Eine bewegungsreiche Woche geht zu Ende!

Hallo,

In der zurückliegenden Woche bin ich eines meiner Änderungswünsche angegangen – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich wollte mehr Zeit im Freien verbringen und absolvierte fast an jedem Vormittag einen längeren Spaziergang. Am Dienstag nutzte ich sogar die sich bietende Gelegenheit, um auf dem hiesigen Markt einzukaufen. Eigentlich habe ich jeden Tag die Möglichkeit dazu, aber der Bedarf ist selbstredend nicht immer vorhanden. Ich kaufte mir für knapp einen Euro einen Chinakohl, eine Aubergine, eine grüne Paprika sowie ein paar Pilze. Darüber hinaus besorgte ich Pistazien und Sonnenblumenkerne für etwa vier Euro.

Ich machte einen großen Spaziergang durch einen Park. Dort stehen mehrere Steinfiguren, die eine teilweise echt ungesunde Körperhaltung an den Tag legen. Jene symbolisieren die zwölf chinesischen Sternzeichen, zu denen folgende Tiere gehören: Affe, Büffel, Drache, Hahn, Hase, Hund, Pferd, Ratte, Schaf, Schlange, Schwein, Tiger. Bei dieser Aufzählung wurde nicht chronologisch, sondern alphabetisch sortiert. Ein Tier wird immer mit einem der fünf Elemente Erde, Feuer, Holz, Metall und Wasser kombiniert. Insgesamt gibt es also 60 (zwölf mal fünf) verschiedene Möglichkeiten. Mein chinesisches Sternzeichen ist Schlange-Erde.

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Bezüge auf die chinesische Astrologie findet man übrigens im ganzen Land. An zahlreichen Orten und Plätzen sind entsprechende Figuren und Schriftzeichen angebracht. An dieser Stelle muss ich natürlich zugeben, dass ich letztere kaum erkennen kann. Doch allein die Tatsache, dass man hierzulande überall süße Plüschschweine kaufen kann, lässt jedermann unschwer erkennen, dass wir seit Februar im Jahr des Schweins leben. Im weiteren Verlauf meines Spaziergangs erkundete ich noch ein paar Straßen, in denen ich bislang noch nicht war. Diese langweilten mich jedoch eher und besonders schön waren sie auch nicht.

Am Mittwoch holte Haojing eine neue deutsche Arbeitskollegin vom Flughafen in Yancheng ab. Ich habe sie bislang zwar noch nicht kennengelernt, aber offenbar ist sie jung und hübsch. Außerdem kann ich mit der hervorragenden Neuigkeit aufwarten, dass nun endlich auch etwas im zweiten Indoor-Beet wächst. Wie ich bereits in meinem letzten Beitrag erwähnte, haben wir im ersten Blumentopf versehentlich Pak Choi angepflanzt, der bislang prächtig gedeiht. Im anderen Beet war bislang nur Erde zu sehen. Das hat sich inzwischen glücklicherweise geändert. Ich vermute, hier sprießen Petersilie und Schnittlauch.

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Am Donnerstag musste Haojing auf Dienstreise in die vier Autostunden entfernte Stadt Nanjing fahren. Dort blieb sie über Nacht, weswegen ich einen ruhigen Abend für mich ganz alleine hatte. Ich sah mir die neueste Staffel der Serie „The 100“ an. Dabei handelt es sich leider nur um eine mittelmäßige Serie, die nur zum Zeitvertreib dient. Natürlich bin ich auch sinnvollen Tätigkeiten nachgegangen. Zum Beispiel habe ich den großen Haufen Wäsche gewaschen, der sich in den letzten Tagen angesammelt hatte. Überdies habe ich den Kühlschrank nach Inhalten durchforstet, die man besser nicht mehr essen sollte.

Ich mistete also unseren Lebensmittelvorrat ein bisschen aus, was ab und zu einfach mal sein muss. Man vergisst nur allzu schnell etwas, das man dann nach ein paar Wochen nur äußerst ungern wiederfinden möchte. Zum Abendessen bereitete ich mir Chinakohl mit Zucchini und Pilzen zu. Leider schmeckte mir die Kombination nicht so gut, aber immerhin bin ich einige Dinge losgeworden, die ansonsten wohl hätten weggeworfen werden müssen. Am frühen Freitagabend kam meine Frau endlich von ihrer Dienstreise zurück. Dementsprechend kann ich mich für das kommende Wochenende wieder auf leckeres Essen freuen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Wir dürfen auch mal faul sein!

Hallo,

nachdem ich in kürzlich tatsächlich relativ wenig Freizeit hatte, hat sich die Lage inzwischen glücklicherweise wieder entspannt. Nachdem Haojing und ich vergangenen Donnerstag den längst überfälligen Hausputz erledigt hatten, konnten wir uns verdientermaßen auf das nahende Wochenende freuen. Besonders viele Pläne hatten wir nicht, weswegen die beiden freien Tage mehr oder weniger ruhig vonstattengingen. Schon am Freitagabend waren wir faul und sahen uns gemeinsam auf dem Sofa liegend einen Film an, den ich unter der Woche auf vollkommen legale Weise aus dem Internet heruntergeladen hatte.

Am Samstag stand Haojing wiedermal unnötig früh auf und störte mich beim gemütlichen Ausschlafen. Kurioserweise denkt sie, dass der frühe Samstagmorgen der richtige Zeitpunkt wäre, den Kleiderschrank aufzuräumen. Dass dieser neben unserem Bett steht, interessiert sie nicht. Da es in China nur eine einzige Zeitzone gibt und das Land wirklich sehr groß ist, wird es im Osten leider unverhältnismäßig früh hell beziehungsweise dunkel. In Westchina wäre ich mit meinem nächtlichen Biorhythmus sicherlich besser aufgehoben. Als ich schließlich aufstand, bereitete mir Haojing ein leckeres Frühstück zu und mein Ärger war verflogen.

