Die Lage entspannt sich sehr langsam…

Hallo,

in einem zurückliegenden Beitrag schrieb ich, dass die Quarantäne am 24. Februar eventuell aufgehoben würde. Das hat sich leider nur teilweise bewahrheitet. Wir können uns nach wie vor nicht ohne Weiteres auf den Heimweg begeben, doch immerhin konnten wir einen wichtigen Grundstein für unsere Rückreise legen. Inzwischen ist es möglich, einen Antrag auf Ausreise zu stellen, was wir natürlich sofort gemacht haben. Sollte dieser genehmigt werden, dürfen wir die Quarantänezone verlassen. Die Chancen hierzu stehen gar nicht so schlecht. Haojing übt eine wichtige Tätigkeit im Bereich der Landwirtschaft aus.

Dass die Lebensmittelversorgung in China aktuell höchste Priorität genießt, bedarf keiner weiteren Erläuterung. Allerdings reicht eine Ausreisegenehmigung nicht aus. Der Verwaltungskreis, in dem wir wohnhaft sind, lässt momentan nämlich niemanden ohne entsprechende Genehmigung einreisen. Ergo müssen wir noch einen zweiten Antrag einreichen, der natürlich ebenso bewilligt werden muss. Nach erfolgreicher Rückkehr werden wir schließlich erneut für zwei Wochen isoliert. Ich hoffe inständig, dass wir diesen Zeitraum in unserer Wohnung verbringen dürfen. Alle anderen Möglichkeiten wären wirklich sehr unangenehm.

Letzten Mittwoch – kurz nachdem ich meinen Beitrag veröffentlicht hatte – bekam ich Kopfschmerzen und mir wurde übel. Ich musste einige Stunden bei Dunkelheit und Stille im Bett liegen, dann wurde es besser. Ich weiß nicht genau, was mir fehlte. Es war für eine kurze Zeit sehr unangenehm, wurde aber schnell besser. Möglicherweise handelte es sich um Migräne. Normalerweise habe ich keine Probleme damit, aber meine gegenwärtige Situation ist schließlich auch nicht normal. Richtig gesund fühle ich mich erst wieder seit dem Wochenende. Kein anderer aus der Familie wurde krank. Der Coronavirus war das sicherlich nicht.

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Während die täglichen Neuinfektionen im Rest der Welt stetig steigen, gehen sie hierzulande weiterhin zurück. In den letzten beiden Tagen gab es sogar extrem wenige. So wie es aussieht, wird die Epidemie in China zeitnah vorbei sein. Die Nachwirkungen werden jedoch noch einen längeren Zeitraum anhalten. Aufgrund des mittlerweile geringen Ansteckungsrisikos wagten wir am Sonntag einen Spaziergang. Wir hatten großartiges Wetter. Nach über vier Wochen endlich nochmal die Wohnung zu verlassen, sich in frischer, warmer Luft frei zu bewegen und den Sonnenschein im Gesicht zu spüren war einfach unheimlich wohltuend.

Dabei habe ich zum ersten Mal die zahlreichen Straßensperren gesehen, die überall aufgestellt wurden. Mit dem Auto kommt man tatsächlich keine 200 Meter weit. Die größeren Straßensperren sind jeweils mit einem Polizisten besetzt, der in einem provisorischen Zelt untergebracht ist. Dieser lässt uns vermutlich nur passieren, wenn wir einen genehmigten Ausreiseantrag vorzeigen. Auch Ortsausgänge in kleineren Seitenstraßen sind gesperrt – eigentlich sogar für Personen. Natürlich findet sich zu Fuß trotzdem ein Weg heraus. Zumindest haben wir es an einer Stelle hinaus und an einer anderen Stelle wieder hinein geschafft.

Generell sind einige Menschen auf den Straßen unterwegs oder befinden sich auf den Feldern, aber das Gesamtbild wirkt letztendlich trist und sogar ein wenig ausgestorben. Ein derart ruhiges Stadtbild kenne ich sonst eher aus Deutschland. In China ist Ruhe etwas völlig Untypisches. Zu meiner großen Freude hat Haojing beim Herumkramen im Gerümpelschrank eine Packung Kaffee gefunden. Ich war baff. Niemand wusste von diesem Kaffee, der sogar aus Deutschland zu stammen scheint. Der neue Vorrat sollte nun ausreichen, bis wir wieder nach Hause fahren dürfen. Das gestaltet die restliche Zeit ein gutes Stück einfacher.

Liebe Grüße,

Benjamin

Irgendwie muss ich die Zeit totschlagen!

Hallo,

als Erstes möchte ich verkünden, dass es absolut nichts Interessantes zu verkünden gibt. Deshalb fasse ich die Situation zunächst kurz zusammen und berichte im Anschluss, wie ich die Zeit totschlage und welche ungeahnten Widrigkeiten es dabei gibt. Wir sind nach wie vor alle gesund. Dabei meine ich nicht nur die unmittelbare Verwandtschaft, sondern auch den gesamten Bekanntenkreis. Immer wieder höre ich aus Deutschland von angeblich Millionen von Infizierten, die von den chinesischen Behörden vertuscht werden. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, weil es meiner Alltagserfahrung völlig widerspricht.

Nach meinem letzten Beitrag kam es zu einem Sprung von knapp 15.000 Infizierten über Nacht. Dabei handelte es sich jedoch nicht um Neuinfektionen. Es wurden lediglich zusätzliche Krankenhäuser in die Statistik aufgenommen, bei deren Patienten vorher nur ein Verdacht vorlag, die definitive Bestätigung jedoch ausblieb. Der Trend der Epidemie entwickelt sich weiterhin in eine sehr positive Richtung. Dennoch wird es noch viel Zeit brauchen, bis die Neuinfektionen gänzlich abgeebbt sind. In Dayouzhen gibt es – soweit wir wissen – keine Infizierten. Mindestens 2.000 beträgt deren Anzahl hier in Chibi.

