Hilfe, sie wollen mich mästen!

Hallo,

am Samstag genoss ich meine freie Zeit zunächst mit einem ausgiebigen Spaziergang. Es nieselte zwar leicht, aber das schreckte mich nicht davor ab, mal wieder in’s Freie zu gehen und einige Fotos für meine Fans zu schießen. Inzwischen habe ich sämtliche Straßen und Gassen rund um die Wohnung meiner Schwiegereltern mehr oder weniger gut erkundet. Im weiteren Tagesverlauf sah ich mir die Serie „One Punch Man“ an, die am Anfang vollkommen bescheuert wirkt, aber ziemlich schnell anfängt, wirklich viel Spaß zu machen. Leider gibt es bislang nur eine Staffel, weswegen ich das Vergnügen nicht allzu lange hatte.

Darüber hinaus war endlich wieder ein Bundesliga-Spieltag. Da der BVB erst um 18:30 Uhr deutscher Zeit spielte, musste ich mich bis 1:30 Uhr auf den Anpfiff gedulten, wobei mir unter anderem die oben erwähnte Serie half. Meine enorm tolle Ehefrau hat mir kurz vor Spielbeginn noch auf die Schnelle einen Account bei „PPTV Sports“ erstellt. Für unmgerechnet 100 Euro kann man bis Ende Juni alle europäischen Fußballspiele live sehen. Das finde ich famos. Ich hoffe inständig, dass damit wirklich alle Wettbewerbe (DFB-Pokal, Champions League, Europa League) und nicht nur die nationalen Ligen (Bundesliga) gemeint sind.

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Am Sonntag ging ich nochmal bei etwas besserem Wetter spazieren. Es war wieder sehr schön. Abends wurden wir vom siebten Onkel zum Essen in ein hiesiges Restaurant eingeladen. In Haojings Abwesenheit ist die Verständigung wirklich sehr schwierig, aber es ist nicht zu übersehen, dass ihre Familie mich mag. Diese Fürsorge ist allerdings arg übertrieben. Ich bekomme immer Essen in meine Schüssel gefüllt, weil sie glauben, ich armer Deutscher könnte mir nichts selbst mit den Stäbchen holen. Immer wenn ich es geschafft habe, aus Anstand meine Schüssel zu leeren, legen sie sofort nach – es ist ein Teufelskreis.

Einmal pro Woche auswärts essen ist vollkommen okay, aber am Montag haben wir das sowohl mittags als auch abends wiederholt. Wenn Chinesen in ein Restaurant gehen, dann hat das mehr als einen Hauch von Völlerei. Als neues Familienmitglied, das obendrein noch Ausländer ist, wird auch noch extra darauf geachtet, dass ich immer als erster zuschlagen darf und auch am meisten bekomme. Gerade von meiner kleinen Tante komme ich mir bemuttert vor. Sie ist sehr nett und scheint es besonders gut mit mir zu meinen. Übrigens stand der rote Mond auch in Chibi wunderschön über einem kleinen See am Horizont.

Liebe Grüße,

Benjamin

Pro und Contra…

Hallo,

während der letzten drei Wochen sind mir einige Dinge entweder besonders positiv oder negativ an China aufgefallen. Heute veröffentliche ich eine kleine Auflistung, die natürlich jederzeit in einem neuen Beitrag erweitert beziehungsweise abgeändert werden kann.

Liebe Grüße,

Benjamin

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Pro:

  • die Menschen sind sehr nett
  • man kann zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen
  • das Leben ist nicht so hektisch
  • die Chinesen spielen gut und gerne Tischtennis
  • man kann in einfachster Weise mit Behörden und Ämtern kommunizieren
  • Lebensmittel, Kleidung und Dienstleistungen sind sehr günstig
  • überall empfängt man schnelles mobiles Internet
  • diese fürchterlichen „Social Credits“ gibt es überhaupt nicht

Contra:

