Ein paar Dinge aus meinem Alltag…

Hallo,

aus meiner Sicht plätschert die Zeit weder langsam noch schnell vor sich hin. Vormittags gehe ich regelmäßig spazieren. Dabei versuche ich, meinen Kopf leer zu bekommen. Wer mich kennt, weiß, dass ich mir eigentlich permanent Gedanken mache. Ich glaube, dass das nicht so gut für meine geistige Gesundheit ist, weswegen ich damit begonnen habe, mich unterwegs irgendwo an einem schönen Plätzchen hinzusetzen und ganz bewusst an nichts zu denken. Man könnte es auch Meditation nennen. Jedenfalls hoffe ich vor allem, dass sich dadurch mein nerviger Tinnitus verbessern oder sogar vollständig einstellen wird.

Bislang tut mir dieses neue Verhalten ziemlich gut und ich werde wohl demnächst damit anfangen, intensiver zu meditieren. Ich beschäftige mich viel mit gesunder Ernährung beziehungsweise einem generell gesunden Lebensstyl. Doch an diese Baustelle hatte ich mich zuvor leider nur halbherzig herangewagt. Darüber hinaus habe ich eine Schrittzähler-App auf meinem Handy installiert, um herauszufinden, wie viel ich am Tag wirklich laufe. Ich bin zwar gut darin, zu schätzen, aber Kontrolle ist nun einmal besser als Vertrauen. Im Schnitt ging ich bislang zirka 6.000 Schritte pro Tag. Das halte ich zwar für ausreichend, aber dennoch ausbaufähig.

Irgendwann im April hatte ich damit begonnen, an jedem zweiten Tag einmal so viele Liegestütze am Stück zu machen, wie ich kann. Das habe ich tatsächlich bis heute durchgezogen und es ist inzwischen sogar zur Gewohnheit geworden. Natürlich pausierte ich immer im Krankheitsfall oder auch in den ersten Tagen nach meiner kleinen Operation. Summa summarum komme ich inzwischen auf 27 Liegestütze am Stück. Das wirkt auf den ersten Blick vielleicht nicht nach einer großen Zahl. Mit intensivem Training hätte ich in der Zeit sicherlich bessere Ergebnisse erzielen können, doch ich möchte etwas machen, das ich langfristig durchhalte.

Drei- bis viermal pro Woche eine Minute Muskeltraining ist auf jeden Fall etwas, das ich mein ganzes Leben lang machen kann. Darüber hinaus ist der Liegestütz wohl eine der besten Übungen, die man überhaupt durchführen kann, weil sehr viele Muskelgruppen trainiert werden. Mittlerweile sind auch die Ergebnisse sichtbar, was selbstredend für zusätzliche Motivation sorgt. Außerdem bin ich dazu übergegangen, mein Frühstück, bestehend aus fünf Spiegeleiern und zwei Tomaten, auf das Mittagessen zu verschieben. Vormittags esse ich nichts. Damit fühle ich mich wesentlich wohler. Ich kann nur jedem empfehlen, das Frühstück sausen zu lassen.

Haojing musste in den letzten Tagen extrem viel arbeiten. Es waren wieder mehr deutsche Experten vor Ort als im Normalfall, weswegen meine arme Frau schon früh morgens aus dem Haus musste, mittags nur kurz zu Hause war und meistens erst spät abends Feierabend machen konnte. Ich habe schon fast ein schlechtes Gewissen, weil ich so viel weniger arbeiten muss. Mein Beruf bindet mich unter der Woche für vier bis fünf Stunden täglich. Darüber hinaus unterrichte ich dienstags und donnerstags noch jeweils für eine Zeitstunde Englisch an einer Vorschule. Zusätzlich übernehme ich einen Großteil der anfallenden Hausarbeiten.

Dennoch habe ich viel Freizeit, die ich mit Spaziergängen, Tischtennisspielen, YouTube und meinem Computer verbringe. Ich arbeite zurzeit sowohl an einem Excel- als auch an einem Ubuntu-Projekt. Ich habe mir viele Dinge selbst beigebracht und bin sehr zufrieden mit meinen persönlichen Fortschritten. Außerdem genieße ich die Ruhe und natürlich den tollen Kaffee. Ich koche sehr gerne. Als Abendessen gibt es meistens grünes Gemüse und ein wenig Fleisch. Zuletzt hatten wir uns für viel Geld unverarbeitetes Palmfett bestellt, das wir zum Braten verwendeten. Am heutigen Dienstag haben wir endlich neues Schweineschmalz hergestellt.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein kurzer Business-Trip nach Wuxi!