Unglücklicherweise bin ich seit Freitagmittag auf einem metaphorischen Auge blind. Die VPN verbindet selbst mit den empfohlenen Servern nicht mehr. Solche Blockierversuche sind seitens der chinesischen Regierung nicht ungewöhnlich. Im letzten Jahr durchlebte ich sie mehrfach. Ob gewollt oder nicht: Diesmal war der Zeitpunkt besonders ungünstig. Im immerwährenden Katz- und Mausspiel zwischen den hiesigen Behörden und VPN-Anbietern ist an Wochenenden meistens Pause. Somit kamen die ersten Versionsaktualisierungen erst am Montag. Diese funktionieren leider noch nicht, weswegen ich auf neue Updates warten muss.

Erwähnenswert ist außerdem, dass es letzte Woche geschneit hat. Schnee ist in der Provinz Hubei extrem selten und eigentlich hatte der Frühling bereits begonnen. Über den kurzen Wintereinbruch hatte ich mich durchaus gefreut. Da es in den Wohnungen allerdings keine Heizungen gibt, musste ich wohl oder übel ein wenig frieren. Übrigens haben wir nach wie vor mehr als genug zu Essen. Das liegt unter anderem daran, dass wir zahlreiche Lebensmittelspenden aus anderen Provinzen erhalten. Diese werden mustergültig verteilt. Wer kein Essen bekommt, kann sogar eine Hotline anrufen. Anschließend bekommt er eine Lieferung.

Da ich sowohl Buch als auch Hörbuch abgeschlossen hatte, musste ich mir eine neue Beschäftigung suchen. Obendrein trübt der VPN-Ausfall meine Situation nochmals erheblich, da ich mir nicht einmal mehr YouTube-Videos ansehen kann – und die wenigen BVB-Spiele sind als Alleinunterhalter eher dürftig. Zum Glück hatte ich auf meinem Laptop noch ein paar Computerspiele installiert. In „Roller Coaster Tycoon 2“ baute ich zwei Freizeitparks auf. Da ich dieses Spiel inzwischen ziemlich gut beherrsche, stellt es leider keine Herausforderung mehr dar. Der Weg zu einem gutlaufenden Park ist immer dergleiche.

Auf Rat eines Freundes habe ich mit einem Pokémon-Gameboyspiel angefangen, weil hierfür unheimlich viel Zeit drauf geht. In meiner Kindheit habe ich diese Spiele geliebt, weswegen mir diese Beschäftigung ein nostalgisches Gefühl bereitet. Ich besorgte mir zunächst einen Emulator für Android, also für mein Handy. Hinterher ludt ich „Pokémon Blattgrün“ (Remake der Originalversionen) herunter. Beides erforderte etwas Mühe, weil in China zahlreiche ausländische Websites ohne VPN nicht anständig funktionieren. Bislang bin ich schon über 30 Stunden durch die virtuelle Welt gelaufen und es bereitet mir immer noch Freude.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein Ende ist in Sicht!

Hallo,

seit meinem letzten Beitrag ist erneut nicht allzu viel geschehen – wie sollte es auch anders sein? In den zurückliegenden zwei Wochen habe ich die Wohnung kein einziges Mal verlassen. Doch es gibt ein Licht am Horizont: Unsere neuesten Infos besagen, dass die Quarantäne am 24. Februar aufgehoben wird. Natürlich ist dieses Datum nicht in Stein gemeißelt, doch es fühlt sich sehr gut an, endlich ein gewisses Ziel vor Augen zu haben. Sich die ganze Zeit in geschlossenen Räumen aufzuhalten, ist äußerst unangenehm. Es können Probleme auftreten, von denen man vorher gar nicht wusste, dass es sie wirklich geben kann.

Immer wieder tun mir die Augen weh und außerdem habe ich das Gefühl, schlechter sehen zu können. Das liegt bestimmt einerseits daran, dass es in Gebäuden verhältnismäßig dunkel ist. Andererseits müssen sich meine Linsen permanent auf kurze Distanz einstellen. Auf Dauer ist das gewiss nicht förderlich. Wenn ich auf den Balkon gehe und bewusst in die Entfernung blicke, verschwinden meine Beschwerden in kürzester Zeit. Hier muss ich irgendeinen Mittelweg finden, da ich unmöglich meine gesamte Freizeit auf dem Balkon verbringen kann. Sonderlich viel Bewegung habe ich selbstredend auch nicht.

Generell ist die Epidemie inzwischen (Gott sei Dank) auf dem absteigenden Ast. Die Zahl der Infizierten steigt wesentlich langsamer. Vor zehn Tagen waren es noch über 20 Prozent pro Tag. Vergangene Woche sank dieser Wert kontinuierlich und liegt am heutigen Mittwoch bei nur noch vier Prozent. Von exponentiellem Wachstum kann also keine Rede mehr sein. Der Rückgang der Neuinfektionen ist sogar schon in Absolutzahlen zu erkennen. Imselben Zeitraum sank jener Wert von über 3.000 auf etwa 1.500. Die Quarantäne zeigt also tatsächlich Wirkung. Trotzdem wird es noch dauern, bis die Epidemie gänzlich abgeklungen ist.