Gegen Mittag sind wir zu einem Bekannten meiner Frau gefahren, der noch ein bisschen Platz auf seinem Acker hat. Dort lässt er uns freundlicherweise Gemüse anbauen. Da wir das noch nie eigenständig gemacht hatten, half er uns sogar dabei. Ich lege großen Wert darauf, dass in unserem Garten weder mit Pestiziden noch mit Kunstdüngern gearbeitet wird. Das berücksichtige Haojing natürlich auf ihrer Suche nach einem passenden Stück Land. Da es draußen momentan noch zu kalt ist, pflanzten wir unser Gemüse unter einem kleinen Zelt, das wie ein Treibhaus funktioniert und somit für die nötige Wärme sorgt.

Auf dem Rückweg machten wir noch bei der Erdbeerplantage halt, wo wir erneut einen Korb sehr lecker schmeckender Erdbeeren pflückten. Kurz darauf bekamen wir Besuch von den beiden deutschen Arbeitskollegen meiner Frau. Es gab Kaffee und Kuchen, gespickt mit ein paar zuckerarmen Früchten. Einen der beiden nahm ich anschließend sogar noch mit in‘s Tischtennistraining. Allerdings reichte sein Niveau gerade mal aus, um mit den chinesischen Kindern mitzuhalten. Spaß hat es ihm aber offensichtlich dennoch gemacht. Den Samstagabend verbrachten Haojing und ich erneut vor dem Fernseher auf dem Sofa.

Am Sonntag machten wir so gut wie gar nichts. Meine Frau beichtete mir lediglich, dass sie die Petersiliensamen mit den Pak-Choi-Samen verwechselt hat. Das, was nun in unseren kleinen Indoor-Beeten wächst, sind also keine Kräuter, sondern ein naher Verwandter des Chinakohls. Das ist natürlich überaus suboptimal, aber essbar wird das Erzeugnis letzten Endes dennoch sein. Abends ging ich wieder Tischtennis spielen. Danach lud ich meine Sportkollegen zum Abendessen ein. Insgesamt waren wir sieben Erwachsene und ein Kind. Ich bezahlte am Ende einer reichhaltigen Mahlzeit umgerechnet lediglich 40 Euro.

Während des Abendessens wurde mir mitgeteilt, dass ich mich im Tischtennis sehr verbessert hätte und deswegen beim nächsten Punktspiel mitmachen soll. Ich weiß zwar noch nicht genau, wie das hierzulande abläuft, aber allem Anschein nach fahren einige Vereinsmitglieder einmal pro Monat an einem Sonntag auf eine Art Wettkampf. Ich freue mich auf jeden Fall, beim nächsten Mal dabei sein zu dürfen und werde natürlich ausführlich davon berichten. Nach dem Essen wollte ich noch ein bisschen frische Luft schnappen und bin zu Fuß zurück zu unserer Wohnung gegangen. Der restliche Abend verlief dann wieder ruhig und entspannt.

Liebe Grüße,

Benjamin

Irgendwie habe ich viel um die Ohren!

Hallo,

zunächst möchte ich mich für die lange Sendepause entschuldigen. Ich hatte durchaus viel um die Ohren und musste zudem noch einen Magen-Darm-Infekt auskurieren. Ich habe immer noch einen relativ gefüllten Zeitplan, aber immerhin fühle ich mich wieder fit und konnte mir heute Vormittag ein bisschen Zeit für meinen Blog nehmen. Letzte Woche Montag begann mein Tag mit einem Besuch bei der örtlichen Polizei. Dort musste ich mir eine Meldebestätigung ausstellen lassen, die ich für die Anmeldung zur Führerscheinprüfung benötigen sollte. Nachdem ich das Papier hatte, machte ich einen schönen Spaziergang durch Dayouzhen.

Dabei erkundete ich einige Straßen und Wege, durch die ich bislang noch nicht gegangen bin und besuchte zum ersten Mal den hiesigen Markt. Dieser ist genauso wie man sich einen chinesischen Markt vorstellt. Überall liegen tote Tiere herum. Ein paar lebendige sind natürlich auch vorhanden. Die restlichen Stände sind gefüllt mit Gemüse, Obst, Wurzeln und Gewürzen. Die Leute haben mich komisch angeguckt, aber an das ständige Angestarre habe ich mich bereits gewöhnt. Gekauft habe ich nichts, weil ich kein Geld dabeihatte. Dies wollte ich jedoch unbedingt ausprobieren, weswegen ich es im weiteren Verlauf der Woche nachgeholte.

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Am darauffolgenden Mittwoch fuhren Haojing, ihre beiden deutschen Arbeitskollegen und ich nach Yancheng, wo wir uns beim Verkehrsamt für die Führerscheinprüfung anmelden sollten. Bei den anderen hat das ganz wunderbar funktioniert, bei mir leider nicht. Da ich bei der Ausländerbehörde in Chibi gemeldet bin, muss ich meine Führerscheinprüfung dort absolvieren. Dementsprechend muss ich in der nächsten Zeit nochmal für einige Tage – vielleicht Wochen – zu meiner Schwiegermutter fahren und in einem winzigen Raum sowohl leben als auch arbeiten. Wenn ich ehrlich bin, würde ich auf den Führerschein lieber ganz verzichten.