Hallo,

Nach überstandener Operation musste ich vergangene Woche alle zwei Tage zur Nachkontrolle und Wundreinigung. Während der ersten Tage bereitete mir die Stelle noch relativ viele Schmerzen, vor allem bei Bewegung. Mit der Zeit wurde das natürlich stetig besser. An dieser Stelle verzichte ich darauf, Bilder zu veröffentlichen. Jedoch ähnelte die Wunde in Form und Größe ungefähr einem überdurchschnittlich großen Bauchnabel. Nach der zweiten Nachuntersuchung freute sich der Arzt noch über den rasch voranschreitenden Heilungsprozess. Nur zwei Tage später beschwerte er sich über die langsam vonstattengehende Besserung.

Dabei handelte es sich übrigens um ein und denselben Arzt. Zunächst ging es ihm scheinbar zu schnell, im Anschluss zu langsam. Bei einer weiteren Kontrolle entschied er sich schließlich für letztere Version. Offenbar muss sich ein bauchnabelgroßes, tiefes Gewebeloch binnen drei Tagen vollständig schließen. Inzwischen führe ich Verbandswechsel sowie Desinfektion selbstständig zu Hause durch, weil es einfach keinen Sinn ergibt, wegen dieser Kleinigkeit jedes Mal wieder in das hiesige Krankenhaus zu gehen. Die Wunde ist mittlerweile auch schon ziemlich klein und wird sich wohl innerhalb der nächsten Tage vollständig schließen.

Letzte Woche waren Haojing und ich für zwei Tage in Wuxi. Dabei handelt es sich um eine – selbst für chinesische Verhältnisse – große Stadt im Süden von Jiangsu, wo ungefähr 6,4 Millionen Menschen leben. Dort wurde meiner Frau über einen bekannten Geschäftspartner ein neuer Geschäftspartner vermittelt, der mit seiner Stoff- und Kleidungsfirma in die ganze Welt exportiert. Wir waren in einem ziemlich coolen Hotel mitten in der Innenstadt untergebracht. Dort bewohnten wir für eine Übernachtung ein Zimmer im 52sten Stockwerk des Wolkenkratzers. Die Aussicht war wirklich grandios, vor allem als es dunkel wurde.

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Am Abend schauten wir uns erst einmal im Hotel um. Dort gab es eine Skylounge und zahlreiche noble Restaurants und Bars. Im Anschluss gingen wir in die Stadt. Nicht weit entfernt war ein kleines Fußgängerviertel, was wir uns natürlich nicht entgehen ließen. Wie ich es in anderen chinesischen Großstädten schon des Öfteren gesehen hatte, war dieser Bereich sehr sauber und ansehnlich in bunten Farben ausgeleuchtet. Wir aßen gemeinsam in einem Hong-Kong-Imbiss, wo ein Schild aushing, das die Besucher ausdrücklich dazu ermutigte, Fotos zu schießen. Später trafen wir uns noch mit einem von Haojings Geschäftspartnern.

Das Hotelfrühstück war ziemlich gut. Zwar fiel das chinesische Buffet für meinen Geschmack etwas zu üppig aus, doch das war dann wohl schlicht und ergreifend der Tatsache geschuldet, dass wir uns in China befanden. Außerdem gab es auch westliches Essen. Ich konnte tatsächlich Kaffee, Lachs, Salat und sogar echten Käse ausfindig machen. Wer nie in China war, kann sich nicht vorstellen, wie selten Käse ist. Wenn man überhaupt so etwas wie Käse findet, dann sind das industriell abgepackte, seltsamschmeckende Scheiben, die vielleicht überhaupt keinen echten Käse, dafür aber jede Menge Chemie und Konservierungsstoffe, enthalten.

In Dayouzhen ist mittlerweile wieder Erntezeit. Selbstredend sind extra hierfür einige deutsche Experten angereist, weswegen ich meine Frau im Moment eigentlich nur zur Schlafenszeit zu Gesicht bekomme. Momentan wird Reis geerntet, der anschließend auf den Asphalt gelegt wird, um in der Sonne zu trocknen. Ich nutze die Freizeit, um spazieren zu gehen und generell möglichst lange draußen zu bleiben. Da ich aktuell kein Tischtennis spielen kann, verspüre ich einen deutlich gesteigerten Bewegungsdrang. Darüber hinaus ist es wieder wärmer als letzte Woche. Tagsüber misst das Thermometer angenehme 25 Grad Celsius.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Ich wurde chirurgisch bearbeitet!

