Wir sind gut in China angekommen!

Hallo,

mein fast sechs Wochen langer Deutschlandurlaub ist vorbei. Letzten Donnerstag sind Haojing und ich von Luxemburg über Paris und Peking zurück nach Lianyungang geflogen. Von dort aus wurden wir abgeholt. Insgesamt waren wir 26 Stunden unterwegs. Es war Freitagabend kurz vor Mitternacht und ich war hundemüde. Eigentlich kam ich zu einer perfekten Uhrzeit zu Hause an, denn wäre ich sofort schlafen gegangen, hätte ich mit Sicherheit trotz sechsstündiger Zeitverschiebung entspannt durchgeschlafen. Unglücklicherweise machte mir ausgerechnet der Bundesligaspielplan einen fetten Strich durch die Rechnung.

Da der BVB das Freitagabendspiel bestritt, musste ich mich noch irgendwie wachhalten bis um 2:30 Uhr angestoßen wurde. Nach einer solchen Reise ist das gar nicht so einfach, doch irgendwie gelang es mir. Letzten Endes hat es sich sogar gelohnt, da mein Lieblingsverein das Match noch gegen Ende gedreht und gewonnen hat. Während des Fußballspiels trank ich noch die letzten Tsingtao-Bierdosen, die wir noch im Kühlschrank hatten. Nach meinem reichhaltig alkoholischen Aufenthalt in der alten Heimat, möchte ich die nächsten Wochen abstinent leben. Nichtsdestotrotz wird es gewissermaßen eine Ausnahme geben.

Im September reisen wir wieder nach Chibi, weil das chinesische Mondfest stattfinden wird. Das ist hierzulande nach dem Frühlingsfest die zweitgrößte Feierlichkeit. Nachdem ich mich während meines Aprilbesuchs erfolgreich gegen den Schnapskonsum wehren konnte, glaube ich nicht, dass ich mich ein weiteres Mal davor drücken kann. Im Augenblick ist das natürlich noch Zukunftsmusik. Ich werde in den nächsten Wochen übrigens nicht nur auf Alkohol, sondern auch auf Kohlenhydrate verzichten. In den letzten Wochen habe ich nämlich fünf Kilogramm zugenommen – und das, obwohl ich zwischendurch oft gefastet habe.

Wenn ich einfach esse, ohne mir Gedanken darüber zu machen, werde ich ganz schnell dick. Um mich langfristig wohl zu fühlen und vor allem gesund zu bleiben, muss ich einfach spezielle Strategien anwenden. Allerdings macht mir das intensive, detaillierte Beschäftigen mit Ernährung viel Spaß, weswegen das kein Problem ist. Apropos Ernährung: Eine Methode, um vor dem Fußballspiel wach zu bleiben, war Essen. Haojing war chinesisches Barbecue holen. Diesmal aß ich neben anderen Leckereien eine gebratene Kröte, die wirklich sehr lecker schmeckte. Allerdings bedurfte es durchaus einer gewissen Überwindungskraft.

Am Samstag haben wir zwei uns ordentlich durchmassieren lassen. Zunächst war ich bei einer Massagefrau, die permanent versucht hat, mit mir zu reden. Das fand ich eigentlich sehr lieb und es war sogar ein bisschen verständliche Kommunikation möglich. Die eigentliche Massage war auch in Ordnung, selbst der Teil, an dem sie über meinen Rücken lief. Hinterher gingen meine Frau und ich noch zur Fußmassage, woraufhin sie Essen einkaufen ging und ich einen kleinen Spaziergang absolvierte. Dabei schlenderte ich auch über den Platz, wo das Nacht- oder eher das Abendleben der hiesigen Bevölkerung stattfindet.

Diesmal leiden Haojing und ich wirklich sehr unter dem Jetlag. Zumindest aus meiner Sicht ist es die unangenehmste Zeitumstellung, die ich bislang durchleben musste. In der Nacht von Samstag auf Sonntag konnte ich erst um 5 Uhr morgens ins Bett gehen, um zu schlafen. Gegen Mittag zwang ich mich schließlich um kurz vor 12 Uhr aufzustehen und lag anschließend drei Stunden lang mit Kopfschmerzen regungslos auf dem Sofa herum. Das ist dann wohl leider die Retourkutsche für meinen ungebrochenen Willen, jedes BVB-Spiel sehen zu müssen. Aber es lohnt sich trotzdem! Ansonsten ist bei uns aber alles in Ordnung.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

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Der letzte Beitrag vor meiner Wiederkehr!