Da wir bereits in Yancheng waren, fuhren wir den Firmenwagen noch zur Inspektion und holten Haojings Arbeitskleidung ab. Im Anschluss gingen wir in ein Metro einkaufen. Hier konnten wir zahlreiche deutsche Produkte finden. Wir entschieden uns unter anderem für ein gutes Olivenöl, Balsamico und einige Gewürze. Als wir endlich wieder zu Hause waren, hatten wir bereits 16 Uhr. Ich hatte meinem Arbeitgeber natürlich Bescheid gesagt, dass ich an diesem Tag eventuell etwas später anfange. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass ich letzten Endes völlig umsonst derart früh aufstand und diesen langweiligen Trip mitmachte.

Als das vergangene Wochenende nahte, machte mich Haojing darauf aufmerksam, dass ihre deutschen Kollegen und sie mit ihren Computern im Büro gar nicht richtig arbeiten können, weil einige Programme, zum Beispiel Microsoft Office, nicht richtig funktionieren. Ich erklärte mich bereit, nach meinem Feierabend danach zu schauen. Es stellte sich heraus, dass die Systeme vollkommen stümperhaft eingerichtet waren. Ich möchte nicht zu sehr ins Detail gehen, aber da wurde das Betriebssystem teilweise auf der HDD installiert, während die unbenutzte SSD quasi brachlag. Jeder verfügte über Adminrechte und mehrere Antivirenprogramme.

Ich frage mich ernsthaft, wie ein Projekt, in das viel Geld investiert wird, so eine unheimlich schlechte, unsichere und langsame IT-Infrastruktur haben kann. Ich muss sämtliche Computer komplett neu aufsetzen und Office-Lizenzen kaufen. Einige Dinge konnte ich bereits erledigen, aber da ich durchaus noch anderes zu tun habe, wird sich das noch ein ganzes Weilchen in die Länge ziehen. Am Samstagvormittag machten Haojing, ein paar ihrer chinesischen Arbeitskollegen und ich einen Ausflug ans Meer. Auf dem Hinweg machten wir Halt auf einem Landwirtschaftsmessegelände und besuchten ein wirklich sehr großes Treibhaus.

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Dort gab es eine riesige Ausstellung der verschiedensten Nutz- und Zierpflanzen. Ich kenne mich mit der Thematik leider viel zu schlecht aus, um tiefer ins Detail gehen zu können. Dennoch war es wirklich ein schönes Erlebnis. Zwischendurch wurde ich sogar von einer jungen Fremden gefragt, ob sie ein Bild mit mir machen dürfe. Hierzulande bin ich eben eine echte Rarität. Anschließend waren wir noch in einem Restaurant essen, das auf Meeresfrüchte spezialisiert ist, und hinterher besuchten wir den ortsansässigen Markt, wo sogar lebendige Kröten verkauft wurden. Das Meer war leider unspektakulär, da wir nicht nah genug heranfuhren.

Am Sonntag gingen wir erneut ins Freie, um uns an einem (vermutlich) unberührten Stück Land ein wenig Erde für unsere Indoor-Kräuterbeete zu nehmen. Da wir die Pflanzen essen wollen, sollen sie natürlich Boden bekommen. Im weiteren Verlauf des Tages wurde mir ziemlich übel und ich musste mich mehrfach übergeben sowie Bettruhe halten. Der erste Krankheitstag war der schlimmste, der zweite war immer noch sehr unangenehm. Vollkommen gesund fühle ich mich eigentlich erst wieder seit heute. Ob ich etwas Falsches gegessen habe oder mich einfach irgendwo ansteckte, weiß ich nicht. Zum Glück blieb meine Frau verschont.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein weiteres Wochenende ist vorbei!

Hallo,

mein Wochenende war wieder angenehm und erholsam. Am Samstag schlief ich zunächst aus. In Anbetracht meiner neuen Arbeitszeiten ist das zwar eigentlich nicht erwähnenswert, aber irgendwie prahle ich gerne mit diesem Luxus. Haojing hatte mir ein reichhaltiges Frühstück zubereitet. Auf ein Mittagessen verzichtete ich, weil ich einerseits spät frühstückte, und andererseits abends noch Tischtennis spielen wollte und man einfach nicht so leichtfüßig ist, wenn man vorher zu viel gegessen hat. Am frühen Nachmittag absolvierten wir einen ausgiebigen Spaziergang durch Dayouzhen, der uns beiden äußerst gutgetan hat.

Jedes Mal, wenn ich unsere Wohnung verlasse, bemerke ich aufs Neue, dass ich zu viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringe. Zunächst sind wir durch ein paar schmale Nebenstraßen gegangen und haben uns die Gemüsegärten der Anwohner angesehen. Wir wollen demnächst auch damit beginnen, etwas anzupflanzen. Nachdem wir schließlich wieder eine der beiden Hauptstraßen erreicht hatten, setzten wir uns in ein Restaurant, wo ich mir einen Kaffee genehmigte. Leider bekam man den Kaffee nicht schwarz, sondern lediglich mit Milch gemischt, aber immerhin befand sich kein Zucker in dieser unrühmlichen Mixtur.

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Abends spielte ich Tischtennis. Ich komme zunehmend besser in Form. Das könnte daran liegen, dass sich mein Körper inzwischen nach drei Wochen auf die kohlenhydratarme Ernährung umgestellt hat und seine Energie nun sehr effizient aus Fetten und Ketonkörpern generiert. Natürlich spielt auch ein gewisser Gewohnheitsfaktor an den Spielstil der Chinesen eine bedeutsame Rolle. Am Samstagabend bekamen wir noch Besuch von Haojings Arbeitskollegen aus Deutschland, für die sie als Dolmetscherin tätig ist. Meine Frau hat Steak für uns gemacht, welches sie ein paar Tage vorher bei Alibaba bestellt hatte. Es war ein schöner Abend.