Wenn wir zurück nach Dayouzhen fahren, werden wir vermutlich nicht ohne Weiteres in den Ort hineingelassen. Allem Anschein nach müssen wir dort erneut für mindestens zwei Wochen in Quarantäne. Es wäre toll, wenn wir diese Zeit in unserer Wohnung verbringen könnten – und nicht in irgendeinem Zelt am Ortseingang. Das möchten wir natürlich vorab regeln. Haojing versucht bereits, die nötigen Formalitäten zu klären. Ich kann momentan nicht genau sagen, wie es für uns weitergeht oder wann wir uns auf den Weg nach Hause machen können. Vermutlich werden wir aber am Wochenende nach dem 24. Februar losfahren.

Mir ist nach wie vor ziemlich langweilig. Morgens stehe ich in der Regel irgendwann zwischen neun und zehn Uhr auf und lade mir die neuesten YouTube-Videos herunter. Mal hat man Glück und es sind einige interessante Beiträge vorhanden, mal hat man Pech und man muss sich mit weniger begnügen. Gegen zwölf Uhr gibt es Mittagessen. Danach ruhe ich mich entweder aus oder spiele zusammen mit der Familie ein paar Runden Majong. Von 15 bis 20 Uhr arbeite ich. Im Anschluss gibt es Abendessen. Danach wird meistens wieder gemeinsam Majong gespielt und hinterher schauen sich Haojing und ich noch eine Serie an.

Auf diese Weise verläuft ungefähr jeder Tag. Bislang hatte ich noch den zweiten Teil der Trisolaris-Reihe „Der Dunkle Wald“ gelesen und den dritten Teil „Jenseits der Zeit“ als Hörbuch gehört. Leider bin ich damit inzwischen fertig. Die Trilogie empfehle ich jedem, der Science Ficiton mag und sich für Technik und Wissenschaft interessiert. Vielleicht fange ich in den nächsten Tagen mit einem Computerspiel an. Ich habe wieder Lust darauf, in „Roller Coaster Tycoon 2“ einen eigenen Freizeitpark aufzubauen. Zu meinem Glück ist dieser Klassiker noch auf dem Laptop installiert, den wir nach Chibi mitgenommen haben.

Liebe Grüße,

Benjamin

Und der Kaffee ging zur Neige…

Hallo,

an unserer Situation hat sich innerhalb der letzten Woche nichts verändert. Chibi steht weiterhin unter Quarantäne. Haojing und ich sitzen also nach wie vor in der Wohnung meiner Schwiegereltern fest. Als wir in Haojings Heimatstadt ankamen, hatten wir zunächst Besuch von einer Cousine aus Wuhan. Einen Tag später waren wir in einem völlig überfüllten Einkaufszentrum. Diese beiden Gelegenheiten, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, liegen nun mehr als zwei Wochen zurück – und wir sind gesund. Seit dem hatten wir nur wenig Kontakt mit der Außenwelt, weswegen wir uns mit großer Wahrscheinlichkeit nicht angesteckt haben.

Die anfängliche Ausgangssperre, an die sich sowieso niemand wirklich gehalten hatte, wurde inzwischen aufgelockert. Es wird nun dringlich empfohlen, seine Wohnung nicht unnötigerweise zu verlassen. Irgendwie muss man schließlich an Lebensmittel kommen oder den Müll rausbringen. Alle Geschäfte und Märkte sind zwar geschlossen, doch in jeder Straße gibt es einen Stand, an dem die Leute das Nötigste kaufen können. Die Lage ist erträglich, nur äußerst langweilig. Einen Erkrankten habe ich bislang noch nicht gesehen. Auch in unserer Familie oder im Bekanntenkreis ist niemand direkt vom Virus betroffen.

Generell habe ich wenig Angst. Die psychische Belastung, nicht gehen zu dürfen, wiegt allerdings weit schwerer als gedacht. Obwohl ich genau weiß, dass die Quarantäne das einzig Richtige bei einer drohenden Pandemie ist, fühle ich mich zu Unrecht eingesperrt. Ich würde wirklich gerne nach Hause fahren. Natürlich ist das nicht möglich, da bereits am Ende des Vororts Sperren aufgestellt wurden. Darüber hinaus sind die Autobahnen und zahlreiche weitere Straßen geschlossen. Ich muss einfach ruhig bleiben und rational denken, dann ist es nicht so schlimm. Auch diese unangenehme Zeit wird vorübergehen.

Eigentlich habe ich kaum etwas zu berichten. In der zurückliegenden Woche hatte die Frau des sechsten Onkels Geburtstag. Also spazierte die gesamte Familie, mit Atemschutzmasken ausgestattet, zur etwa 300 Meter entfernten Wohnung, in der wir bereits regelmäßig zum Frühlingsfest waren. Es gab das übliche Feiertagsessen und zusätzlich noch eine gekaufte Geburtstagstorte. In China ist es unüblich, einen Kuchen oder eine Torte selbstzumachen. Das ist auch der Grund, aus dem meine liebe Frau nicht backen kann. Zum Essen mussten die Männer natürlich wieder hochprozentigen Reisschnaps trinken.

Mittlerweile habe ich mich echt an dessen Geschmack gewöhnt. Man könnte sogar sagen, dass ich gerne chinesischen Reisschnaps trinke. Vor allem vertrage ich ihn gut. Selbst beim Konsum größerer Mengen fällt der Kater eher mild aus. Bei Bier, Viez oder Wein sieht das ganz anders aus. Da nun sämtliche Feierlichkeiten vorerst vorbei sind, lebe ich aber wieder abstinent. Auf dem Rückweg sind wir am hiesigen Krankenhaus vorbeigegangen. Davor saßen zwei Sanitäter in Schutzanzügen, die sich offensichtlich langweilten. Das legt den Schluss nahe, dass es nicht allzu viele Coronavirusfälle in unserer Nähe gibt.

