Und schon wieder ist alles vorbei!

Hallo,

dieser Blog-Beitrag ist der letzte für dieses Jahr. Mein knapp sechswöchiger Aufenthalt in China ist inzwischen vorbei. Gestern bin ich wohlbehalten zu Hause angekommen. Ursprünglich wollte ich eine Woche früher zurückfliegen, doch leider verlief nicht alles nach Plan. Die Ausstellung meiner Aufenthaltserlaubnis dauerte diesmal ungewöhnlich lang. Währenddessen befand sich mein Reisepass bei der örtlichen Ausländerbehörde und ohne Reisepass konnte ich selbverständlich weder aus- noch einreisen. Aus diesem Grund musste ich meinen Flug leider umbuchen und darauf hoffen, dass die Sache vor Ende meines Urlaubs abgeschlossen sein würde.

Glücklicherweise kam der Anruf mit der frohen Kunde noch rechtzeitig. Nachdem wir den Reisepass abgeholt hatten, konnte auch endlich mein chinesischer Führerschein verlängert beziehungsweise neu ausgestellt werden. Um den Antrag, das Passfoto und den Sehtest hatten wir uns bereits letztes Mal gekümmert, weswegen die eigentliche Ausstellung nicht mehr viel Zeit in Anspruch nahm. Mein neuer Führerschein ist bis April 2035 gültig. An dieser Front habe ich also erstmal zehn Jahre Ruhe. Wir blieben allerdings bei der Verkehrspolizei, denn ich sollte noch eine Strafe wegen einer kleinen Verkehrssünde bekommen.

Einige Tage zuvor stand ich bei roter Ampel als letztes Fahrzeug in der Reihe auf einer Linksabbiegespur. Ich setzte zurück und wechselte die Spur, um nun doch geradeaus zu fahren, wo natürlich grün war. Der Spurwechsel war scheinbar nicht regelkonform und zu meinem Unglück befand sich dort eine Überwachungskamera. Es kostete mich zirka 25 Euro und obendrein bekam ich drei Punkte. Das ist nicht dramatisch, denn meinen Führerschein verliere ich erst ab zwölf Punkten und irgendwann nächstes Jahr sind die Punkte verfallen. Ärgerlich ist das natürlich trotzdem, zumal ich völlig uneinsichtig bin. Aus meiner Sicht liegt kein Regelverstoß vor.

In den letzten Wochen sind wir viel gereist. Haojing, die Kinder und ich waren für ein Wochenende in Wuhan, weil meine Liebste zu einem geschäftlichen Termin musste. Schon am Freitag war alles erledigt. Leider bekam der kleine Lukas in der Nacht einen Magen-Darm-Infekt, weswegen Hendrik und ich in ein anderes Zimmer umzogen und den Samstag allein in einer gigantischen Mall verbrachten. Bevor wir wieder Richtung Heimat aufbrachen, gingen wir sonntags schließlich noch zu einem Indoor-Spielplatz, wo wir uns stundenlang aufhielten. Lukas war noch sichtlich angeschlagen. Hendrik hatte demgegenüber jede Menge Spaß.

Einen größeren Urlaub absolvierten wir wenig später ebenfalls. Wir fuhren in das vier Zugstunden entfernte Guangzhou. Die sich im Süden befindende Metropole gehört zu den wichtigsten Städten des Landes und beherbergt etwa 16 Millionen Einwohner. Wir besuchten unter anderem das Museum, lokale Marktstraßen und irgendein historisches Gebäude. Jeden Tag ging es zum Essen ins Restaurant. Das Highlight war ohne Zweifel das Buffet im 600 Meter hohen Canton Tower. Selbst den Tag der Abreise nutzten wir für ein ausgiebiges Frühstück kantonesischer Art. Dafür, dass Haojing und ich mit zwei Kindern unterwegs waren, war der Urlaub toll.

Summa summarum bin ich sehr zufrieden mit meiner diesjährigen Reise nach China. Ich konnte alle wichtigen Dinge erledigen, die ich mir vorgenommen hatte. Außerdem konnte ich mein Gewicht halten, obwohl ich einige Male über die Strenge hinausschlug. Ein paar Wochen länger wäre ich gerne noch geblieben. Anders als letztes Jahr, wo ich knapp fünf Monate im Fernen Osten verweilte, fühle ich mich noch nicht übersättigt. Das ist zwar schade, aber nicht wirklich schlimm. Haojing, Hendrik und Lukas werden voraussichtlich erst Ende März, also in vier Wochen, zurück nach Deutschland fliegen. Der Abschied fiel mir schwer.

Liebe Grüße,

Benjamin

Volles Programm!

Hallo,

es ist schon viel Zeit vergangen, seitdem ich wieder in China bin. In zwei Wochen ist mein Urlaub vorbei und ich werde zurück in Deutschland sein. Das finde ich wirklich schade, weil ich eigentlich noch nicht das Bedürfnis beziehungsweise das Verlangen nach der alten Heimat habe. Bislang bin ich völlig glücklich damit, mit meiner Familie in unserem Haus im Umkreis der Stadt Chibi zu wohnen. Einige Begebenheiten und chinesische Gepflogenheiten, die mir mit der Zeit wohl auf die Nerven gehen würden, sind für mich gut zu ertragen. Manche sind mir sogar ans Herz gewachsen, weswegen ich sie zu Hause in Bitburg womöglich vermissen könnte.

Mein voriger Beitrag endete mitten im Frühlingsfest. Den letzten Tag des alten Jahres sowie den ersten Tag des neuen Jahres verbrachten wir im kleinen Kreis zu Hause. An den folgenden Tagen, an denen die chinesische Arbeitswelt weitestgehend stillsteht, besuchten wir verschiedene Familienmitglieder. Darunter waren eine Tante, ein Onkel und ein Cousin. An einem weiteren Tag waren wir erneut Gastgeber. Dieses Jahr fielen die Feierlichkeiten gefühlt jedoch deutlich kleiner aus als in meiner Erinnerung. Zwar gab es eine große Auswahl an unheimlich guten Köstlichkeiten, doch zur Völlerei artete es zu keinem Zeitpunkt aus.

