Ich bin jetzt auch in China verheiratet!

Hallo,

da es in China die Norm ist, dass der Ehemann seine Gemahlin während der Hochzeit vom Elternhaus abholt, um sie anschließend mit nach Hause zu nehmen, musste ich am Samstag wieder ausziehen. Hierzu hatte Haojing mir ein Zimmer im selben Hotel gebucht, in dem auch meine Eltern und unsere Dolmetscherin Mingmin untergebracht waren. Ich muss zugeben, dass ich den Luxus eines warmen Zimmers, eines weichen Bettes und einer in Deutschland üblichen Toilette doch sehr vermisst hatte. Dennoch konnte ich die Nacht vor dem großen Tag nicht gut einschlafen. Unterbewusst war ich offenbar nervös.

Am Sonntag wurden meine Eltern, Mingmin und ich von einem Verwandten abgeholt und zum Restaurant gefahren, in dem später auch unser Hochzeitsessen stattfinden sollte. Zunächst mussten wir insgesamt fünf Fahrzeuge schmücken, mit denen wir danach in einem kleinen Autokorso zu Hoajings Elternhaus fuhren. Als wir da waren, musste ich versuchen, ins Haus zu gelangen. An der Eingangstür hing ein Zettel mit zehn Fragen, die ich beantworten musste. Die meisten waren ziemlich einfach. Ich kannte sowohl Hojings Schuhgröße als auch ihren Lieblingsfilm und wusste ebenfalls, wie ich sie am besten aufmuntern kann.

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Leider wollte Haojings Bruder, der die ganze Aktion quasi moderierte, es mir nicht ganz so einfach machen und attestierte mir fälschlicherweise fünf falsche Antworten, weswegen ich ihm ebenso viele Umschläge mit Geld aushändigen musste, um die erste Hürde passieren zu dürfen. Als nächstes stand ich vor Haojings verschlossener Zimmetür. Um dort hindurchzugehen, musste ich ein chinesisches Gedicht aufsagen. Dieser Vorgang sorgte für reichlich Gelächter. Diesmal musste ich vollkommen zurecht weitere Umschläge an den Bruder der Braut aushändigen, denn mein Chinesisch ist wirklich sehr miserabel.

Die Tür wurde von einer Freundin meiner Frau geöffnet. Haojing saß in einem wunderschönen Kleid auf dem Bett und strahlte mich an, als sie mich sah. Leider musste ich noch eine Aufgabe erledigen, die mir ausgesprochen peinlich war. Ich musste einen Show-Tanz vorführen. Dazu muss man wissen, dass ich extrem unmusikalisch und nicht im geringsten für eine solche Einlage geeignet bin. Hiervon gibt es auch eine Videoaufnahme, deren Existenz ich bei zukünftigen Anfragen beharrlich leugnen werde. Nach dem peinlichen Auftritt musste ich nur noch einen Blumenstrauß binden und Haojing aus der Wohnung tragen.

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Dann sind wir zurück ins Restaurant gefahren, wo zunächst Fotos gemacht wurden. Nun gab es ein paar Reden. Ich habe ebenfalls etwas in chinesischer Sprache vorgetragen, was aber leider fast niemand verstanden hat. Im großen Saal saßen schätzungsweise etwa 100 Gäste an mehreren Tischen. Nach dem kurzen Programm gab es unser Hochzeitsessen. Meine Eltern, Schwiegereltern und ich mussten mit sämtlichen männlichen Gästen Reisschnaps trinken. Hinterher kam die klassische Teezeremonie, in der Haojing meinen Eltern und ich meinen Schwiegereltern Tee einschenkten. Danach waren wir offiziell verheiratet.

Am Folgetag haben wir uns ein wenig entspannt. Da Haojing nun nicht mehr zu ihren Eltern, sondern zu meinen Eltern gehört, verbrachten wir einen angenehmen Tag zu viert. Wir spielten Billard. Meine Frau und ich gewannen in einem episch schlechten Spiel denkbar knapp gegen die beiden anderen. Darüber hinaus besuchten wir einen Outdoor-Wellness-Bereich mit heißen Quellen. Es gab auch zwei Saunas, deren Temperatur aber derart niedrig war, dass man eher gefroren als geschwitzt hat. Am Dienstag machten wir uns auf den Weg nach Shanghai. Auf dem Flughafen propierten wir noch eine Karaoke-Box aus.

Liebe Grüße,

Benjamin

Bitte habt ein wenig Geduld!

Hallo,

eigentlich wollte ich bereits am Montag meinen nächsten Beitrag veröffentlichen. Dann habe ich es auf Dienstag verschoben und schließlich wollte ich diesen heute verfassen. Leider habe ich im Moment keine freie Zeit. Inzwischen sind Haojing und ich mit meinen Eltern in Shanghai. Am Freitag reisen wir alle wieder nach Hause. Dann kommt auch endlich der neue Beitrag mit allen Infos zu unserer erfolgreichen Hochzeit.

Liebe Grüße,

Benjamin

Eltern und Schwiegereltern haben sich getroffen!

Hallo,

dass meine Eltern wohlbehütet in Chibi angekommen sind, hatte ich bereits in meinem letzten Beitrag erwähnt. Als wir am Abend ihrer Ankunft gemeinsam etwas trinken waren, besprachen wir bereits den groben Rahmenplan für den nächsten Tag. Da meine Eltern ziemlich erschöpft von der langen Reise waren und obendrein noch ohne ihre Aufgabegepäckstücke, wollten sie gerne erst am Abend des Folgetages das Hotel verlassen, um auf Haojings Familie zu treffen. Meine Frau und ich sahen darin kein großes Problem und somit beschlossen wir dies.

