Ich habe ein paar Zweifel…

Hallo,

nach dem Hin und Her der vergangenen Wochen, bin ich mir aktuell ernsthaft am überlegen, keinen Deutschlandflug für August zu buchen. Die attraktiven Angebote, die mit nur einem Zwischenstopp direkt über die Fluglinie buchbar waren, sind inzwischen nicht mehr vorhanden oder fünfmal so teuer. Die bezahlbaren Flugreisen, die jetzt noch angeboten werden, erfordern in der Regel dreimaliges Umsteigen. Zu allem Unglück müsste ich mich um jene Transfers sogar selbst kümmern. Das wäre viel zu riskant. Wird nur einer dieser Flüge verschoben oder gibt es Probleme bei der Passkontrolle, sitze ich irgendwo im Nirgendwo fest.

Natürlich lasse ich mir die Situation noch eine gewisse Zeit durch den Kopf gehen und werde auch mit Haojing darüber sprechen. Dennoch scheint es die wesentlich klügere Variante zu sein, meinen Notfallplan in die Tat umzusetzen. Hier ist vorgesehen, erst einen Flug im Herbst zu buchen, dann aber bis nach Weihnachten zu bleiben. Zunächst klingt das nach einer längeren Verzögerung, doch liegt zum Beispiel der Oktober nur zwei Monate hinter dem August. Zu meinem Nachteil würde ich die schöne Jahreszeit komplett verpassen und ich könnte niemandem meine schicke neue Sommerkleidung präsentieren. Doch die Vorteile überwiegen.

Ich könnte höchstwahrscheinlich zwischen günstigen, seriösen Flugangeboten wählen. Da China wohl noch mehrere Wochen oder Monate keine Ausländer einreisen lässt, wäre außerdem die Zeit, die ich potenziell von meiner Frau getrennt leben müsste, auf jeden Fall kürzer. Darüber hinaus könnte ich im Herbst hoffentlich wieder am regulären Tischtennistraining teilnehmen. Die momentane Lösung in Deutschland kann ich kaum fassen und ist meiner Meinung nach vollkommen überzogen sowie wirkungslos. Selbst in der Wuhan-Region konnte ich schon im März ganz normal – ohne irgendwelche Einschränkungen oder Negativfolgen – Tischtennis spielen gehen.

 

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Da ich im letzten Beitrag einiges zu berichten hatte, sind diverse Kleinigkeiten verloren gegangen. Ich möchte noch nachtragen, dass es im Technik- und Wissenschaftsmuseum ein Spiel gab, bei dem die Kraft der Gedanken im Mittelpunkt stand. Zwei Spieler saßen sich an einem Tisch gegenüber. In der Mitte lag eine Kugel, die man durch pures Nachdenken in Richtung des Gegenspieler befördern musste. Natürlich funktionierte das Ganze mittels technischer Vorrichtung, in dem die Gehirnwellen gemessen wurden. Jedenfalls musste ich eine vernichtende Niederlage gegen meine Frau einstecken. Ich vermochte die Kugel nicht einen Hauch zu bewegen.

Am zurückliegenden Samstag gingen Haojing und ich mit einigen ihrer Arbeitskollegen in ein gutes Restaurant in Binhai essen. Dort waren wir zwar schon einmal im letzten Jahr, aber nichtsdestotrotz war es erneut eine äußerst angenehme Erfahrung. Im Eingangsbereich stand eine große quadratische Theke, um die wir herumgehen und unser Essen auswählen konnten. Dabei wurden wir von einer Kellnerin begleitet, die unsere Bestellung aufnahm. Im Anschluss setzten wir uns in eine der zahlreichen Kabinen, in der unser Essen nach und nach serviert wurde. In China bestellt man sich nicht seine eigene Portion. Alles wird stets mit jedermann geteilt.

Nach dem Restaurantbesuch gingen wir noch in ein nahegelegenes Einkaufszentrum. Dort trennten wir uns von den Arbeitskollegen, die ihre Kinder dabeihatten, und absolvierten einen kleinen Trip durch sämtliche Etagen. Unter anderem fuhren wir mittels VR-Brille und Bewegungssimulator virtuell Achterbahn. Zu guter Letzt möchte ich noch die aktuellen Fotos von unserem Haus präsentieren, das in einem kleinen Bergdorf in der Nähe von Chibi gebaut wird. Mit unseren Vorstellungen hat es eigentlich gar nichts mehr zu tun. Ich persönlich finde das nicht allzu schlimm. Man muss die hiesige Mentalität akzeptieren.

Liebe Grüße,

Benjamin

 

Leider noch in China – trotzdem schönes Wochenende!

Hallo,

wie es sich bereits in den zurückliegenden Wochen abzeichnete, fiel meine Reise nach Deutschland leider ins Wasser. Ziemlich direkt nach meinem letzten Beitrag wurde mein Flug nach Hongkong von Samstag auf Dienstag verschoben, weswegen ich die Anschlussflüge, die nicht ebenfalls auf Dienstag verschoben wurden, nicht wahrnehmen konnte. Weitere Flüge von Shanghai nach Frankfurt hätten mich mindestens 2.500 Euro gekostet. Selbstverständlich ist das eine Geldmenge, die man bezahlen könnte, wenn man unbedingt wollte. Eine besonders kluge Entscheidung wäre das jedoch nicht, weswegen ich China an diesem Wochenende nicht verließ.