Auch den Schnapskonsum konnte ich auf ein ziemlich angenehmes Niveau reduzieren. An einigen Tagen kam ich sogar gänzlich ohne Alkohol aus. An dieser Stelle bedurfte es natürlich einer guten (aber wahrhaftigen) Ausrede: Autofahren. Inzwischen sind die Festtage vorbei und es kehrt langsam Normalität ein. Für die nächste Zeit haben wir große Pläne. Zunächst steht ein Kurztrip nach Wuhan an. Im Verlauf der kommenden Woche werden wir schließlich einen Urlaub machen. Haojing, Hendrik, Lukas und ich werden in die Yunnan-Provinz reisen. Darauf freue ich mich sehr, vor allem natürlich auf das lokaltypische Essen.

Die Erneuerung meines chinesischen Führerscheins verlief (erwartungsgemäß) nicht gänzlich ohne Probleme. Im großen Verwaltungsgebäude, wo Chinesen für diesen Zweck einen automatisierten Prozess nutzen, schickte man uns zur Verkehrspolizei. Nach Diskussionen musste ich dort einen Sehtest absolvieren und Passfotos schießen lassen. Letztendlich konnte mir der neue Führerschein nicht ausgestellt werden, da sich mein Reisepass zwecks Aufenthaltserlaubnis derzeit noch bei der Ausländerbehörde befindet und hierfür anscheinend das Original von Nöten ist. Wenn ich den Reisepass wieder habe, sollte das allerdings reine Formsache sein.

Obwohl unser Rückflug nach Deutschland für den 20. Februar geplant ist, besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass ich diesen allein antrete. Meine Frau kann noch nicht mit Sicherheit sagen, ob sie zu gewissen Terminen anwesend sein muss. Aus diesem Grund habe ich in den letzten Tagen besonders viel mit Hendrik unternommen. Zum Beispiel waren wir zusammen im Indoor-Spielplatz, im Streichelzoo, bei Spielautomaten und auf verschiedenen Rummelplätzen. Hendrik ist sogar selbstständig mit dem Kinder-Gokart gefahren. Überdies waren wir gemeinsam auf der Achterbahn und dem Kettenkarussell. Das Geisterhaus war jedoch ein, zwei Nummern zu gruselig.

Hendrik und ich haben uns sogar den chinesischen Film „Ne Zha“ im Kino angeschaut. An einem anderen Tag waren Haojing, Hendrik, Lukas und ich zusammen mit meinem Schwiegervater unterwegs. Wir sind etwa eine Stunde in eine nahgelegene (touristisch aufbereitete) Altstadt gefahren. Vor allem eine Straße war tatsächlich schön anzusehen. Es war recht viel Betrieb und überall gab es überteuerte Artikel zu kaufen. Daran störte ich mich nicht. Große Menschenmengen machen mir inzwischen gar nichts mehr aus, was vor meiner Zeit in China völlig undenkbar war. Es ist interessant, wie sich die Dinge stetig ändern – und das ist auch gut so.

Liebe Grüße,

Benjamin

Mein langer Urlaub in China!

Hallo,

obwohl ich eigentlich nicht vorhatte, in meinem verdienten Urlaub allzu viel Zeit vor dem Bildschirm zu verbringen, habe ich mich spontan zum Verfassen eines Beitrags entschieden. Da hierzulande heute Neujahrstag ist und wir im kleinen Kreis zu Hause feiern, kann ich mich auch problemlos für ein paar Stunden in mein Arbeitszimmer zurückziehen. Ich bin inzwischen seit eineinhalb Wochen wieder in China und kann getrost behaupten, mich gut eingelebt zu haben. Wie bei meiner letzten Reise in den Fernen Osten, hatte ich erneut keinerlei Probleme mit der Zeitumstellung. Womöglich bin ich inzwischen Jetlag-resistent geworden.

Dieses Jahr werde ich lediglich fünf Wochen im Reich der Mitte verweilen, da mir nur ein (längerer) regulärer Urlaub möglich war. Haojing und die Kinder sind schon zwei Wochen früher geflogen. Mein Flug von Luxemburg nach Zhengzhou kam 40 Minuten verspätet an, weswegen ich den Direktzug nach Chibi verpasste. Das war kein Problem, da ich in Wuhan bequem umsteigen konnte. Am Bahnhof in Chibi holte mich schließlich meine Familie, gemeinsam mit meinem Schwager und seiner Freundin, ab. Natürlich haben wir uns alle gefreut. Besonders schön war es aber, zu beobachten, wie glücklich Hendrik und Lukas über das Wiedersehen mit dem Papa waren.

Bislang war das Wetter meistens schön. Tagsüber haben wir ungefähr 20 Grad Celsius, nachts unterschreiten wir manchmal den Gefrierpunkt. In den Häusern ist es gefühlt kälter als draußen. Ich friere quasi die ganze Zeit, nachdem die Sonne untergegangen ist. Während der ersten Tage haben wir nichts Besonderes unternommen. Wir haben diverse Familienmitglieder und Freunde besucht. Besonders gefreut hatte ich mich auf die authentische chinesische Küche, die ich jeden Tag (unter größter Zurückhaltung) genieße. Einmal waren wir schon das fabelhafte Streetfood essen. Nach den Feiertagen folgen hoffentlich noch viele weitere Male.

Da mein Aufenthaltstitel nur noch bis zum 30. Januar gültig ist, hatte die rechtzeitige Verlängerung oberste Priorität. Diesmal stellte sich das Warten auf die Ergebnisse der medizinischen Untersuchung als Problem heraus. Der vergangene Freitag war der letzte Arbeitstag der Ausländerbehörde vor dem Frühlingsfest, ein Testresultat fehlte aber noch. Es kostete uns zwar reichlich Nerven, doch kurz vor Torschluss bekamen wir die Ergebnisse und reichten die notwendigen Dokumente bei der Behörde ein. Nun sollte nichts mehr schiefgehen. Die Erneuerung meines Führerscheins, die ebenfalls in Bälde ansteht, wird hoffentlich reibungslos verlaufen.