Die Quarantäne verursacht zahllose minder schlimme Probleme. Wir waren eigentlich nur auf einen maximal zehntägigen Besuch eingestellt und haben dementsprechend gepackt. Einige Dinge gehen uns langsam aus. Seit ein paar Tagen haben wir keinen Kaffee mehr, weswegen ich am Wochenende tatsächlich einen leichten Entzug durchmachen musste. Mich plagten Kopfschmerzen, Krämpfe in den Oberschenkeln, ich war abgeschlagen und gereizt. Inzwischen ist das aber überwunden. Das Wetter ist recht schön. Es ist deutlich wärmer als letztes Jahr. Wenn die Sonne scheint, können wir uns sogar ohne Jacke auf den Balkon stellen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Unser neues Jahr beginnt mit Quarantäne!

Hallo,

innerhalb der letzten Woche hat sich unsere Situation schlagartig verschlechtert. Am Freitag wurde die Quarantänezone von Wuhan auf einige umliegende Städte ausgeweitet. Leider gehört Chibi auch dazu. Wir sitzen hier nun auf unbestimmte Zeit – vermutlich mehrere Wochen – fest. Darüber hinaus wurde eine Ausgangssperre verhängt, an die sich aber nur sporadisch gehalten wird. Die meiste Zeit über verbringe ich nun in der Wohnung meiner Schwiegereltern und langweile mich. Außerdem werde ich tagtäglich dazu genötigt, Majong mitzuspielen. Da hierfür zwingend vier Spieler gebraucht werden, habe ich kaum eine andere Wahl.

Natürlich sind die letzten Zeilen mit einem zwinkernden Auge zu verstehen, doch unsere Situation ist tatsächlich äußerst unangenehm. Da in Wuhan die Zahl der Coronaviruserkrankungen exponentiell angestiegen ist, ergreifen die Behörden drastische Maßnahmen. Zwar verläuft die Erkrankung bei jungen, gesunden Menschen in der Regel nicht tödlich, doch dafür ist sie scheinbar hochansteckend. In den letzten Tagen hatten wir mehrfach Kontakt mit Personen, die vorher in Wuhan waren. Allerdings gibt es in unserem direkten Umfeld meines Wissens noch keine Erkrankten. Ich rechne also nicht mit einer Ansteckung.

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Meiner Meinung nach haben Panikaktionen die Lage in Wuhan stark verschlimmert. Jeder mit Erkältungssymptomen, wie sie zu dieser Jahreszeit nicht unüblig sind, rannte in ein überfülltes Krankenhaus, wo er sich dann tatsächlich mit dem Coronavirus ansteckte. Ich hoffe, dass die Quarantänemaßnahmen die Verbreitung schnellstmöglich verhindern, so dass wir bald wieder nach Hause fahren können. Unser eigentlicher Reiseplan sah vor, dass wir am heutigen Mittwoch wieder in Dayouzhen ankommen würden. Stattdessen sitzen wir mit wenig Kleidung und sonstigen Utensilien bei Haojings Familie fest. Es gibt trotzdem Schlimmeres.

Letzte Woche besichtigten wir unsere Baustelle. Die erste Etage des Rohbaus wurde bereits fertiggestellt. Leider ist nichts aus meinem Plan, das Haus mit einer ordentlichen Isolierung auszustatten, geworden. Der Onkel meiner Frau, der ein Bauunternehmen leitet, konnte den Aufbau nur mit chinesischen Backsteinen durchführen. Trotzdem ist es beeindruckend, wie schnell alles vonstattengeht. Es gibt noch ein paar organisatorische Probleme. Obwohl wir eine Umbaugenehmigung haben, verlangt irgendein Typ (möglicherweise so etwas wie ein Ortsvorsteher) noch eine zusätzliche Genehmigung.

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Im weiteren Verlauf der Woche besuchten wir, bereits mit Atemschutzmasken ausgestattet, wieder das Kloster der buddhistischen Nonne, mit der Haojings Mutter befreundet ist. Dort halfen wir zunächst fleißig beim Schmücken anlässlich des Frühlingsfestes. Später wurde noch irgendein Ritual durchgeführt, an dem ich auch teilnehmen durfte. Dabei sagte die Nonne irgendwelche Psalme auf und die Menge, die auf Sitzkissen saß, sprach diese mit großer Ausdauer nach. Zwischendurch wurde auch ab und zu aus mir unerfindlichen Gründen in die Hände geklatscht. Insgesamt erinnerte mich diese Zeremonie an eine kirchlische Andacht.

Das Frühlingsfest stand diesmal ganz im Schatten der Viruserkrankung. Wir besuchten den sechsten Onkel und seine Frau, die sowohl am letzten als auch am ersten Tag des Jahres je dreimal zum Essen einluden. Dabei trank ich erneut eine nicht zu vernachlässigende Menge 52-prozentigen Reisschnaps. Bereits zum Frühstück mussten 150 bis 200 Milliliter bezwungen werden – zu jeder Mahlzeit selbstverständlich erneut. Die Gräbersegnung fiel dieses Jahr jedoch wegen der Ansteckungsgefahr kurz und knapp aus. Überdies mussten wir wieder drei Nächte unter Beleuchtung schlafen. Diesmal habe ich sie aber heimlich ausgeschaltet.