Am Donnerstag läuft die Frist ab, die ich dem Reisebüro für die Rückerstattung meiner Reisekosten (erste gecancelte Reise) gesetzt habe. Ich rechne damit, dass mich der Support bis dahin weiterhin erfolgreich ignorieren wird. Glücklicherweise kann man Kreditkartenzahlungen reklamieren. Auf der Website meines Anbieters gibt es sogar ein entsprechendes Formular, das ich eigentlich nur ausfüllen, unterschreiben und versenden muss. Ich rechne also damit, dass das Geld nicht verloren ist. Selbigen Prozess werde ich auch für meine zweite Reise einleiten, sobald die Frist, die ich dem Reisebüro gesetzt habe, abgelaufen ist.

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Meinen nächsten Versuch einer Deutschlandreise werde ich wohl Anfang oder Mitte August angehen. Für kommenden Monat gibt es tatsächlich einige attraktive Angebote. Das kann sich natürlich noch ändern. Schaut man sich die aktuellen Abflugdaten des Shanghai-Pudong-Airports an, bekommt man graue Haare. Nicht einmal zehn Prozent der Flugzeuge heben nach Plan ab. Die meisten Flüge werden kurzfristig entweder verschoben oder abgesagt. Wenn man bedenkt, dass Shanghai zirka sechs Autostunden von meiner Heimat entfernt liegt, erkennt man schnell die Tragik der Sache. Man riskiert eine lange Fahrt oder gar einen Flug für nichts.

Am letzten Wochenende waren wir allerdings nicht umsonst in Shanghai, denn Haojing hatte einen Termin bei der Deutschen Botschaft. Da ihr Aufenthaltstitel im Mai abgelaufen ist, muss sie nun leider ein Visum beantragen, um nochmal in Deutschland einreisen zu dürfen. Aus diesem Grund fuhren wir am Donnerstag mit dem Zug in Chinas größte Stadt. Zunächst wurden wir in die eineinhalb Autostunden entfernte Bezirkshauptstadt Yancheng gebracht. Von Dort fuhren wir drei Stunden mit dem Zug in die Provinzhauptstadt Nanjing, wo wir dann endlich in den Hochgeschwindigkeitszug umsteigen konnten, der noch eineinhalb Stunden bis Shanghai brauchte.

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Meine Frau kann sich ihre Arbeitszeiten mehr oder weniger flexibel einteilen und ich hatte mir für Donnerstag und Freitag Urlaub genommen. Vom Botschaftstermin am Freitagmorgen mal abgesehen, hatten wir also enorm viel freie Zeit, die wir ausgiebig nutzten. Wir kamen in einem Airbnb-Zimmer in guter Lage (in der Nähe der Deutschen Botschaft) unter. Dieses war nicht gerade günstig, aber wirklich sehr schön. Zum Entriegeln der Tür gab es weder Schlüssel noch Karte. Wir bekamen einfach nur einen achtstelligen Code, den wir in ein elektronisches Zahlenschloss eingeben mussten. Selbstredend ist das keine Hexerei, aber trotzdem ziemlich cool.

An unserem ersten Tag schauten wir uns ein paar Highlights der Stadt an. Bislang konnte mich keine Stadt, in der ich gewesen bin, so sehr beeindrucken wie Shanghai. Das mag daran liegen, dass ich nicht besonders viel für hübsche Altstädte übrighabe und moderne Stadtbilder bevorzuge. Am Abend gingen Haojing und ich schließlich noch in ein sündhaft teures Restaurant, mit hervorragendem Blick auf die Skyline. Ich hatte eine Käseplatte als Vorspeise, ein (unglaubliches) Steak als Hauptgericht sowie eine Kombination aus Eis und Brownie als Nachtisch. Meine Frau begnügte sich lediglich mit Fisch und Eis. Am Ende waren wir um 300 Euro leichter.

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Der Termin bei der Botschaft war an unvorhergesehenen Störfeuern kaum zu überbieten, doch letzten Endes funktionierte alles. Im Anschluss besuchten wir das Technik- und Wissenschaftsmuseum, was vor allem meiner Wenigkeit große Freude bereitete. Dort gab es zahlreiche Themenbereiche, zum Beispiel Raumfahrt, Robotik oder Tierwelt, die allesamt interessant waren. Beschriftungen waren durchgängig in chinesischer- und in englischer Sprache vorhanden. Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die touristisch angehauchten Gassen der Stadt. Zu Abend aßen wir diesmal in einem hervorragenden japanischen Restaurant.

Den Tag der Abreise nutzten wir noch für den Besuch des Madam-Tussauds-Wachsfigurenhauses, in denen zahlreiche nachgebildete Promintente ausgestellt waren. Obwohl ich auf diesem Gebiet alles andere als bewandert bin, erkannte ich einige. Hinterher besuchten wir noch den Shanghai Dungeon. Dort wurden wir in einer Gruppe von guten Schauspielern durch verschiedene Gruselräume geführt und unterhalten. Leider verstand ich recht wenig, aber dennoch war ich zufrieden. Ehe wir uns zwecks Rückreise in Richtung Flughafen aufmachten, nutzte ich die Gelegenheit und machte halt in einem Pizza Hut, um endlich wieder mal Pizza zu essen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Hoffnung und Hitze kommen Hand in Hand!

Hallo,

ich möchte mit dem Wichtigsten beginnen: Es gibt noch keine neuen Informationen darüber, ob ich am kommenden Samstag nach Deutschland fliegen werde oder nicht. Den aktuellen Stand der Dinge möchte ich jedoch nicht verschweigen. Die Route von Shanghai über Peking und Warschau nach Frankfurt, die zu günstigen Konditionen angeboten wurde, wurde bekanntlich abgesagt. Daran hat sich natürlich nichts geändert. Gegenwärtig scheint der einzige bezahlbare Weg in Richtung Europa über Hongkong zu führen. Ein Flug der Swiss Air, der direkt von Shanghai nach Zürich gehen sollte, wurde ebenfalls gestrichen.