Hallo,

heute verfasse ich meinen letzten Beitrag, bevor ich am Wochenende nach Deutschland fliegen werde. Bevor ich zu meinen Erlebnissen während der zurückliegenden Tage komme, möchte ich ein kleines Zwischenfazit ziehen. Mein Eindruck vom Leben in China ist eher durchwachsen. Als Deutscher ist man geneigt, diesen Umstand der „bösen“ chinesischen Regierung zuzuschreiben, doch dem ist nicht so. Ich persönlich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl von Unterdrückung oder eingeschränkter Freiheit. Einzig die offensichtliche Internetzensur, die man aber ziemlich einfach umgehen kann, hat mich gestört.

Tatsächlich habe ich viel mehr Probleme mit den Menschen selbst, also mit den hiesigen Gepflogenheiten. Aus der Sicht eines Deutschen, sind Chinesen unheimlich unorganisiert, weltfremd und zwanghaft. An dieser Stelle kommt natürlich noch verstärkend hinzu, dass ich hier auf dem Land lebe. In einer Großstadt sähe das wohl etwas anders aus. Ich bin mir allerdings sicher, dass ich diese Kritikpunkte dennoch anbringen würde. Außerdem vermisse ich inzwischen das heimische Essen. Wenn ich mit einem Chinesen darüber rede, kann er das nicht verstehen, weil die chinesische Küche schließlich so umfangreich sei.

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Das ist zwar an und für sich nicht falsch, aber das macht die Abwesenheit meiner heimischen Lebensmittel trotzdem nicht wett. Selbstredend gibt es hierzulande auch gewisse Vorzüge. Das mobile Internet ist überall superschnell und diese „kriminellen“ Freivolumen gibt es auch nicht. Ich habe seit meiner Ankunft im Dezember umgerechnet 20 Euro für Mobilfunk bezahlt, was auch für chinesische Verhältnisse günstig ist – und alles ist „unlimited“. Darüber hinaus sind die Chinesen sehr freundlich, zuvorkommend und es ist ihnen scheißegal, wenn man seine Einkäufe mit versiffter Jogginghose und Anzugsschuhen erledigt.

Momentan ist es in Jiangsu außergewöhnlich kalt. Es ist mittlerweile Juli und meistens bleiben die Temperaturen unter 30 Grad Celsius. Dabei liegen wir hier auf demselben Breitengrad wie Nordafrika. Darüber möchte ich mich allerdings nicht beschweren, denn das finde ich eigentlich ganz angenehm. Ich habe übrigens erste Rückmeldungen von den Eltern der Kinder, denen ich Englisch versuche beizubringen, bekommen. Sie mögen mich scheinbar so sehr, dass sie morgens schon eine halbe Stunde vorher unbedingt losfahren möchten. Obwohl ich eigentlich überhaupt nicht weiß, was ich tue, mache ich scheinbar alles richtig.

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Da Haojing und ich uns im Sommer für eine längere Zeit nicht sehen werden, haben wir uns einen schönen Samstag in Binhai gegönnt. Ich habe mich sogar dazu bereiterklärt, mit ihr shoppen zu gehen. Dazu sollte man wissen, dass es fast keine Beschäftigung auf der Welt gibt, die ich mehr verachte. Leider ist meine Frau sehr wählerisch. Wir besuchten also über Stunden hinweg dutzende von Läden und kauften letzten Endes zwei Teile. Im Anschluss an diese Odyssee gingen wir ins Kino und schauten uns irgendeinen Hongkong-Film mit englischem Untertitel an, bei dem es um die Bekämpfung des Drogenkartells ging.

