Hallo,
seit über einer Woche befinden wir uns wieder in unserer Wohnung in Dayouzhen. Man könnte sagen, dass wir uns inzwischen eingelebt haben. Wie ich bereits in meinem letzten Beitrag schrieb, war mein Gefühl zunächst irgendwie unwirklich, doch das hat sich nach ein paar Tagen ganz von alleine gelegt. Ich genieße sowohl den Platz als auch die Ruhe und Privatsphäre, die ich über einen relativ langen Zeitraum nicht hatte. Natürlich müssen wir auch mehr Hausarbeiten erledigen als zuvor, aber eigentlich mag ich das. Beim Spülen und Waschen bekomme ich meinen Kopf gedankenfrei. Den Fußboden putze ich allerdings überhaupt nicht gerne.
Aktuell benutzen Haojing und ich meinen Excel-Nährwertrechner jeden Tag. Das heißt, dass wir sämtliche Lebensmittel vor dem Essen abwiegen und dokumentieren. Abends trage ich schließlich alles in das Programm ein, das dann unsere aufgenommenen Kalorien, Vitamine, Mineralien, Aminosäuren und einige andere Werte ausrechnet. Ich entwickle den Nährwertrechner regelmäßig weiter, weswegen er mittlerweile recht umfangreich ist. Wer sich das Programm mal anschauen möchte, kann es hier herunterladen. Selbstverständlich werden wir unsere Nahrungsaufnahme nicht länger als zwei oder drei Wochen dokumentieren.
Mit der Zeit bekommt man sowieso ein Gefühl für das, was im Essen drin ist. Außerdem ist das andauernde Abwiegen vor dem Kochen ziemlich nervig, was wohl jeder nachvollziehen kann. Eine gewisse Testphase für meinen Excel-Nährwertrechner halte ich dennoch für sinnvoll, damit ich selbst den praktischen Umgang erfahre. Für den Otto-Normal-Verbraucher, der sich noch nie wirklich mit Ernährung befasst hat, ist es gewiss erstaunlich, welche Lebensmittel reich an Mikronährstoffen (meine Definition von „gesund“) sind – und welche nicht. Mit dieser Thematik habe ich mich jedenfalls intensiv befasst, seitdem wir wieder zurück sind.
Ansonsten habe ich in der vergangenen Woche nicht allzu viel gemacht. Es sei erwähnt, dass uns nach wie vor gelegentliche Strom- und Wasserausfälle plagen. Einmal musste ich sogar meine Arbeit unterbrechen, weil ich ohne funktionierenden Router nicht arbeiten kann. Apropos Router: Aktuell funktioniert der VPN-Router nicht, obwohl die Software ohne Probleme verbindet. Das gefällt mir überhaupt nicht. Ich hoffe, dass mein VPN-Anbieter bereits an einer neuen Firmware arbeitet, um dieses Problem zu beseitigen. Ich kann mich mit den Clients für Windows und Android zwar über Wasser halten, doch einige Nachteile gibt es trotzdem.
Einerseits habe ich kein Ausweichnetzwerk für meinen Arbeits-Laptop. Wenn also die Verbindung zum Server meines Arbeitgebers mal nicht so stabil läuft, habe ich keinen Plan B. Glücklicherweise ist das eher selten der Fall. Andererseits kann ich meine Linux-VM nicht mehr nutzen, um mich auf sichere (und vollkommen legale) Weise mit den neuesten Dokumentationen, Filmen und Serien zu versorgen. Die VPN-Software ist jedoch ausreichend, um online Skat zu spielen. Bereits zum dritten Mal habe ich mich mit Freunden aus Deutschland verabredet und in die virtuelle Skatstube gesetzt. Das waren durchaus unterhaltsame Stunden.
Meine Frau hatte letzte Woche ein Fotoshooting für ihren Arbeitgeber, bei dem sie die mehr oder weniger langweiligen Rapsfelder optisch aufwerten sollte. Überdies fuhren wir beide am Samstag raus auf die Felder und picknickten in der warmen Mittagssonne. Extra hierfür hatte Haojing einen tragbaren Kohlegrill gekauft. Es war gar nicht so einfach, die Kohlebriketts anzuzünden, aber letzten Endes haben wir auch diese Herausforderung gemeistert. Das Abwiegen hat unser Picknick zwar komplizierter als notwendig gemacht, aber es war trotzdem ein sehr schönes Erlebnis. Diesen stinknormalen Alltag habe ich unheimlich vermisst.
Liebe Grüße,
Benjamin