Wenn ich es bis nach Hongkong schaffe, kann ich entweder mit der Finnair über Helsinki oder mit der Lufthansa direkt nach Frankfurt fliegen. Erstere Variante würde 200 Euro weniger kosten. Es gibt aber keine Garantie, dass diese Flüge in der nächsten Woche nicht auch gecancelt werden. Das größere Problem stellt allerdings die aktuelle Gesetzeslage in Hongkong dar, denn ein aus China stammender Fluggast muss zurzeit zwei Wochen in Quarantäne, bevor er das Land betreten darf. Der Flug nach Hongkong endet nicht im Transferbereich des Flughafens. Ich müsste also durch die Passkontrolle und mein Gepäck am Schalter erneut aufgeben.

Genau das funktioniert momentan schlicht und ergreifend nur mit zweiwöchiger Pufferzeit. Selbstredend werde ich mich darauf nicht einlassen. Trotzdem habe ich noch Hoffnung, denn ab Juli wird es in Hongkong neue Corona-Richtlinien geben, die diesen Umstand eventuell lockern. Sollte mir das Umsteigen dann ermöglicht und mindestens einer der beiden Flüge nach Europa nicht gestrichen werden, steht meinem Deutschlandurlaub wohl nichts mehr im Wege. Genaueres kann ich aber erst am Mittwoch in Erfahrung bringen. Bis dahin muss ich mich mit der Ungewissheit, mit der ich mich glücklicherweise bereits arrangiert habe, abfinden.

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Ich schätze die Wahrscheinlichkeit, dass meine geplante Reise funktionieren wird, leider bei unter 50 Prozent ein. Das wäre zwar doof, aber kein Weltuntergang. Im August würde ich einen neuen Anlauf wagen. Falls es dann immer noch nicht möglich sein sollte, werde ich irgendwann im Herbst nach Deutschland reisen und – wenn alle Beteiligten einverstanden sind – bis nach Weihnachten bleiben. Übrigens werde ich meinen nächsten Beitrag erst nach dem kommenden Wochenende verfassen. Auf diese Weise wird jeder meiner Leser erfahren, ob ich es nach Deutschland geschafft habe oder immer noch aus unserer Wohnung in Dayouzhen blogge.

Einige mehr oder minder unwichtige Dinge sind meiner Auffassung nach ebenfalls berichtenswert. Das hiesige Wetter ist in letzter Zeit ziemlich tropisch. Die Sonne steht mittags fast am Zenit, was man gut am Schattenfall erkennen kann. Die UV-Strahlung muss unheimlich intensiv sein. Es wechselt zwischen kochender Hitze und tagelangem Regen. Die Luftfeuchtigkeit ist an manchen Tagen abnormal hoch. Beim Tischtennisspielen bildet sich ein Wasserfilm auf den Belägen, weswegen man kaum noch Spin in den Ball bekommt. Nach dem Sport ist das Trikot tatsächlich genauso nass, als wäre ich in einen Pool gesprungen.

Vergangenen Donnerstag war das sogenannte Drachenbootfest, an dem irgendetwas Uninteressantes gefeiert wird. Haojing und meine Wenigkeit wurden von der (wie wir sie nennen) Wäschefrau zum Essen eingeladen. Dort gab es das typische chinesische Festtagsessen, bestehend aus viel Ei, Gemüse, Fleisch, Meeresfrüchten und Tofu. Außerdem wurde noch eine für das Drachenbootfest spezifische Speise serviert, bestehend aus matschigem Reis und Blättern. Chinesischer Nachtisch ist in der Regel einfach nur geschnittenes Obst. Zum Essen trank ich mit dem sympathischen Ehemann unserer Gastgeberin zwei Dosen Bier.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich habe schlechte Nachrichten…

Hallo,

gestern bekam ich eine E-Mail, deren Inhalt mir leider große Sorgen bereitet. Mein Flug nach Deutschland, den ich in meinem letzten Beitrag verkündete, wurde von der Airline gestrichen. Natürlich sind mir keine Einzelheiten bekannt, doch der kleinere Virusausbruch in Peking spielt gewiss eine triftige Rolle. Meine Reise sollte eigentlich von Shanghai über Peking und Warschau nach Frankfurt gehen. Trotzdem werde ich mich am ehemaligen Abflugdatum in Shanghai befinden, weil Haojing am 3. Juli einen Termin bei der Visastelle der Deutschen Botschaft hat. Ich habe also die Möglichkeit, einen anderen Flug zu buchen.

Allerdings bin ich im Moment ein wenig ratlos. Zwar sind noch einige bezahlbare Flüge an diesem Wochenende verfügbar, doch habe ich keine Garantie, dass diese nicht wieder abgesagt werden. Da ich sowieso in Shanghai sein werde, bietet sich insbesondere der Samstag an. Bei meiner jüngsten Suche entdeckte ich eine Route von Shanghai über Hongkong und Helsinki nach Frankfurt, die finanziell noch geradeso im machbaren Rahmen liegt. Dennoch zögere ich mit einer Buchung. Ich mache mir berechtigte Sorgen, mein Geld für den stornierten Flug nicht zurückzubekommen. Dahingehend sind Fluggesellschaften erfahrungsgemäß recht inkulant.