Der Sonntag verlief tatsächlich ähnlich. Diesmal bekamen wir allerdings bereits zum Mittagessen Besuch von zwei ihrer chinesischen Arbeitskollegen. Dementsprechend bereite Haojing chinesisches Essen vor, was ebenfalls sehr gut schmeckte. Anschließend fuhren wir gemeinsam zur Lagerhalle, in der die Landmaschinen untergebracht sind. Die Traktoren und Mähdrescher sind wesentlich größer als man sie aus Deutschland oder zumindest aus der Eifel kennt. Das Land hier ist absolut flach, was riesige, leicht zu befahrene Felder erlaubt. Dementsprechend sind große Landmaschinen in dieser Gegend durchaus von Vorteil.

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Hinterher besichtigten Haojing und ich noch einige Weizen- und Rapsfelder. Zu dieser Jahreszeit sind die Pflanzen noch ganz jung. Ich konnte sie ohne die Hilfe meiner Frau nicht identifizieren. In den letzten Tagen hatte es ein bisschen geregnet. Der Boden war allerdings nur leicht feucht und nicht matschig. Auf den Pflanzen sammelten sich Wassertropfen, was wirklich ein phantastischer Anblick war. Ich finde, wir achten viel zu selten auf die Schönheit der Natur. Ich habe mir vorgenommen, das in Zukunft öfters zu machen. Hier treffen auf zauberhafte Weise mathematische Ordnung und undifferenziertes Chaos aufeinander.

Im Anschluss spielte ich erneut Tischtennis und hatte diesmal sogar derart viel Spaß daran, dass ich die Zeit vergaß und Haojing mich irgendwann sich Sorgen machend in der Turnhalle abholte. Zum Abendessen gab es eine kleine Low-Carb-Pizza, die für ein Ersatzprodukt enorm gut schmeckte. Wir beide haben uns nun übrigens vorgenommen, jeden Sonntag persönliche Ziele zu formulieren, die wir bis zum nächsten Wochenende erreicht haben wollen. Dabei geht es eher um kleine Sachen, deren Erfüllung uns aber dennoch extrem motiviert. Ich bin gespannt, ob ich bis zum kommenden Sonntag alles erreicht haben werde.

Liebe Grüße,

Benjamin

VPN-Probleme, ein Schulbesuch und ein neuer Schreibtisch!

Hallo,

die neue Woche begann nur teilweise wie gewohnt. Am Montag konnte ich zwar ausschlafen, doch nach dem Aufstehen war das Aufrufen von YouTube nicht möglich. Normalerweise schaue ich mir jeden Morgen die Videos an, die am Abend zuvor in Deutschland veröffentlicht wurden. Da die meisten Google-Dienste in China gesperrt sind, musste ich mir bislang mit einer kostpflichtigen VPN-Lösung Abhilfe schaffen. Genau das hatte seit Samstag nicht mehr funktioniert, weswegen ich wirklich sehr abgeschottet war. An dieser Stelle zahlte es sich aber zum Glück aus, dass ich mich im Vorfeld für einen teuren Anbieter entschieden hatte.

Dieser informierte mich mehrfach am Tag über den neuesten Stand in puncto Problemlösung. Am Montagabend hatte ich endlich wieder eine mehr oder weniger stabile VPN-Verbindung nach Hongkong. Seitdem wird die Verbindung Tag für Tag besser – ich bin wirklich zufrieden. Hintergrund der Störung war wohl der Versuch der chinesischen Behörden, sämtliche gängigen VPN-Lösungen zu blockieren. Das ist ganz offensichtlich fehlgeschlagen. Die Verbindung zu den Servern meines Arbeitgebers wurde nicht beeinträchtigt. Eigentlich habe ich sogar den Eindruck, dass diese seit der Umstellung sogar noch reibungsloser läuft.

 

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Ein Bekannter in meinem Tischtennisverein ist Lehrer. Dieser hatte mich für Mittwoch in seine Schule eingeladen. Ich habe natürlich zugesagt, obwohl ich eigentlich keine so große Lust hatte. Ich wurde also um die Mittagszeit abgeholt und zur Schule gefahren, die ungefähr zehn Minuten außerhalb von Dayouzhen liegt. Zunächst wurde mir im Lehrerzimmer ein Tee angeboten, den ich natürlich dankend annahm. In China ist es recht unhöflich, Geschenke abzulehnen. Es kann aber auch unhöflich sein, Geschenke anzunehmen, wenn jene zu groß sind. Hierfür benötigt man das berühmt-berüchtigte Fingerspitzengefühl. Man sagte mir bereits, ich hätte es nicht.

Anschließend sind wir zusammen mit der Englischlehrerin, die als Dolmetscherin fungierte, in die Klasse meines Tischtenniskollegen gegangen. Er hatte seinen Schülern im Vorfeld bereits viel von mir erzählt, weswegen sie sich sehr auf mich freuten. Sie stellten mir Fragen auf Englisch, die sie vorher aufgeschrieben hatten. Gerade die Mädchen waren schwierig zu verstehen, weil sie sehr schüchtern und leise gesprochen haben. Die Jungs machten hingegen durchaus einen selbstbewussten Eindruck. Am Ende wollten mir einige sogar die Hand geben und es wurde ein gemeinsames Foto gemacht. Außerdem haben sie mir ein rotes Halstuch geschenkt.

Später erfuhr ich von Haojing, dass das eigentlich ein Erkennungszeichen für Mitglieder der jungen kommunistischen Partei ist. Das stört mich aber natürlich nicht. Das Geschenk kam von Herzen. Am nächsten Tag kam der Schreibtisch an, den wir in der Woche zuvor im Möbelhaus bestellt hatten. Als ich am Vormittag aufstand, war dieser bereits aufgebaut und befand sich im Arbeitszimmer. Das war wohl das indirekte (aber unmissverständliche) Zeichen meiner Frau, den Computer gefälligst vom Esstisch wegzunehmen. Der Schreibtisch ist sehr schön. Es ist auch noch genug Platz vorhanden, um demnächst richtig fette Lautsprecher aufzustellen.