Am Donnerstag stellte sich unglücklicherweise heraus, dass das doch ein großes Problem war. Zum Mittagessen waren wir beim sechsten Onkel eingeladen, der felsenfest mit dem Erscheinen meiner Eltern rechnete. Er und seine Frau hatten bereits um 5 Uhr morgens damit begonnen, das Essen vorzubereiten. Es ist kaum zu beschreiben, wie sauer die beiden waren, als sie erfuhren, dass meine Eltern nicht zum Mittagessen erscheinen würden. Als Deutscher ist das zwar nachvollziehbar, aber diese schwerwiegende Wichtigkeit ihrer Anwesenheit versteht wohl nur ein Chinese.

Leider schliefen meine Eltern, weswegen wir zwei Stunden gebraucht haben, um sie telefonisch zu erreichen. Wir konnten sie schließlich doch noch (mit einstündiger Verspätung) zum Mittagessen bringen, ohne sie vom Hotelpersonal weckenzulassen, was meine Schwiegereltern zunehmend zu forcieren versuchten. Als sie dann beim sechsten Onkel eintrafen, war die schlechte Stimmung schlagartig wie weggeblasen. Alle Verwandten begrüßten meine Eltern sehr herzlich. Es gab ein reichhaltiges Mittagessen und dazu wurden Reisschnaps und Rotwein serviert.

Am Nachmittag kamen meine Eltern mit zu meinen Schwiegereltern. Dort haben sich alle ein bisschen unterhalten, was natürlich nur über Haojing als Dollmetscherin funktionierte. Im Anschluss haben wir eine paar Runden Majong gespielt. Gegen Abend sind wir dann nochmal zum sechsten Onkel gefahren, um zu Essen. Infolgedessen brachten meine Frau und ich meine Eltern zurück ins Hotel, wo ihre Koffer leider immer noch nicht eingetroffen waren. Haojing und ich fuhren hinterher noch ins Kino, um uns einen chinesischen Science-Fiction-Film mit englischem Untertitel anzusehen.

Dieser basiert auf dem Roman „Die Wandernde Erde“ von Cixin Liu, der auch der Autor der Trisolaris-Reihe ist. Der Kinofilm steht einem Hollywood-Werk in nichts nach. Die Spezialeffekte sind hervorragend und die Story ist ebenso kitschig wie der Ausgang unwahrscheinlich. Am Freitag traf Mingmin, eine von Haojings Freundinnen und gleichzeitig unsere Dollmetscherin für die Hochzeit, ein. Zum Mittagessen waren wir fünf bei einem sehr wohlhabenden Unternehmer eingeladen, bei dem meine Frau mal angestellt war. Ab und zu haben die beiden noch Kontakt.

Er wohnt mit seiner Familie in einem riesigen Haus, das mitten in der Pampa neben chinesischen Bruchbuden steht. Nachmittags sind meine Eltern, Mingmin, Haojing und ich noch einen echten Kaffee trinken gefahren, der hierzulande echt nicht einfach zu finden und ziemlich teuer ist. Abends waren wir fünf noch bei meinen Schwiegereltern zum Essen eingeladen, dessen Ablauf ich meiner inzwischen gut informierten Leserschaft wohl nicht mehr extra beschreiben muss. Am Sonntag heirate ich. In meinem nächsten Beitrag werde ich ausführlich davon berichten.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich habe das Frühlingsfest überstanden!

Hallo,

inzwischen sind die vier Tage, an denen die Chinesen das Frühlingsfest feiern, vorbei. Dennoch geht der Kollektivurlaub noch bis Ende nächster Woche. Natürlich hat nicht jeder frei, denn es gibt immerhin auch Jobs, die jederzeit ausgeübt werden müssen, und in der Gastronomie hat man auch hierzulande spezielle Arbeitszeiten. Aber dennoch genießt ein Großteil der chinesischen Bevölkerung Freizeit bei der Familie. Nachdem wir am Sonntag mehrere Gräber besucht und mit zahlreichen Knallkörpern andächtig geehrt hatten, ging das Fest für uns am Montag weiter.

Morgens war die Familie bei einer Cousine zum gemeinsamen Essen eingeladen. Ich wurde erneut mit Essen vollgestopft und musste jede Menge Reisschnaps trinken. Mittags ging das wilde Treiben weiter. Diesmal waren wir Gastgeber. Da der Küchentisch meiner Schwiegereltern nicht besonders viel Platz bietet, war die Runde nun etwas kleiner. Natürlich waren die Speisen sehr lecker, aber irgendwann hängt einem das Ganze schon ein bisschen zum Hals raus. Damit meine ich weniger das Essen an sich als diese ganze Prozedur, die hierzulande praktiziert wird.

Alles setzen sich an einen Tisch und nehmen sich mit ihren Stäbchen das herunter, was sie haben wollen. Die Mengen, die bei einer Mahlzeit vertilgt werden, sind jenseits von Gut und Böse. Dennoch wird jedes Mal mehr als die Hälfte stehen gelassen. Ich bin mir zwar nicht absolut sicher, aber ich glaube, dass das meiste anschließend entsorgt wird. Während man isst, bekommt man andauernd etwas in die Schüssel gelegt, das man unbedingt auch verzehren muss. Zusätzlich muss man permanent auf der Hut sein, denn es könnte jemand mit einem anstoßen wollen.