Selbstredend steht mir das Geld zu, aber vermutlich muss ich mehrere teure Hotlines mit Warteschleifen anrufen und letztendlich werden sich Online-Reisebüro und Fluggesellschaft die Verantwortung gegenseitig zuschieben. Dieses Geplänkel steht mir nun mindestens einmal bevor. Sollte ich erneut eine Buchung durchführen, besteht das Risiko einer zweiten Stornierung und folglich müsste ich mich schon wieder um die Rückerstattung kümmern. Ich werde meine Lage mit Familie und Freunden besprechen und dementsprechend handeln. Mein Wunsch, in diesem Sommer nach Deutschland zu kommen, wird zunehmend stärker.

Apropos Virusausbruch in Peking: Es ist wahr, dass es während der letzten Tage in der chinesischen Hauptstadt einige Neuinfektionen gab und dass man dort wieder hohe Sicherheitsvorkehrungen eingeführt hat. Allerdings ist die tatsächliche Zahl der Infizierten sehr überschaubar. In den letzten fünf Tagen kam es in ganz China zu 57, 49, 40, 44 und 28 Neuinfektionen. Davor schwankte jener Wert immer zwischen Null und 20. In Deutschland können wir von derlei Zahlen nur träumen. Die Verschärfung der Maßnahmen und die damit verbundenen Stornierungen der Flüge sind meiner Meinung nach also stark überzogen.

Dass es zu einer zweiten Welle kommt, halte ich generell für unwahrscheinlich. Vielmehr besteht die Möglichkeit, dass die Krankheit endemisch wird und sich zu unseren normalen Erkältungsviren gesellt. Die Hoffnung, dass Covid-19 komplett verschwinden wird, habe ich noch nicht aufgegeben. Haojing und ich bekamen vorletzten Sonntag Besuch von Mingmin, Haojings Freundin aus Peking. Sie sollte meine Frau, die zurzeit extrem viel um die Ohren hat, für zwei Wochen bei der Arbeit unterstützen. Aufgrund des Pekingausbruchs bekamen die hiesigen Verantwortlichen jedoch Panik und wollten sie in Zwangsquarantäne stecken.

Gerade noch rechtzeitig konnten wir Mingmin zum Flughafen nach Lianyungang bringen, wo sie nach Hause „flüchten“ konnte. Den erwarteten Anruf mit der Quarantäneanordnung bekamen wir unmittelbar nachdem wir sie dort abgesetzt hatten. Haojing und meine Wenigkeit nutzten die Gelegenheit und verbrachten den Vormittag in der Millionenstadt. Wir besuchten ein großes Einkaufszentrum und aßen in einem guten Restaurant. Obwohl Mingmin viel Kontakt zu uns hatte, müssen wir beide nicht in Quarantäne. Dementsprechend ändert sich für uns vorerst nichts. Ich wünsche allen Lesern einen guten Appetit.

Liebe Grüße,

Benjamin

Der Flug nach Deutschland ist gebucht!

Hallo,

dieser Beitrag ließ etwas auf sich warten, weil in den zurückliegenden Tagen Einiges in der Schwebe stand. Inzwischen sind die meisten Dinge jedoch geklärt und ich kann über die jüngsten Entwicklungen berichten. Wie sich meine Leserschaft aller Voraussicht nach bereits denken kann, geht es hierbei um unsere Reise nach Deutschland und die dafür zu überwindenden Hürden. Da die deutsche Ausländerbehörde Haojings Aufenthaltstitel, der am 9. Mai abgelaufen ist, ohne ihre Anwesenheit nicht verlängern wollte, müssen wir für sie ein Visum beantragen. Leider ist das zurzeit nur sehr eingeschränkt möglich.

Für die Beantragung des Visums fehlten uns Dokumente aus Deutschland, die wir zum Glück auch als Ausdruck eines Scans einreichen dürfen. Die Botschaft zeigte sich tatsächlich sehr kulant und bot uns an, einen Ausnahmetermin zu machen. Darüber hinaus sicherte man uns zu, darüber hinwegzusehen, dass meine Meldebescheinigung zum Zeitpunkt des Termins ein paar Tage zu alt sein wird. Am Donnerstag, den 2. Juli, werden wir mit dem Zug von Yancheng über Nanjing nach Shanghai fahren. Am 3. Juli hat meine Frau ihren Termin bei der Botschaft, wo sie die Dokumente einreichen und sämtliche Formalitäten für ihr Visum klären wird.

Die bittere Pille kommt allerdings erst jetzt: Am 4. Juli werde ich nach Deutschland reisen – ohne Haojing. Da wir zu diesem Zeitpunkt in Shanghai sind, bietet sich der Start meiner Reise einfach an. Aktuell hat sie beruflich noch viel um die Ohren und außerdem würde ihr Arbeitgeber sowieso keinen derart langen Urlaub genehmigen. Da Haojing aber unbedingt ihren Aufenthaltstitel verlängern möchte, wird sie voraussichtlich im August nachreisen. Bis dahin sollte der Visa-Antrag genehmigt worden sein. Während ich am frühen Morgen des 4. Juli abhebe, wird sie am Abend desselben Tages nach Lianyungang fliegen.

Meine Reise führt mich zuerst nach Peking auf den brandneuen Daxing-Flughafen, den größten Flughafen der Welt. Von dort aus werde ich mit der LOT (Polish Airlines) nach Warschau fliegen, wo mir eineinhalb Stunden zum Umsteigen in einen Flieger nach Frankfurt am Main bleiben. Da jener Flug von derselben Airline betrieben wird, sollte es normalerweise zu keinerlei Problemen kommen. Am Samstag, den 4. Juli, werde ich gegen 22 Uhr in Frankfurt ankommen. Um diese Uhrzeit fährt leider kein Zug mehr bis nach Trier, weswegen ich mir entweder ein Hotel suchen oder darauf hoffen muss, dass mich jemand abholen kommt.