  • die Internetverbindung ins Ausland ist echt beschissen
  • es gibt immer nur das gleiche Essen; keine kulinarische Abwechslung
  • Kaffee zu finden ist gar nicht so einfach
  • das Bier ist wirklich sehr schlecht
  • keine Sau spricht Englisch
  • es gibt zu viele Benimmregeln; zum Beispiel in welcher Reihenfolge man beim Essen mit wem Schnaps zu trinken hat
  • es gibt keine Heizungen und im Winter ist es bitter kalt
  • die Chinesen leben für deutsche Verhältnisse teilweise sehr ärmlich und unhygienisch
  • die Tempolimits sind sehr niedrig; beim Autofahren wird man alle zwei Minuten fotografiert; braucht man weniger Zeit als veranschlagt, bekommt man ein Knöllchen
  • die Bargeldabschaffung ist ein gutes Stück weiter als in Europa; Handy-Bezahlung wirklich ist überall möglich

Visa-Neuigkeiten und ein Bier-Tasting!

Hallo,

die Chinesen telefonieren eigentlich kaum und E-Mails sind auch irgendwie out – sie machen alles über den Messenger „WeChat“. Auf diese Weise pflegt Haojing Kontakt mit diversen Ämtern, unter anderem auch mit dem Polizisten, der meinen Aufenthalts-antrag bearbeitet, und mit der chinesischen Dame in Köln, die für meine Dokumente aus Deutschland zuständig ist. Letztere vermeldete nun, dass jene am Montag abgeholt werden können. Augenscheinlich hat meine Frau oft genug nachgefragt, weswegen es mit hoher Priorität behandelt wurde. Leider kostet uns der Spaß abschließend stolze 580 Euro Bearbeitungsgebühr.

Da Haojing aktuell beruflich in Berlin unterwegs ist und bereits fünf Tage früher als erwartet abreisen darf, sind wir nicht einmal auf den Postweg angewiesen. Am heutigen Samstag wird sie nach Luxemburg fliegen, um meine Familie zu besuchen und noch ein paar Dinge, die ich bestellt habe, mitzunehmen. Am Montag fährt sie schließlich nach Köln, holt die Dokumente ab und fährt direkt weiter nach Frankfurt, um per Direktflug nach Peking zu reisen. Hinterher muss sie nur noch nach Wuhan fliegen und zwei Stunden mit dem Auto zurück nach Chibi fahren, während ich hier faul herumsitze und auf meine Frau warte.

Bei ihrer Ankunft werde ich mich natürlich angemessen für ihren Einsatz bedanken. Ich bin tatsächlich sehr verblüfft darüber, wie perfekt alles zeitlich ineinander passt und dass die zunächst vollkommen deplatziert erscheinende Geschäftsreise letzten Endes doch goldwert ist. Vielleicht ist es Schicksal, wer weiß das schon? Ich kann allerdings nicht behaupten, dass ich nicht gut mit der sprachlichen Barriere zurechtkäme. Ein geselligerer Mensch hätte vielleicht mehr Schwierigkeiten, aber ich kann für eine gewisse Zeit auch ohne echte Kommunikation auskommen. Außerdem gibt es da ja noch meine Videosammlung.

Lediglich die wesentlich schlechter gewordene Internetverbindung hat mich in den zurückliegenden Tagen auf die Palme gebracht. Es war mir kaum möglich, mich bei Amazon einzuloggen oder ein Youtube-Video anzuschauen. Ich hoffe inständig, dass sich diese Situation schnell verbessert. Während meines gestrigen Spaziergangs habe ich mir im nahegelegenen Supermarkt vier verschiedene Biersorten gekauft. Da ich vom chinesischen Bier bislang wirklich enttäuscht war, wollte ich herausfinden, welche Sorte mir am besten schmeckt. Ich habe jede Dose leergetrunken und eine mehr oder weniger epische Rangfolge erstellt.