Man trinkt nämlich auch nicht, wie man gerade Lust hat. Wenn man einen Schluck trinken möchte, muss man sich eine Person rauspicken, diese höflich anreden, um dann anzusetzen und zu trinken. Wenn eine der beiden Personen vor dem Ansetzen „Ganbei“ sagt, muss der Becher ohne jegliche Rücksicht auf die Schnapsmenge leergetrunken werden. Um niemanden respektlos zu behandeln, sollte man sich behalten, wen man schon zum Trinken aufgefordert hat und wen noch nicht. Im Idealfall stößt man als erstes mit dem Gastgeber oder mit einem besonderen Gast an.

Der Jahreswechsel verlief schließlich ähnlich wie bei uns eine Silvesternacht, mit dem Unterschied, dass die Familien hier im engsten Kreis unter sich bleiben. So waren Haojing und ich auch gemeinsam bei meinen Schwiegereltern. Ihr Bruder war ebenfalls vor Ort. Wir haben Majong gespielt, wovon ich nach gefühlt 30 Runden eine einzige gewinnen konnte. Ich verstehe zwar nicht genau, was an diesem Spiel so faszinierend sein soll, aber für die Chinesen gibt es scheinbar nichts aufregenderes. Währenddessen lief die ganze Zeit eine Fernsehshow im Hintergrund.

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Während des Frühlingsfestes dürfen die Wohnungen übrigens zu keinem Zeitpunkt dunkel sein, weswegen wir drei Nächte mit eingeschaltetem Licht schlafen mussten. Da ich dahingehend sehr empfindlich bin, schlief ich nicht besonders viel. Duschen durfte ich mich ebenfalls drei Tage nicht, weil das irgendeiner Gottheit gegenüber offenbar respektlos gewesen wäre. Am Neujahrstag blieben wir bis zum Nachmittag alle in der Wohnung. Unglücklicherweise hatte mein Schwiegervater auf einmal Lust, mit mir sowohl morgens als auch mittags Schnaps zu trinken.

Im weiteren Verlauf machten wir eine kleine Wanderung in den nahegelegenen Berge. Hinzu stießen noch meine kleine Tante und Haojings Freundin Yuan. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend schön. Man hat eine einzigartige Aussicht und überall wachsen Mandarinenbäume. Getrübt wird das Bild allerdings vom ganzen Müll, der auf dem Boden liegt. Chinesen werfen nämlich alles, was sie nicht mitschleppen wollen, einfach weg. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es biologisch abbaubar ist oder nicht. Dementsprechend sieht es auch vielerorts aus.

Der darauffolgende Mittwoch war der zweite Tag des Jahres 2019 im Mondkalender. Nun mussten wir zu den Wohnungen aller Verwandten in Chibi fahren, um das neue Jahr zu begrüßen. Wir wurden von meiner kleinen Tante und ihrem Mann abgeholt und haben eine Wohnung nach der anderen abgeklappert. Bei der Witwe des großen Onkels gab es sogar ein reichhaltiges Mittagessen und natürlich Reisschnaps. Als wir nach einer langen Reise wieder zu Hause waren, durfte ich mich endlich wieder duschen. Das war auch bitter nötig, denn am Abend sollten meine Eltern eintreffen.

Gegen 21:30 Uhr haben wir die beiden beim Hauptbahnhof abgeholt. Zunächst sind wir zusammen ins Hotel gefahren, damit sie ihre Sachen ablegen konnten. Leider gab es beim Umladen in Paris Probleme mit ihren Aufgabegepäckstücken, die nun nachgeliefert werden müssen. Meine Eltern, Haojing und ich sind noch etwas in ein hiesiges Lokal trinken gegangen. Im Anschluss haben wir die zwei ins Hotel gebracht. Nach einer 30-Stunden-Reise sei ihnen ja auch mal eine kurze Pause gegönnt. Ihr Hotelzimmer ist recht schön. Meine Eltern hausen wesentlich luxuriöser als ich.

Auf den anhängenden Bildern sind übrigens die Geschenke zu sehen, die Haojing und ich von ihren Eltern zum Frühlingsfest bekommen haben. Dabei handelt es sich um je 100 Yuan, was ungefähr 13 Euro entspricht. Geldgeschenke werden hierzulande immer in einem hübschen Umschlag eingehüllt. Das finde ich zwar schön, aber eigentlich vollkommen unnötig. Auf anderen Bildern gibt es noch ein paar chinesische Spezialitäten aus Hackfleisch, Weizenmehl und Stärke zu sehen, deren Existenz ich meiner kompetenten Leserschaft auf diesem Wege mitteilen wollte.

Liebe Grüße,

Benjamin

Heute gibt es viel zu lesen!

Hallo,

ich hatte ein außerordentlich ereignisreiches Wochenende. Am Samstag hat mich Haojing zu meinem Entzücken wieder mit Frühstück im Bett geweckt. Im weiteren Verlauf des Vormittags habe ich mich geduscht und war im Internet unterwegs, um zu schauen, was es Neues gibt. Am Mittag kamen Freunde meines Schwiegervaters zu Besuch, von denen einer eine leitende Tätigkeit in einem Unternehmen innehat, das auf 3D-Druck spezialisiert ist. Er konnte sogar ein bisschen Englisch sprechen. Dennoch war eine anständige Unterhaltung ohne Dollmetscherin nicht möglich.