Hallo,

zu Beginn der letzten Woche ist bei uns gar nicht so viel passiert und alles war eigentlich ganz normal. Erwähnenswert ist allerdings das herbstliche Wetter, das nun auch in Jiangsu herrscht. Das Thermometer steigt tagsüber nur noch selten auf über 20 Grad Celsius an. Nachts ist es sogar richtig kühl. Es kann aber sein, dass das Wetter in den kommenden Wochen wieder etwas wärmer wird. Bald beginnt die zweite Erntezeit für dieses Jahr, weswegen Haojing wohl wieder viel Zeit mit Organisieren und Übersetzen verbringen muss. Das ist zwar schade, doch die Arbeit bereitet ihr auch Freude. Ich kann mich währenddessen gemütlich entspannen.

Da mich bereits seit längerer Zeit ein tiefsitzender, entzündeter Pickel an einer ungewöhnlichen Stelle am Bauch plagte, suchte ich am Freitag das nächste Krankenhaus auf, um mir dieses sogenannte Atherom herausnehmen zu lassen. Eigentlich wollte ich das während meines nächsten Deutschlandaufenthalts durchführen lassen, doch ich wollte dann doch keine zwei Monate mehr warten. Darüber hinaus möchte ich den Urlaub in meiner alten Heimat nicht unbedingt mit Arztterminen und Schmerzen verschwenden. Haojing und ich mussten nicht lange warten, bis wir an der Reihe waren und der Arzt mich untersuchte.

Hierzu muss man wissen, dass in China noch sehr viele traditionelle Methoden Anwendung finden. Der Arzt ertastete meinen Puls am Daumen und leitete aus meinem Energiefluss (Chi) ab, dass meine Lunge und meine Leber geschwächt wären. Zwar habe ich großen Respekt vor der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und lehne das Energiekörperkonzept ebenfalls nicht kategorisch ab, doch von manchen Praktiken halte ich eher wenig. Es ist mir schleierhaft, wie man Schwächen in bestimmten Organen durch Fingerauflegen erfühlen können soll. Um meine Lungen und Leber langfrisitig zu stärken, muss ich nun dreimal am Tag eine bestimmte Medizin einnehmen.

Dabei handelt es sich um einen dickflüssigen Cocktail aus bitterschmeckenden Kräutern. Das Zeug ist widerlich. Als Kaffeetrinker kann ich über die Bitterstoffe aber nur lachen. Letztendlich probiere ich diese Therapie trotz aller Zweifel aus. Einerseits könnte ich falsch liegen und die Stärkung meiner Lungen und Leber behebt tatsächlich sämtliche Wehwehchen. Andererseits tu ich meiner Gesundheit mit bitteren Kräutercocktails gewiss nichts Schlechtes. Nach der exotischen Diagnosesitzung kamen wir allerdings zurück auf mein akutes Problem, das chirurgisch entfernt werden musste. Bereits im Vorfeld war mir klar, dass die Sache unangenehm würde.

Der Operationssaal war klein und wirkte irgendwie schäbig, das Besteck machte jedoch einen sterilen Eindruck. Da die Region recht entzündet war, musste die lokale Betäubungsspritze leider (mehrfach) in äußerst schmerzempfängliches Gewebe gestochen werden. Überdies wirkte der behandelnde Arzt nicht gerade erfahren. Leider war die Betäubung nicht ausreichend, weswegen ich während des Eingriffs immer wieder die Zähne zusammenbeißen musste. Im weiteren Verlauf gesellte sich ein älterer Arzt hinzu, der sein Handwerk offensichtlich besser verstand. Nach etwa einer halben Stunde hatte ich die kleine Operation zum Glück gut überstanden.

Seitdem erhole ich mich und es geht mir jeden Tag ein Stück besser. Die Wunde verheilt gut, doch sie wird natürlich eine fette Narbe zurücklassen. Da ich mich schonen musste, verbrachte ich viel Zeit am Computer, um unser Haus mit Hilfe von CAD zu modellieren. Meine Frau hatte diesbezüglich eine ziemlich genaue Vorstellung, weswegen ich hinsichtlich Form und Größe nur wenig protestierte. Unser Antrag auf Umbau wurde unlängst genehmigt, weswegen die Bauarbeiten demnächst beginnen werden. Sobald ich die Zeichnungen (mit sämtlichen Bemaßungen) fertiggestellt habe, leiten wir diese an Haojings Onkel weiter und die Bauarbeiten gehen los.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Ich habe ein neues Lieblings-Restaurant!

Hallo,

Die zurückliegenden Tage waren recht ereignisreich. Letzten Montag hatte Haojing Geburtstag und wurde 31 Jahre alt. Da für die meisten Chinesen der Mondkalender aber wichtiger als der Sonnenkalender ist, hatte meine Frau eigentlich schon zum zweiten Mal Grund zu feiern. Aus Sicht ihrer Familie hatte sie bereits vor zwei Wochen Geburtstag. Da ich als Deutscher allerdings meine gewohnte Zeitschreibung bevorzuge, halte ich mich einfach an den 30. September. Eigentlich schenken wir uns zu solcherlei Anlässen nichts. Dennoch wollte ich Haojing mit Blumen überraschen. Als sie zur Arbeit fuhr, machte ich mich in Dayouzhen auf die Suche.