Den mit großem Abstand letzten Platz belegt die gelbe Dose. Diese beinhaltet Ananasbier, das wie abartig süßes Ananassirup schmeckt und vermutlich nicht einmal Alkohol enthält – gemerkt habe ich jedenfalls nichts. Weit davor landet das Bier im grünen Behältnis, das nach gegorenem, ranzigem Abfallwasser schmeckt. Rang zwei erreicht die rote Büchse, deren Inhalt marginal weniger ranzig schmeckt. Gewinner ist das Bier in der silberfarbenen Dose, dass nur ein bisschen ranzig und auch etwas weniger wässrig schmeckt – vergleichbar mit einem wirklich schlechten deutschen Bier. In Chibi wird das wohl zu meiner Stammarke.

Liebe Grüße,

Benjamin

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Die Zeit fliegt!

Hallo,

inzwischen ist es schon Donnerstagabend und noch immer habe ich mich keine Sekunde gelangweilt. Das liegt einerseits bestimmt an der ungewohnten Umgebung, die mir täglich zahlreiche neue Eindrücke beschert. Andererseits scheine ich endlich den idealen Mix aus Freizeit und Arbeit gefunden zu haben, der perfekt zu meinem natürlichen Rhythmus passt. Morgens stehe ich um 9 Uhr auf, dann frühstücke ich und vollziehe meine morgendlichen Waschungen. Hinterher ruhe ich mich ein bisschen aus, erledige manchmal ein paar Kleinigkeiten, lerne Chinesisch und dann gibt es auch schon wieder die nächste Mahlzeit.

Anschließend starte ich den Computer, den ich für die Ausübung meines Berufs benötige, und kontrolliere schon mal, ob alles ordnungsgemäß funktioniert. Schließlich arbeite ich von 14 bis 19 Uhr, was ausgesprochen gut funktioniert. Im Anschluss daran habe ich in den letzten Tagen stets einen sehr wohltuenden Spaziergang absolviert. Das möchte ich in Zukunft gerne fortsetzen und bestenfalls zu einer abendlichen Angewohnheit machen. Draußen ist es zu dieser Stunde dann zwar schon dunkel, aber das stört mich nicht besonders. Die Läden haben allesamt sehr lange geöffnet. Ich kann zu jeder Tages- und Nachtzeit einkaufen.

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Am Mittwochvormittag habe ich zusammen mit meinem siebten Onkel den Bericht meiner medizinischen Untersuchung im Krankenhaus abgeholt. Das eingebettete Video zeigt im Übrigen die Autofahrt dorthin. Die Straßenverkehrsordnung wird in China offensichtlich ein bisschen anderes interpretiert als in Deutschland. Nach kurzer Eingewöhnungszeit, ist das aber völlig in Ordnung. Nachdem wir den Bericht abgeholt hatten, hat der Onkel sein Auto noch in die Werkstatt meines dritten Cousins gebracht, weil irgendetwas am Reifen repariert werden musste. Währenddessen habe ich in der Garage gewartet.

Dort habe ich Tee getrunken, Sonnenblumenkerne geknabbert und versucht mit der Frau des Cousins zu kommunizieren. Ein paar Sätze habe ich tatsächlich verständlich herübergebracht. Sie musste zwar jedes Mal lachen, aber das finde ich nicht schlimm. Im weiteren Verlauf wurde mir etwas in die Hand gedrückt, das ich kauen und hinterher wieder ausspucken sollte. Wenn ich es richtig verstanden habe, soll der Genuss dieses Naturprodukts irgendwie gut für den Hals sein. Tatsächlich hatte es eine ähnliche Wirkung wie Hustenbonbons, weswegen ich mir unbedingt noch eine zweite Portion gönnen wollte.

Diesem Wunsch kam ich nach. Kurze Zeit später wurde mir etwas schwummerig und ich bekam leichte Hitzewallungen. Unmittelbar danach setzte eine euphorisierende Wirkung ein, die zirka zehn oder 15 Minuten anhielt. Auf Nachfrage schrieb mir Haojing via Messenger, dass es sich hierbei um die Frucht der Betelnusspalme handelte. Diese ist hierzulande zwar üblich, hat auf mich aber eventuell eine stärkere Wirkung als auf Einheimische. Nichtsdestotrotz war der Verzehr der Betelnusspalmenfrucht eine weitere lustige Erfahrung. Nach erfolgreicher Autoreparatur wurde ich natürlich wieder zum Essen eingeladen.