Selbstredend fiel eine ganze Menge Müll an, die natürlich ich zu entsorgen hatte. Hierzulande trennt man Müll nicht, sondern schmeißt alles in eine Tonne. Es gibt zwar die Möglichkeit, Kartons und Plastikflaschen an bestimmten Stellen für ein bisschen Geld abzugeben, aber für uns rentiert sich das wirklich nicht. Ein schlechtes Umwelt-Gewissen habe ich diesbezüglich nicht, denn Menschen, die das Geld wirklich brauchen, fischen sich regelmäßig die Flaschen und die Pappe aus den Mülleimern. Da ich in Zukunft viel Zeit im Büro verbringen werde, denke ich momentan intensiv daran, wie und auf welche Weise ich diesen Raum verschönern kann.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Wir hatten ein wunderschönes Wochenende!

Hallo,

wie man anhand meines letzten Beitrags zu ahnen vermag, ist der Alltag im ländlichen China nicht ganz so abwechslungsreich. Dennoch hatte ich zu erwähnen vergessen, dass ich vergangenen Mittwoch bei einer Massage war. Leider wurde ich nicht von einer hübschen Chinesin, sondern von einem Mann behandelt. Im Vorfeld ging ich von einer einfachen Massage aus, bei der man sich entspannen kann, doch in diesem Punkt täuschte ich mich. Jeder einzelne Handgriff war so fest, dass mir heute noch die Knochen wehtun. Das war keine Massage, sondern eher eine Folter. Ich war wirklich heilfroh, als die Prozedur endlich vorbei war.

Zwischendurch dachte ich bereits, er hätte mir die Zehen gebrochen und als er mir sekundenlang in die Schläfen drückte, wurde mir fast schwarz vor Augen. Zugutehalten muss ich dem zertifizierten Massage-Mann, dass ich nach der Behandlung tatsächlich locker und entspannt war. Dennoch überlege ich es mir zwei- oder gar dreimal, bevor ich nochmal dort hin gehe. Der Spaß hat rund 15 Euro gekostet und 45 Minuten gedauert. Haojing hat sich währenddessen von seiner Ehefrau die Füße massieren lassen und war rundum glücklich. Ich bin fest davon überzeugt, wäre sie an meiner Stelle gewesen, hätte sie das nicht überlebt.

Am Samstag sind wir bereits morgens in die nächstgelegene Stadt Binhai gefahren, die ungefähr 30 Minuten von uns entfernt liegt. Diese hat ungefähr eine Million Einwohner, wirkt vom Stadtbild aber eher wie eine heruntergekommene Kleinstadt. Dort haben wir zunächst zu Mittag gegessen. Meine Frau hatte sich einen Meeresfrüchtetopf gewünscht und online einen Tisch für 10 Uhr reserviert. Blöderweise hatte das Restaurant nichts von der Reservierung mitbekommen und war deswegen noch geschlossen, als wir dort ankamen. Haojing musste erst den Besitzer anrufen, damit dieser kam und seinen Laden für uns öffnete.

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Das Essen war sehr lecker, aber schwierig zu essen. Wir hatten schließlich nur Stäbchen und unsere Hände. Als Deutscher finde ich es sogar mir Messer und Gabel schwierig, Muscheln und Garnelen zu verspeisen, ohne eine riesige Sauerei zu machen. Im Anschluss an das Mittagessen waren wir noch einen Kaffee in einem Western-Restaurant trinken und hinterher im Kino. Dort haben wir uns den Film „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ angeschaut, der wirklich sehr sehenswert ist und auf einer wahren Begebenheit beruht. Das Kino ist nicht so schön und modern wie das in Chibi, aber es erfüllt seinen Zweck in ausreichender Form.

Am Samstagabend war ich wieder Tischtennis spielen und ging mit je drei Siegen sowie Niederlagen wieder nach Hause, wo mich Haojing mit einem Steak überraschte. Darüber habe ich mich sehr gefreut und es hat mir natürlich gut geschmeckt. Das Fleisch war etwas zu dünn, aber damit kann ich gut leben. Ich bin glücklich über jedes nicht-chinesische Essen, das ich kriegen kann. Am Sonntag sind wir um die Mittagszeit zu einer Erdbeerplantage gefahren und haben uns einen Korb Erdbeeren gepflückt. Wenn ich mich korrekt erinnere, waren es insgesamt gut zwei Kilogramm, für die wir eine stolze Summe von 15 Euro bezahlt haben.

Nachmittags sind wir schließlich unseren sonntäglichen Pflichten nachgegangen und haben ein wenig aufgeräumt. Leider waren wir aber etwas faul, weswegen einige Arbeiten auf den heutigen Montag verlegt werden mussten. Selbstredend ging ich abends wieder ins Tischtennistraining, wo ich diesmal vier Spiele gewann und zwei verlor. In diesem Verein befinde ich mich hinsichtlich der Spielstärke also ungefähr im oberen Mittelfeld. Meine Mitspieler haben mich danach noch zum Abendessen eingeladen. Ich stimmte aber nur unter der Bedingung zu, dass ich mit ihnen keinen Schnaps trinken muss. Sie waren mir offensichtlich nicht böse.

Liebe Grüße,

Benjamin

Die letzte Woche war relativ ereignislos!