Hinterher gingen wir noch in ein wirklich sehr gutes Restaurant zu Abend essen. Wir bekamen beide einen kleinen Kochtopf, dessen Inhalt durch einen in den Tisch eingebauten Mini-Induktionsherd erhitzt wurde. Dort hineinlegen konnten wir eigentlich alles, was uns lieb ist. Wir entschieden uns jedoch für verschiedene Fleisch-, Fisch- sowie Gemüsesorten. Es gab auch eine gute Weinkarte, doch da ich Haojing versprochen hatte, nach Dayouzhen zurückzufahren, verzichtete ich auf Alkohol. Alles in allem war es ein wirklich gelungener Samstag. Nichtsdestotrotz freue ich mich sehr auf meine bevorstehende Deutschlandreise.

Liebe Grüße,

Benjamin

In den Unterricht gedrängt…

Hallo,

meine Reise nach Deutschland naht. In weniger als zwei Wochen werde ich (vorübergehend) wieder im Haus meiner Eltern wohnen. Währenddessen möchte ich keine neuen Blog-Beiträge verfassen, da ich gerne möglichst stressfreien Urlaub machen will. Ein durchschnittlicher Beitrag verschlingt ungefähr zwei Stunden meiner kostbaren Lebenszeit. Hierzulande mache ich das aber natürlich gerne, weil ich wirklich viel Freizeit habe. Überdies schätze ich das Interesse meiner Leserschaft am Leben in Deutschland eher gering ein. Nach meiner Ankunft werde ich dennoch knapp darauf hinweisen, dass ich wieder in der alten Heimat bin.

Ich möchte jeden meiner Leser, der etwas mit mir unternehmen möchte, dazu ermutigen, sich bei mir zu melden, wenn ich in Deutschland bin. Ich kann mich unmöglich bei jedem melden, bin aber sehr daran interessiert, möglichst viel persönlichen Kontakt zu haben. Die ersten Tage werden natürlich meiner Familie gehören. Darüber hinaus werde ich zunächst für drei Wochen Vollzeit arbeiten gehen, weswegen ich nicht allzu viel Zeit haben werde. Doch im Anschluss habe ich kaum Pläne und viel Freiraum. Unglücklicherweise bin ich dann nicht mobil, da ich kein Auto mehr besitze, aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

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In meinem letzten Beitrag schrieb ich, dass ich erst nach meiner Rückkehr aus Deutschland mit dem Unterrichten anfangen werde, weil das im ersten Gespräch so ausgemacht wurde. Allerdings befinden wir uns in China, weswegen man nicht allzu viel auf solcherlei Absprachen geben sollte. Am Montagabend trafen sich Haojing und ich nochmal mit dem Schulleiter und seiner Frau. Sie wollte mich ebenfalls kennenlernen. Das Gespräch verlief eigentlich ganz gut, aber leider haben wir uns einen 16-jährigen Au-pair-Jungen aufschwatzen lassen und ich stimmte zu, dass bereits am Folgetag ein erster Probeunterricht stattfinden könnte.

Mein Eindruck bestätigte sich also erneut: Wenn man einem Chinesen den kleinen Finger reicht, greift er gleich die ganze Hand – und versucht zudem noch den Arm auszureißen. Eigentlich wollte ich Ende August ein bisschen Englischunterricht geben. Jetzt sitzt bei uns ein lustloses, männliches Hausmädchen herum, das von seinen reichen Eltern dazu genötigt wird, sein Englisch verbessern zu wollen. Ich tue mich sehr schwer damit, eine fremde Person in meiner Wohnung um mich herum zu haben. Doch es wäre uns eventuell überhaupt nicht gut bekommen, den Ersuch der wohlhabenden, einflussreichen Eltern abzulehnen.

Nach dem ersten Probeunterricht folgte ein zweiter. Und dann legten die Chinesen fest, dass ab sofort bis zum 11. Juli an jedem Tag ein Unterrichtskurs stattfinden sollte – natürlich vollkommen ohne mein Einverständnis. Damit bin ich zwar nicht gerade glücklich, aber immerhin ist das Ende in Sichtweite und es wurden nur sieben Kinder eingeschrieben. Die Kinder sind zwischen vier und sieben Jahre alt – also im Vorschulalter und somit ein Stück jünger als ich im Vorfeld erwartet hatte. Ich musste mir ein paar Dinge einfallen lassen, um spielerisch zu lernen, damit sich die Kleinen nicht langweilen oder unruhig werden.