Das sind vorerst die wichtigsten Neuigkeiten, über die ich berichten kann. Ansonsten hat sich nicht allzu viel getan. Dass der Rohbau unseres Hauses bereits fertiggestellt wurde, hatte ich schon mal erwähnt. Mit diesem Beitrag liefere ich übrigens das angekündigte Video von meinem Tischtennis-Match gegen einen Chinesen, der im hiesigen Verein einer der besseren Spieler ist. Dieses Match habe ich mit eins zu drei verloren. Jeder einzelne Satz war allerdings ziemlich knapp und umkämpft. Leider hat Haojing beim Filmen ihren Fokus zu sehr auf mich gerichtet, weswegen man meinen Gegenspieler nur selten sehen kann.

Für mich eignet sich eine solche Aufnahme hervorragend zum Video-Studium meines eigenen Spiels. Eine andere Perspektive kann enorm hilfreich dabei sein, Fehler und Schwächen zu entdecken. Da ich nur Hobby-Spieler bin, habe ich davon selbstredend jede Menge. Mittlerweile gehe ich nicht mehr um die Mittagszeit spazieren, denn die Sonneneinstrahlung ist einfach zu intensiv. Zwischen 9:30 und 15:30 Uhr sollte ich mich nicht allzu lange in der prallen Sonne aufhalten. Auch die Temperaturen haben es in sich. Die 40-Grad-Marke hat schon mehrere Male gewackelt. Bald ist es an der Zeit, in unserer Wohnung die Klimaanlagen anzuwerfen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein kurzer Stand der Dinge…

Hallo,

heute gibt es einen Beitrag, der wahrlich kurz ausfällt. Ich habe schlicht und ergreifend nicht viel zu berichten. Meine letztwöchige Geburtstagsfeier war wohl das Highlight bis zu meinem Deutschlandurlaub. An dieser Front sieht es wie folgt aus: Vor dem 15. Juni können wir (Corona-bedingt) kein Visum für Haojing beantragen. Sollte es ab dann möglich sein, beantragen wir das Visum und buchen nach Erhalt den Flug für uns beide. Wird jene Frist um einen weiteren Monat verlängert, buche ich sofort einen Flug für mich alleine. Das wäre zwar sehr schade, aber ich möchte unbedingt meine Familie und meine Freunde besuchen.

Letzten Freitag gab es in China zum ersten Mal seit Beginn der Epidemie keine einzige bestätigte Neuinfektion. Jedoch blieb es vorerst nur bei diesem einen Tag. Außerdem geht die brandaktuelle Information durch die chinesischen Medien, dass jeder Einwohner Wuhans auf das Coronavirus getestet wurde. Dabei kam es bei 200 Personen zu einem positiven Ergebnis, von denen allerdings alle asymptomatisch waren. Ich interpretiere diese großangelegte Testreihe auf jeden Fall positiv. Wenn man bedenkt, dass die Stadt etwa acht Millionen Einwohner zählt, sind 200 Virusträger eine verschwindend geringe Anzahl.

Mein Geburtstag, an dem ich gegessen und getrunken habe, was ich wollte, hat mich in meiner Diät um eine Woche zurückgeworfen. Zugegebenermaßen hatte ich in den Tagen danach ein minder schweres Motivationsloch, doch ich konnte mich weitestgehend am Riemen reißen. Erst am gestrigen Montag unterschritt ich die 80-Kilogramm-Marke erneut. Nun bin ich wieder voll dabei, aber ohne mein Essen abzuwiegen. Damit habe ich nach 30 Tagen aufgehört, weil ich einfach ein Gefühl dafür entwickelt habe, welche Mengen ich essen kann. Dennoch bin ich hochzufrieden mit meinem selbstgemachten Excel-Nährwertrechner.

Erlebt habe ich eigentlich nicht viel, weswegen dieser Beitrag besonders knapp ausfällt. Im Anschluss an den Text liefere ich noch ein paar Landschaftsbilder und einen kurzen Ausschnitt aus meiner großen Spaziergangs-Route. Das Video ist nur ein Teil  eines 40-minütigen Machwerks, in dem ich durch die Gegend gehe und auch ein bisschen erzähle. Wer daran interessiert ist, dem sende ich gerne einen WeTransfer-Download-Link zu. Vielleicht schaffe ich es in den nächsten Tagen auch mal, mich bei einem epischen Tischtennis-Match mit einem Chinesen zu filmen. Falls ja, werde ich es definitiv auf meinem Blog veröffentlichen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich bin wieder ein Jahr älter!

Hallo,

in letzter Zeit beginne ich einen neuen Beitrag meistens damit, dass es nicht allzu viel zu berichten gibt. Auf diesen Beitrag trifft das allerdings nicht zu, aber alles der Reihe nach. Aktuell ist eine sogenannte Corona-App auch in Deutschland in aller Munde. In China gibt es eine solche Lösung bereits seit Längerem. Anders als die Berichterstattung suggeriert, ist die App in China jedoch keinesfalls verpflichtend. Bislang kam ich einwandfrei ohne aus – ich konnte sogar problemlos von Hubei nach Jiangsu reisen. Allerdings musste ich meine virusbetreffende Unbedenklichkeit auf die altmodische Art unter Beweis stellen.

