Hallo,
mit dem zurückliegenden Beitrag meldete ich mich direkt aus Chibi, wo wir einerseits meine Schwiegermutter absetzen und andererseits Hejis chinesischen Pass beantragen mussten. Deshalb möchte ich nun an derselben Stelle beginnen, an der ich letztes Mal aufgehört habe. Dienstagabend sind Haojings Bruder und ich zusammen ausgegangen. Er spricht relativ schlechtes Englisch, aber zur Kommunikation reicht es allemal aus. Ursprünglich wollten wir in einen Barbecue-Laden gehen, doch während der Autofahrt erwähnte er, dass er das eigentlich gar nicht so gerne äße. Daraufhin erwiderte ich, dass er sich ein anderes Restaurant aussuchen solle.
Schlussendlich landeten wir in einem relativ teuren Restaurant für Meeresfrüchte. Mein Schwager orderte eine gewaltige Menge und kaufte außerdem viel zu viel ausländisches Bier in einem Supermarkt. Als das Essen schließlich kam, nahm er sich quasi gar nichts. Er hatte alles für mich gekauft. Auf meine verwunderte Rückfrage antwortete er, dass er Meeresfrüchte eigentlich gar nicht so gerne äße – also akkurat dasselbe wie vorher im Auto. Der Kerl ist wirklich verrückt. Immerhin kamen noch zwei Freunde vorbei, die ein klein wenig gegessen beziehungsweise getrunken haben. Dennoch war die Situation für mich durch und durch unangenehm.
Wenn man zusammen ausgeht, geht es mir nicht darum, möglichst viel vom Gegenüber spendiert zu bekommen. Es geht mir darum, eine Sache gemeinsam zu tun. Aus seiner Perspektive hat er natürlich etwas äußerst Großzügiges gemacht. Er ist in ein gehobenes Restaurant gegangen, hat jede Menge Essen bestellt, das er sich eigentlich nicht leisten kann, und am Ende isst er nicht einmal mit. Chinesen sind echt ein komisches Volk. Am Folgetag gab es noch ein Mittagessen mit der Familie, an dem ich sogar komplett um Alkoholkonsum herumkam. Der Abschied von meiner Schwiegermutter fiel zum Glück unspektakulär aus. Es liefen lediglich ein paar Tränen.
Am Donnerstagmorgen fuhren wir mit dem Schnellzug von Chibi nach Shanghai. Dabei mussten wir in Wuhan umsteigen. Auf dem Bahnhof trafen wir noch Haojings reichen Bekannten, der wiedermal über seine Geschäftsideen für Europa reden wollte. Da wir bald nach Deutschland zurückkehren werden, könnten seine Pläne zeitnah in die heiße Phase übergehen. Für die Zugfahrt von Wuhan nach Shanghai hatten wir Businessclass gebucht. Die Sitze waren phänomenal. Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Nach gut vier Stunden erreichten wir Shanghai, was in Anbetracht der Entfernung (als führe man von Nord- nach Süddeutschland) wirklich sehr schnell ist.
In Shanghai bezogen wir ein unheimlich luxuriöses Hotel, das sich nahe der deutschen Botschaft befand. Da wir nur zwei Nächte einplanten, wollten wir uns etwas Gehobenes leisten. 350 Euro pro Nacht sind für uns auch in China eine echte Hausnummer. Dafür bekamen wir ein riesiges Zimmer mit erstklassiger Aussicht auf die Wolkenkratzer der Stadt. Überdies konnten wir in einer Sky-Bar frühstücken. Im Hotel waren selbstredend mehrere Restaurants untergebracht, deren Preise ebenfalls oberhalb unserer gewohnten Verhältnisse lagen. Trotzdem nutzten wir die Gelegenheit und gingen an einem Abend für umgerechnet etwa 160 Euro essen.
Haojings Termin bei der Botschaft verlief nach Plan. Ihr Antrag wird bearbeitet und ist hoffentlich zeitig fertig. Dieses Mal verließ ich Shanghai mit leicht reumütigen Gefühlen. Wir waren in einer der tollsten Städte der Welt und konnten das Hotel kaum verlassen. Für ein Kind muss man einiges opfern. Immerhin werden wir in zwei Wochen nochmal nach Shanghai reisen, um Hejis deutsche Papiere zu beantragen. Der Schnellzug zurück in unsere Heimat fuhr direkt nach Binhai, wo sich der nächste Bahnhof befindet. Dieser benötigte dafür lediglich drei Stunden. Zirka 30 Minuten später waren wir schließlich zu Hause, wo ich nun endlich meine Ruhe habe.
Liebe Grüße,
Benjamin












































































































































































































































































































