hohen Mauern und Wassergräben umgeben. Das Innere besteht aus zahllosen großen Bauten, die durch riesige Plätze voneinander getrennt sind.

Die einzelnen Gebäude erfüllten früher allesamt ihren speziellen Zweck. Der Kaiser war natürlich viel zu wichtig, um ein normales Schloss mit einzelnen Räumen zu bewohnen. Anstelle eines Schlaf-, Bade- oder Ankleidezimmers standen ihm gleich ein ganzes Schlaf-, Bade- oder Ankleidehaus und viele weitere Gebäude zur Verfügung. Dort lebten auch seine Masse an Bediensteten und seine tausend Frauen. Die Verbotene Stadt ist tatsächlich enorm groß und beeindruckend. Heutzutage lockt sie täglich 80.000 Besucher an. Wir besichtigten dort zudem noch eine ansehnliche Ausstellung mit wertvollen Dekorationsobjekten aus der Kaiserzeit.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Im Anschluss an unseren Besuch in der Verbotenen Stadt gingen wir noch Peking-Ente essen – und zwar im Orignal-Restaurant. Wenn man dieses Gericht irgendwo in Deutschland bestellt, bekommt man in der Regel eine minderwertige Ente mit Reis und einer nach Konservierungsmitteln schmeckenden Soße serviert. Die echte Peking-Ente wird in feine Scheiben geschnitten, die man mit Gemüse und Soße in kleine Teigtaschen einwickelt und schließlich mit den Händen isst. Beilagen sind natürlich frei wählbar. Nach dem Abendessen war es übrigens ein echter Kampf, ein Taxi zu bekommen. Es dauerte fast eine Stunde, bis wir endlich fündig wurden.

In Peking ist es zurzeit übrigens sehr kalt und windig. Glücklicherweise gehören Heizungen in Gebäuden hier zur normalen Ausstattung. Am gestrigen Montag habe ich mich mit Haojings Freundin Mingmin getroffen. Sie hat mir eine schöne Gegend mit einigen touristischen Läden gezeigt. Das fand ich eigentlich ganz nett, vor allem da sie sich um den U-Bahn-Transfer gekümmert hat. Darüber hinaus habe ich einen Kaffee und gegen Mittag ein leckeres Essen bekommen. Am Mittwoch wollen wir uns nochmal treffen und zusammen in ein großes Museum gehen. Haojing kann uns wohl leider nicht begleiten, weil sie erneut arbeiten muss.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich bin zwar alleine, aber nicht einsam!

Hallo,

die vergangenen Tage verbrachte ich wieder größtenteils alleine. Haojing reiste vorletzten Sonntag nach Chibi, weil sie sich um einige Formalitäten für unseren Hausbau kümmern musste. An dieser Stelle geht es vor allem darum, einen Kredit von der Bank gewährt zu bekommen. Da sich ihr Flug um einige Stunden verspätete, konnte sie ihre Mitfahrgelegenheit von Wuhan nach Chibi leider nicht wahrnehmen, weswegen sie eine Nacht in der Stadt bleiben musste. Meine Frau übernachtete bei einer ihrer zahlreichen Cousinen und deren Ehemann. Natürlich verbrachte sie auch eine schöne Zeit mit den beiden Kindern der jungen Familie.

Obwohl Haojing heute beruflich etwas vollkommen anderes macht, ist sie gelernte Lehrerin. Sie versteht sich wirklich gut mit Kindern, was selbstredend keine schlechte Eigenschaft ist. Im kleinen Walddorf bei Chibi ist unser Hausbau jedenfalls bereits voll im Gange. Irgendwie fühle ich mich mit dieser rasanten Geschwindigkeit nicht wirklich wohl, doch so lange Haojing das gesamte Management übernimmt, bin ich mit allem einverstanden. In China ist das nun einmal normal. Ich wurde übrigens schon mehrfach verwundert gefragt, warum wir noch keine Kinder haben, obwohl wir bereits über ein Jahr verheiratet sind.

Meine Frau blieb über eine Woche in ihrer alten Heimat und kam erst am gestrigen Montag zurück nach Dayouzhen – allerdings nur für eine Nacht, denn heute Morgen musste sie bereits wieder beruflich für zwei Tage verreisen. Am Sonntag geht es dann sogar für eine volle Woche nach Peking. Diese Gelegenheit werde ich mir allerdings nicht entgehen lassen. Ich werde Haojing und ihre Arbeitskollegen begleiten und vormittags alleine die chinesische Hauptstadt erkunden. Möglicherweise kann mir Haojings Freundin Carolyn, die an unserer Hochzeit für meine Eltern übersetzt hat, einige Sehenswürdigkeiten zeigen.

Da ich unter der Woche von 15 bis 20 Uhr arbeiten muss, darf ich mich vormittags wohl oder übel nicht allzu weit vom Hotel entfernen. Allerdings werde ich auch einen komplett freien Samstag in Peking zur Verfügung haben, wo ich dann wohl eine größere Tour absolvieren werde. In der zurückliegenden Woche habe ich das kleine Excel-Programm, das ich in meiner Freizeit erstellt habe, am eigenen Leibe in der Praxis ausgetestet. Mithilfe dessen lassen sich zahlreiche Makro- und Mikronährstoffe wie Vitamine, Mineralien oder Aminosäuren in der eigenen Ernährung anzeigen und über einen längeren Zeitraum tracken.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Deshalb wiege ich seit nunmehr zehn Tagen mein sämtliches Essen akribisch ab und dokumentiere meine Ergebnisse. Das Programm funktioniert hervorragend. Als netter Nebeneffekt habe ich in diesem Zeitraum bereits zwei Kilogramm abgenommen. Darüber hinaus habe ich bemerkt, dass ich nur sehr wenig klares Wasser am Tag trank. Nun achte ich darauf, dass ich auf mindestens zweieinhalb Liter komme, was ziemlich schnell zu einer dramatischen Verbesserung meines Hautbildes führte. Ich bin begeistert. Ich bin sehr gespannt, ob die größere Menge Wasser noch weitere positive Effekte auf Körper und Geist haben wird.