Leider fand ich so gut wie nichts. Ich machte schließlich in einem kleinen Laden halt, der einige Topfpflanzen im Portfolio hatte. Die Verkäuferin schien sehr überrascht über mein Vorhaben zu sein. Sie fragte mich andauernd, wo ich herkomme und wo ich wohne. Ich dachte schon, sie wollte mir gar nichts verkaufen. Außerdem war die Auswahl äußerst beschränkt. Es gab nur zwei Pflanzen, die auf irgendeine Weise geblüht haben. Ich entschied mich spontan für eine und kaufte dazu den einzigen Blumentopf, der da war. Als ich wieder zu Hause war, putzte ich sämtliche Blätter vorsichtig ab, da eine dicke Staubschicht die Ästhetik arg trübte.

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Haojing kam in der Mittagspause nach Hause und freute sich riesig über das kleine Geschenk. Obwohl sie nachmittags wieder arbeiten musste, hatten wir einen wunderschönen Tag. Am nächsten Morgen wurde ich (wiedermal) um fünf Uhr morgens durch Feuerwerkskörper geweckt. Es war der chinesische Nationalfeiertag und alle spielten verrückt. Haojing und ich sahen uns die Militärparade im Fernsehen an. Ich ging irgendwann an meinen Computer, weil mir das zu langweilig wurde. Die Volksrepublik China wurde dieses Jahr übrigens 70 Jahre alt. Darauf sind die Menschen hier sehr stolz. Überall hängen chinesische Flaggen herum.

Am Freitagabend hatten wir noch Besuch von drei Arbeitskollegen meiner Frau. Haojing kochte für alle und anschließend sahen wir uns noch gemeinsam eine Folge der Serie „Black Mirror“ an. Ich kenne bereits alle Episoden, doch unsere Gäste wollten sich die Serie unbedingt mal anschauen. Spät abends spülte ich noch den gewaltigen Geschirrhaufen ab, denn schon am nächsten Vormittag sollten wir beide uns auf den Weg nach Yancheng begeben. Haojing und ich wollten dort einen Kurzurlaub verbringen, weil wir am Sonntag sowieso einen Experten vom dortigen Flughafen abholen mussten. Der Verkehr auf der Autobahn war die Hölle.

Die Woche, in die der Nationalfeiertag fällt, wird „Goldene Woche“ genannt. Währenddessen haben zahlreiche Arbeiter frei und darüber hinaus kostet die Benutzung der Autobahn keine Maut. Als wir endlich in Yancheng waren, wollten wir Koreanisch essen gehen. Wir parkten in der Tiefgarage unter einer großen Galerie. Unglücklicherweise fanden wir das Restaurant nicht und kamen auch durch Fragen nicht weiter. Deswegen entschieden wir uns kurzerhand für einen Tibeter. Für mich war das Essen in Ordnung, Haojing war leider etwas enttäuscht. Im Anschluss machten wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Programmpunkt.

Wir hatten einen Escape Room gebucht. Zusammen mit einer Gruppe von vier ziemlich jungen Chinesinnen arbeiteten wir uns durch mehrere Räume und schafften es am Ende sogar. Bei vielen Fragestellungen war ich keine Hilfe, da mein Chinesisch schlicht und ergreifend zu schlecht war. Wenige Aufgaben hätte die Gruppe aber wohl nicht ohne mich geschafft, weswegen ich durchaus zufrieden war. Um Bilder zu machen, war es zu dunkel. Am Abend fuhren wir beide noch Go-Karts. Haojing hatte jedoch keinen Spaß daran und fuhr nach nur kurzer Zeit wieder in die Box. Das führte dazu, dass ich meine restlichen Runden alleine drehte.

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Wir übernachteten in einem tollen Hotel, direkt neben dem europäischen Viertel, wo wir am Sonntagmorgen hingingen. Dort sind dutzende Häuser im europäischen Stil aufgebaut. Die Gegend war enorm sauber und idyllisch. Ich habe derart viele Fotos geschossen, dass ich gar nicht alle auf meinem Blog veröffentlichen kann. Mitten im europäischen Viertel fanden wir ein japanisches Restaurant. Das traf sich gut, denn es war schon bald Mittagszeit. Dort zu Gastieren war definitiv die beste Entscheidung des gesamten Wochenendes. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals so gut in einem Restaurant gegessen zu haben.