Immerhin ist der Au-pair-Junge während des Unterrichts hilfreich, da er mit den Kindern reden kann. Zusätzliche Hilfe bekomme ich von einer 13-jährigen Schülerin, die aber auch nur sehr rudimentäres Englisch spricht. In der vergangenen Woche war meine Frau für drei Tage in Nanjing und hat mir meine Lieblingsfrucht – die Heidelbeere – mitgebracht. Damit hat sie mir am Wochenende einen köstlichen Nachtisch zubereitet, den ich in Zukunft gerne öfters konsumieren möchte. Außerdem überraschte sie mich nach dem Tischtennistraining mit einer neuen Frisur. Ihre Haare sind nun nur noch mittellang. Mir gefällt es sehr gut.

Liebe Grüße,

Benjamin

Es ist Erntezeit in Dayouzhen!

Hallo,

an erster Stelle möchte ich offiziell verkünden, dass ich vom 14. Juli bis zum 22. August in Deutschland sein werde. Meine Reise beginnt bereits am Abend des 13. Juli im eineinhalb Autostunden entfernen Lianyungang, von wo ich zunächst nach Shanghai fliegen werde. Nach kurzer Wartezeit beginnt der Zwölf-Stunden-Flug nach Amsterdam. Dort werde ich nochmals umsteigen und gegen 10 Uhr morgens in Luxemburg ankommen. Interessanterweise werden die Flüge während meiner Rückreise andere Zwischenstationen ansteuern: Paris und Peking. Ich freue mich wirklich sehr darauf, meine Familie und Freunde wieder zu sehen.

Hier im ländlichen China ist nach dem Besuch der deutschen Ministerin (fast) wieder Normalität eingekehrt. Die meisten Deutschen sind wieder abgereist – einige sind noch da. Aufgrund der ganzen Nachbereitungen ist Haojing arbeitstechnisch immer noch stark eingespannt, weswegen ich nach wie vor mehr Zeit alleine verbringe als mir lieb ist. Außerdem ist gerade Erntezeit. Wegen der günstigen klimatischen Bedingungen (viel Hitze und Sonne) wird in dieser Region zweimal pro Jahr geerntet. Trotz allem langweile ich mich nicht. Zeit, die man für sich alleine hat, ist sehr kostbar, weil man sich nur so mit sich selbst beschäftigen kann.

Ich schrieb bereits letzte Woche, dass Haojing einen kleinen Autounfall hatte, bei dem glücklicherweise niemand verletzt wurde. Ein Bild blieb ich schuldig, weswegen ich es heute nachliefere. Das Auto ist inzwischen wieder repariert und voll einsatzbereit. Letzten Montag gab es ein großes Abschiedsessen für die deutschen Experten, währenddessen ich eine gewaltige Menge Reisschnaps getrunken habe. Anschließend waren wir noch in der Karaoke-Bar, wo ich den Schnaps gottlob mit chinesischem Bier verdünnen konnte. Am Ende des Abends nahm ich mir vor, in der nächsten Zeit keinen Alkohol mehr zu trinken.

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Ich nehme schon mal vorweg, dass daraus nichts wurde, aber alles der Reihe nach. An dieser Stelle möchte ich meine Kaffeemaschine nochmals hochlobend erwähnen. Sie macht wirklich den besten Kaffee, den ich bislang in China getrunken habe. Aktuell haben wir einen monumentalen Melonenüberschuss, weil Haojing andauernd Wasser- und Galiamelonen von einem Arbeitskollegen geschenkt bekommt. Ich esse gerne Melonen, aber irgendwann ist es einfach zu viel. Erwähnenswert ist überdies das schauderhafte Rieseninsekt, das neulich vor unserer Wohnung unterwegs war. Zur Erinnerung: Meine Schuhgröße ist 45.