Mir wurde gesagt, wir gingen Lammsteak essen. Wenn ein Chinese „Steak“ sagt, dann meint er es vielleicht wirklich ernst, aber ein echtes Steak bekommt man nicht. Es waren kleine Lammfleischstücke, die zusammen mit dem typisch chinesischen Gemüse in einem großen Wok in der Tischmitte serviert wurden. Wie immer war das Fleisch sehr fettig, sehr sehning, sehr knochig und es waren zahllose undefinierbare Stücke vorhanden. Lecker war es trotzdem und ich habe mich über die Einladung gefreut. Am Abend bastelte ich an meinem Freizeitpark weiter, wo es nun schon echt lange keinen schrecklichen Unfall mehr gab.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Für zwei Wochen sprachlich isoliert!

Hallo,

da Haojing inzwischen wegen ihrer Geschäftsreise für zwei Wochen verreist ist, lebe ich zurzeit alleine mit meiner Schwiegermutter, die ausschließelich Chinesisch spricht und außerdem nicht sehen kann. Die Kommunikation gestaltet sich nicht einfach, da ich ihr nicht einmal Handzeichen geben kann. Dennoch kann ich stolz von mir behaupten, dass ich es geschafft habe, ihr begreiflich zu machen, dass die Steuerung für die Warmwasserpumpe defekt ist. Daraufhin hat sie jemanden angerufen, um diese reparieren zu lassen. Sie versucht immer mit mir zu reden, und manchmal verstehe ich auch etwas.

Allerdings kann ich mit meinen jetzigen Sprachkenntnissen leider keine echte Antwort ausformulieren. Darum beschränken sich meine chinesischen Wörter auf „hallo“ und „danke“. Für den Notfall hat mir Haojing den WeChat-Kontakt zu einer ihrer Freundinnen gegeben, die der englischen Sprache mächtig ist. Sie lebt zwar in Peking, aber die technische Infrastruktur ist hierzulande wirklich gut – so lange man im Inland bleibt. Andernfalls ist die Verbindung sehr langsam und unzuverlässig. Ich sitze die meiste Zeit in meinem Zimmer und bin am Computer. Hier ist es dank der Elektroheizung mehr oder weniger angenehm.

Von meinem Balkon aus habe ich eine relativ schöne Aussicht. Es ist allerdings schon früh morgens sehr laut und das Haus isoliert den Schall so gut wie überhaupt nicht. Das ist aber nicht schlimm. Die Mutter meiner Frau weckt mich sowieso jeden Morgen um 9 Uhr, weil es Frühstückt gibt. Noch habe ich es nicht geschafft, ihr mitzuteilen, dass ich gar nicht frühstücken möchte. Weil sie schon immer alles für mich zubereitet hat, esse ich es dann einfach auf. Die Chinesen essen übrigens auch morgens, mittags und abends. Die verschiedenen Mahlzeiten unterscheiden sich jedoch nicht. Es gibt immer warm Zubereitetes und Tee.

In den zurückliegenden beiden Tagen habe ich viel „RollerCoaster Tycoon 2“ gespielt. Wer dieses Spiel kennt, weiß, dass Langeweile nicht wirklich zustande kommt. Für die Abendstunden habe ich damit begonnen, mir den Anime „Ghost in the Shell“ anzusehen. Hier ist es gar nicht so einfach, alle Werke in der korrekten Reihenfolge zu schauen, aber ich denke, ich bin auf einem ganz guten Weg. Selbstredend arbeite ich unter der Woche für knapp fünf Stunden pro Tag. Ich habe mir aber auch fest vorgenommen, in den nächsten Tagen mehrere Male unter die Leute zu gehen und vielleicht mal etwas auf dem Markt zu kaufen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich habe wieder viel erlebt!