Am Wochenende feierten wir den ersten Geburtstag von Lukas. Im Sonnenkalender fällt dieser zwar auf den 7. Februar, doch in der chinesischen Kultur ist der Mondkalender entscheidend. Wie auch bei Hendriks erstem Geburtstag, absolvierten wir ein Ritual, bei dem das Kind selbstständig drei Gegenstände auswählt. Diese stehen für bestimmte Charaktereigenschaften. Lukas nahm eine Trommel, einen Turm und ein Lesezeichen, was angeblich für Schlauheit, Stabilität und bla bla ba steht. Etwas Negatives gibt es bei diesem abergläubigen Getue selbstverständlich nicht. Das Essen und der Schnaps waren aus meiner Perspektive deutlich ansprechender.

Am Folgetag lud mich Haojings Bruder zur Schule, an der er arbeitet, ein, um vor den Schülern Tischtennis zu spielen. Daraus wurde eine Art Show gemacht, in dem ich das Zirkusäffchen sein durfte. Danach war quasi schon „Silvester“. Den Wechsel vom Jahr des Drachen in das Jahr der Schlange verbrachten wir diesmal im eigenen Haus. Der einzige Gast war die Kleine Tante. Allzu lang wurde unser Abend wegen Hendrik und Lukas allerdings nicht. Der anstrengende Part, also das Treffen mit den zahlreichen Verwandten zum neuen Jahr, liegt noch in der Zukunft. Davon werde ich aber erst im kommenden Beitrag ausführlicher berichten.

Liebe Grüße,

Benjamin

Das Beste kommt am Ende!

Hallo,

mein engerer Bekanntenkreis weiß bereits, dass ich inzwischen wieder in Deutschland bin. Letzten Mittwoch flog ich zunächst von Wuhan nach Shanghai und anschließend weiter nach Frankfurt. Der Rest meiner Familie ist allerdings noch in China. Haojing und die Kinder konnten mich leider nicht begleiten, weil Lukas noch keinen Reisepass hat. Laut Deutscher Botschaft müssen wir aber nur zwei, drei Wochen warten. Sobald wir alle notwendigen Papiere beisammenhaben, werden meine drei Liebsten den neuen Direktflug von Zhengzhou nach Luxemburg buchen, damit die Reise für meine Frau so einfach wie möglich ausfällt.

Bevor meine Schwester Lisa und ihr Freund Michael ankamen, besichtigten wir noch einen in Chibi ansässigen Kindergarten, um Hendrik dort eventuell anzumelden. Die Einrichtung gefiel uns gut. Am Ende haben wir unseren Sohn nicht angemeldet, weil er sowieso demnächst in Deutschland sein wird. Jedoch ist dieser Kindergarten durchaus interessant für zukünftige China-Aufenthalte. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir bereits, dass ich bald weggehen würde. Deshalb zog die Kleine Tante bei uns ein, um Haojing mit den Kindern zu unterstützen. Der positive Nebeneffekt ist, dass sie deutlich besser kochen kann als meine Schwiegereltern.

Am 2. Mai kam schließlich der Besuch aus Deutschland an. Ich wollte Lisa und Michael unbedingt mit dem Auto vom Flughafen in Wuhan abholen. Als ich dort ankam, stellte ich mit Erschrecken fest, dass kein einziger Parkplatz frei war. Ich konnte lediglich auf der Departure-Plattform halten – für maximal sieben Minuten. Danach musste ich eine Runde um den Terminal-Ring drehen, nur um an selbiger Stelle erneut sieben Minuten halten zu dürfen. Also schrieb ich Lisa eine Nachricht und hoffte darauf, dass sie nach Ankunft ins Flughafen-WLAN gehen würde. Glücklicherweise tat sie das und ich konnte die beiden nach wenigen Runden einsammeln.

Für den ersten Tag hatten wir kein großartiges Programm vorbereitet. Es gab lediglich ein chinesisches Abendessen. Am Freitag hatte Haojing ein großes Barbecue bei uns zu Hause organisiert. Neben ein paar Kleinigkeiten wurde ein ganzes Lamm auf den Grill geworfen. Als es angeschnitten wurde, drückte man mir als Hausherr demonstrativ ein ganzes Bein in die Hände. Eigentlich sollte ich nur für Fotos posieren, doch ich nahm die wahre Herausforderung an und verspeiste es komplett – unter großem Staunen der chinesischen Gäste. Am Tag danach waren wir zum Mittagessen beim Sechsten Onkel eingeladen. Seine Frau ist eine sehr gute Köchin.

Sonntags absolvierten wir eine Bootstour und machten auf der sogenannte Adventure-Insel halt. Dort gab es zahlreiche Dinosaurierfiguren, die sich teilweise sogar bewegten. Hendrik hatte jede Menge Spaß. Außerdem hätten wir dort Jetski fahren können, doch das war uns zu teuer. Die ersten Tage, die wir noch in Chibi verbrachten, waren leider ziemlich verregnet. Am Montag ging es los in Richtung Peking. Glücklicherweise fanden wir einen Direktzug, der sechs Stunden unterwegs war. Da wir vor Ort Termine hatten, mussten wir Hendrik und Lukas mitnehmen. Mein Schwiegervater war ebenfalls dabei, um uns beim Tragen zu unterstützen.

In Peking besichtigten wir die Chinesische Mauer und die Verbotene Stadt. Außerdem aßen wir Pekingente im Original-Restaurant. Der Termin für Lukas bei der Deutschen Botschaft verlief problemlos – genauso wie Hendriks Termin zur U-Untersuchung. Als wir alles abgehakt hatten, trennten sich unsere Wege. Während meine Frau mit Vater und Kindern zurück nach Chibi fuhr, brachen Lisa, Michael und ich auf zum Flughafen, wo es für uns weiter in Richtung Chongqing gehen sollte. In der Metropole mit (offiziell) 32 Millionen Einwohnern war ich vorher noch nie. Dementsprechend neugierig war ich auf die kommenden Tage.

