Hallo,
um meine Leserschaft auf dem Laufenden zu halten, kommt selbstredend zuerst die gewohnte Info zu meiner Deutschlandreise. An dieser Stelle gibt es nichts Neues. Mein Lufthansa-Direktflug von Nanjing nach Frankfurt ist nach wie vor für den 13. Oktober vorgesehen. Eine kurzfristige Verschiebung halte ich durchaus für möglich. Dass der Flug komplett ausfallen könnte, glaube ich aber nicht. Wenn nichts Außergewöhnliches dazwischenkommt, werde ich dieses Jahr folglich noch deutschen Boden betreten. Auf die Rückzahlung meiner beiden abgesagten Flugreisen warte ich leider noch immer vergeblich.
Mein letzter Beitrag war recht lang, weswegen ich nicht alle Einzelheiten in meinen Urlaubsbericht einbringen konnte. Hinzufügen möchte ich noch, dass in der Region, in der wir unterwegs waren, hauptsächlich Yao-Chinesen leben. Bei diesen Menschen handelt es sich um eine der zahlreichen ethnischen Minderheiten in China. Zur traditionellen Kleidung der Yao zählen Kopfbedeckungen aus roten, gemusterten Tüchern. Zum Schutz der Kultur von Minderheiten gibt es hierzulande übrigens ein Gesetz, nach dem Beamte in öffentlichen Einrichtungen mindestens an zwei Tagen pro Woche ihre traditionelle Tracht tragen müssen.
Die Bergbauern, die Haojing und ich besucht haben und deren traditionelle Kleidung wir anprobieren durften, gehören ebenfalls zur Volksgruppe der Yao. Sie schlachteten extra für uns zwei Hühner. Ich habe zugesehen. Dabei wurde nicht einfach der Kopf abgeschlagen. Den Tieren wurde mit einem Messer die Halsschlagader aufgeschlitzt, das Blut wurde in einer Schale aufgefangen und im Anschluss wurden sie auf den Boden geworfen. Nach ein oder zwei Minuten wurden sie in heißes Wasser gelegt, um die Federn einfacher entfernen zu können. Erst dann hörten die Hühner auf, sich zu bewegen – sie waren also noch ziemlich lange am Leben.

Ich sehe das ziemlich wertfrei, aber natürlich kann sich jeder über diese Sache sein eigenes Urteil bilden. Allzu lange möchte ich nicht bei Urlaubserlebnissen bleiben, denn immerhin gibt es auch ein paar aktuellere Dinge, über die ich schreiben kann. Letzten Samstag fiel das Tischtennistraining leider aus, weil einige Umbauten im Gebäude durchgeführt wurden. Auf dem Rückweg ging ich am Supermarkt vorbei, wo eine Bühne mit Moderation und Tänzerinnen aufgebaut war. Letztere traten bauchnabelfrei auf, was in China bereits das Äußerste ist, wie sich eine Frau in der Öffentlichkeit zeigen sollte. Ich freute mich darüber und schaute ein wenig zu.
Am Sonntagabend offenbarte sich schließlich der Grund für die Umbauarbeiten im Tischtennisgebäude. Der Saal wurde mit einem Gummiboden ausgestattet. Darüber hinaus wurde ein Vorhang aufgehängt, der die Tischtennisbälle davon abhalten soll, in eine schlecht zugängliche Rinne zu fallen. Außerdem wurden zwei Klimaanlagen installiert. Jetzt ist es also endlich möglich, im Sommer bei unter 40 Grad Celsius und im Winter bei über 5 Grad Celsius Tischtennis zu spielen. Am Sonntag bestand die erste Hälfte des Trainings daraus, den Gummiboden zu putzen und die Platten, Banden, Pulte und Stühle an ihren Platz zu stellen.
Am Mittwoch traf ich auf einen jungen Spieler, der ein altes BVB-Trikot trug. Zwar bin ich mir nicht sicher, ob er überhaupt wusste, was er anhatte, aber ich signalisierte ihm, dass ich sein Outfit ziemlich cool fand. Im weiteren Verlauf der Woche mussten Haojing und ich wieder zwei ihrer Arbeitskolleginnen vom Flughafen in Yancheng abholen. Mittags gingen wir gemeinsam japanisch essen. Im Anschluss besuchten wir nochmals das nahegelegene Metro und kauften Produkte ein, die man in China nicht so einfach bekommt. Hierzu gehören unter anderem Butter, Joghurt, Käse, Lachs, Schokolade und Nürnberger Würstchen.
Liebe Grüße,
Benjamin