Er ist der erste Chinese, der mit mir über Politik reden wollte. Allgemein erscheinen mir die Menschen dahingehend eher uninteressiert. Es kam heraus, dass wir beide sehr ähnliche Ansichten auf die Welt haben, weswegen es eine angenehme Erfahrung war. Der Plan für den Nachmittag war, dass Haojing und ich zusammen mit einer Cousine und drei Kindern Erdbeeren pflücken gehen. Nun sollte man aber wissen, dass sich chinesische Pläne nicht gerade dadurch auszeichnen, eingehalten zu werden. Von daher wurde aus dem kurzen Ausflug eine nicht enden wollende Odyssee.

Eigentlich hatte ich mich darauf eingestellt, nach dem Erdbeerpflücken wieder in unsere vorübergehende Wohnung zurückzufahren. Daraus wurde nichts, weil wir aus mir unbekannten Gründen zu meinem dritten Cousin gingen und uns zwei Stunden lang in die kalte Garage seiner Autowerkstatt setzten. Irgendwann später entschlossen sich die anderen, gemeinsam einen kleinen Nachmittagsspaziergang durch die Stadt zu machen. Also marschierten Haojing, unsere Cousine, die drei Kinder und ich los. Beim kleinen Spaziergang durch die Stadt sollte es allerdings nicht bleiben.

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Wir sind vom Rand in die Innenstadt, in eine Art Fußgängerzone, gegangen, was bereits ziemlich lange gedauert hat. Dort gab es jede Menge Leute und reichlich exotisches Essen. Nach der ersten Ladung Tintenfisch fiel der Cousine ein, dass dort viel zu viele Leute für die beiden jüngeren Kinder wären und sie diese jetzt nach Hause bringen müsse. Diesem Geistesblitz kam sie nach, weswegen das ältere Kind bei uns blieb. Ich mag eigentlich den ganzen Nachwuchs der neuen Verwandschaft, nur dieses rotzfreche, verzogene, dumme Kind nicht. Ausgerechnet auf dieses mussten wir nun aufpassen.

Haojing und ich geben diesem Jungen des Öfteren völlig vergeblich Nachhilfe in Englisch. Nun waren wir mit ihm alleine in der Innenstadt. Irgendwann sind wir an einem kleinen Rummelplatz vorbei gekommen. Da wollte er natürlich jede Attraktion ausprobieren und Haojing konnte mich dazu überreden, mit ihm Knuppautos und Achterbahn zu fahren. Als es langsam dunkel wurde, sind wir immer noch nicht nach Hause, sondern zum siebten Onkel gefahren. Dieser hatte uns nämlich zwischendurch noch zum Essen eingeladen. Dort ging unsere Reise also weiter.

Nach dem Abendessen wurde die Zeit langsam knapp, denn ich wollte unbedingt um 22:30 Uhr zurück in unserem Zimmer sein, um Bundesliga zu schauen. Wir mussten uns letzten Endes ein Taxi nehmen, weil der Bus wohl nicht schnell genug gewesen wäre. Glücklicherweise waren wir rechtzeitig vor Ort und konnten den Bengel beim siebten Onkel zurücklassen. Der BVB hat (gegen einen sehr starken Gegner) zwar nur unentschieden gespielt, aber in Anbetracht der Bayern-Niederlage war ich nach dem Schlusspfiff gar nicht mal so unzufrieden. Der Samstag endete.

Am Sonntagmorgen mussten meine Frau und ich früh aufstehen, um zur Ausländerbehörde zu fahren und meinen fertigen Aufenthaltstitel abzuholen, der in meinen Reisepass eingeklebt wurde. Dieser kam geradeso rechtzeitig an, denn ab Montag hat das Amt für zwei Wochen geschlossen (Frühlingsfest) und es wäre mir mit großer Wahrscheinlichkeit nicht möglich gewesen, die für kommende Woche geplante Shanghai-Reise anzutreten. In China benötigt man nämlich seinen Ausweis, um mit dem Zug zu fahren. Bahnhöfe sind hierzulande eher so aufgebaut wie Flughäfen.

Da ich nächsten Sonntag traditionell heiraten werde, wollte mir Haojing einen neuen Haarschnitt verpassen. Wir nutzten die Wartezeit, um über den hiesigen Markt zu schlendern, aufgeteilt in diverse Bereiche, in denen es Fisch, Fleisch und Gemüse gibt. Viel Zeit konnten wir dort jedoch leider nicht verbringen. Zurück beim Frisör, wollte man mir irgendeinen stylischen Haarschnitt verpassen. Ich habe meiner Frau daraufhin gesagt, dass die Haare einfach nur kürzer geschnitten werden sollen. Im Nachhinein betrachtet, war das vielleicht ein bisschen zu unpräzise.

Unglücklicherweise war der Rasierer, mit dem mir in Deutschland immer die Haare an Nacken und Seiten geschnitten werden, direkt mitten auf dem Kopf und es gab kein zurück mehr. Ich bekam einen militärischen Kurzhaarschnitt verpasst. Es gefällt mir zwar überhaupt nicht, aber man muss auch die positiven Dinge sehen. Derart kurze Haare sind pflegeleicht. Darüber hinaus lassen sich graue Haare weniger gut erkennen. Ich erschrecke mich zwar noch, wenn ich mich unvorbereitet im Spiegel sehe, aber um ehrlich zu sein war ich auch mit meiner vorherigen Frisur keine Schönheit.