Hallo,

seit meinem letzten Beitrag ist nicht allzu viel passiert. Da mein neuer Computer etwas mehr als doppelt so schnell ist wie mein alter, den ich in Deutschland gelassen habe, wollte ich natürlich sofort das Spiel der Spiele ausprobiert, das ich schon lange nicht mehr genossen habe. Als „Crysis“ im Jahre 2007 herauskam, war es seiner Zeit Jahre voraus. Leider funktioniert die Version, die ich auf meiner Festplatte mitgebracht habe, nicht mehr unter Windows 10, weswegen ich mir auf vollkommen legale Weise mehrere Versionen aus dem Internet herunterlud, bis ich endlich eine lauffähige gefunden hatte.

Wie sich herausstellte, brachte das Spiel selbst meinen neuen Gaming-PC an seine Grenzen. Zugegebenermaßen läuft „Crysis“ erst dann etwas zäh, wenn ich in Ultra-HD-Auflösung (4K), bei vertikaler Synchronisation und Kantenglättung spiele, aber Fakt ist dennoch, dass das zwölf Jahre altes Videospiel immer noch rockt. Sowohl die Grafikqualität als auch die Spielphysik sind herausragend und wurden meiner Meinung nach auch heute noch nicht wirklich überboten. Natürlich habe ich auch ein paar andere Spiele ausprobiert. Leider ist die Verzögerungszeit relativ hoch, wenn ich mich mit ausländischen Servern verbinde.

Ansonsten verlief meine Woche tatsächlich sehr ruhig. Ich ernähre mich nach wie vor mit wenig Kohlenhydraten. In der ersten Woche, in der ich nur Fleisch, Fisch und Eier gegessen habe, verlor ich vier Kilogramm. Seitdem habe ich wieder Gemüse und moderate Mengen Obst in meinen Ernährungsplan eingebaut, was zwar für mehr Abwechslung sorgt, den Prozess der Gewichtsreduktion allerdings verlangsamt, so dass ich bislang nur ein weiteres Kilogramm abgenommen habe. Ich bin jetzt zwar wieder auf meinem Ausgangsgewicht, aber ein bisschen leichter möchte ich durchaus noch werden.

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Die Arbeit verlief gut. Ich hatte genug zu tun, ohne dass es mich überlastet hat. An meinem Alltag muss ich jedoch berechtigterweise bemängeln, dass ich etwas wenig Bewegung an der frischen Luft habe. Ich räume die Wohnung regelmäßig auf und mache den händischen Abwasch, aber nach draußen komme ich eigentlich nicht. Ich sollte mir angewöhnen, nicht mehr ganz so lange zu schlafen und vormittags auf den Markt spazieren zu gehen. Dort könnte ich auch mit ein paar Ortsansässigen mein durchaus verbesserungswürdiges Chinesisch üben. Diese Neuerung werde ich definitiv früher oder später vornehmen.

Der Aufenthalt in unserer Wohnung hängt mir jedoch noch nicht zum Hals raus, denn draußen ist es immer noch eiskalt und ich genieße den Luxus der voll funktionstüchtigen Klimaanlage. Haojing hat es offenbar eilig, meinen Arbeitsplatz in den Raum zu verlegen, der mal mein Arbeitszimmer werden soll. Sie mag es aus mir unbegreiflichen Gründen scheinbar nicht, dass unser Esstisch momentan von meinen Computer-Utensilien belagert wird. Sie bringt nicht einmal genug Geduld auf, um zwei Wochen auf einen Schreibtisch zu warten, den wir in der passenden Größe günstig im Internet bestellen könnten.

Deswegen waren wir in zwei hiesigen Möbelgeschäften. Leider gehören deren Produkte eher in ein Kinderzimmer als in ein Büro, weswegen wir auch dort Tische bestellen müssen. Wir lassen uns nun Angebote für Tische mit einer breite von 1,80 Metern und einer Tiefe von 90 Zentimetern unterbreiten. Dort habe ich definitiv genug Platz für meine Geräte und – falls benötigt – auch eine ausreichend große Arbeitsfläche. Letzten Endes bin ich mir aber zu 100 Prozent sicher, dass der Tisch aus dem Internet wesentlich günstiger gewesen wäre und dessen Lieferung nicht entscheidend länger gedauert hätte – typisch Frau.

Liebe Grüße,

Benjamin

Inzwischen habe ich mich eingelebt!

Hallo,

ich fühle mich nach wie vor sehr wohl in unserer Wohnung und mit meinen Arbeitszeiten. Es ist wundervoll, jeden Morgen ausschlafen zu können und erst nach dem Mittagessen mit der Arbeit zu beginnen. Das passt sehr gut zu meinem Biorhythmus, weswegen ich auch außerordentlich konzentriert arbeiten kann und dementsprechend produktiv bin. Die durchaus gute Internetverbindung zu unseren Servern trägt natürlich dazu bei, dass ich mich in dieser Hinsicht momentan absolut wohl fühle. Leider ist die generelle Verbindung ins Ausland nach wie vor eher von nerviger Natur.

Am Donnerstagabend musste Haojing ihren direkten (deutschen) Vorgesetzten vom Flughafen abholen fahren, für den sie während des Projektes dolmetschen muss. Sie fragte mich, ob ich sie begleiten möchte und sprach von einer Fahrzeit von etwa einer Stunde. Wenn ein Chinese einem eine Zeitangabe macht, sollte man diese nicht allzu ernst nehmen. Letzten Endes benötigten wir zweieinhalb Stunden für einen Weg und kamen erst spät in der Nacht wieder nach Hause zurück. Auf der Habenseite steht allerdings, dass ich jetzt nicht mehr der einzige Deutsche bin, der in Dayouzhen wohnhaft ist.