Ich wurde nicht enttäuscht. Zumindest die Gegend von Chongqing, in der wir unterwegs waren, war beeindruckend. Die Stadt ist total hügelig. Andauernd geht es bergauf oder bergab. Einen Großteil der Zeit waren wir mit dem Aufspüren von schönen Plätzen und dem Probieren von Streetfood beschäftigt. Ich sprang sogar über meinen Schatten und verzehrte etwas, bei dem ich immer eine Art Grenze gesetzt hatte: frittierte Vogelspinne. Lisa und Michael wagten sich immerhin an Heuschrecken heran. Als wir letztendlich in Richtung Chibi aufbrechen mussten, war ich ein wenig traurig, doch auch der schönste Urlaub geht nun mal irgendwann vorbei.

Wir verbrachten noch einen Tag in unserem Haus, um zu packen und alles für die Reise vorzubereiten. Danach verabschiedete ich mich wirklich schweren Herzens von meiner Familie. Lisa, Michael und ich fuhren nach Wuhan, wo wir noch eine Nacht blieben und unter anderem das größte Einkaufscenter der Welt besichtigten. Danach ging es für uns in getrennten Flugzeugen zurück nach Deutschland. Ich werde meinen Blog nun ruhen lassen. Sobald mein nächster Aufenthalt in China ansteht, wird dieser selbstverständlich reaktiviert. Ich will mich bei allen Menschen bedanken, die Interesse an meinem Leben in Fernost gezeigt und meine Beiträge gelesen haben.

Liebe Grüße,

Benjamin

Zum Endspurt erwarten wir Besuch!

Hallo,

mein diesjähriger Aufenthalt in China nähert sich langsam seinem Ende. Der Rückflug nach Deutschland ist für den 15. Mai gebucht. Bis dahin werden wir ein durchaus volles Programm haben. Da wir endlich sämtliche Unterlagen für die Geburtsanzeige unseres Sohns beisammenhaben, können wir jetzt einen Termin mit der Deutschen Botschaft ausmachen. Danach müssen wir nach Peking reisen, wofür wir entweder das Flugzeug oder den Schnellzug nehmen werden. Außerdem kriegen wir demnächst Besuch. Meine Schwester Lisa und ihr Freund Michael werden in einer Woche in Wuhan landen. Nach Peking werden sie uns dann wohl begleiten.

Selbstredend ist das kein Problem. Immerhin bietet die chinesische Hauptstadt etliche Attraktionen respektive sehenswerte Orte. Überdies können uns die beiden eine große Hilfe mit dem Gepäck und den Kindern sein. Haojing darf den gebrochenen Fuß nach wie vor nicht belasten. Bis zum Aufbruch gibt es zwar eventuell noch Fortschritte, doch völlige Beschwerdefreiheit ist eine Utopie. Lisa und Michael möchten gerne Shanghai und Chongqing sehen. Dementsprechend kann ich mich wohl auf einen anstrengenden Endspurt – auf den ich mich aber sehr freue – einstellen. Ob ich hinterher allein oder mit meiner Familie nach Hause fliege, weiß ich noch nicht.

Neulich war ich jedenfalls allein unterwegs. Allerdings war ich nur für ein paar Stunden in Chibi und habe mich durch das hiesige Street-Food-Angebot schlawinert. Das werde ich vermutlich am meisten vermissen, wenn ich wieder zurück bin. Es ist schlicht und ergreifend unmöglich, die verschiedenen Gerichte zu Hause zuzubereiten. Nicht einmal Haojing würde das schaffen. Zum Einstieg gönnte ich mir ein köstliches Nudelgericht, das „Rè gān miàn“ genannt wird. Wortwörtlich übersetzt bedeutet es einfach nur „Heiße trockene Nudeln.“ Ich bin auf diesem Gebiet zwar keine Koryphäe, doch ich glaube, dass die Nudeln in Sesampaste zubereitet und serviert werden.

Darüber hinaus hatte ich eine Art Wrap. Dabei wird zunächst ein hauchdünner Crêpes-artiger Teig auf einer heißen Fläche ausgebreitet. Noch bevor dieser von der Kochplatte gelöst wird, kommen diverse Soßen und Gewürze hinzu. Danach wird das Endprodukt mit diversen Zutaten (Fleisch, Gemüse, Eier, etc…) belegt, bevor es zusammengefaltet und in zwei handliche Portionen zerschnitten wird. Natürlich probierte ich auch viele andere Dinge, die mich entfernt an Hamburger, Teigtaschen oder gefüllte Fladenbrote erinnerten, auf die ich aber nicht detailliert eingehen möchte. Ich bin darauf gespannt, ob meine Schwester ebenfalls Gefallen am Street-Food findet.

Vergangenen Freitag feierte unser Ältester seinen dritten Geburtstag. Ich erinnere mich noch sehr gut an die schwierige Zeit gegen Ende meines vorigen China-Aufenthalts. An die Strapazen rund um Hendriks Geburt und die Corona-Krise denke ich nur ungern. Es fühlt sich nicht an, als wären erst drei Jahre vorüber. Das ist eigenartig, weil die Zeit aus meiner subjektiven Sicht eigentlich zunehmend schneller zu laufen scheint – in diesem Fall wohl nicht. Aber ich möchte nicht zu sehr in der Vergangenheit schwelgen: Hendrik hatte einen schönen Tag. Direkt zum Frühstück bekam er ein süßes Teilchen. Hinterher fuhren wir zusammen in die Stadt.