Meine Frau und ich waren letzte Woche noch in einem westlichen Restaurant zu Abend essen. Sie bestellte sich eine chinesische Suppe, während ich unbedingt ein Steak wollte. Diesem muss man zugutehalten, dass es aus einem Stück Fleisch bestand. Ich möchte eigentlich nicht detailliert auf den mäßigen Geschmack eingehen, doch das Gesamterlebnis wäre mit Sicherheit angenehmer ausgefallen, wäre mein Besteck nicht dreckig und klebrig gewesen. Am gestrigen Sonntag feierten die Chinesen so etwas wie ein Erntedankfest. Zu diesem Anlass lud der neue deutsche Teamleiter alle Traktoristen zum Essen und KTV ein.

Die verschiedenen chinesischen Gerichte waren sehr lecker. Zu meinem Unglück gab es außerdem gekühltes Tsingtao-Bier, weswegen ich mein Vorhaben, bis zu meiner Deutschlandreise keinen Alkohol mehr zu trinken, kurzerhand über Bord warf. Summa summarum war es ein lustiger Abend, auch wenn ich immer noch nicht singen kann. Nach meinem Sommerurlaub in der alten Heimat werde ich übrigens vormittags in einer Grundschule als Englischlehrer arbeiten. Ich bin äußerst gespannt darauf, wie ich mich als Lehrkraft schlagen werde. Sicher bin ich mir jedoch, dass ich dabei mein dürftiges Chinesisch verbessern werde.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein anstrengendes, schönes Wochenende ist vorbei!

Hallo,

wie ich bereits in meinem letzten Beitrag schrieb, hatten Haojing und ihre Arbeitskollegen im Vorfeld unheimlich viel Arbeit mit den Vorbereitungen auf den „Feldtag“. Einige Chinesen blieben sogar rund um die Uhr im Büro und hatten letzten Endes ihre Familien über eine Woche lang nicht gesehen. Ich hatte immerhin das Glück, dass meine Frau noch zum Übernachten nach Hause kam. Außerdem war ich öfters mit ihr und ihren Kollegen zu Abend essen. Mit großem Stolz kann ich verkünden, dass ich endlich ein chinesisches Bier gefunden habe, das wirklich gut schmeckt und das ich mir auch (gelegentlich) in Deutschland kaufen würde.

Es heißt „Tsingtao“ und hat tatsächlich einen Alkoholgehalt von sage und schreibe 4,2 Prozent. Das Bier ist zwar nicht ganz so herb wie ein gutes Pils, aber man kann es trotzdem genießen. Im Bier-Tasting, das ich irgendwann im Januar in Chibi durchgeführt habe, hätte ich für diese Sorte einen neuen Rang erfinden müssen, so sehr setzt es sich geschmacklich vom übrigen Rest ab. Für das Oktoberfest, das wir am Sonntagnachmittag veranstalteten, hatten wir neben den vier deutschen Biersorten ebenfalls ausreichend Tsingtao besorgt. Das hatte jedoch nicht nur geschmackliche, sondern natürlich auch kostentechnische Gründe.

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Am besten fange ich aber mit Freitagabend an. Da Haojing bereits total erschöpft war, hat sie mich gebeten, einen deutschen Kollegen nach Binhai in das 5-Sterne-Hotel zu fahren, in dem wenig später Julia Klöckner und ihre Delegation ankommen sollten. Ich bin dann also zum ersten Mal selbst mit dem Auto durch eine chinesische Großstadt gefahren und es klappte erstaunlich gut. Ich hatte allerdings Glück mit dem Verkehr. Außerdem ist Binhai auch nur laut deutscher Definition eine Großstadt. Am Samstagmorgen kam es dann zu einem kleinen Schockmoment: Früh morgens hatte Haojing einen (ungefährlichen) Autounfall.

Sie übersah an einer Ausfahrt einen kleinen Dreiradler und fuhr einfach in diesen hinein, woraufhin er umkippte. Glücklicherweise kam es nur zum Sachschaden, aber das dringend benötigte Projektauto musste in die Werkstatt und Haojing wollte nicht mehr fahren. Sie besorgte ein Ersatzauto für das Wochenende und ich übernahm sämtliche Fahrdienste. Also musste ich früh morgens in Eile aufstehen und meine Chauffeur-Künste auspacken. Nachdem wir endlich in der Maschinenstation ankamen, wo der Empfang der deutschen Ministerin stattfinden sollte, konnten wir einen großen, roten Teppich bewundern.