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Meine chinesische Familie hat die krasse Veränderung kaum kommentiert. Außer meiner Frau hat lediglich meine kleine Tante einen Kommentar gemacht. Sie findet, ich sehe sehr gut aus. Am Sonntagnachmittag begannen bereits die ersten Zeremonien für das Frühlingsfest. Wir sind zu den Gräbern der verstorbenen Familienmitglieder gefahren und haben uns verbeugt und hingekniet. Wie es in China Brauch ist, werden bei jedem Grab Feuerwerkskörper hochgejagt. Meiner subjektiven Einschätzung nach sind diese um einiges lauter als in Deutschland.

Natürlich wurde erneut reichlich gegessen und getrunken. Diesmal hatte ich schon zu einem unangenehm frühen Zeitpunkt eine große Menge Reisschnaps intus. Zunächst wusste ich nicht, dass eine Flasche dieses speziellen Getränks sage und schreibe 500 Euro kostet. Leider erfuhr ich davon zu spät, sonst hätte ich nicht so bedenkenlos Becher für Becher getrunken. Es ist eine große Ehre für mich, dass mein sechster Onkel diese besondere Flasche geöffnet hat. Ich bin mir nicht sicher, ob er es auch ohne meine Anwesenheit getan hätte. Ich glaube, die Falsche wäre geschlossen geblieben.

Um meinen Dank zu zeigen, habe ich diesmal sogar eine Zigarette mitgeraucht. Der Rest des Tages war allerdings nicht mehr so angenehm für mich. Ich war froh, als ich endlich ins Bett gehen konnte. Da ich an diesem Wochenende übermäßig viel erlebt habe, kann ich leider nicht bei allen Dingen zu weit ins Detail gehen. Ich hätte zum Beispiel auch gerne intensiver beschrieben, wie Chinesen Cola mit dem Wasserkocher kochen, um diese dann heiß zu genießen. Wenn weiteres Interesse besteht, dann freue ich mich sehr über die Nutzung der Kommentarfunktion.

Liebe Grüße,

Benjamin

Endlich habe ich Urlaub!

Hallo,

wir bereits anhand des Titels zu erkennen ist, habe in inzwischen Urlaub. Diesen ersehnte ich bei, weil mein Arbeitsplatz hier in Chibi wirklich nicht besonders luxuriös ist und ich bislang alles mit einem Laptop, auf dem Bett sitztend, erledigen musste. Wenn die kommenden Tage nach Plan verlaufen, wohnen wir in zwei Wochen wieder in Dayouzhen, wo mir ein Tisch, ein Bürostuhl, ein großer Bildschirm sowie Maus und Tastatur zur Verfügung stehen. Während meines Urlaubs werden unter anderem das Frühlingsfest (chinesisches Neujahr) und unsere traditionelle Hochzeit stattfinden.

Die letzten beiden Tage waren nicht ganz so spannend wie der Beginn der Woche, weswegen ich mal ein paar nichtigere Dinge beschreiben kann. Wir wohnen in einem kleinen Vorort von Chibi. Deshalb stehen uns zu Fuß nicht allzu viele Möglichkeiten offen. Es gibt eine zentrale Kreuzung, an der sich die meisten Läden und Marktstände befinden. Hier hausiert unter anderem auch eine chinesische Bäckerei, die aber eher an eine deutsche Konditorei erinnert. In diesem Geschäft gibt es eine mittelgroße Auswahl an selbstgemachten, abgepackten Brötchen und anderen Teigwaren.

Hierzulande wird Gebäck in der Regel süßlich verzehrt. Darüber hinaus gibt es keine harte Kruste. Die Brötchen, die ich mir gekauft habe, erinnern stark an Brioche-Brötchen, sind aber tatsächlich noch weicher und süßer. Echtes Brot, so wie wir es in Deutschland kennen, ist zumindest in dieser Region ein vollkommen exotisches Lebensmittel. Gesehen habe ich bislang noch nichts Vergleichbares. Viele Besucher scheint diese Bäckerei im Übrigen auch nicht anzulocken. Deswegen gehe ich davon aus, dass die Chinesen schlicht und ergreifend nicht gerne (kalte) Teigewaren essen.

Gestern waren Haojing und ich zusammen mit einer Cousine und deren Kindern spazieren. Wir sind zum nahegelegenen See gegangen und ich habe den Kindern gezeigt, wie man Steine über das Wasser springen lässt. Leider waren nur wenige geeignete Steine vorhanden, weswegen ich bei meinen Versuchen nicht die beeindruckendsten Ergebnisse erzielen konnte. Danach haben wir warme Kastanien gegessen. In Deutschland wachsen sie überall an den Bäumen, hier ich China werden sie genüsslich verspeist. Sie schmecken ein bisschen kartoffelig, aber durchaus gut!

Im weiteren Verlauf des Abends folgten wir erneut einer Essenseinladung. Diesmal waren wir alle beim vierten Onkel, also beim vierten Kind meiner Schwiegergroßeltern. Natürlich wurden gewaltige Mengen zubereitet, vor allem Fleisch. Überdies mussten die Männer wiedermal mehrere Gläser Reisschnaps besiegen. Vermutlich führte diese gewöhnungsbedürftige Tradition dazu, dass ich eine echt doofe Nacht durchlebte, in der ich lange nicht einschlafen konnte und schließlich einen äußerst unruhigen Schlaf hatte. Natürlich trägt hier die Schnarcherei meiner Frau eine gewisse Mitschuld.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein heftiger Abend in der Karaoke-Bar!