Hallo,

am Freitagabend gingen Haojing und ich zusammen ins Kino. Wir haben uns den Film „Auquaman“ angeschaut, weil es einer von zwei Filmen war, die in Englisch übertragen wurden, und ich Superhelden etwas weniger doof finde als Transformers. Außerdem ist der Hauptdarsteller cool. Zu meiner mehr oder weniger großen Überraschung war der Film tatsächlich ganz unterhaltsam. Das Kino in Chibi ist sehr modern und steht einem erstklassigen deutschen Kino nur in einer Sache nach: es hat natürlich keine Heizung. Während des Films hat mich die Kälte allerdings wenig bis gar nicht gestört.

Am späten Samstagvormittag machten Haojing und ich einen kleinen Spaziergang durch den Randbezirk in Chibi, wo wir momentan wohnen. Das Wetter war gut. Irgendwie hat dieses kunterbunte und (für deutsche Verhältnisse) schmutzige Straßenbild einen ganz eigenen Zauber. Mir gefällt es jedenfalls gut. Alles wirkt sehr belebt und gleichzeitig viel weniger ernst als in Deutschland. Von dieser Lockerheit könnte man sich in meiner alten Heimat ruhig mal eine Scheibe abschneiden. Auf unserer Tour sind wir nicht nur an Häusern, sondern auch an Gärten, Bäumen und Gewässern vorbeigegangen.

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Als wir zurückkamen hatte das Haustürschloss ein Problem. Da Haojings Mutter ebenfalls kurz außer Haus war, hatten wir uns also ausgesperrt. Im weiteren Verlauf wurden zahlreiche Familienmitglieder hinzugerufen, die es allesamt selbst einmal mit dem Schlüssel ausprobieren wollten. Letzten Endes wurden zwei Leitern mit Drähten zusammengebunden und einer musste von außen durch das Fenster im dritten Stock einsteigen, um die Haustür schließlich von innen zu öffnen. Auf dem Bild in der Galerie sieht man nicht annähernd, wie sehr sich dieses klapprige Leiterkonstrukt tatsächlich gebogen hat.

Nachdem wir endlich wieder in der Wohnung waren, hielt es ein Onkel für eine gute Idee, uns alle in ein Restaurant zu Speis und Trank einzuladen. Dort gab es reichlich leckeres Essen und jede Menge Reisschnaps. Als Neuling musste ich wieder große Mengen davon trinken. Am Ende des Abends hatten wir zu dritt eine Flasche geleert. Um meiner Leserschaft näherzubringen, wie die Chinesen Fleisch essen, habe ich eine Nahaufnahme gemacht, die sich im Anhang befindet. Viele Deutsche würden sich das nicht in den Mund stecken. Oftmals sind auch große Stücke Knochen dabei. Dennoch ist es köstlich.

Liebe Grüße,

Benjamin

Der Abend war wirklich schön!

Hallo,

gestern Abend, nachdem ich meine wochentägliche Arbeit abgeschlossen hatte, waren Haojing und ich zum Majongspielen bei ihrer Cousine und deren Mann eingeladen. Zuvor hatte ich bereits einmal in Deutschland mit meiner Frau, meinem Vater und meinem jüngsten Bruder (es wird immer zu viert gespielt) Majong gespielt, aber trotzdem kam ich mir am Anfang ganz schön hilflos vor, weil die anderen einfach schnell drauf los spielten und ich mich daduch irgendwie unter Druck gesetzt fühlte. In einer solchen Situation fällt es mir dann natürlich noch schwerer, einen regelkonformen Spielzug durchzuführen.