Es gab jede Menge rohen Fisch, aber auch einen Gemüsesalat mit Fischlaich, gegrilltes Rindfleisch, gebratenen Pak Choi, ein Gericht aus Gänseleber und Ei sowie eine süßliche Kürbissuppe. Jede Speise schmeckte ganz vorzüglich, aber ganz besonders stachen das Rindfleisch und die verschiedenen Gewürze respektive Soßen hervor. Dort werde ich auf jeden Fall nochmal essen gehen. Ich übertreibe nicht. Das Essen war wirklich eine Offenbarung. Hinterher machten wir uns schon auf den Weg zum Flughafen, um den Kurzeitexperten abzuholen. Kurioserweise stellte sich heraus, dass er Luxemburger ist. Die Welt ist tatsächlich klein.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein wenig Hysterie vor den Feierlichkeiten!

Hallo,

in meinem letzten Beitrag habe ich jede Menge Wut rausgelassen. Inzwischen hat sich meine miese Stimmung wieder gelegt. Das heißt nicht, dass ich die Vorkommnisse von letzter Woche auf einmal gutheiße, sondern lediglich, dass ich jetzt wieder gut gelaunt bin. Dennoch sollte bedacht werden, dass der aufgezwungene Wochenendurlaub aus Sicht der Chinesen ein sehr großzügiges, wohlgemeintes Geschenk an Haojing und mich war. In Dayouzhen hat sich während unserer Abwesenheit nicht allzu viel getan. Eigentlich ist noch alles beim Alten. Dementsprechend musste ich am Dienstag wieder im Klassenzimmer antreten.

Am zweiten Wochentag unterrichte ich immer den älteren Jahrgang der Vorschule. Die Kinder sind ungefähr sechs Jahre alt. Bislang hatte ich mit ihnen die Zahlen von eins bis zehn, die Bezeichnungen für einige Tiere und einen einfachen Begrüßungsdialog durchgenommen. An diesem Tag fingen wir mit Obst und Gemüse an. Natürlich wird es noch einige Unterrichtsstunden dauern, bis die neuen Wörter sitzen. Mit dem jüngeren Jahrgang, den ich regelmäßig donnerstags unterrichte, bin ich noch nicht so weit. Das liegt einerseits daran, dass sie jünger sind, und andererseits daran, dass mir die zweite Klasse erst später zugeteilt wurde.

Letzte Woche Dienstag fragte mich die Klassenlehrerin, ob ich nach dem Unterricht noch Basketball mit den Kindern spielen könnte. Eigentlich wollte ich nach Hause gehen, aber um nicht unhöflich zu sein, sagte ich für 20 Minuten zu. Das hat sich gelohnt, denn es hat echt Spaß gemacht. Ein Großteil der Kinder hat mittlerweile keine Angst mehr vor mir. Wir haben den Ball hin und her gespielt und abwechselnd auf die Körbe geworfen. Leider traf ich auch mal einen kleinen Jungen im Gesicht (man muss halt vorsichtig sein), aber sonst war es wirklich eine angenehme Erfahrung. Ich konnte es kaum glauben, dass die Zeit so schnell vorbeiging.

Letzte Woche war wieder eine Art Straßenmarkt in unserem Heimatort. Auf einer der beiden Hauptstraßen werden dann immer mehrere Verkaufsstände aufgebaut. Gekauft habe ich mir dort noch nie etwas. Die Preise sind vermutlich sehr günstig, doch ich sehe es nicht ein, mir etwas zu kaufen, das ich nicht wirklich brauche. Nur etwas zu kaufen, weil es günstig ist, ist nämlich alles andere als genügsam. An einem anderen Tag fuhren meine Frau und ich noch an eine künstliche Teichanlage, die extra für den Besuch der deutschen Landwirtschaftsministerin innerhalb von drei Tagen aus dem Boden gestampft wurde.

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Am Wochenende waren wir noch mit drei von Haojings Arbeitskollegen in einem Restaurant in Binhai Hot Pot essen. Es war sehr lecker. Ich finde es jedes Mal erstaunlich, was die Chinesen alles essen. Hierzu zählen die verschiedensten Innereien und Pflanzen, bei denen man in anderen Teilen der Welt wohl nicht mal auf die Idee käme, diese zu verspeisen. Leider kam es in der vergangenen Woche auch zu einer leicht prekären Situation. Da sich der chinesische Nationalfeiertag näherte, wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Dazu zählte unter anderem auch ein Check, ob die Ausländer dort wohnen, wo sie gemeldet sind.