Hallo,

nach einem ruhigen Montag, an dem ich aufgrund der vorausgegangenen Fress-eskapade einen Fastentag einlegte, sollte am darauffolgenden Dienstag wieder volles Programm auf mich warten. Zunächst weckte mich meine Frau mit einem köstlichen Frühstück im Bett. Sie hatte mir zahlreiche Teigtaschen mit Fleischfüllung vorbereitet. Anschließend verließ die gesamte Familie die Wohnung und ich blieb den ganzen Vormittag alleine. In der Zeit surfte ich ein wenig im Internet, duschte mich, lernte Chinesisch und kochte mir schließlich zwei kleine Steaks zum Mittagessen. Im Anschluss musste ich natürlich meinen Beruf ausüben.

Für den Abend hatten wir etwas ganz Besonderes geplant. Wir wollten eine echte Pizza essen gehen und hatten vorher extra ein solches Restaurant im Internet herausgesucht. Wir fuhren mit dem Bus in die Innenstadt, gingen noch zehn Minuten zu Fuß und schon waren wir da. Dass nur sehr wenig Betrieb war, ist in meinen Augen ein weiteres Indiz dafür, dass Chinesen ungern mal etwas anderes probieren als ihr eigenes Essen. Auf der Karte gibt es 16 verschiedene Pizzas, von denen gefühlt jede zweite mit irgendwelchen Früchten belegt ist. Da ich zu diesem Zeitpunkt anscheinend unter Käseentzug litt, wollte ich jedoch Käse und sonst nichts.

Das ganze entpuptte sich zwar als American Pizza, aber damit habe ich kein Problem. Die essen ich genauso gerne wir eine klassische Pizza. Der Teig war sehr weich, was ich aber ebenfalls mag. Lediglich der Belag, den ich mir aber selber so ausgesucht hatte, war ein wenig einseitig. Dennoch war ich am Ende wirklich zufrieden. Danach waren wir mit einigen Familienmitgliedern zum Karaokesingen verabredet. Da uns irgendwie alle Taxis gezielt ignorierten, haben wir ein Motorrad-Taxi genommen, das uns beide zum K-TV gefahren hat. Wie es sich für echte Chinesen gehört, trugen wir dabei natürlich keine Helme.

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Die Karaoke-Bar, die hierzulande K-TV genannt wird, ist ein riesiges Gebäude mit mehreren Stockwerken. In jedem gibt es mindestens zwei Korridore mit etlichen Kabinen an beiden Seiten. Haojing und ich trafen als erstes ein, als unsere Kabine noch ganz leer war. An der Wand steht eine große Couch mit zwei Tischen davor. Gegenüber ist ein Fernseher angebracht. Die daran gekoppelte Musikanlage befindet sich in der Raumecke, links neben dem TV. Nach und nach trafen die anderen Familienmitglieder ein. Mein Problem war, dass ich wieder mit jedem einen trinken musste. Diesmal wurde schlechter Rotwein serviert.

Haojing erstellte eine Playlist in der Musikanlage, die aus den Wunschliedern aller Karaokesänger bestand. Das Mikrofon wurde immer an den weitergereicht, der gerade mit Singen dran war. Die Songtexte wurden (meistens) auf dem Fernsehgerät angezeigt. Ich durfte auch dreimal singen und es existiert sogar ein Video davon, aber das möchte ich lieber nicht veröffentlichen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits zwölf Gläser Rotwein und zwei Flaschen Bier getrunken. Als wir nach einem langen Abend endlich wieder zu Hause waren, habe ich vorbeugend einen Liter Wasser getrunken und ein ganzes Gramm Magnesium eingeworfen.

Den Mittwoch gestaltete ich selbstredend wieder ruhig. Ich hatte kaum Symptome eines echten Katers, aber ich war vor allem morgens ein wenig schlapp. Abends schauten wir uns nach einem kleinen Spaziergang auch nur einen Film an und gingen dann schlafen. Heute morgen hat mich Haojing mit einer selbstgemachten Pizza geweckt. Ich muss zugeben, dass ich noch nie eine so leckere Pizza außerhalb eines Restaurants gegessen habe. Die Schwachstelle einer solchen Pizza ist nämlich immer der Geschmack des Bodens. Ich weiß nicht, wie meine Frau den Teig gemacht hat, aber sie hat definitiv alles richtig gemacht.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein Familienfest und eine kalte Dusche!

Hallo,

gegen Ende meines angenehmen Wochenendes gingen Haojing und ich nochmals zusammen spazieren. Sie zeigte mir einen Weg, den ich bislang nicht kannte. Am Ende kamen wir beim nächsten Krankenhaus raus, das auf den ersten Blick gar nicht nach einem solchen aussieht. Wir haben uns dann in einen kleinen Park auf eine Bank gesetzt, die sich unmittelbar vor dem Gebäude befindet. Nach etwa einer halben Stunde mussten wir uns schließlich auf den Rückweg machen, weil wir noch zu unserer kleinen Tante auf eine Familienfeier eingeladen waren. Natürlich gab es wieder Essen in ungeheuren Mengen.