Große Schwierigkeiten bereitete mir das Erkennen der Symbole. Also machten wir eine Spielpause und ich lernte sie. Nachdem ich schließlich mehr oder weniger gut auf Chinesisch bis Zehn zählen und auch die Schriftzeichen für jede Zahl erkennen konnte, haben wir einige weitere Runden gespielt. Natürlich war ich immer noch eine gewaltige Spielflussbremse, aber ich konnte eigenständig mitspielen. Für die anderen war es sicherlich noch nervig, dass ich manchmal für eine sehr einfach Sache länger überlegen musste. Da ich nun allerdings zur Familie gehöre, durften mir meine Mitspieler schlicht und ergreifend nicht böse sein.

Ich glaube aber, es hat ihnen auch ein bisschen Spaß gemacht. Die Cousine und ihr Mann haben uns anschließend noch zum chinesischen Barbecue eingeladen. Hier wählt man sich vor einer kleinen Theke genau die Teile aus, die gegrillt werden sollen. Anschließend setzt man sich an einen Tisch und wartet, bis das Essen serviert wird. Wie es in China üblich ist, steht alles in der Mitte und jeder bedient sich selbst vom großen Ganzen. Hierbei ist keine Rücksicht darauf zu nehmen, was man sich vorher ausgesucht hat. Jeder bedient sich einfach und benutzt dabei dieselben Stäbchen, mit denen man auch das Essen zum Mund führt.

Geschmacklich war das Barbecue wirklich herausragend gut. Das Fleisch schmeckt wirklich sehr ähnlich wie Gegrilltes in Deutschland, nur ist es wesentlich stärker gewürzt. Darüber hinaus essen Chinesen auch Dinge, die man in Deutschland nicht allzu oft auf den Grill wirft. In unserem Fall waren das Bärlauch, Fisch, Hühnerfüße und Tofu. Letzteren essen die Chinesen in wirklich sehr, sehr großen Mengen. Gestern habe ich auch ein chinesisches Bier getrunken. Leider verfügen die Biere hierzulande nur über einen Alkoholgehalt von zweieinhalb Prozent und schmecken eher wie eine Mischung aus Bier und Wasser.

Dennoch empfand ich es als angenehm, endlich wieder etwas zu trinken, das mich zumindest ein bisschen an meine Heimat erinnert. Cola und limoartige Getränke möchte ich nicht konsumieren. Kaffee oder Milch sind hier kaum zu bekommen. In den letzten Tagen habe ich also hauptsächlich Tee und Sojamilch getrunken. Leider kann ich bei der kostenlosen Variante dieses Blogs keine Videos hochladen. Deswegen bette ich ein paar externe Links in diesen Beitrag ein. Dort könnt ihr sehen, wie ich das Zählen für Majong lerne und wie wir chinesisches Barbecue essen. Dabei wünsche ich euch allen viel Glück und viel Segen!

Liebe Grüße,

Benjamin

Heute war ein ereignisreicher Tag!

Hallo,

der Mittwoch ist zwar noch nicht komplett vorbei, doch mein Tag war bereits derart gefüllt, dass ich einen neuen Blog-Eintrag verfassen kann. Wir mussten früh um 7 Uhr aufstehen, weil wir heute Morgen ins Krankenhaus zwecks meiner medizinieschen Untersuchung fahren wollten. Nachdem wir endlich das richtige Krankenhaus gefunden hatten, gab es natürlich wieder Probleme. Dort wusste anscheinend niemand etwas von einer speziellen Untersuchung für Ausländer. Nach ein paar Wortwechseln wurden wir bereits auf ein Krankenhaus in Wuhan verwiesen.

Eine zweistündige Fahrt nach Wuhan wäre allerdings extrem umständlich für uns, da ich unter der Woche schließlich jeden Nachmittag berufstätig bin. Darüber hinaus wäre es gar nicht so unwahrscheinlich gewesen, dass man uns in Wuhan wieder nach Chibi geschickt hätte, weil ich immerhin dort polizeilich erfasst bin. Glücklicherweise habe ich eine sehr hartnäckige Ehefrau, die das Personal des hiesigen Krankenhauses doch noch davon überzeugen konnte, diese Untersuchung selbst durchführen zu können. Sebstredend mussten wir im Voraus bezahlen.

