Hallo,
nach dem Hin und Her der vergangenen Wochen, bin ich mir aktuell ernsthaft am überlegen, keinen Deutschlandflug für August zu buchen. Die attraktiven Angebote, die mit nur einem Zwischenstopp direkt über die Fluglinie buchbar waren, sind inzwischen nicht mehr vorhanden oder fünfmal so teuer. Die bezahlbaren Flugreisen, die jetzt noch angeboten werden, erfordern in der Regel dreimaliges Umsteigen. Zu allem Unglück müsste ich mich um jene Transfers sogar selbst kümmern. Das wäre viel zu riskant. Wird nur einer dieser Flüge verschoben oder gibt es Probleme bei der Passkontrolle, sitze ich irgendwo im Nirgendwo fest.
Natürlich lasse ich mir die Situation noch eine gewisse Zeit durch den Kopf gehen und werde auch mit Haojing darüber sprechen. Dennoch scheint es die wesentlich klügere Variante zu sein, meinen Notfallplan in die Tat umzusetzen. Hier ist vorgesehen, erst einen Flug im Herbst zu buchen, dann aber bis nach Weihnachten zu bleiben. Zunächst klingt das nach einer längeren Verzögerung, doch liegt zum Beispiel der Oktober nur zwei Monate hinter dem August. Zu meinem Nachteil würde ich die schöne Jahreszeit komplett verpassen und ich könnte niemandem meine schicke neue Sommerkleidung präsentieren. Doch die Vorteile überwiegen.
Ich könnte höchstwahrscheinlich zwischen günstigen, seriösen Flugangeboten wählen. Da China wohl noch mehrere Wochen oder Monate keine Ausländer einreisen lässt, wäre außerdem die Zeit, die ich potenziell von meiner Frau getrennt leben müsste, auf jeden Fall kürzer. Darüber hinaus könnte ich im Herbst hoffentlich wieder am regulären Tischtennistraining teilnehmen. Die momentane Lösung in Deutschland kann ich kaum fassen und ist meiner Meinung nach vollkommen überzogen sowie wirkungslos. Selbst in der Wuhan-Region konnte ich schon im März ganz normal – ohne irgendwelche Einschränkungen oder Negativfolgen – Tischtennis spielen gehen.
Da ich im letzten Beitrag einiges zu berichten hatte, sind diverse Kleinigkeiten verloren gegangen. Ich möchte noch nachtragen, dass es im Technik- und Wissenschaftsmuseum ein Spiel gab, bei dem die Kraft der Gedanken im Mittelpunkt stand. Zwei Spieler saßen sich an einem Tisch gegenüber. In der Mitte lag eine Kugel, die man durch pures Nachdenken in Richtung des Gegenspieler befördern musste. Natürlich funktionierte das Ganze mittels technischer Vorrichtung, in dem die Gehirnwellen gemessen wurden. Jedenfalls musste ich eine vernichtende Niederlage gegen meine Frau einstecken. Ich vermochte die Kugel nicht einen Hauch zu bewegen.
Am zurückliegenden Samstag gingen Haojing und ich mit einigen ihrer Arbeitskollegen in ein gutes Restaurant in Binhai essen. Dort waren wir zwar schon einmal im letzten Jahr, aber nichtsdestotrotz war es erneut eine äußerst angenehme Erfahrung. Im Eingangsbereich stand eine große quadratische Theke, um die wir herumgehen und unser Essen auswählen konnten. Dabei wurden wir von einer Kellnerin begleitet, die unsere Bestellung aufnahm. Im Anschluss setzten wir uns in eine der zahlreichen Kabinen, in der unser Essen nach und nach serviert wurde. In China bestellt man sich nicht seine eigene Portion. Alles wird stets mit jedermann geteilt.
Nach dem Restaurantbesuch gingen wir noch in ein nahegelegenes Einkaufszentrum. Dort trennten wir uns von den Arbeitskollegen, die ihre Kinder dabeihatten, und absolvierten einen kleinen Trip durch sämtliche Etagen. Unter anderem fuhren wir mittels VR-Brille und Bewegungssimulator virtuell Achterbahn. Zu guter Letzt möchte ich noch die aktuellen Fotos von unserem Haus präsentieren, das in einem kleinen Bergdorf in der Nähe von Chibi gebaut wird. Mit unseren Vorstellungen hat es eigentlich gar nichts mehr zu tun. Ich persönlich finde das nicht allzu schlimm. Man muss die hiesige Mentalität akzeptieren.
Liebe Grüße,
Benjamin