Liebe Grüße,

Benjamin

Frühlingsfest und Virus stehen vor der Tür!

Hallo,

da Haojing letzte Woche eine größere Dolmetscher-Fortbildung absolvierte, brachen wir erst verhältnismäßig spät nach Chibi auf, wo wir ihre Familie anlässlich des bevorstehenden Frühlungsfestes besuchen. Wir verteilten die längere Autofahrt auf zwei Tage und übernachteten in Chuzhou. Ich fuhr die gesamte Strecke am ersten Reisetag. Das dauerte fünfeinhalb Stunden. Die Millionenstadt lag zwar nur ungefähr auf unserer Route, doch meine Frau wollte unbedingt noch eine alte Freundin besuchen, die uns eingeladen hatte. Zunächst stellten wir unser Auto in der Tiefgarage eines großen Einkaufszentrums ab.

Von diesen Gebäuden, die zweifelsohne an amerikanische Malls angelehnt sind, gibt es in chinesischen Städten jede Menge. Als Europäer bin ich ein bisschen neidig auf den ganzen Platz, den es hierzulande gibt. Selbst in den Innenstädten kann man meistens noch problemlos autofahren und eine günstige Parkgelegenheit findet man ebenfalls in Rekordzeit. In der Regel gibt es um ein solches Einkaufszentrum – trotz zentraler Lage – riesige Parkflächen. Es mag sein, dass es auch Ausnahmen gibt, aber bislang habe ich das noch nicht erlebt. Die Städte sind definitiv für ein wachsendes Verkehrsaufkommen ausgelegt.

Als wir Haojings Freundin trafen, aßen wir zunächst gemeinsam. Sie hatte ihren Sohn dabei. Im Anschluss fuhren wir zum Einchecken in das nahgelegene Hotel. Von dort aus ging es schließlich in einen Park, der irgendwo am Stadtrand lag. Für die beiden Ortsansässigen kostete es keinen Eintritt, während Haojing und ich demgegenüber eine geringe Gebühr abdrücken mussten. Der Park war eigentlich ganz schön, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, nichts Neues mehr entdecken zu können. Diese Anlagen sehen sich im ganzen Land immer recht ähnlich. Es war ein sehr kalter Tag. Wir entdeckten sogar noch Restschnee auf dem Boden.

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Abends wurden Haojing und ich wieder von ihrer Freundin zum Essen eingeladen. Diesmal gesellte sich noch deren Schwester inklusive Sohn zu uns, weswegen wir zu sechst waren. Alle hatten sich viel zu erzählen. Ich verstand recht wenig und träumte vor mich hin. Einer der Jungs war recht interessiert an mir und fragte mich, ob wir Deutschen gute Maschinengewehre hätten. Ich antwortete, dass ich Waffen eigentlich nur aus Computerspielen kenne und ihm seine Frage deshalb wohl nicht zufriedenstellend beantworten könnte. Obwohl diese Kontaktaufnahme eigentlich total doof war, freute ich mich über ein bisschen Aufmerksamkeit.

Als wir nach dem Essen wieder draußen waren und an einer Kinderattraktion vorbeigingen, erwähnte ich scherzhaft, dass ich auch gerne damit fahren würde. Haojing nahm das etwas zu ernst und fragte sofort nach. Ich durfte fahren. Das delfinartige Gefährt kämpfte merklich mit meinem Gewicht und beförderte mich irgendwo zwischen Schnecken- und Schildkrötentempo voran. Am selben Abend gingen wir noch zur Massage. Das Hotel hatte hierfür extra eine ganze Wellness-Etage eingerichtet, die aber nicht im Preis mitinbegriffen war. Wir buchten für etwa 25 Euro pro Person ein 80-minütiges Ganzkörpermassagepaket.

Am nächsten Tag fuhren wir nicht endenwollende zehneinhalb Stunden bis wir endlich in Chibi ankamen. Es war sehr viel Verkehr und einige Leute fuhren unfassbar assozial und fahrlässig. Unterwegs passierten wir zahlreiche Unfälle, die immer wieder zu Stau führten. Noch am Abend unserer Ankunft halfen wir meinem Schwiegervater bei der Herstellung des köstlichen Fischkuchens. Aufgrund der neuartigen Viruserkrankung, die im zwei Stunden entfernten Wuhan ausgebrochen ist, laufen hier einige Leute mit Atemschutzmaske herum. Haojings Bruder hat auch schon welche besorgt. Ich halte die Lage aber nicht für allzu gefährlich.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein beispielloser Kofferwirrwarr!

Hallo,

Haojing und ich sind nun seit knapp einer Woche wieder in China. Diesmal hatten wir einen durch und durch holprigen Start, was meine Laune während der ersten Tage nicht gerade verbessert hat. Wir hatten unsere Reise nach Deutschland bereits früh gebucht. Da wir zu diesem Zeitpunkt davon ausgingen, dass ich meine einjährige Aufenthaltserlaubnis – wie letztes Jahr – in Chibi verlängern lassen müsste, sollten wir in Shanghai eigentlich in den Flieger nach Wuhan umsteigen. Meine Frau hatte ihren Wohnsitz inzwischen jedoch auf Dayouzhen umgemeldet, weswegen wir hierfür (zum Glück) direkt nach Hause konnten.