Zunächst wurde mir Blut abgenommen, dann wurden Hals, Nase und Ohren untersucht. Anschließend wurden sowohl Körpergröße als auch Gewicht sowie Blutdruck gemessen. Im weiteren Verlauf musste ich noch in die Röntgenkammer, mein Herz wurde abgehört, meine Lymphknoten abgetastet und mein Bauchumfang gemessen. Zu guter Letzt musste ich mich noch einem Elektrokardiogramm unterziehen. Soweit ich alles mitbekommen habe, war alles in Ordnung. Einige Tests konnten nicht sofort ausgewertet werden. Nächsten Mittwoch kommen die Ergebnisse.

Unmittelbar im Anschluss wurden wir von Haojings guter Freundin Yuan zum Essen eingeladen. Sie ist Lehrerin in Chibi. Wir holten sie in der Schule ab und besichtigten noch die letzte Unterrichtsstunde. Der mittelgroße, eiskalte Klassenraum war mit 69 Schülern – salopp gesagt – rammelvoll. Es ist unglaublich, wie viele Schriftzeichen von den Kindern auswendig gelernt werden müssen. Gleichzeitig muss ich aber auch zugeben, dass gerade handschriftlich geschriebenes Chinesisch wirklich wunderschön aussieht. Die Schrift passt einfach perfekt zur Kultur.

Danach sind wir zu dritt in ein erstklassiges Restaurant gegangen, das für chinesische Verhältnisse ziemlich teuer ist. Sie hat uns eingeladen. In Restaurants geht man hierzulande zunächst an einer langen Theke vorbei und wählt gemeinsam aus, was frisch zubereitet auf den Tisch gebracht werden soll. Hinterher setzt man sich an seinen Tisch. Das Essen wird auf mehreren Platten in die Mitte gestellt, um dann von allen gemeinsam mit Stäbchen verspeist zu werden. Einen eigenen Teller erhält man nicht immer, woran man sich als Deutscher erst einmal gewöhnen muss.

Liebe Grüße,

Benjamin

Das bescheidene Heim tut mir gut!

Hallo,

inzwischen habe ich bereits zwei Nächte in der Wohnung von Haojings Eltern hinter mir. Was am Anfang eher wie eine kräftezehrende Geduldsprobe anmutete, ist inzwischen gar nicht mehr so schlimm. Vielmehr macht dieses einfache Leben meinen Kopf frei und in mentaler Hinsicht beschränke ich mich auf das Wesentliche. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Effekt sogar intensiver ausfällt, wenn man noch bescheidener lebt als meine Schwiegereltern. Das möchte ich gerne irgendwann ausprobieren – also ohne fließendes Wasser und Strom. Für den Moment bin ich aber noch sehr zufrieden.

Leider ergeben sich zunehmend mehr Probleme mit der Beschaffung meines Aufenthaltstitels, was nun wirklich dazu führen könnte, dass ich das Land nach drei Monaten wieder verlassen muss. Fehlende Dokumente sind echt problematisch. Ich hoffe dennoch inständig, dass wir die Sache irgendwie deichseln können. Immerhin wurde ich nun offiziell für das Anmeldeverfahren zum Erhalt eines Aufenthaltstitels zugelassen. Dieser wäre zwar vorerst nur ein Jahr gültig, aber das ist besser als des Landes verwiesen zu werden. Morgen früh fahren wir zum Arzt zwecks der hierfür notwendigen medizinischen Untersuchung.

Heute Vortmittag habe ich eine meiner zahlreichen Tanten beziehungsweise einen meiner zahlreichen Onkel kennengelernt. Wir haben ihnen eine Menge Schweinefleisch für das im Februar stattfindende Frühlingsfest zum Vorbereiten vorbeigebracht. Die beiden Körbe waren prallgefüllt mit verschiedenen Körperteilen und sehr schwer. Die beiden leben momentan in ihrem Landhaus in den nahegelegenen Bergen. Mit dem Auto benötigen wir ziemlich genau eine Viertelstunde für einen Weg. Da das gegenseitige Beschenken in China enorm wichtig ist, haben wir noch Lebensmittel auf dem hiesigen Markt gekauft und mitgebracht.