Weil wir mich Anfang des Jahres aus dämlichen Gründen in Chibi melden mussten, bekam meine Schwiegermutter einen unangenehmen Anruf von der lokalen Polizei. Sie sagte, dass ich verreist wäre. Das war eine schlechte Antwort und führte dazu, dass ich wohl zurück nach Chibi hätte fliegen müssen, um mich bei den zuständigen Ämtern zu melden. Zum Glück ließ Haojing ihre Kontakte spielen. Einer ihrer Cousins ist gut mit dem zuständigen Polizisten befreundet und regelte die Angelegenheit noch rechtzeitig. Wir hatten Glück, dass meine Abwesenheit noch nicht an die nächsthöhere Instanz gemeldet worden war.

Liebe Grüße,

Benjamin

Heute hole ich zum Rundumschlag aus!

Hallo,

in meinem letzten Beitrag resümierte ich, dass das Leben in China eigentlich gar nicht so schlecht ist und ich vor meinem Deutschlandurlaub wahrscheinlich einfach unter einem gewissen Heimatentzug litt. Diese vermeintliche Feststellung möchte ich hiermit (teilweise) revidieren. Vielmehr kann ich wiedermal genau das bestätigen, was mir bereits in der Vergangenheit mehrfach aufgefallen war: Der Umgang mit den Chinesen und deren Gepflogenheiten ist für mich schlicht und ergreifend ein Graus. Doch anstatt direkt zum Punkt zu kommen, der das Fass definitiv zum Überlaufen brachte, schildere ich meine vergangene Woche der Reihe nach.

Nach überstandener Krankheit, die zwar heftig, aber kurz ausfiel, reisten wir anlässlich des Mondfestes mit etwas Verspätung zu Haojings Familie nach Chibi. Bereits im Vorfeld war klar, dass ich während dieser Woche nicht vollständig auf Alkohol und Kohlenhydrate verzichten konnte, weswegen ich wenige geplante Ausnahmen in mein Ernährungsparadigma einbauen musste. Das funktionierte erstaunlich gut. Allem Anschein nach ist das Mondfest wesentlich unbedeutsamer als das Frühlingsfest. Einige Verwandte waren in der Woche gar nicht erst angereist und es wurde auch nicht so aufwendig aufgetischt wie ich erwartete.

Beim berüchtigten Mondkuchen handelt es sich übrigens nicht um einen selbstgebackenen Kuchen, sondern lediglich um kleines, abgepacktes, keksähnliches Gebäck. Das hätte mir eigentlich im Vorfeld klar sein können, da es hierzulande sowieso nicht der Norm entspricht, selber zu backen oder überhaupt einen Ofen zu besitzen. In Chibi war es sehr heiß. Wir hatten Tag und Nacht Temperaturen um die 35 Grad Celsius und eine hohe Luftfeuchtigkeit. Durch das Schlafen unter der Klimaanlage fing ich mir zu meinem Übel eine unangenehme Erkältung ein, die mir wirklich starke Kopfschmerzen bescherte. Medikamente hatten wir leider nicht dabei.

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Deswegen kaufte Haojing für mich Schmerztabletten aus einer chinesischen Apotheke. Zunächst hatte ich ein paar Bedenken, jene auch einzunehmen. Da diese aber sowieso weltweit nach industriellen Standards hergestellt werden, sind sie wahrscheinlich auch überall gleichermaßen gesundheitsgefährdend. Jedenfalls haben mir die Tabletten wirklich gut gegen die Schmerzen geholfen und ich konnte mich erholen. Relativ schnell war ich wieder gesund. Meine Frau und ich wollen in Zukunft gerne ein Haus in Deutschland und in China aufbauen. Für letzteren Standort haben wir inzwischen konkrete Pläne geschmiedet.

Das Haus, in dem Haojing aufgewachsen ist, liegt in einem kleinen Bergdorf, etwa 30 Minuten von Chibi entfernt. Mittlerweile ist es baufällig und kann nicht mehr bewohnt werden. Wir wollen es abreißen und dort ein neues Haus hinsetzen. Da es ein Naturschutzgebiet ist, darf dort offiziell kein Neubau errichtet werden, weswegen wir unser kleines Projekt als Umbau bei den zuständigen Behörden durchboxen wollen. Die erste Instanz hat uns bereits grünes Licht gegeben, von der zweiten erhielten wir bis dato keine Rückmeldung. Die Lage ist perfekt. Dort gibt es einen kleinen Bergsee und einen riesigen Bambuswald.