Mein neuer Tischtennisverein hatte mir nach meiner Ankunft Ende Dezember versichert, dass ich jeden Abend Tischtennis spielen kann. Als Problem hat sich nun aber herausgestellt, dass Abende in China offenbar schon um 19 Uhr enden. Aufgrund meiner Arbeitszeiten kann ich also nur am Wochenende spielen gehen. Dem bin ich sowohl am Samstag als auch am Sonntag nachgekommen. Es war sehr angenehm, sich endlich mal wieder zu bewegen und auszupowern. Mit meiner Leistung bin ich ebenfalls zufrieden. Am Wochenende habe ich sechs Spiele gewonnen und vier verloren.

Überdies kamen inzwischen die Komponenten für meinen neuen Computer an, die wir in der vorherigen Woche bestellt hatten. Für alles zusammen habe ich rund 100 Euro weniger gezahlt als diese in Deutschland gekostet hätten. Manche Teile, zum Beispiel die Grafikkarte, waren sehr günstig. Andere Teile, wie das Mainboard, waren enorm teuer. Am Sonntag hatte ich genug Zeit für den Zusammenbau. Leider fehlte noch der Arbeitsspeicher. Da man diesen aber völlig problemlos hinterher einbauen kann, machte ich mich trotzdem an die Arbeit, die mir natürlich auch immer viel Spaß bereitet.

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Unglücklicherweise war es auffallend, dass die meisten PC-Teile nicht mehr originalverpackt waren, obwohl wir eigentlich alles als Neuware bestellt hatten. Die Grafikkarte sah sogar regelrecht gebraucht aus. Auf dem Prozessor war obendrein ein Etikett aufgeklebt, das da keinesfalls bleiben durfte, da eine solche CPU unter Volllast schließlich locker mal 70 Grad Celsius erreichen kann. Dieses musste ich also möglichst restlos entfernen, was gar nicht so einfach ist, wenn man nichts beschädigen will. Weitere Vorsicht war angebracht, da ich das Gehäuse mit Seitenwänden aus Echtglas nicht beschädigen wollte.

So etwas passiert schneller als man denkt, wenn man nur ein einziges Mal nicht richtig aufpasst. Normalerweise stehe ich nicht auf beleuchtete Computer, in die man hineinsehen kann, aber da jener diesmal nicht in meinem Schlafzimmer steht, wollte ich das einfach mal ausprobieren. Ich bin jedenfalls nicht enttäuscht. Nachdem ich den Arbeitsspeicher, der am Montag ankam, eingebaut hatte, konnte ich Windows 10 installieren und alles einrichten. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die Internetverbindung schnell genug ist, um mit meinen Freunden in Deutschland zocken zu können.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Endlich wieder zu Hause!

Hallo,

letzten Freitag sind Haojing und ich von Shanghai nach Yancheng geflogen, von wo wir mit dem Auto abgeholt wurden und eineinhalb Stunden später schließlich in Dayouzhen eintrafen. Zu meiner Erleichterung war die Wohnung genauso wie wir sie verlassen hatten. Während unserer sechswöchigen Abwesenheit befürchtete ich des öfteren, dass sich vielleicht jemand in den herrenlosen Räumlichkeiten nach Lust und Laune bedienen könnte. Dies ist glücklicherweise nicht eingetroffen. Bei unserer Ankunft war es einfach nur arschkalt. Es sollte zwei volle Tage dauern, bis die Klimaanlage wieder für angenehme Temperaturen sorgte.

Am Ankunftsabend wurden wir von Haojings Arbeitskollegen zum Willkommensessen eingeladen. Vorher hatte ich Haojing klar gemacht, dass ich keinen Alkohol trinken werde. Die einzige nicht respektlose Möglichkeit, die ihr einfiel, war, zu behaupten, ich wäre krank und müsste Medikamente einnehmen, die nicht mit Alkohol kombiniert werden dürften. Außerdem musste sie für mich als Mittrinker einspringen. Glücklicherweise wurden von ihr nur wenige Schlücke Reisschnaps eingefordert. Das Essen war wieder typisch. Diesmal gab es allerdings auch Schweinehirn, das ich sogar experimentierfreudig probierte.

Es schmeckte kurioserweise ähnlich wie Leber, in seiner Konsistenz jedoch viel cremiger. Beim Verzehren hatte ich schon einen gewissen Ekel, aber ich zog es durch. Immerhin kann ich jetzt stolz von mir behaupten, Gehirn gegessen zu haben. Apropos Essen: Um die nach Frühlingsfest und Hochzeit aufgebauten Pfunde wieder loszuwerden, habe ich mir vorgenommen, eine Woche lang nur Fleisch, Fisch und Eier zu essen. Auf diese Weise lässt sich sehr effektiv Gewicht verlieren, weil man nahezu keine Kohlenhydrate aufnimmt und tierische Fette bezieungsweise tierisches Protein einen großen Sättigungsfaktor aufweisen.

Damit begann ich bereits am Freitag, weswegen am Morgen des Folgetages die Zuckerentzugserscheinungen anfingen. Den ganzen Tag war ich sehr müde und bekam gegen Abend auch unangenehme Kopfschmerzen. Glücklicherweise stellte sich mein Stoffwechsel schnell auf die neue Ernährungsform um, so dass ich ab Sonntagmittag keinerlei Probleme mehr hatte. Wir wurden erneut zum Essen eingeladen. Leider war ich immer noch „krank“ und konnte keinen Alkohol trinken, weswegen meine bedauernswerte Frau erneut ihren Kopf hinhalten musste. Am Montagnachmittag ging mein Arbeitsalltag wieder los.