Aus diesem Grund ging es für uns in Shanghai nicht nach Wuhan, sondern nach Huai’an. Leider sah die Lage für unser Gepäck nicht ganz so rosig aus. Obwohl man uns am Schalter in Luxemburg versicherte, dass wir unsere Koffer in Shanghai wiederbekämen, da wir diese schließlich durch den Zoll bringen müssten, wurde alles direkt nach Wuhan durchgecheckt und wir hatten keine Möglichkeit mehr, das zu verhindern. Wir konnten uns nur noch entscheiden, ob wir mit Gepäck nach Wuhan oder ohne Gepäck nach Huai’an fliegen würden. Bislang wurde unser Gepäck in China – aus dem Ausland kommend – noch nie durchgecheckt.

Das funktionierte diesmal vermutlich, weil es sich ebenfalls um einen internationalen Flughafen handelt. Letztendlich flogen wir nach Huai’an, was im Nachhinein betrachtet wohl nicht die richtige Entscheidung gewesen ist. Allerdings waren wir nach dem Langstreckenflug sehr müde und wollten einfach nur nach Hause. In den darauffolgenden Tagen kostete es Haojing viel Anstrengung, unsere Koffer wiederzubekommen. Sie musste zahllose Papiere, darunter eine Verzichtserklärung, ausfüllen und an die Fluggesellschaft senden. Erst drei Tage später erhielten wir unser Gepäck, das teilweise einen echt ramponierten Eindruck machte.

Der Umgang mit unseren Koffern muss vollkommen sorglos gewesen sein. Vielleicht wurden sie sogar mit Absicht jeden Weg geworfen, der irgendwie möglich war. Glücklicherweise sind es Hartschalenkoffer, weswegen verhältnismäßig wenig kaputt ging. Leider überlebten eine Schnapsflasche, eine Packung Salz (deren teurer Inhalt sich mit dem Schnaps vermischte) und weitere Verpackungen nicht. Meine teuren PC-Teile erlitten glücklicherweise keine Schäden. Diese wurden selbstverständlich nicht mit irgendwelchen Flüssigkeiten in einen Koffer gelegt. Zu unserem großen Glück fehlte auch nichts.

Unsere erste Amtshandlung in Dayouzhen war ein Besuch bei der ortsansässigen Polizeistation, um für mich eine Meldebescheinigung abzuholen. Danach folgten ein köstliches Abendessen und eine anschließende Fußmassage. Erst hinterher betraten wir unsere eiskalte Wohnung, wo es nach einer Dusche schnell ins Bett ging. Am nächsten Morgen ging es für uns zur Ausländerbehörde nach Xiangshui. Obwohl Binhai etwas näher liegt, gehört unser Ort zu ersterer Verwaltungseinheit. Dort angekommen gaben wir sämtliche Unterlagen ab. Eine erneute Gesundheitsprüfung (wie letztes Jahr) war diesmal nicht notwendig.

Ein fehlendes Papier aus Chibi dürfen wir als Foto via WeChat nachreichen. Es sieht also alles danach aus, als ginge die Verlängerung meiner Aufenthaltsgenehmigung problemlos vonstatten. Ansonsten ist nicht viel passiert. Der Jetlag fällt diesmal wesentlich milder als bei unserer letzten Rückreise aus. Am Sonntag war ich nochmal Tischtennis spielen. Hierfür steht uns eine neue, hellere Räumlichkeit zur Verfügung, die mir besser gefällt als die alte, aber 20 statt fünf Minuten zu Fuß entfernt liegt. Darüber hinaus haben wir mein Büro endlich in den anderen Raum verlegt. Ohne meine wundervolle Frau hätte ich mich nie dazu aufraffen können.

Liebe Grüße,

Benjamin

Bis zum nächsten Jahr!

Hallo,

es ist fast geschafft. Am Samstagabend werde ich endlich ein Flugzeug besteigen und elf Stunden gen Westen fliegen. Leider muss ich sowohl vor als auch nach dem Langstreckenflug ebenfalls für eine kurze Zeit abheben, was meine Reise insgesamt auf etwa 24 Stunden verlängert, und dennoch bin ich frohen Mutes. Aller Voraussicht nach werde ich am Sonntagvormittag in Luxemburg landen, wo meine Familie (hoffentlich) schon auf mich wartet. Haojing ist diesmal natürlich auch dabei. Da ich den Blog aus meiner Perspektive schreibe, bleibe ich in den meisten Fällen aber lieber beim „Ich“. Das ist meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung.

Es gibt nicht außergewöhnlich viel Neues. Haojing musste leider wieder einmal beruflich verreisen. Über das Wochenende blieb sie zwei Nächte weg. Als sie am Montag spätabends zurückkam, blieb kaum Zeit zur Erholung. Dienstags stand wieder ein stressiger Arbeitstag an und abends musste sie schon in den nächsten Flieger einsteigen. Diesmal ging die Reise privat nach Chibi. Meine Frau musste weitere Formalitäten bezüglich unseres Baukredites regeln. Übrigens ist inzwischen das Fundament unseres Hauses fertiggestellt. Nach dem Abriss des maroden Elternhauses musste zunächst jede Menge Erdreich aufgetürmt werden.

Das hat den Sinn, dass unser neues Haus von Hochwasser verschont bleibt, sollte der kleine Bergbach, der direkt daneben fließt, mal davon betroffen sein. Ich mache mir momentan noch wenige Gedanken über das Haus in China. Aus meiner Sicht errichten wir eher eine Art Aufenthaltsort für die Zeit, die wir jedes Jahr in Chibi verbringen müssen. Für diejenigen, die denken, ich käme eventuell nicht mehr nach Deutschland zurück: Pech gehabt, Ich komme wieder! Ich habe definitiv nicht vor, länger als die angestrebten drei Jahre in diesem Land zu wohnen. Ein volles Jahr ist nun vorbei und ich werde nun ein kleines Resümee ziehen.