Wir möchten gerne in einem modernen Haus leben, das mit Wasser, Strom, Klimaanlage, Fußbodenheizung und natürlich Glasfaserinternet ausgestattet ist. Auch eine anständige Isolierung, wie sie in China eher unüblich ist, haben wir selbstredend eingeplant. Da einer von Haojings Onkeln ein Bauunternehmen leitet, steht der Realisierung eigentlich nur noch die ausstehende Genehmigung im Wege. Das Ganze wird wahrscheinlich sogar schneller vonstattengehen als mir lieb ist. Eigentlich hatte ich mich noch nicht darauf eingestellt, ein Haus zu bauen, doch je länger wir warten, desto eher wird unser Antrag auf Umbau abgelehnt.

Nun möchte ich aber zu den Dingen kommen, über die ich mich in China schon so oft kolossal aufgeregt habe. Immer wieder, wenn wir bei meinen Schwiegereltern zu Besuch sind, wird mir am eigenen Leib demonstriert, wie fürchterlich fremdbestimmt das Leben der Chinesen ist. Die Eltern entscheiden darüber, was ihre Kinder machen, selbst wenn sie – wie in unserem Fall – schon 30 Jahre alt sind. Wenn die Schwiegermutter sagt, dass wir jetzt ins Restaurant fahren, um zu Essen, dann wird das gemacht. Wenn die Schwiegermutter sagt, dass wir jetzt beliebige Verwandte besuchen fahren, dann wird das auch gemacht.

Dabei spielt es keine Rolle, ob man eigene Pläne gemacht hat oder diese bereits am Durchführen ist. In jenem Fall wird man angerufen und nach Hause beordert, um genau das zu unternehmen, wonach die Schwiegermutter gerade verlangt. Vieles davon liest sich zunächst wohl erträglicher als es sich tatsächlich anfühlt. An dieser Stelle sollte man bedenken, dass derartige Kommandos jederzeit, vollkommen aus dem Nichts heraus, eintreffen und dass sich ein schwiegermütterlicher Plan von jetzt auf gleich wieder komplett ändern kann. Summa summarum führt das zu einem absolut unorganisierten, bedrückenden Tagesablauf.

Anhand dieser Beschreibung könnte man meinen, ich würde Haojings Mutter nicht mögen, doch dem ist nicht so. Vielmehr handelt es sich um eine Eigenart der chinesischen Familienkultur, die für mich absolut unvereinbar mit Wohlbefinden ist. Deshalb reise ich nicht gerne nach Chibi und ich war sehr froh darüber, als wir am Samstag endlich nach Hause fliegen konnten. Doch unglücklicherweise war die Odyssee noch nicht vorbei. Wie sich meine Leserschaft sicherlich erinnert, wurde uns im Juli für zwei Wochen ein Au-Pair-Junge gewissermaßen aufgezwungen. Als Dankeschön wollte uns seine Familie vom Flughafen abholen und zum Essen einladen.

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Darauf hatte ich eigentlich überhaupt keine Lust, da ich endlich nach Hause wollte und wegen des frühmorgendlichen Flugs auch nur zwei Stunden Schlaf intus hatte. Dennoch sagte ich zu, weil wir bereits mehrfach abgesagt hatten und sie uns immer wieder einladen würden. Auf einmal hieß es, dass sie noch gerne mit uns in einen Park fahren würden. Nur kurze Zeit später, als wir uns mit sämtlichem Gepäck bereits im Auto befanden, wurde uns mitgeteilt, dass die Familie das ganze Wochenende in diesem Park bleiben würde und schon ein Zimmer für Haojing und mich gebucht hätte. Das Auto war quasi dorthin unterwegs.

Über diesen auf unfassbare Weise aufgezwungenen Kurzurlaub habe ich mich dermaßen aufgeregt, das glaubt mir keiner. Natürlich habe ich die Wut schön in mich hineingefressen, weil ich keine Szene machen wollte, aber ich bin auch jetzt – zwei Tage später – noch auf 180. Dabei spielt es keine Rolle, dass dieser Park wirklich schön war und wir auch weite Teile des Wochenendes genießen konnten. Es geht mir einfach darum, dass das Leben in China fremdbestimmt und scheinheilig bis zum Gehtnichtmehr ist. Mit voller Absicht haben uns diese Leute in eine Situation gebracht, in der wir einfach nicht mehr absagen konnten.

An diesem Samstag hatten Haojing und ich übrigens unseren ersten Hochzeitstag. Deswegen versuchte ich, meinen Ärger zu vergessen und die Zeit ein wenig zu genießen. Der Park bestand aus einem großen, künstlich angelegten Wald, durch den man zu Fuß gehen oder sich mit einem kleinen Elektrobus fahren lassen konnte. Tagsüber sind wir unter anderem Tretboot gefahren und waren in einem guten Restaurant essen. Ich hatte Steak. Am Abend fand eine Show mit Live-Musik statt. Am Sonntagnachmittag ging es nach einem großen Abschiedsessen schließlich nach Hause. Abends war ich geplättet, aber glücklich, endlich zurück zu sein.