Für die Reise benötigte ich amtliche Papiere, die bestätigten, dass ich mich voll und ganz an die Quarantänevorschriften gehalten hatte. Das war zwar ein bisschen umständlich, aber machbar. Ich wurde übrigens zu keinem Zeitpunkt auf diese Papiere kontrolliert. Trotz allem bearbeitete mich Haojing bereits seit einiger Zeit, mir endlich die chinesische Corona-App anzuschaffen, weil sich damit unser Alltag maßgeblich vereinfachen würde. Einerseits müssten wir uns nicht mehr um nervigen Behördenkram kümmern, andererseits könnte ich jedem panischen Chinesen schnell beweisen, dass ich keinen Kontakt mit einem Infizierten hatte.

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Ich gab nach und entschied mich dafür, mir diese Tracking-Software anzuschaffen. Hierzu benötigte ich unabdingbar ein inländisches Konto, was ich letzte Woche noch nicht hatte. Deswegen fuhren wir am Mittwoch nach Binhai, um mir ein Konto einrichten zu lassen. Die Angelegenheit gestaltete sich zwar mühselig, weil ich Ausländer bin, doch auf meine wundervolle Frau ist Verlass. Jetzt bin ich stolzer Besitzer eines chinesischen Kontos und einer stylischen Bankkarte. Wir packten die Gelegenheit am Schopfe und besuchten im Anschluss noch einen Supermarkt. Die Auswahl in den Supermärkten in Dayouzhen ist arg eingeschränkt.

Mittlerweile nutze ich also auch die Corona-App und – was ich bislang ebenfalls nicht hatte – WeChat-Pay. Mit dieser Funktion des WhatsApp-ähnlichen Messengers, die selbstredend auch mit meinem Konto verknüpft ist, kann ich immer und überall mit meinem Smartphone bezahlen. Diese Methode, die in Deutschland noch kaum Verwendung findet, ist hierzulande sehr verbreitet. Im weiteren Verlauf der Woche absolvierte ich einige Spaziergänge, spielte mehrfach Tischtennis und folgte beharrlich meinem Ernährungsparadigma. Ich schaffte es sogar noch, die 80-Kilogramm-Marke zu unterschreiten.

Am Montag hatte ich schließlich Geburtstag. Im Dezimalsystem ist die 31 viel weniger spektakulär als die letztjährige 30. Im Binärsystem habe ich mit 11111 allerdings (in Jahren) eine tolle Schnapszahl erreicht. An diesem Tag aß und trank ich alles, was ich mir sonst nicht erlaube. Haojing überraschte mich mit Brötchen, Kuchen und einer selbstgemachten Pizza, woraufhin ich mich freute wie ein kleiner Junge. Darüber hinaus besorgte sie ein Sixpack Flensburger Pilsener. Ich machte den ganzen Tag über nur das, worauf ich Lust hatte. Ich trank mein ganzes Bier, programmierte ein bisschen in Excel und spielte alte Computerspiele.

Abends gingen wir mit einigen von Haojings Arbeitskollegen essen. Wir wurden vom Chef eingeladen. Er war allerdings nicht persönlich anwesend und eigentlich durften wir nur kostenlos in der Kantine essen. Das trübte meine Laune aber natürlich nicht. Nach dem köstlichen Abendessen, bei dem nicht mit Reisschnaps, sondern mit Rotwein angestoßen wurde, ging es für die Gruppe noch zur Karaoke-Bar. In China ist das so ziemlich das Standardprogramm an einem Geburtstag. Dort mussten alle mal ran – ich selbst musste dreimal singen. Währenddessen war mir voll und ganz bewusst, dass ich so talentiert wie ein Kartoffelsack bin.

Liebe Grüße,

Benjamin

Der ganz normale Wahnsinn…

Hallo,

unsere vierte Woche in Freiheit verlief erneut mehr oder weniger ereignislos. Von ein paar Dingen kann ich dennoch berichten. Letzte Woche Montag wachte ich mit ziemlich unangenehmen Schmerzen in der oberen linken Rückenpartie auf. Es fühlte sich an, als hätte ich eine Wirbelblockade und irgendein Muskel würde auf einen Nerv drücken. Natürlich bin ich diesbezüglich kein Experte und kann nur Mutmaßungen anstellen. Allerdings weiß ich aus eigener Erfahrung auch, wie sich ein solches Leiden im Normalfall anfühlt. Zunächst legte ich mich auf den Boden und bat Haojing darum, die Wirbelblockade durch gezielten Druck wieder zu lösen.

Diese Prozedur funktioniert oftmals, diesmal jedoch versagte sie. Deswegen entschied ich mich einfach dafür, noch ein Weilchen abzuwarten. Unglücklicherweise verbesserte sich meine muskuläre Situation nicht und ich wachte morgens stets mit unangenehmen Schmerzen auf. Am Mittwochmorgen gingen wir schließlich zum Massage-Mann des Todes. Wer in der Vergangenheit regelmäßig meinen Blog gelesen hat, kennt ihn sicherlich noch. In Dayouzhen gibt es zahlreiche Massagesalons. Dementgegen ist der Massage-Mann des Todes kein einfacher Masseur, sondern professionell ausgebildeter Knochenbrecher.

Ich halte diesen Typ wirklich für extrem kompetent. Das ist vermutlich auch der Grund, aus dem seine Behandlungen nicht immer angenehm sind. Da ich meine Schmerzen loswerden wollte, ließ ich mich auf einen Besuch ein. Akupunktur war seine erste Maßnahme. Schon in Deutschland hatte ich Akupunktursitzungen nach Traditioneller Chinesischer Medizin, aber das ist kein Vergleich. In Deutschland wurden die Nadeln sehr sanft, so dass man sie kaum wahrnimmt, an der Haut angebracht. Der Massage-Mann des Todes brauchte nur eine einzige Nadel und rammte diese mit jeder Menge Druck exakt in einen Nerv an meiner Handinnenfläche.