Es dauerte nicht lange, dann kamen Frau Klöckner und ihre zirka 60 Personen zählende Delegation an. Die Chinesen inszenierten ihren Einmarsch, als wäre sie eine Kaiserin. Meiner Meinung nach sind Minister nicht so wichtig. Für ihren Besuch wurden jedenfalls Unmengen an Geldern sowie Ressourcen verschwendet und eigentlich wurden nur zahllose Hände geschüttelt und Dinge besprochen, die man auch am Telefon hätte besprechen können. Nach einigen Reden und künstlerischen Darbietungen fuhren wir hinaus auf die Felder. Dort hatte die Huanghai-Farm bereits mehrere Stationen für den „Feldtag“ aufgebaut.

Wir gingen nach und nach jede Station ab. Dabei versuchte Julia Klöckner stets sehr interessiert zu wirken und stellte manchmal auch eine Rückfrage. Auf mich wirkte das allerdings sehr aufgesetzt. Meine Frau glänzte währenddessen mit einer wirklich guten Übersetzung. Anschließend gingen wir alle noch gemeinsam zum Mittagsbuffet. Kurz darauf musste unsere Ministerin allerdings schon wieder abreisen, um ihren Flug nach Shanghai zu erwischen. Am Nachmittag gingen wir die Stationen erneut ab. Diesmal wurden auch die großen Landmaschinen demonstriert, weil die Beteiligten schlicht und ergreifend mehr Zeit hatten.

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Am Abend fuhren wir erneut in das 5-Sterne-Hotel in Binhai, wo es ein hochklassiges Abendessen gab. Der erste Veranstaltungstag wurde als großer Erfolg gefeiert. Am zweiten Tag absolvierte ich wieder zahlreiche Fahrdienste und half den gesamten Vormittag dabei, das Oktoberfest vorzubereiten. Dabei hatte ich mehrfach die Gelegenheit, meine Chinesisch-Kenntnisse in der Praxis einzusetzen und lernte verschiedene neue Leute kennen. Obwohl es lange Zeit nicht danach aussah, als würden wir rechtzeitig mit den Vorbereitungen fertig werden, schafften wir es, bevor die zirka 200 Gäste von der Feldbesichtigung zurückkehrten.

Da sich Haojing dazu bereiterklärte, im Anschluss an die Feierlichkeiten zurückzufahren, konnte ich endlich ein Bier trinken. Anhand der Bilder ist gewiss zu erkennen, dass ich es nicht bei einem Bier belassen habe. Im Vorfeld hatte die chinesische Seite Angst davor, dass das Oktoberfest ein Reinfall würde. Zum Glück bestätigten sich diese Befürchtungen nicht und es wurde ein voller Erfolg. Selbst die so skeptische Chefetage hatte sichtlich Spaß und Freude. Leider machten wir bereits nach etwa zwei Stunden Feierabend. Hoffentlich kommen auf Haojing und die Mitarbeiter der Huanghai-Farm nun ruhigere Wochen zu.

Liebe Grüße,

Benjamin

Der große „Feldtag“ steht unmittelbar bevor!

Hallo,

inzwischen fühle ich mich wieder besser und meine unmotivierte Phase neigt sich langsam aber sicher ihrem Ende zu. Beklagenswert ist dennoch, dass Haojing momentan jeden Tag von früh morgens bis spät abends arbeitet – selbst an den Wochenenden. Währenddessen verbringe ich naturgemäß einen Großteil meiner Zeit alleine in unserer Wohnung. Da Haojing zurzeit fast ausschließlich in der Kantine isst und ich generell wenig Nahrung aufnehme, fällt nicht allzu viel Hausarbeit an und dementsprechend habe ich viel Freizeit. Glücklicherweise gehöre ich nicht zu den Menschen, die sich schnell langweilen.