Die Wohnung unserer kleinen Tante liegt ganz in der Nähe von der Wohnung, in der meine Frau und ich aktuell leben. Für chinesische Verhältnisse ist diese wirklich sehr schön. Sie wirkt groß, hell, sauber und ist sogar relativ geschmackvoll eingerichtet. Natürlich gibt es hier auch keine Heizung, aber draußen ist es nicht mehr ganz so kalt wie noch am Anfang. Eine Jacke sollte man aber trotzdem immer noch tragen, um nicht zu frieren. Es ist tatsächlich sehr auffällig, wie viele junge Chinesen ziemlich über-gewichtig sind. Das liegt zweifelsohne an den regelmäßig stattfindenden Fressorgien, wie auch an jenem Sonntagabend.

Diesmal wurden wirklich enorme Menge aufgefahren. Es gab zahlreiche verschiedene Fleischsorten, viel Gemüse und dazu auch noch süßes Gebäck sowie diverse Soja-produkte. Schnaps wurde ebenfalls reichlich ausgeschenkt. Bier will nie jemand mit mir trinken. Im Anschluss an das Festmahl gab es Nachtisch. Hierbei handelte es sich um Mandarinen, Äpfel, grüne Rosinen, Sonnenblumenkerne und abgepackte Süßigkeiten. Wie im Video zu sehen ist, habe ich im Anschluss mit einem Kind gespielt, das am Anfang immer ein bisschen Angst vor mir hatte, mich inzwischen aber offensichtlich als ungefährlich eingestuft hat.

Am Tag danach war ich vormittags alleine zu Hause, was mich aber überhaupt nicht stört. Ich verbringe gerne Zeit ganz alleine, denn beim Nichtstun kann ich mich am besten entspannen. Als ich mich duschen gehen wollte, gab es ein Problem. Der Boiler muss nach jeder Dusche neu aufgeheizt werden. Genau das hatte wohl jemand vergessen. Mein Plan, mich schon Mal komplett einzuseifen und dann, sobald das Wasser warm geworden ist, abzuduschen, war leider zum Scheitern verurteilt. Zu meinem Unglück sprang die Sicherung der Wohnung, die sich zwei Stockwerke weiter unten im Treppenhaus befindet, heraus.

Da ich zu diesem Zeitpunkt nackt und vollkommen eingeseift war, blieb mir nichts anderes übrig, als mich unter eiskaltem Wasser in einem ebenso kalten Badezimmer abzuduschen. Denn nicht nur der Boiler funktioniert ohne Strom nicht, sondern auch der Heizstrahler, der dort angebracht ist, um dem Duschenden ein bisschen Wärme zu spenden. Letzten Endes war das aber eine Situation, über die man hinterher lachen kann. Selbstredend war mir währenddessen nicht danach zumute. Erkältet habe ich mich dabei nicht. Nachdem ich mich angezogen und die Sicherung wieder reingemacht hatte, war wieder alles gut.

Liebe Grüße,

Benjamin

Und nebenbei lernte ich meinen Schwiegervater kennen…

Hallo,

nach einer nervenaufreibenden Arbeitswoche, in der ich zusätzlich noch mehrmals zur Ausländerbehörde musste, hatte ich am Freitagabend um 18 Uhr endlich meinen langersehnten Start ins Wochenende. Hoajing und ich fuhren mit dem Taxi zusammen in’s Kino, wo wir schon mal vor ihrer Reise waren. Da ich das westliche Essen sehr vermisse, wollte ich vorher noch im danebenliegenden Burger-Restaurant speisen. Nachdem ich mir etwas von der Karte ausgesucht hatte, erwähnte der Verkäufer, dass dieser Burger bei ihm nur durchschnittlich gut schmeckte.

Daraufhin empfahl er mir einen anderen, der bei ihm angeblich hervorragend wäre. Ich war zwar etwas skeptisch, richtete mich letzten Endes aber nach dem Fachmann. Schließlich bekam ich einen winzigen, lieblos zubereiteten Chickenburger vorgesetzt, dessen Highlights ein Klecks seltsamschmeckender Majo und ein durchnässtes Salatblatt waren. Fleisch war weniger vorhanden als Panade. Alles in allem hätte ich auf dieses Erlebnis gut und gerne verzichten können. Immerhin verkauft das Kino Popcorn, das meiner Erfahrung nach viel leckerer ist als irgendwo in Deutschland.

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Diesmal haben wir uns „Escape Room“ angeschaut. Das Machwerk hat zwar keine tiefergehende Story, ist aber wirklich sehr spannend und für jeden, der sich gerne Horrorfilme ansieht, eine Überlegung wert. Anschließend hatte meine Frau, die sich vorhin zu ihrem Glück keinen Burger gönnte, noch Hunger und wir waren (natürlich) Chinesisch essen. Chinesen sind fremdem Essen gegenüber unheimlich intolerant, da sind selbst die spießbürgerlichsten Deutschen überhaupt kein Vergleich. In dem Laden war das Bier übrigens kostenlos, aber auch schlecht.

Am Samstag haben wir uns mit Haojings Cousine Yanzi, was man wie den deutschen Männervornamen „Jens“ ausspricht, und ihrem Mann getroffen, um mit ihnen in die Berge wandern zu gehen und eine im Taoismus heilige Höhle zu besichtigen. Die Landschaft ist wunderschön. Besonders stechen die mit dichten Bambuswäldern bedeckten kleinen Berge hervor, die in der nebeligen Ferne immer mehr im Nichts zu verschwinden scheinen. Nach einer moderaten Wanderung, gegen deren Ende wir noch zahlreiche Treppenstufen erklimmen mussten, kamen wir endlich an.