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Nachdem er sie hineingebohrt hatte, drückte und drehte er die Nadel nochmals, damit es besonders wehtat. Ich spürte den schmerzenden Nerv, wie er vom Handrücken über den gesamten Arm in den Rücken verlief. Dann setzte ich mich hin und wartete. Nach einer halben Stunde kam er zu mir und ich dachte, ich würde die Nadel los. Ich dachte falsch. Ohne eine Miene zu verziehen wiederholte er die Drück-und-Dreh-Prozedur von vorhin. Erst weitere 30 Minuten später wurde die Nadel wieder herausgezogen. Danach wurde ich kurz massiert und bekam etwas Ähnliches wie ein Hitzepflaster auf meinem oberen linken Rücken angebracht.

Ich muss zugeben, dass mir diese Tortur hervorragend geholfen hat. Die Schmerzen waren zwar nicht vollkommen verschwunden, aber um Einiges schwächer geworden. Nach ein paar Tagen spürte ich gar nichts mehr. Der Massage-Mann des Todes ist scheinbar ein krankes Genie. Wesentlich mehr habe ich in der zurückliegenden Woche eigentlich nicht erlebt. Ich fand heraus, dass sich neben unserer neuen Tischtennishalle eine Bibliothek befindet. Eigentlich handelt es sich nicht um eine Halle, sondern nur um einen großen Raum in einem öffentlichen Gebäude. Der ebenso große Nachbarraum beherbergt die Bibliothek.

Meine Frau hat mir wiedermal eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wieso ich die meisten TCM-Methoden für Quatsch halte. Wegen irgendwelcher Beschwerden hat sie sich vier Ingwerscheiben auf ihr rechtes Bein gelegt, darauf Kräuterpresslinge platziert und angezündet. Das verpestete die ganze Wohnung. Überdies waren wir Plastikmüll wegbringen, was uns sage und schreibe drei Yuan (40 Cent) bescherte, und Haojing klaute Rosen von den Grünanlagen ihres Arbeitgebers. Diese stehen nun verstümmelt in Vasen in unserer Wohnung herum, sind ein paar Tage hübsch anzusehen, und faulen anschließend munter vor sich hin.

Liebe Grüße,

Benjamin

Mein Deutschlandurlaub lässt noch auf sich warten…

Hallo,

ich würde ja gerne spannende Dinge berichten, aber derzeit passiert hier quasi nichts. Letzten Dienstag haben wir einige von Haojings chinesischen Arbeitskollegen zum Abendessen eingeladen, um uns für die Hilfe bei unserer langwierigen Rückholaktion zu bedanken. Eigentlich hatten weder meine Frau noch meine Wenigkeit Lust darauf, doch die Höflichkeitsregeln lassen hierzulande nun einmal nichts anderes zu. Es war schon schlimm genug, dass ich den Alkoholkonsum wegen einer ärztlichen Anordnung ablehnte. Glücklicherweise gehören Unwahrheiten hier zum guten Ton. Beim Umgang mit seinen Mitmenschen ist Lügen völlig normal.

Deswegen habe ich auch kein schlechtes Gewissen. In einer von endlos vielen Zwängen bestimmten Gesellschaft findet man oftmals schlicht und ergreifend keinen anderen Ausweg. Natürlich hat mir kein Arzt dazu geraten, auf Alkohol zu verzichten. Ich mache das, weil ich mich ketogen ernähre. Außerdem möchte ich meinem Körper ein wenig Ruhe gönnen. In knapp zwei Wochen werde ich meinen 31. Geburtstag feiern. Dann bekommt meine Leber nochmals Gelegenheit, ihre Entgiftungsfähigkeiten unter Beweis zu stellen. Mein ursprünglicher Plan sah vor, meinen Geburtstag dieses Jahr mit meiner Familie in Deutschland zu feiern.

Daraus wurde leider nichts. Die Gründe hierfür sind hinreichend bekannt. Gegenwärtig gehe ich davon aus, dass ich frühestens Mitte Juni nach Deutschland fliegen werde. Dafür müssen allerdings unbedingt zwei Grundvoraussetzungen erfüllt sein: Das öffentliche Leben sollte halbwegs normal ablaufen und ich sollte ohne eine weitere Quarantäne zu meiner Familie durchreisen dürfen. Ein Urlaub in meiner alten Heimat ergäbe keinen Sinn, wenn sich eine der beiden Bedingungen in Luft auflösen würde. Ich bin jedoch durchaus optimistisch – vielleicht nicht für Mitte Juni, aber gewiss für einen nicht wesentlich späteren Zeitpunkt in diesem Jahr.

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Beim gemeinsamen Abendessen, bei dem auch relativ hohe Tiere der Großgemeinde Dayouzhen anwesend waren, wurde mir übrigens bestätigt, dass es im gesamten Xiangshui-Kreis keinen einzigen Covid-19-Fall gab. Die Region, die immerhin knapp 600.000 Einwohner zählt, gehört dementsprechend zu den sichersten Orten überhaupt. Die generelle (epidemiologische) Situation im Reich der Mitte kann sich inzwischen durchaus sehen lassen. In den letzten Tagen kam es nur noch vereinzelnd zu neuen Infektionen, die man an nur einer Hand abzählen kann. Darüber hinaus sind aktuell keine 400 Menschen mehr erkrankt.