Dort verbrachten Hendrik und ich einige Zeit in einem Indoor-Spielplatz. Mittagessen gab es im KFC. Haojing hatte ein paar Geschenke vorbereitet. Später probierte Hendrik noch verschiedene Spielangebote aus. Abends gab es noch einen Geburtstagskuchen zu Hause, dessen Kerzen der kleine Mann allesamt ausblasen konnte. Am folgenden Tag stand der nächste Geburtstag im Terminkalender. Der siebte Onkel wurde 55 Jahre alt. Diesmal entschied ich mich dazu, beim Festtagsmahl am Männertisch zu sitzen – ergo hochpotenten Schnaps mitzutrinken. Leider fühlte ich mich das restliche Wochenende entsprechend schlecht, aber ich bereue es trotzdem nicht.

Liebe Grüße,

Benjamin

Kulturelle Unterschiede!

Hallo,

unser Alltag hat sich seit dem letzten Beitrag nicht drastich verändert. Erstmal möchte ich erwähnen, dass Haojings gebrochener Fuß nur sehr langsam verheilt. Sie hat noch Schmerzen und darf nach wie vor nicht auftreten. Allerdings wurde ihr Gips inzwischen durch eine Schiene ersetzt, die sich zum Waschen abnehmen lässt. Das ist definitiv eine gute Sache. Wer schon mal über längere Zeit einen Gipsverband tragen musste, weiß sicherlich, wie unangenehm sich irgendwann die Haut darunter anfühlt. Trotzdem fällt mein Eindruck vom Heilungsverlauf eher negativ aus. Leider wird es noch viele Wochen brauchen, bis Haojing beschwerdefrei ist.

In China ist momentan die Zeit, an der überall eine Art Gräbersegnung stattfindet. Das läuft allerdings anders ab als bei uns. Die Verstorbenen sind einerseits nicht auf einem Friedhof, sondern liegen einfach in freier Natur – in der Nähe ihrer Heimat – begraben. Andererseits wird ihnen nicht mit Gebeten oder Weihwasser gedacht, sondern mit jeder Menge Feuerwerk und Böllern. Nachdem das gesamte pyrotechnische Material mit viel Getöse explodiert ist, verbeugt man sich schlussendlich dreimal im Stehen und danach dreimal im Knieen. Am Samstag war ich beim Elternhaus meines Schwiegervaters, wo ich diese Prozedur miterleben durfte.

Im Anschluss blieben wir noch mehrere Stunden bei seinem Bruder zu Hause. Dort gab es ein leckeres Mittagessen und außerdem hatte Hendrik hier einige Spielkameraden. Es fällt auf, dass sich Kinder hierzulande miteinander beschäftigen, obwohl sie hinsichtlich ihres Alters eigentlich nicht zusammenpassen. Die Älteren übernehmen dabei die Rolle eines Mentors oder eines Paten. Diesen Umgang kenne ich aus Deutschland nicht. Es ist immer wieder interessant, wie andersartig die chinesische Kultur in mancherlei Dingen daherkommt. Andere Belange sind jedoch gleich: Alkohol verbindet. Selbstverständlich wurde viel Schnaps ausgeschenkt, doch als Fahrer blieb ich nüchtern.

Am Wochenende war es sehr warm. Tagsüber hatten wir deutlich mehr als 30 Grad. Die meisten Deutschen würden sich an solchen Temperaturen stören, doch ich blühe dann erst so richtig auf. Die Hitzewelle führte allerdings auch zu mächtigen Gewittern. Zwei Nächte waren nahezu taghell, weil es andauernd geblitzt hat. Der ganze Himmel bis hin zum Horizont war wie eine einzige Gewitterwolke. Mehrfach schlug der Blitz in unserer Nähe ein, was mich etliche Male vor Schreck aus dem Schlaf riss. Mittlerweile ist es ein bisschen kühler und es regnet viel. Der Pegel des Lushui-Sees ist bedrohlich angestiegen und reicht nun fast bis zu unserem Haus.

Inzwischen haben wir übrigens zwei Hühner, die uns mit ihrer Kacke den Hof versauen. Hendrik hat jedoch Spaß mit den Tieren. Er kann sie sogar einfangen, was gar nicht mal so einfach ist. Hoffentlich schlachten wir noch vor meiner Abreise, weil ich das wirklich gerne selbst machen möchte. Meine Ernährung läuft noch voll nach Plan. Das bedeutet, dass ich derzeit nahezu vollständig auf pflanzliche Nahrung verzichte, dafür jede Menge Fleisch, Eier und Milchprodukte konsumiere. Je strikter ich diese sogenannte karnivore Ernährung durchführe, desto stärker und vitaler fühle ich mich. Vielleicht gibt es ja bald selbstgemachte Hühnerbrühe.

Dennoch besuche ich manchmal ein Restaurant – immerhin bin ich ein Genussmensch. Überdies werde ich in Deutschland nicht mehr die Gelegenheit haben, die authentische chinesische Küche auszukosten. Es wäre einfach viel zu schade, gar nicht mehr auswärts essen zu gehen. Hendrik und ich haben erneut einen Vater-Sohn-Ausflug gemacht. Als erstes waren wir gemeinsam in einem Indoor-Spielplatz. Danach gab es für den Kleinen ein Mittagessen im KFC und zum Abschluss durfte er an einem Kungfu-Schnupperkurs teilnehmen. Um den Anweisungen der Übungsleiter zu folgen, ist er aber dem Anschein nach noch zu jung. Spaß hatte er trotzdem.

Liebe Grüße,

Benjamin

Alltag mit drei Hilfsbedürftigen!

Hallo,

heute melde ich mich wieder mit einem Beitrag, obwohl seit dem letzten Mal eigentlich nicht allzu viel passiert ist. Das sollte praktisch jeder nachvollziehen können, denn eine Ehefrau mit gebrochenem Fuß, ein Zweijähriger und ein Baby sorgen nicht gerade für Unternehmenslust. Selbst einfachste Vorhaben sind schwierig. Da wir leider Probleme mit der Legalisierung der Geburtsurkunde haben, mussten wir vergangene Woche zu einem Notar in die benachbarte Stadt Xianning fahren. Diese einfache Reise kostete uns fast den ganzen Tag, weil man mit Kindern einfach immer deutlich länger braucht. Das Gipsbein ist natürlich eine zusätzliche Last.