Das Landhaus meiner Tante und meines Onkels ist – soweit ich das beurteilen kann – sehr alt. Dort leben sie wirklich zu mehr oder weniger traditionell. Wenn es draußen jedoch besonders kalt oder besonders heiß ist, bevorzugen die beiden allerdings ihre Wohnung in der Stadt. Da ich hier nur kurz vor Ort war, konnte ich leider nicht allzu viel sehen. Ein bisschen Elektrizität und ein Gasherd sind allerdings vorhanden. Sie haben einen schönen Garten, wo sie ihr eigenes Gemüse anbauen. Im Gebäude gibt es eine Feuerstelle, über der ein Kessel hängt. Weiter oben baumeln selbsthergestellte Fleischwaren, die getrocknet oder geräuchert werden.

Liebe Grüße,

Benjamin

Der Luxus ist vorerst vorbei!

Hallo,

heute Morgen sind Haojing und ich zeitig aufgestanden, weil wir noch zu Ende packen und die Wohnung ein wenig zurecht machen wollten. Um 12:30 Uhr sind wir schließlich aufgebrochen. Wir wurden von einem Arbeitskollegen meiner Frau zum Flughafen nach Yancheng gefahren. Nach eineinhalb Stunden Fahrt mussten wir ebenso lange auf unseren Flug nach Wuhan warten. Gegen 17:15 Uhr sind wir schlussendlich gelandet. Bis wir einen Mietwagen hatten dauerte es nochmal etwa eine Stunde. Dann hat uns Haojing sicher zu ihrem Elternhaus nach Chibi gefahren, wo wir um 20:30 Uhr ankamen.

Dementsprechend müde sind wir beide während der gerade laufenden Abendstunden. Haojings Mutter, die ich eben quasi zum ersten Mal getroffen habe, hatte uns ein leckeres Essen zubereitet. Sie ist sehr nett, aber leider kann ich mit ihr kaum kommunizieren. Sie spricht ausschließlich chinesisch und ist nahezu blind, weswegen Handzeichen oder Symbole als Verständigungsmittel ebenfalls wegfallen. Nach dem Essen hat sie uns noch einen sehr leckeren, wärmenden Kräutertee aufgesetzt. Einen besseren Tee habe ich noch nie getrunken. Dieser ist allerdings auch nötig, denn es ist bitterkalt in der Wohnung.

Aus diesem Grund hatte Haojing bereits im Vorfeld zwei Elektroheizungen bestellt, die schon vor unserer Ankunft eintrafen. Nach dem Essen war der Aufbau dieser Geräte gewissermaßen meine erste Amtshandlung. Leider sprang die Sicherung schon nach kurzer Betriebszeit heraus – zweimal 2.200 Watt sind scheinbar zu viel. Jetzt ist nur noch eine Heizung am laufen, die glücklicherweise in unserem Schlafzimmer positioniert ist. Generell lässt sich sagen, dass diese Wohnung mindestens zwei Klassen niedriger anzusiedeln ist als unser neues zu Hause in Dayouzhen. Vor allem das Badezimmer wirkt mittelalterlich.

Hier ist einfach nur ein Loch im Boden. Da es in diesem Raum nur einen Abfluss gibt, ist die Duschbrause unmittelbar darüber angebracht. Man wäscht sich also direkt über dem Klo. Da das hier mein festes Quartier für die nächsten fünf Wochen sein wird, muss ich mich wohl oder übel daran gewöhnen. Wirklich schlimm ist es aber nicht. Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich schließlich nicht im Bad. Die Verbindung mit den Servern meines Arbeitgebers funktioniert im Übrigen auch von dieser Wohnung aus. Morgen Nachmittag werde ich zum ersten Mal aus China meinen Dienst verrichten und hoffe, dass alles gut läuft.

Liebe Grüße,

Benjamin