Entgegen der Erwartung vieler Deutscher sind es weder Angst noch staatliche Unterdrückung, die meinen Aufenthalt in China eher unangenehm gestalten. Im Alltag bekommt man vom politischen System eigentlich gar nichts mit und kann einfach vor sich hinleben. Zwar habe ich es in diesem Blog schon mehrfach durchklingen lassen, doch muss ich es nun nochmals deutlich aussprechen: Die Chinesen und deren kulturelle Gepflogenheiten sind für mich schlicht und ergreifend unvereinbar mit einem entspannenden Dasein. Hinzu gesellen sich noch zahlreiche Kleinigkeiten, die für mich und andere Westler schier unbegreiflich erscheinen.

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Die chinesische Mentalität lässt sich mit einem Bild aus unserer Wohnung am besten aufzeigen. Die Gardinenstange hängt bereits seit unserem Einzug halb herausgerissen an der Wand. Ich kann es nicht im Detail erklären, aber irgendwie steht genau das sinnbildlich für so vieles. Ein Chinese würde niemals auf die Idee kommen, das zu reparieren. Es würde ihm wahrscheinlich nicht einmal auffallen und wenn es ihm doch auffiele, wäre es ihm total egal. In China wird nichts repariert oder instandgehalten – es wird einfach nur möglichst billig neugemacht. Dabei ist es vollkommen bedeutungslos, was für ein Ramsch dabei herauskommt.

Hinzu kommen zahlreiche andere seltsame Dinge: Man zwingt seinen Mitmenschen andauernd irgendwelche Gefallen auf, obwohl eigentlich niemand darauf Lust hat. Man säuft wie ein Loch und muss vor jedem Schluck aussprechen, wie toll man seinen Gegenüber doch findet. Frauen mittleren Alters posieren wie Teenager vor ihren Smartphones und laden die Bilder und Videos in soziale Netzwerke. Ich will das Ganze jetzt nicht zu schlecht malen. Vielleicht lässt mich die Sehnsucht nach meiner Heimat einfach nur das Schlechte sehen. Ich mache jetzt Pause. Mein nächster Beitrag wird irgendwann Anfang oder Mitte Januar erscheinen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Zu Hause ist nicht viel los!

Hallo,

Seitdem wir aus Peking zurückkamen, ist nicht allzu viel passiert. Das ist der Grund, aus dem dieser Beitrag erst spät erscheint. Leider muss ich preisgeben, dass mir der Ausflug in die chinesische Hauptstadt rückblickend nicht ganz so gutgetan hat. Sie riss mich aus meinem festen Rhythmus heraus und brachte anscheinend so einiges durcheinander. Vermutlich deswegen ging es mir die ersten Tage in Dayouzhen auch eher schlecht. Meine Stimmung war am Boden. Ich durchlebte eine kurze depressive Phase, in der ich mich zu nichts motivieren konnte. Das ging so weit, dass ich sogar den Schulunterricht in der Woche absagte.

Meine Zukunft als Aushilfe in der Schule habe ich in den vergangenen Tagen ebenfalls überdacht. Obwohl mich die Kinder lieben, macht mir das Unterrichten wirklich überhaupt keinen Spaß. Jedes Mal, wenn ich dort hingehen muss, sträubt sich jede Körperzelle in mir davor. So darf es nicht weitergehen. Deshalb habe ich mich dazu entschieden, damit gänzlich aufzuhören. Ich will zwar nicht vollkommen ausschließen, irgendwann nochmal als Lehrer anzufangen, aber zumindest im Moment ist die Fortführung dieser Tätigkeit für mich keine Option. Ich möchte lieber Zeit mit mir selbst verbringen und so wenig feste Termine wie möglich haben.

Inzwischen habe ich meine depressive Verstimmung von letzter Woche weitestgehend überwunden. Ich bin zwar noch nicht wieder voll im Flow, wie ich es vor unserem Kurzurlaub war, doch befinde ich mich auf einem guten Weg. Allerdings fühle ich mich nicht dazu verpflichtet, nochmals genauso streng zu mir zu sein. In jener Zeit habe ich mich zwar sehr gut gefühlt, doch ich kann unmöglich andauernd mein Essen abwiegen und mindestens 10.000 Schritte am Tag gehen. Schließlich lebe ich nicht alleine, sondern zusammen mit Haojing, die nicht unter meiner eisernen Disziplin leiden sollte. Dementsprechend bleibt die Lebensmittelwaage aktuell im Regal.

Dafür waren wir in den letzten Tagen mehrfach Barbecue essen. Wie die Chinesen Gemüse und Fleisch grillen, habe ich schon in der Vergangenheit beschrieben. Der Vollständigkeit halber wiederhole ich mich trotzdem. Man betritt zunächst einen kleinen Laden und sucht sich in einer Theke Spieße mit verschiedenen Leckereien aus. Diese werden im Anschluss auf einem großen Gasgrill, der vor dem Laden am Straßenrand steht, vom Grillmeister zubereitet. Währenddessen wartet man im Innenraum am Esstisch. Sobald die Spieße fertig sind, bekommt man sie serviert. Das chinesische Barbecue ist in der Regel sehr fleischlastig.