Schon vorher war mir klar, dass der Papierkram rund um die Geburt ein behördlicher Kraftakt werden würde. Dass es diesmal aber noch mehr Probleme als bei Hendrik gibt, ist kaum zu glauben. Unglücklicherweise hakt es diesmal bereits auf chinesischer Seite, weswegen wir noch nicht einmal einen Termin bei der Deutschen Botschaft bekommen haben. Den können wir nämlich erst dann ausmachen, sobald wir sämtliche Dokumente im Vorhinein als Scan eingereicht haben. Die legalisierte Übersetzung der chinesischen Geburtsurkunde fehlt leider noch. Die Details sind derart dumm und dämlich, dass ich mich dazu nicht tiefergehend äußern möchte.

Für letzten Samstag lud sich Haojings Geschäftspartner quasi selbst zu uns zum Essen ein. Am späten Freitagabend teilte er uns schließlich mit, dass er noch vier oder fünf Freunde (inklusive Partner) mitbringen würde. Solche Aktionen sind in China – anders als in Deutschland – ganz normal. Essen ist sowieso immer mehr als genug vorhanden. Bereits früh am Morgen holte ich eine Tante aus der Stadt ab und fuhr sie zu uns nach Hause, damit sie für die Gäste kochen konnte. Kurz vor Beginn wurde mir angeraten, dass ich als Gastgeber jedem Schnaps einschenken und mit jedem anstoßen sollte. Mit diesen chinesischen Gepflogenheiten werde ich wohl nie völlig warm.

Interessanterweise war auch ein deutscher Gast anwesend. Heinz ist nun in Rente, hat aber die letzten zwölf Jahre seiner Berufslaufbahn in Shanghai gearbeitet. Inzwischen wohnt er in Chibi, weil die Familie seiner Frau ebenfalls hier lebt. Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass er sich nicht selbst eingeladen hat, sondern von uns eingeladen wurde. Wir haben die beiden im Januar schon mal in einem Café getroffen. Die chinesischen Gäste waren tatsächlich nur zum Essen da und fuhren anschließend ziemlich schnell wieder weiter. Heinz und seine Frau blieben noch auf einen Kaffee aus meiner heißgeliebten Filtermaschine.

Als Haojing gestern zur Nachuntersuchung ins Krankenhaus musste, nutzten Hendrik und ich die Gelegenheit, gemeinsam einen Vater-Sohn-Ausflug zu unternehmen. Wir besuchten einen kleinen Freizeitpark, der speziell für Kinder ausgelegt ist. Dort waren wir zwar schon ein- oder zweimal, doch diesmal ließen wir dort richtig viel Geld liegen. Wir waren bestimmt auf sieben verschiedenen Fahrten. Als erstes war das Riesenrad, in das sich Hendrik zum ersten Mal hineintraute, an der Reihe. Hinterher folgten diverse Karusselle und Schaukeln. Ganz am Ende wagten wir sogar einen gemeinsamen Ritt auf der Wilde-Maus-Achterbahn.

Im Nachhinein war das vielleicht nicht meine beste Idee, denn die Wilde Maus machte ihrem Namen alle Ehre und Hendrik ist noch recht ängstlich – doch früh übt sich. Dann gingen wir in ein Café, wo ich ihm einen Kuchen kaufte. Da ich immer noch auf Diät bin und nur höchst selten eine Ausnahme mache, gönnte ich mir lediglich eine Tasse Kaffee. Anschließend fuhren wir meinen Schwiegervater, Haojing und Lukas abholen, die in der Zwischenzeit zu einer Tante zum Essen gefahren waren. Haojings Nachuntersuchung, knapp sieben Wochen nach der Geburt, erbrachte übrigens nichts Negatives. Es ist also alles in bester Ordnung.

Liebe Grüße,

Benjamin

Disziplin und Knochenbruch!

Hallo,

nach dem turbulenten Februar, der zwei extreme Kältewellen, das Frühlingsfest, den Shenzhen-Trip sowie die Geburt unseres Sohns beinhaltete, sollte der März ein ruhiger Monat werden, in dem ich mich (soweit möglich) auf mich selbst konzentrieren wollte. Das hat vorerst mehr oder minder gut funktioniert. Ich ernähre mich ausgesprochen diszipliniert. Jeden Tag erfülle ich mein Mindestziel von 150 Gramm Protein und bin gleichzeitig in einem Energiedefizit. Auch mein Sport- und Bewegungspensum befindet sich im Soll. Ich variiere täglich mit den bewährten Eigengewichtsübungen und gehe immer mehr als 10.000 Schritte.

Der Frühling ist endlich da. Tagsüber wird es in der Regel wärmer als 20 Grad Celsius. Nachts ist es noch recht kühl, aber es bleibt über dem Gefrierpunkt. Zumeist ist es hier leicht bewölkt. Es gibt jedoch auch sonnige und regnerische Tage. Der Trend ist klar. Bald wird es in der Hubei-Provinz sehr warm sein. Der Alltag mit zwei Kindern gestaltet sich einfacher als befürchtet. Selbstverständlich gibt es gute und schlechte Tage, doch der gefühlte Aufwand hat sich kaum erhöht. Der Tag hat halt nur 24 Stunden und wenn man mit einem Kind schon kaum freie Zeit hat, macht es quasi keinen Unterschied, ob noch ein zweites Kind dazustößt.

Was mich stört, ist, dass Hendrik bestimmt, wie lang ich morgens schlafen kann. In der Regel möchte er gegen sechs Uhr aufstehen und ich muss raus aus den Federn, weil man einen Zweijährigen nun einmal nicht allein lassen kann. Ruhe habe ich dann erst wieder abends gegen 20 oder 21 Uhr. Dann bin ich echt froh, wenn ich mal zwei, drei Stunden Zeit für mich habe. Besonders produktiv kann ich währenddessen aber nicht sein, da ich schlicht und ergreifend müde bin. Wenn es dann gut läuft, habe ich noch genug geistige Kapazität, um ohne auf der Couch einzudösen ein paar Folgen eines Animes anzusehen. Zurzeit schaue ich „Ghost in the Shell“.