Die Anschaffung meiner Schrittzähler-App hat sich überdies ebenfalls rentiert. Inzwischen bewältige ich nur noch selten weniger als 10.000 Schritte am Tag. Dabei habe ich nicht einmal das Gefühl, dass ich mich zum Gehen zwingen muss. Vielmehr gehört es mittlerweile schlicht und ergreifend zur täglichen Routine dazu. Erwähnenswert ist zudem noch, dass das Wetter in Jiangsu selbst Mitte November noch spätsommerlich ist. Tagsüber übertreffen wir die 20-Grad-Marke absolut regelmäßig. In den Nächten kühlt es jedoch stark ab. Hier merkt man das nicht Vorhandensein einer Heizung in unserer Wohnung bereits deutlich.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein Spaziergang mit leicht ironischem Unterton!

Hallo,

wie ich bereits in meinem letzten Beitrag schrieb, versuche ich meine üppige Freizeit mit sinnvollen Aktivitäten zu füllen. Dazu zählen ausgiebige Spaziergänge, weswegen ich mir extra eine Schrittzähler-App auf mein Handy geladen hatte. Meinen vorläufigen Tagesschnitt von etwa 6.000 Schritten wollte ich verbessern. Nun kann ich stolz verkünden, dass ich gestern über 12.000 und heute sogar über 15.000 Schritte zurücklegte. Hier spielt natürlich mit, dass es Wochenende ist, doch ich finde meine Leistung trotzdem durchaus beachtlich. Für die Zukunft möchte ich mich aber nicht unter Druck setzen und mache ganz locker weiter.

An dieser Stelle möchte ich noch erwähnen, dass ich überhaupt nicht gerne laufe. Sobald ich damit beginne, sehne ich sofort wieder dem Ende entgegen. Wenn ich Bewegung in meinen Alltag einbaue, dann soll diese keine Qual für mich sein, sondern mein Leben bereichern. Beim Spazierengehen oder Wandern fühle ich mich durch und durch gut und das Tischtennisspielen bereitet mir jede Menge Spaß. Ich finde, der einzige Weg, etwas langfristig durchhalten zu können, ist, es nicht durchhalten zu müssen. Es sollte Freude bringen. Und wenn es keine Freude bringt, sollte es wenigstens schnell und effektiv sein (z.B. Liegestütze).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Apropos Tischtennis: Wegen meiner kleinen Operation konnte ich nun schon über drei Wochen nicht mehr spielen. Inzwischen hat sich die Wunde geschlossen und macht nach jedem Verbandswechsel einen solideren Eindruck. Ich denke, dass ich mich nächsten Samstag wieder in die Turnhalle begeben und mein Glück auf die Probe stellen werde. Außerdem kann ich mich wohl bald endlich wieder aufrecht duschen. Eine gewöhnliche Dusche gestaltet sich nämlich durchaus schwierig, wenn eine Stelle am Oberbauch nicht nass werden darf. Inzwischen habe ich den Dreh zwar raus, aber unkomfortabel ist die ungewollte Akrobatik dennoch.

Letzte Woche war Haojing beruflich in der Hafenstadt Qingdao, die etwas mehr als vier Fahrtstunden von uns entfernt liegt. Diese hat tatsächlich eine deutsche Vergangenheit, was man angeblich sehr gut an der Altstadt sehen kann. Da ich nicht dabei war, konnte ich die Gerüchte bislang nicht verifizieren. Allerdings stammt meine (chinesische) Lieblingsbiermarke „Tsingtao“ aus Qingdao, was eindeutig für deutsche Wurzeln spricht. Früher wurde die Stadt genauso geschrieben wie das Bier. Heute werden die chinesischen Zeichen „青“ und „島“ nicht mehr mit „Tsing“ und „Tao“, sondern mit „Qing“ und „Dao“ übersetzt. Die Aussprache ist natürlich dieselbe.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zuletzt manövrierte ich mich in eine recht unangenehme Situation, aber alles der Reihe nach. Während eines ausgiebigen Spaziergangs, bei dem ich mit meinem Handy zahlreiche Fotos schoss, fand ich eine Geldmünze auf dem Boden. Obwohl ein Yuan nur ungefähr 13 Cent wert ist, war ich echt happy über diesen Fund und wollte ihn später beim Einkauf im Supermarkt ausgeben. Als ich dann an der Kasse stand, bemerkte ich, dass ich irgendwo unterwegs meinen 100-Yuan-Geldschein verloren haben musste. Er fiel mir offenbar irgendwann heraus, als ich mein Handy zum Fotografieren aus der Hosentasche nahm.

Die Situation war zunächst ein bisschen peinlich. Während ich versuchte, irgendwo in meiner Tasche doch noch einen Geldschein zu finden, hoffte ich insgeheim, dass Haojing abnehmen würde, wenn ich sie gleich anriefe. Ich hatte Glück. Ich schickte ihr ein Foto vom QR-Code an der Supermarktkasse und sie bezahlte die Summe für mich. Danach wurde mir allerdings auch die Ironie der Situation bewusst. Ich freute mich riesig darüber, dass ich einen Yuan gefunden hatte, dabei hatte ich eigentlich 99 Yuan verloren. Anschließend wurde ich noch von neugierigen Kindern mit ihren Elektrorollern bis zu meiner Haustür verfolgt. Was für ein Tag!

Liebe Grüße,

Benjamin