Hallo,
in der zurückliegenden Woche ist wieder einmal nicht allzu viel passiert. Dennoch möchte ich heute von mir lesen lassen, weil der darauffolgende Beitrag sonst aus offensichtlichen Gründen (Geburtstagsfeier, Tischtennisspiel) wohl vollkommen überfüllt wäre. Für die, die es nicht wissen: Ich bin am heutigen Samstag 29 Jahre alt geworden! Weil die letzten Tage – wie ich bereits erwähnte – nicht die ereignisreichsten waren, bleibt mir nun Raum, um über unbedeutendere Dinge zu sprechen, die allerdings einen großen Teil meines Alltags ausmachen. Ich weiß nicht so recht, wo ich anfangen soll. Also schreibe ich einfach mal drauf los.
Aktuell faste ich aus gesundheitlichen Gründen dreimal pro Woche. Das heißt, ich esse sowohl an Montagen als auch an Mittwochen und Freitagen nichts – überhaupt nichts. An diesen Tagen trinke ich auch nur Wasser, Tee und (schwarzen) Kaffee. Viele Leute mögen das für verrückt halten, aber wenn man sich ein bisschen mit der Materie (Stichwort: Menschheitsgeschichte) beschäftigt und auch mal etwas von „Autophagie“ gehört hat, ergibt das durchaus Sinn. In Deutschland habe ich in der Regel nur an einem Wochentag gefastet. Durch die Erhöhung auf drei kalorienfreie Tage erziele ich logischerweise noch bessere Effekte.
Bei mir hat es sich eingebürgert, an Fastentagen auszuschlafen und früh ins Bett zu gehen. Ich stehe ungefähr um 10 Uhr morgens auf, trinke ein oder zwei Tassen Kaffee, lerne Chinesisch, mache meinen Spaziergang und hinterher ein paar Liegestützen. Dann beginnt bereits meine Arbeit, an die ich folglich fünf Stunden gebunden bin. Anschließend erledige ich die fällige Hausarbeit. Am Abend lege ich mich schließlich auf das Sofa vor den Fernseher, esse ein paar Körner Steinsalz, trinke viel Wasser und versuche so schnell wie möglich müde zu werden. Selbstverständlich gehe ich in den allerseltensten Fällen vor Haojing ins Bett.
An einem Nicht-Fastentag stehe ich selten nach 8 Uhr morgens auf. Meine Frau kocht mir stets fünf Spiegeleier mit Tomaten zum Frühstück. Wenn man nur vier Tage pro Woche isst, sollte man an jenen Tagen eine adäquate Menge an lebenswichtigem Protein zu sich nehmen. Danach esse ich ein paar Früchte und Nüsse als Nachtisch. Mittags trinke ich meistens einen Bulletproof-Kaffee und abends kocht Haojing wieder für mich. Der restliche Tagesablauf ändert sich nicht. An den Wochenenden arbeite ich natürlich nicht, spiele dafür aber an beiden Tagen Tischtennis. Bislang hängt mir dieser gefestigte Tagesablauf noch nicht zum Hals raus.
In dieser Woche ging ich auch mal abends spazieren. Bei der Freizeitanlage von Dayouzhen befindet sich ein großer Platz, auf dem man abends tanzen gehen kann. Dieses Angebot wird von zahlreichen Anwohnern regelmäßig wahrgenommen. Ich wollte mich bisher noch nicht zum Affen machen, aber ich bin mir sicher, dass mich meine Frau früher oder später dazu überredet bekommt, auch mal mitzumachen. Während eines Spaziergangs habe ich außerdem Werbung für ein Frauenkrankenhaus gesehen, die mich eher an Werbung für ein Rotlichtviertel erinnert. Doch eigentlich wird der Frau suggeriert, nach der Behandlung hübsch zu sein.
Um ehrlich zu sein, bin ich heute nicht 29, sondern 30 Jahre alt geworden. Zu allem Übel, muss Haojing heute arbeiten, weswegen ich heute lange alleine bleiben werde. Immerhin haben meine Eltern ein tolles Geschenk für mich nach China geschickt. Wir haben nun endlich eine ordentliche Kaffeemaschine und einen riesigen Vorrat an gutem Kaffee! Mit dem Gerät kann man sowohl Pad-Kaffee als auch Filterkaffee zubereiten. Ich habe mich sehr darüber gefreut und war auch echt überrascht. Heute Abend gehe ich mit ein paar Tischtenniskollegen essen und anschließend in eine Karaoke-Bar. Ein ausführlicher Bericht folgt demnächst.
Liebe Grüße,
Benjamin