Liebe Grüße,

Benjamin

Eigentlich ist China gar nicht so schlimm…

Hallo,

mehr oder weniger überraschend musste ich in den vergangenen zweieinhalb Wochen feststellen, dass ich viele Dinge, die mich vor meiner Deutschlandreise am Leben in China genervt haben, gar nicht mehr so schlimm finde. Diese fallen mir natürlich nach wie vor auf, doch irgendwie stören sie mich weniger als zuvor. Das mag daran liegen, dass der längere Aufenthalt in meiner alten Heimat das berüchtigte Fass, das überzulaufen drohte, wieder geleert hat. Jedenfalls macht sich inzwischen ein leichtes Heimatgefühl bemerkbar, wenn ich durch die Straßen von Dayouzhen schlendere, obwohl die schönen Ecken äußerst rar gesät sind.

Um diese Sache besser einordnet zu können, muss ich natürlich ein paar Monate abwarten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir meine Sehnsucht nach der Eifel irgendwann wieder meinen Chinaaufenthalt madig machen wird. Summa summarum habe ich mich inzwischen aber eingelebt. Ich schlafe wieder ordentlich. Die letzten drei Nächte bekam ich sogar eine ausreichende Menge Schlaf, da Haojing zurzeit auf einer Geschäftsreise ist. Vielleicht sollten wir wirklich mal das Bett im Gästeschlafzimmer zurechtmachen, damit ich ab und zu ausschlafen kann. Dafür müssten wir den Raum aber erst einmal gründlich entrümpeln.

In Deutschland habe ich mir einen neuen Tischtennisschläger gekauft. Das war bitter nötig, da mein alter bereits drei Jahre alt war. Mit dem Holz war ich sehr zufrieden, weswegen ich mir für meinen neuen Schläger das gleiche ausgewählt habe. Allerdings bin ich von einer geraden auf eine konkave Griffform gewechselt. Damit verliere ich zwar ein wenig an Flexibilität, doch so sitzt der Schläger fester in der Hand. Meine neuen Beläge auf Vor- und Rückhand sind wesentlich härter und schneller als zuvor. Das macht das Handling allgemein schwieriger, meine Schläge dafür aber besser. An das neue Spielgefühl muss ich mich noch gewöhnen.

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In der Praxis funktioniert es ganz gut. Im Training komme ich gegen manche Gegner besser, gegen andere schlechter parat. Vor allem die Aufschlagannahme und der Topspin gestalten sich viel schwieriger. Das Schnittspiel und das Draufschlagen sind demgegenüber wesentlich einfacher. Im Anschluss an das Training letzten Sonntag, haben mich meine Kollegen zum Essen eingeladen. Es war sehr lecker, doch es ist mir immer noch ein Rätsel, wieso Chinesen so sehr auf Fisch abfahren, der mit kleinen, spitzen Gräten völlig durchsetzt ist. Nach jedem Stück muss man minutenlang im Mund die Gräten ausfindig machen und herausholen.

Momentan haben wir recht angenehmes Wetter. Man kommt zwar schon ins Schwitzen, doch irgendwie fühlen sich 30 Grad Celsius hier anders an als 30 Grad Celsius in Deutschland. Ich glaube, dass die hohe Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit dem Wind einen kühlenden Effekt hat. Die Pflanzenwelt erfreut sich ebenfalls am hiesigen Klima. Ich vermute, dass wir aktuell die schönste Jahreszeit in Jiangsu haben. Die Bäume in der Parkanlage tragen ein Blätterkleid in kräftigen Grüntönen und zahlreiche Blumen sind in den verschiedensten Farben am Blühen. Sonne und Wolken wechseln stets und gelegentlich ergießt sich ein Regenschauer.

Meine Frau ist zurzeit in Harbin, einer Millionenstadt ganz im Norden von China. Dort ist es ein gutes Stück kälter als bei uns. Sie muss für eine deutsche Delegation, die irgendwelche Felder besichtigt, dolmetschen. In ihrer Abwesenheit muss ich mein Frühstück leider selbst zubereiten. Ich esse jeden Morgen fünf Spiegeleier mit Tomaten. Abends esse ich gebratenes Gemüse und als Nachtisch gibt es zurzeit Heidelbeeren mit Käse. Seit ich wieder in China bin, habe ich übrigens vier Kilogramm abgenommen. Allerdings fliegen wir kommende Woche nach Chibi, wo mich Haojings Familie wohl wieder mit Essen und Schnaps abfüllen will.

Liebe Grüße,

Benjamin