Ich möchte mich nicht zu sehr beklagen. Kinderhaben gehört nun mal zum Leben dazu und alle Eltern beschreiten diesen mühsamen Weg. Womöglich gehen andere Menschen auch eher in dieser Rolle auf und empfinden dementsprechend anders. Es ist schön zu erleben, wie die Kinder wachsen und sich geistig entwickeln. Mit Hendrik kann ich mich schon relativ gut unterhalten. Tagsüber spielen wir oft und viel miteinander. Er fährt gern mit seinem Dreirad, während ich nebenher gehe. Unser Ziel ist meistens der große See, wo wir zusammen Steine ins Wasser werfen. Manchmal fahren wir zwei in die Stadt und nutzen die verschiedenen Spielangebote für Kinder.

Unglücklicherweise hatte Haojing am Mittwoch einen Unfall. Beim Treppenruntergehen übersah sie die letzte Stufe und knickte ungünstig um, infolgedessen sie vor Schmerzen nicht mehr auftreten konnte. Im lokalen Krankenhaus erhielt sie schließlich die bittere Diagnose. Haojing hat sich den Fuß gebrochen. Nun muss sie mindestens sechs Wochen mit Gipsfuß, der nicht belastet werden darf, klarkommen. Das macht unseren Alltag mit den beiden Kindern nicht einfacher. Doch – wie bereits erwähnt – hat der Tag eben nur 24 Stunden und weniger freie Zeit kann ich ohnehin kaum bekommen. Deswegen steigt der Grad der gefühlten Auslastung nicht.

Letzten Endes bleibt noch zu erwähnen, dass mein Computer wieder funktioniert. Ich hatte die vage Vermutung, dass die sporadisch auftretenden Boot-Probleme mit der Grafikkarte oder dem Mainboard zusammenhängen könnten. Seitdem ich eine neue Grafikkarte eingebaut habe, funktioniert wieder alles. Die Gelegenheit nutzte ich dafür, neue RGB-Lüfter einzubauen. Darüber hinaus habe ich nun einen zweiten VPN-Router (Stichwort: Redundanz) im Einsatz. Seitdem wir die Aussparung für die Beine in den Schreibtisch gesägt und das Loch für die Kabel in die Tischplatte gebohrt haben, fühlt sich mein China-Setup endlich „komplett“ an.

Liebe Grüße,

Benjamin

Auf der Flucht!

Hallo,

mit diesem Beitrag melde ich mich recht spät, wofür ich mich bei meiner Leserschaft entschuldigen möchte. Die Gründe hierfür sind vielschichtig. Einerseits sind wir nicht mehr nur zu dritt, sondern haben mit Lukas ein neues Familienmitglied in unseren Reihen. Dass ich deshalb weniger Freizeit habe, bedarf eigentlich keinerlei Erklärung. Erwähnenswert ist aber, dass unser Neugeborener recht einfach zu handhaben ist. Der Umgang mit Hendrik ist jedoch ein Stück mühsamer geworden. Ich glaube nicht, dass er eifersüchtig ist. Mein Eindruck ist vielmehr, dass sich der Große öfter langweilt als früher. Vor allem Haojing hat weniger Zeit für ihn.

Andererseits war die Wetterprognose denkbar schlecht. Wie in den letzten Beiträgen nachzulesen ist, kam es Anfang Februar zu einer Kältewelle, die man im Nachhinein durchaus als Naturkatastrophe betiteln kann. Danach erwärmte es sich für eine Woche und unser Sohn wurde geboren. Kurz darauf sollte der nächste Temperatursturz mit denselben infrastrukturellen Folgen kommen. Aus diesem Grund entschieden wir uns kurzerhand dazu, mit Kind und Kegel in den warmen Süden zu reisen. Einen Tag vor Eintreffen der düsteren Prognose fuhren Haojing, Hendrik, Lukas und ich mit dem Schnellzug in das 1.000 Kilometer entfernte Shenzhen.

Shenzhen ist mit mehr als 17 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt Chinas und grenzt an die Sonderverwaltungszone Hongkong, die noch bis 1997 zu Großbritannien gehörte. Aus diesem Grund hat die Stadt eine große Bedeutung für Finanz und Handel. Wegen des subtropischen Klimas gibt es hier jährlich nur sehr wenige kalte Tage, was wir bei der Ankunft auf die harte Tour erfuhren. Natürlich war uns bewusst, dass es in Shenzhen ziemlich warm sein sollte, doch die 31-Grad-Wand, auf die wir trafen, hat uns regelrecht erdrückt. Unsere dicken Jacken waren ein zusätzlicher Ballast, den wir leider erstmal an der Backe hatten.

Wir bezogen eine kleine Zweizimmerwohnung im Zentrum. Sie war zwar nicht gerade luxuriös, aber günstig und sie reichte aus. Als wir am Abend schließlich das erste Mal in die Stadt gingen, war ich absolut baff. Überall strahlten schrille Lichter und von allen Seiten wurde man mit entsprechenden Geräuschen beschallt. Einen derart lebendigen und futuristischen Eindruck à la Cyberpunk kannte ich bislang noch von keiner anderen Stadt. An jeder Ecke konnte man etwas kaufen – meistens Essen. Das Angebot an Street Food war überwältigend. Leider blieben wir nur eine Woche in Shenzhen, weswegen ich zahlreiche Köstlichkeiten nicht ausprobieren konnte.