Die Höhle ist sehr groß und kunterbunt ausgeleuchtet. Einige Stellen waren sehr eng und ich musste mich wirklich enorm weit nach unten beugen, um weiterzukommen. Selbst die winzigen Chinesen mussten oftmals tief in die Hocke gehen. Je weiter wir in die Höhle gingen, desto schwüler wurde die Luft. Das Gefühl, endlich wieder an der frischen Luft zu sein, war überwältigend. Auf dem Rückweg haben wir noch Halt an einem öffentlichen Fitnessplatz gemacht, den überwiegend alte Leute benutzen. Im Video könnt ihr mich bei der Ausübung dieser Tätigkeiten beobachten.

Irgendwann erwähnte meine Frau vollkommen beiläufig, dass wir am Abend übrigens ihren Vater vom Bahnhof abholen führen. Obwohl ich zweifelsohne ein angstfreier Mensch bin, hätte ich mir in diesem Fall doch eine etwas frühere Ankündigung gewünscht. Jedenfalls kenne ich nun meinen Schwiegervater und musste auch schon einen Schnaps mit ihm trinken. Ihr Bruder ist später übrigens auch noch nach Hause gekommen, womit die Familie nun komplett ist. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt bin ich mir noch nicht sicher, wie ich mich in der neuen Situation verhalten soll.

Liebe Grüße,

Benjamin

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Haojing ist zurück aus Deutschland!

Hallo,

meine Zeit der sprachlichen Isolation ist endlich vorbei. Meine Frau ist wieder von ihrer Geschäftsreise zurück, was mich wirklich sehr erfreut. Sie hat mir sogar die schweren Computerteile mitgebracht, die ich in China nur in einer mir nicht ausreichenden Qualität bekommen hätte. Darüber hinaus war sie nach ihrer Landung in Wuhan noch im Metro und hat mir deutsches Bier gekauft. Sie überraschte mich einfach mit ein paar Fotos eines riesigen Bierregals, von dem ich mir ein paar Sorten aussuchen sollte. Meine Lieblingsmarken waren zwar nicht vorhanden, aber gefunden haben wir trotzdem ausreichend Feines.

Letztendlich brachte Sie mir sechs große Dosen Radeberger und Kaiserdom Pilsener sowie zusätzlich noch vier große Dosen Kaiserdom Dunkel mit. Darüber hinaus kaufte sie noch kleine Mengen an Butter, Joghurt, Käse und Laugengebäck, worüber ich mich natürlich auch gefreut habe. Die wichtigsten Mitbringsel waren aber zweifelsohne die legalisierte Eheurkunde und die dazugehörige ebenso legalisierte Übersetzung. Als wir am nächsten Tag zur Behörde gingen, wurde noch ein Einkommensnachweis von Haojing verlangt. Da meine Frau aber bis zuletzt in Deutschland berufstätig war und ihr erstes Gehalt in China erst Ende Januar erhalten wird, hatten wir ein weiteres Problem.

Anstelle des Einkommensnachweises konnten wir auch nachweisen, dass wir umgerechnet mindestens 7.000 € besitzen. Da ich genug Bargeld aus Deutschland mitgenommen hatte, mussten wir es eigentlich nur noch wechseln und aufs Konto einzahlen. Leider gestaltet sich das nicht so einfach. Einerseits gibt es hierzulande Limits, die den Geldwechsel pro Tag auf einen bestimmten Betrag begrenzen. Andererseits muss man in einer für chinesische Verhältnisse kleinen Stadt (500.000 Einwohner) erst einmal eine Bank finden, die überhaupt Euro in Yuan umtauscht. Obendrein hatte ich nur noch drei Tage Zeit.

Glücklicherweise kennt Haojing aufgrund ihrer beruflichen Vergangenheit viele Leute, die teilweise sehr wohlhabend sind. Dies hat dazu geführt, dass wir uns das dringend benötigte Geld ausgeliehen haben. Zurückzahlen werden wir es, sobald wir unser Euro-Bargeld wechseln und einzahlen konnten. Nachdem wir den Nachweis, über 7.000 Euro auf dem Konto zu verfügen, erbracht hatten, musste ich nochmal zur Ausländerbehörde, weil sie mehrfach Fotos von mir machen wollten. Danach war es aber endlich geschafft. Der Antrag auf Erhalt eines dauerhaften Aufenthaltstitels wurde geradeso noch fristgerecht gestellt.

Natürlich wurde nach Haojings Rückkehr wieder mit der Familie zusammen gegessen. Diesmal waren wir die Einladenden, weswegen ich den Schnaps ausschenken musste. Ich trank wieder zwei Becher, aber diesmal betrug der Alkoholgehalt nur humane 42 Prozent, weswegen ich das gut wegsteckte. Anschließend genoss ich sogar noch ein deutsches Exportbier. Wir haben übrigens gerade einen Wetterumschwung. Tagsüber hatten wir in Chibi bereits zwölf Grad Celsius. Auf dem letzten Bild seht ihr übrigens noch chinesische Pizza. Diese schmeckt natürlich nicht wie europäische oder amerikanische Pizza, aber lecker ist sie dennoch.

Liebe Grüße,

Benjamin