Diesmal konnte ich den Laptop meines Arbeitgebers an einen großen Bildschim anschließen. Überdies standen mir endlich eine ordentliche Maus und eine noch fabelhaftere Tastatur zur Verfügung. Auf diese Weise gestaltete sich die Arbeit viel einfacher. Außerdem ist unsere Internetverbindung offenbar schneller als die, die mir in Chibi zur Verfügung stand. Nach meinem wohlverdienten Feierabend fuhren Haojing und ich noch zum Bürogebäude der staatlichen Farm, wo sie berufstätig ist. Einige ihrer chinesischen Kollegen wollen Deutsch lernen und wir beide geben ihnen von nun an mehr oder weniger regelmäßig Deutschunterricht.

In der Kantine ihres Arbeitgebers, wo ich ebenfalls kostenlos Essen darf, gibt es auch eine Kaffeemaschine. Der Kaffee schmeckt wirklich widerlich und so etwas wie Tassen gibt es nicht, weswegen ich mir mit einer Schüssel aushelfen muss. Dennoch ist schlechter Kaffee immer noch besser als kein Kaffee. Von Samstag auf Mittwoch habe ich übrigens schon fast vier Kilogramm abgenommen. Natürlich habe ich nicht reine Fettmasse, sondern auch meine Glukosespeicher und Wasser verloren, aber ich fühle mich bereits deutlich schlanker. Ich bleibe bei einer Low-Carb-Ernährung, baue aber ab Samstag wieder Gemüse ein.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein kurzer Abstecher nach Shanghai!

Hallo,

wie ich bereits in meinem letzten Beitrag erwähnte, reisten meine Eltern, Haojing und ich nach der Hochzeit noch für drei Tage nach Shanghai. Bezogen auf das rein administrative Stadtgebiet ist Shanghai mit knapp 21 Millionen Einwohnern tatsächlich die größte Stadt der Welt und zirka sechsmal größer als Berlin. Deswegen war es von vornherein klar, dass drei Tage bei weitem nicht ausreichen, um alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Mein erster Eindruck von Shanghai war allerdings, dass es wirklich außergewöhnlich sauber ist. Ich würde sogar behaupten, dass es sauberer ist als in einer deutschen Großstadt.

Das war ich bislang von China nicht gewohnt. Wir haben uns je eine Drei-Tages-Karte für alle öffentlichen Verkehrsmittel für nur sechs Euro gekauft. Damit konnten wir über den gesamten Aufenthalt hinweg mit der S-Bahn fahren. Für einen Deutschen ist es durchaus gewöhnungsbedürftig, dass man vor Einlass in jede S-Bahn-Station auf Waffen gecheckt wird. Die Kontrollen gehen aber wesentlich schneller von Statten als der Security-Check bei einem Flughafen, weswegen sie nicht allzu sehr stören. Ebenso auffällig ist die große Anzahl an Polizisten, Ordnern und Überwachungskameras quasi überall in der Stadt.

Wir vier waren in einem wirklich tollen Hotel untergebracht, das nicht weit von einer S-Bahn-Station entfernt lag. Dort gab es ein leckeres Frühstück, bei dem man sich sowohl chinesisches als auch westliches Essen aussuchen konnte. Überdies gab es eine hervorragende Kaffeemaschine, bei der ich mich regelmäßig und oft bediente. Am Mittwoch kauften wir uns je ein 24-Stunden-Ticket für Stadtrundfahrten für zehn Euro. Da die Busse aber nur zwölf Stunden pro Tag fahren, war dieses auch den ganzen Folgetag gültig. Unser Sightseeing-Anbieter fuhr insgesamt fünf verschiedene Routen, die wir allesamt ausprobierten.

Am Mittwochabend hatte uns Haojing einen Platz im Drehrestaurant im großen Fernsehturm von Shanghai gebucht. Dort sitzt man in einer Höhe von 267 Metern auf einer runden Plattform, die sich in einer Stunde einmal vollständig dreht. Dabei konnten wir uns jederzeit Essen und Getränke vom Buffet nehmen. Der „Oriental Pearl Tower“ weist eine Gesamthöhe von 468 Metern auf, ist aber lediglich das dritthöchste Bauwerk von Shanghai. Die nahegelegenen Wolkenkratzer „Shanghai World Financial Center“ und „Shanghai Tower“ sind mit einer Höhe von 492 respektive 632 Metern noch größer. Letzteres ist sogar das zweithöchste Gebäude der Welt.

Den späten Abend verbrachten wir in der Hotel-Lobby, wo mein Vater und ich echtes Erdinger Weißbier serviert bekamen. Es gab sogar Live-Musik und Haojing brachte den Mut auf, zu fragen, ob sie auch mal die Rolle der Sängerin übernehmen durfte. Sie sang zwei Lieder und war wirklich gut. Am Donnerstag schauten wir uns die Fußgängerzone von Shanghai an. Die beiden Frauen wollten auch unbedingt in irgendwelche Modehäuser gehen, um sich Kleidung anzuschauen. Unglücklicherweise fand meine Frau so etwas wie ein Kleid, das sie haben wollte. Ich sollte es den Rest des langen Tages mit mir herumschleppen.

Später gingen wir noch durch eine sehr touristische Gegend, wo alles voll mit kleinen Souvenirläden war. Dort wurden die Damen erneut fündig. Abends aßen wir noch Pekingente, die hierzulande wirklich extrem lecker schmeckt. Das chinesische Essen in Deutschland schmeckt vollkommen anders und hat fast überhaupt nichts mit dem authentischen chinesischen Essen zu tun. Nach dem wieder mal sehr guten Frühstück am nächsten Morgen mussten Haojing und ich uns leider von meinen Eltern verabschieden. Sie flogen über Paris zurück nach Luxemburg, während wir uns auf den Weg zu unserer Wohnung in Dayouzhen machten.

Liebe Grüße,

Benjamin