Allerdings hatte ich endlich Zugriff auf Pizza, die ihren Namen verdient hat. In unserem Umkreis gab es mehrere Filialen von Domino‘s Pizza. Selbstverständlich war diese auch an den chinesischen Gaumen angepasst und schmeckte nicht wie in Deutschland, aber immerhin war mal Tomatensoße drauf. An zwei Tagen hatten wir das für die Kanton-Provinz bekannte Frühstücksbuffet, bei dem sich über Stunden eine große Auswahl an kleinen Portionen direkt an den Platz ordern lässt. Haojing pickte dabei hauptsächlich lokal typisches Essen heraus. Am letzten Abend gönnten wir uns ein teures Restaurant, wo ich unter anderem ein dry-aged Wagyu-Ribeye-Steak genoss.

Gerne würde ich weiter über das kulinarische Angebot reden, doch dann blieben unsere anderen Aktivitäten außen vor. Tagsüber ging ich regelmäßig allein mit Hendrik durch die Stadt. Wir besuchten verschiedene Spielplätze beziehungsweise Spielhallen. Darüber hinaus waren wir alle zusammen im Zoo und hatten einen wundervollen Abend im 200 Meter hohen Aussichtsturm mit 360-Grad-Rundumsicht. Als wir schlussendlich unsere Heimreise antreten mussten, war ich tatsächlich ein bisschen traurig. Zu Hause stellte ich dann fest, dass mein Computer kaputt ist. Dies ist ein weiterer Grund dafür, dass ich meinen neuen Beitrag erst heute verfasst habe.

Liebe Grüße,

Benjamin

Der Drache kam mit dem gleichnamigen Jahr!

Hallo,

nach dem überstandenen Weltuntergang und der vorzeitigen Geburt unseres zweiten Sohns kehrten wir vorerst nicht zur Normalität zurück. Zwar verheilten die Frostbeulen an den Fingern allmählich, doch vorerst war unser zu Hause ein Krankenhauszimmer. Darüber hinaus stand das Frühlingsfest unmittelbar bevor. Da der Nachwuchs drei Wochen zu früh kam und infolgedessen Schwierigkeiten mit der Atmung hatte, musste er leider zunächst in den Brutkasten und wurde sicherheitshalber auf alle möglichen Erkrankungen durchgetestet. Letzten Endes war alles in Ordnung. Er ist ein gesunder Junge, der einfach nur etwas zu früh auf die Welt kam.

In unserem Zimmer befanden sich zwei Betten, zwei Stühle, ein Sofa und sogar ein Fernseher. Außerdem stand uns ein eigenes Badezimmer zur Verfügung, das jedoch bei weitem nicht den hygienischen Standards entsprach, die in einem guten Krankenhaus angebracht wären. Während Haojing und ich dort wohnten und Lukas im Brutkasten lag, verbrachte Hendrik die Tage bei seinen Großeltern. Tagsüber fuhr ich allerdings immer zu ihm und wir unternahmen etwas miteinander. Haojing konnte meistens nicht mitkommen, weil sie sich von der Geburt erholen musste. So kam es dazu, dass ich diverse Essenseinladungen ohne meine Frau antrat.

Immerhin stand das Frühlingsfest auf dem Plan. Diese Zeit ist mit Weihnachten und Silvester in der westlichen Welt vergleichbar. Normalerweise lädt jeden Tag ein anderes Familienmitglied zum Festessen ein. Diesmal war die Sache (zumindest für uns) etwas kleiner. Sowohl am letzten Tag des alten als auch am ersten Tag des neuen Jahres war ich mittags bei meinen Schwiegereltern. Am nachfolgenden Sonntag besuchten wir eine Tante. Dort wurde ordentlich aufgetischt und ausgeschenkt. Um den Reisschnaps kam ich diesmal komplett herum. Einige wenige Vorteile bietet eine bettlägerige Frau im Krankenhaus also durchaus.

Am Montag fuhren Hendrik und ich zu einer Cousine. Hier war die Situation deutlich beschaubarer, denn es waren keine anderen Gäste eingeladen. Im Anschluss nahmen wir sie und ihre zwei Kinder mit ins Krankenhaus, um Haojing zu besuchen. Nachdem ich die Verwandtschaft dort abgesetzt hatte, machte ich mich mit Hendrik auf den Weg in einen Park, um dort den Nachmittag zu verbringen. Vor Ort sind diverse Stationen mit Spielen für Kinder aufgebaut. Natürlich muss man für die Nutzung bezahlen, doch die Preise sind völlig okay. Ganz im Gegensatz zur Vorwoche war das Wetter herrlich. Teilweise hatten wir mehr als 20 Grad Celsius.

Da Hendrik in der Regel bei meinen Schwiegereltern war und Lukas im Brutkasten lag, hatte ich wenig zu tun. Wenn ich mich nicht gerade um meine Ehefrau kümmern oder irgendwo hinfahren musste, war quasi Freizeit. Ich hatte den VPN-Router von zu Hause in der Hoffnung mitgenommen, ihn in unserem Zimmer anschließen zu können. Dies gelang mir – und ich konnte endlich ein paar Dinge konfigurieren. Ich stellte ihn auf ein offenes DD-WRT-Betriebssystem um, infolgedessen ich fortan eine deutlich stabilere Verbindung habe. Zur Erinnerung: In China lassen sich Google-Dienste ohne ein VPN nur sehr eingeschränkt nutzen.

Als Haojing und Lukas endlich das Krankenhaus verlassen durften, wurde in unserem Haus das sogenannte Drachenritual durchgeführt. Dieses lässt sich am ehesten mit den Sternsingern respektive der Haussegnung in Deutschland vergleichen. Das chinesische Pendant kommt aber deutlich pompöser daher. Da unser Haus neu ist, buchten meine Schwiegereltern den Drachen zur Segnung, was immer zu Beginn des Jahres möglich ist. Dass nun auch das Jahr des Drachen begonnen hat, ist reiner Zufall. Der neue Alltag zu viert ist eine Herausforderung, aber er ist trotzdem ausgesprochen schön. Hendrik hat sehr positiv auf sein kleines Geschwisterchen reagiert.

Liebe Grüße,

Benjamin