Ich habe damit begonnen, einen Vortrag über Ernährung zu erstellen, den ich irgendwann mal an irgendeinem Ort halten möchte. Dabei wurde mir bewusst, wie schlecht ich mich eigentlich mit PowerPoint auskenne. Die vorläufigen Folien, die ich bislang erstellt habe, sehen scheußlich aus. Mir bleibt jedoch noch ausreichend Zeit, um alles auszuarbeiten und zu perfektionieren. Ich habe einen unheimlich großen inneren Drang, mein Wissen über gesunde respektive ungesunde Ernährung zu teilen. Es gibt kaum ein Thema, das derart viele Menschen betrifft. Gleichzeitig herrscht hier ein großes Maß an Desinteresse und Unwissen.

Haojing hat sich ein TCM-Set gekauft, um damit Schmerzen in ihren Beinen zu behandeln. Dabei handelt es sich um zylinderförmige Plastikhüllen, gefüllt mit getrockneten Kräutern, die man sich auf die Haut klebt und anzündet. Der Rauch zieht nach unten und entweicht aus kleinen Löchern am unteren Rand jener korkenähnlichen Gebilde. Währenddessen breitet sich im Zimmer ein Duft nach Räucherstäbchen aus, der im geringen Maße sicherlich angenehm ist, aber ab einer gewissen Menge schlicht und ergreifend stört. Ich verstehe die Wirkweise zwar nicht im Geringsten, aber laut meiner Frau sind ihre Schmerzen verschwunden.

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Aktuell sind die meisten Tage ziemlich heiß. Die 40-Grad-Celsius-Marke war bereits mehrfach in Schlagdistanz. In der Woche kommt es allerdings regelmäßig zu ein oder zwei stürmischen Tagen mit sehr starkem Wind, Regen und kühlen Temperaturen. Selbstverständlich freue ich mich darüber. An diesen Tagen öffne ich sämtliche Fenster der Wohnung und lasse die stickige, heiße Luft hinauswehen. Dennoch wird es nicht wirklich kühl in unseren Räumlichkeiten. Zu Hause laufe ich die ganze Zeit in Unterwäsche herum – auch an einem stürmischen Tag. Das muss man positiv sehen. Unser Wäscheverbrauch ist äußerst gering.

Natürlich gehe ich noch regelmäßig spazieren. Währenddessen starren mich die meisten älteren Chinesen auf eine wirklich aufdringliche, unangenehme Weise an. Die jungen Chinesen – vor allem die Frauen – versuchen dabei viel unauffälliger zu sein und sehen sofort wieder weg, wenn ich zurückschaue. Oftmals bemerke ich, wie sie heimlich ein Foto von mir machen. Manchmal winke ich ihnen dann einfach zu. Umso bemerkenswerter war der junge Mann, der letzte Woche einfach auf mich zukam, um mit mir ein Selfie zu machen. Er wollte sich außerdem unterhalten, doch ich konnte ihm vermitteln, dass ich kein Chinesisch spreche.

Ansonsten läuft alles gut bei uns. Unsere Indoor-Kräuter gedeihen prächtig. Ein bisschen Pak Choi haben wir bereits gegessen. Darüber hinaus bin ich beeindruckt, wie schnell die Wäsche bei diesen Temperaturen trocknet. Da am nächsten Wochenende der große „Feldtag“ stattfinden wird, reisen momentan zunehmend mehr Deutsche an. Beim gestrigen Abendessen waren wir sogar in der Überzahl. Dementsprechend wurde auf eine ganz entspannte Weise Bier getrunken und das lästige vor-jedem-Schluck-mit-jemandem-in-der-richtigen-Reihenfolge-Anstoßen entfiel. Ich bin sehr gespannt, wie dieses Event ablaufen wird.

Liebe Grüße,

Benjamin

Meine Füße sind hübscher als mein Gesicht!