Letztens wurden die Todeszahlen über Nacht um etwa 1.500 nach oben korrigiert. Dabei handelt es sich um Menschen, die im Januar – bevor Virustests ausreichend verfügbar waren – vermutlich an Covid-19 gestorben waren. Diese Verdachtsfälle wurden vor der Korrektur in einer separaten Statistik gelistet und wurden nun auf die offiziellen Todesopfer draufgerechnet. Das Ganze hat nichts mit irgendeinem Neuausbruch oder Vertuschung zu tun, sondern damit, dass sich die chinesischen Behörden anscheinend nicht auf eine Zählweise festlegen können. Das scheint allerdings auch in anderen Ländern ein Problem darzustellen.

Meine zurückliegende Woche bestand hauptsächlich aus Spaziergängen und Tischtennis. Zwischendurch habe ich auch mal etwas gegessen oder geschlafen. Das Wetter ist schön. An manchen Tagen wurde die 30-Grad-Marke geknackt. Ab und zu ist es allerdings sehr feucht, diesig und uns trifft auch mal ein kräftiger Regenschauer. Gelangweilt habe ich mich glücklicherweise immer noch nicht. Am verlängerten Wochenende wollten wir eigentlich einen kurzen Trip nach Binhai machen, doch leider fiel dieser ins Wasser. Das Restaurant, in dem Haojing unbedingt essen wollte, hat zurzeit noch nicht geöffnet.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich genieße den Alltag!

Hallo,

ich genieße es nach wie vor enorm, dass ich endlich wieder meinen stinknormalen Alltag leben kann. Bislang wurde mir nicht langweilig. Das bedeutet eigentlich, dass ich in meiner zweiten Woche, in der ich wieder zu Hause bin, größtenteils dasselbe gemacht habe wie in der Woche zuvor. Haojing und ich wiegen immer noch unser Essen ab. Bei mir funktioniert diese Methode zum Gewichtsverlust und Muskelaufbau bislang sehr gut, bei ihr eher mäßig. Das könnte daran liegen, dass sie es mit weniger Herzblut macht als ich und an vielen Stellen nicht ganz so genau ist. Trotzdem möchte meine Frau nicht damit aufhören und genauso weitermachen.

Das Wetter in Dayouzhen ist mittlerweile echt schön. Es ist wirklich warm und sonnig, allerdings ebenso windig. Letzteres ist wohl der Nähe zum Meer und dem schier endlosen Flachland geschuldet. Ich gehe jeden Tag ins Freie. Dabei lege ich meine gängigen Routen zurück, wobei ich selbstredend immer wieder leichte Variationen einbaue. Ich genieße das Spazierengehen sehr, weil es mir beim Entspannen hilft. Überdies ist es gewiss auch für meine körperliche Gesundheit förderlich. Da ich in meinem Alltag auch mehr als genug freie Zeit habe, die es zu füllen gilt, schlage ich gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

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Ursprünglich wollte ich in diesem Beitrag nicht nochmal erwähnen, dass ich manchmal mit Freunden online Skat spiele, aber beim letzten Mal habe ich mich derart über mein Blatt geärgert, dass ich es meinen Lesern nicht vorenthalten wollte. Nach unserer Abschlussrunde bekam ich ein absolutes Monsterblatt ausgeteilt, womit ich meine Mitspieler vernichtend an jede Wand gespielt hätte. Leider kam es nicht mehr dazu. So ist das Leben. Am Wochenende haben wir zunächst unser eigenes Schweineschmalz hergestellt. Da ich unter keinen Umständen mit flüssigen Pflanzenölen braten will, haben wir hierzulande fast keine Alternative.

Nach der mehr oder weniger aufwändigen Schmalzproduktion bereiteten wir uns auf einen kleinen Ausflug vor, den Haojing und ich unter der Woche geplant hatten. Dabei ging es für uns nicht weit. Wir fuhren zum Arbeitsgebäude meiner Frau, wo sie mir einen idyllisch angelegten Weg zeigte, den ich trotz meiner üppigen Spaziergänge noch nicht kannte. Ich war baff. Man lernt nun einmal jeden Tag etwas dazu, auch wenn es nur ein winziges Detail ist. Als erstes gingen wir eine Runde spazieren. Anschließend nahmen wir unsere Picknickutensilien aus dem Auto und machten es uns an einer hübschen Stelle unter ein paar Weiden gemütlich.

Diesmal ließen wir den Kohlegrill allerdings zu Hause, weil wir miteinander einfach einen gemütlichen Nachmittag verbringen wollten. Auch unser Essen hatten wir bereits im Vorfeld abgewogen, weswegen wir die Wonnestunden vollkommen stressfrei genießen konnten. Dass das öffentliche Leben in Dayouzhen schon längere Zeit wieder normal abläuft, schrieb ich bereits in früheren Beiträgen. Dennoch erwähne ich es erneut, um meinen Landsleuten in Deutschland ein bisschen Mut zu machen. Wir sind euch zwei Monate voraus – euer Alltag wird sich ebenfalls bald normalisieren. Hier versammeln sich die Menschen jeden Abend im Freien.

Tischtennis spiele ich inzwischen jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag. Dabei konzentriere ich mich vor allem auf die Dinge, die ich nicht gut kann. Hält man sich an die Kommentare meiner Vereinskollegen, habe ich mich in letzter Zeit nochmals enorm verbessert. Ich bin sehr gespannt, wie meine nächsten Matches mit meinen alten Tischtenniskollegen aus Deutschland ablaufen werden. Ansonsten sei noch erwähnt, dass unser Hausbau wieder in vollem Gange ist. Meines Wissens wurden die Wände der zweiten Etage fertiggestellt. Ich bin zwar nach wie vor nicht zufrieden mit der Qualität, doch ich sollte keine deutschen Maßstäbe anlegen.

Liebe Grüße,

Benjamin