Hallo,

obwohl mein Geburtstag inzwischen bereits weiter als zwei Wochen in der Vergangenheit liegt, habe ich mein Motivationstief noch immer nicht vollständig überwunden. Obgleich ich mich durchaus schon besser fühle, fehlt es mir tagtäglich noch irgendwie an Antrieb. Vermutlich habe ich einfach viel zu sehr auf diesen einen Tag hingefiebert und jetzt fehlt mir irgendwie ein neues Ziel. Dabei steht in der nächsten Zeit ein weiteres Ereignis bevor: Haojings Arbeitgeber wird einen sogenannten „Feldtag“ veranstalten. Das ist ein Wochenende, an dem die Mitarbeiter der Huanghai Farm zahlreiche Gäste einladen und ihren Arbeitsalltag präsentieren.

Das Ganze ist offenbar gar nicht so unwichtig, denn es werden mehrere hochrangige chinesische Amtsinhaber und sogar die deutsche Ministerin für Ernährung und Landwirtschaft erwartet. Voraussichtlich werde ich also am übernächsten Samstag mit Julia Klöckner zusammen einen Kaffee trinken. Da ich vor Ort nur einer von vier Deutschen bin, ist die Chance darauf tatsächlich gar nicht mal so gering – obwohl ich mit dem Projekt an und für sich nichts direkt zu tun habe. Für den Sonntag dieses Wochenendes organisiert die Farm auch ein Oktoberfest, an dem es angeblich Würstchen und deutsches Bier geben wird.

Außerdem werde ich Hin- und Rückflug meines Deutschlandaufenthaltes im Sommer in den nächsten Tagen buchen. Laut Preisvergleichen war es bislang am günstigsten, am 14. Juli hinzufliegen und am 22. oder 25. August zurückzufliegen. Leider ist die Situation um den Hinflug noch nicht endgültig geklärt, weswegen die genannten Daten noch nicht als gesichert gelten. Wünschenswert wäre dieser Zeitraum jedoch allemal, denn er beinhaltet zahlreiche Geburtstage von Familienmitgliedern und Freunden sowie die Taufe meines Neffen. Außerdem wird das Wetter in Deutschland zu dieser Jahreszeit wohl ziemlich angenehm ausfallen.

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In der vergangenen Woche ist bei mir nicht allzu viel passiert. Da am Donnerstag ein Feiertag in Luxemburg war, hatte ich frei. Ich nutzte die Gelegenheit, um Haojing am Nachmittag zur Arbeit zu begleiten. Das war allerdings recht langweilig, doch die im Büro bereitstehende Kaffeemaschine versüßte mir auch diese Zeit. Ich war viel zu sommerlich angezogen (kurze Hose und T-Shirt). Kurioserweise hatten wir gerade an diesem Tag nur 18 Grad Celsius und es war – wie immer – sehr windig. Als wir auf das Feld hinausfuhren, fror ich regelrecht und die anderen lachten mich unverschämterweise aus. Zum Glück erkältete ich mich nicht.

Am Abend meines freien Tages wollte Haojing noch zur Akupunktur gehen. Dazu suchte sie ausgerechnet den Massage-Mann des Todes auf. Dieser Knochenbrecher durchbohrt seine Kundschaft scheinbar ebenso gerne mit Nadeln. Ich wollte mich auf gar keinen Fall erneut einer solchen Tortur unterziehen, weswegen ich mich für die Fußmassage entschied, die seine Ehefrau durchführte. Hierfür musste ich meine Füße zwar zunächst in unangenehm heißes Wasser stellen, aber danach war es recht angenehm. Als die gute Frau meine großen Füße und beängstigend langen Zehen sah, staunte sie nicht schlecht.

Ihr erster Kommentar danach war, dass meine Füße hübscher wären als mein Gesicht. Haojing versicherte mir zwar, dass das nur ein Scherz war, aber sicher bin ich mir diesbezüglich nicht. Die Masseurin scheint eine Vorliebe für Füße zu haben. Im weiteren Verlauf erwähnte sie, dass die Haut an meinen Füßen so schön wäre wie die eines Neugeborenen. Letzten Endes war die Erfahrung bei der Fußmassage natürlich viel angenehmer als die Knochenbrechermassage von letztem Mal. Leider bin ich seit Samstag wieder mit erheblichen VPN-Problemen am Kämpfen. Momentan funktioniert sie einen Großteil der Zeit überhaupt nicht.

Liebe Grüße,

Benjamin