Was ich generell an chinesischen Restaurants nicht mag, ist diese unbequeme Beengtheit. Die Stühle sind meistens klein und ungepolstert. Die Tische werden mit Gläsern, Schalen, Tellern und weiteren Utensilien vollgestellt, dass man quasi keinen Platz hat. Das Geschirr ist eher klein, vor allem die Gläser, die oftmals sogar nur aus Plastik bestehen. Alles wirkt unglaublich beengt. Hinzu kommt noch, dass das Ambiente in der Regel recht uneinladend und unsauber erscheint. Natürlich gibt es auch teure Restaurants, die einen sauberen Eindruck machen und auch etwas mehr Platz bieten. Aber es ist trotzdem nicht dasselbe wie in Deutschland.

Am Wochenende absolvierten Haojing und ich gemeinsam mit drei ihrer Arbeitskollegen einen kleinen Ausflug. Als erstes besuchten wir ein paar Felder, um nach dem Rechten zu sehen. Danach fuhren wir zu dem großen Gewächshaus, in dem wir bereits vor ein paar Monaten mal waren. Diesmal war es allerdings recht kalt und es waren keine anderen Besucher vor Ort. Als letztes besuchten wir noch einen ehemaligen Mitarbeiter der Farm, der sich inzwischen selbstständig gemacht hat und Wassermelonen anbaut. Für mich ist diese Thematik allerdings nicht ganz so interessant, weswegen ich gedanklich schon relativ früh zu Hause war.

Liebe Grüße,

Benjamin

Meine Woche in Peking…

Hallo,

inzwischen ist es Samstag und unsere Woche in Peking ist nahezu vorbei. Morgen früh müssen wir das Hotel bereits um 5:30 Uhr verlassen, damit wir unseren Flug nach Yancheng erwischen. Da Haojing einige deutsche Experten und Diplomaten begleitete und ich meiner regulären Arbeit nachgehen musste, konnten wir selbstredend keinen wirklichen Urlaub machen. Ich hatte jeweils nur die Vormittage und die Abende, während meine Frau eigentlich erst gegen Tagesende ihre Freizeit hatte. Von unserem Besuch in der Verbotetenen Stadt, der originalen Peking-Ente und dem kurzen Bummelausflug hatte ich bereits letztes Mal berichtet.

Natürlich haben wir mittlerweile eine längere Aktivitätenliste vorzuweisen. Da ich gerne spazierengehe, habe ich vormittags die Gegend um unser Hotel herum erkundigt. Dabei spürte ich einige nette Läden auf, in denen man einen guten Kaffee trinken kann. Für 26 Yuan kaufte ich mir quasi an jedem Morgen einen (oder auch mal zwei) Americano, also einen großen schwarzen Kaffee. Danach versuchte ich regelmäßig das Konto meines Schrittzählers aufzufüllen. Das funktionierte eigentlich ganz gut. Leider kommt man in einer Großstadt nicht allzu schnell voran, weswegen pro Zeit relativ wenig Strecke zurückgelegt wird, aber es gibt Schlimmeres.

Am Mittwochabend sind Haojing und ich in ein bekanntes Kneipenviertel gefahren. Dort suchten wir zunächst ein Restaurant. Ich wollte gerne mal wieder etwas Westliches essen, weswegen wir uns für einen Spanier entschieden. Dort bestellte ich eine Käseplatte mit echtem Käse. Wow, das hatte ich wirklich vermisst. Außerdem hatten wir noch Ei, Fleisch, Gemüse und Pommes. Anschließend freute ich mich noch über ein köstliches Dessert. Da Haojing fast nur chinesisches Essen isst, probierte sie eigentlich nur ein paar Sachen. Chinesen sind leider sehr unaufgeschlossen, wenn es um ausländisches Essen geht. Sie essen fast nichts.

Danach suchten wir uns noch eine Kneipe aus, in der ich ein Tsingtao-Bier trank und mit großer Aufmerksamkeit einer hübschen Poledancerin zuschaute. Eigentlich dachte ich, dass es so etwas nicht (öffentlich) in der prüden chinesischen Gesellschaft gibt, aber anscheinend lag ich hier vollkommen falsch. Das Kneipenviertel hätte genauso in jeder anderen Metropole in der Welt sein können. Das Feeling wäre dassselbe. Generell haben sich viele meiner Vorurteile in Luft aufgelöst, seit dem ich in China lebe. Allerdings haben sich auch manche bewahrheitet und es sind auch einige – sagen wir mal – Erkenntnisse hinzugekommen.

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Freitagvormittags traf ich mich nochmal mit Mingmin. Wir besuchten gemeinsam das Chinesische Nationalmuseum. Ich war recht erstaunt darüber, dass der Eintritt kostenlos ist. Für Museen in China ist das angeblich normal, wie mich meine Begleitung aufklärte. Das Museum ist jedenfalls riesengroß. Wir hatten bei Weitem nicht genügend Zeit, um uns alles anzusehen. Von dem, was wir zu Gesicht bekamen, gefielen mir die mythologischen Kultgegenstände und einige antike Technologien am besten. Von einer Wasseruhr und einer Sternkarte war ich besonders angetan. Ich mochte aber auch jegliche Darstellungen von Drachen.

Haojing besichtigte gemeinsam mit einer deutschen Delegation die Chinesische Mauer. Darauf bin ich ein bisschen neidig. Wenn ich die chinesische Hauptstadt nun mit Shanghai vergleiche, muss ich trotzdem sagen, dass ich ein wenig enttäuscht bin. Shanghai ist zweifelsohne eine moderne, fast schon futuristisch wirkende Metropole. Dagegen erscheint Peking irgendwie unscheinbar. Man hat hier einfach nicht das Gefühl, in einer derart großen Stadt zu sein. In Shanghai ist man demgegenüber ununterbrochen beeindruckt. Zumindest geht es mir so. Andere bevorzugen vielleicht das eher europäisch anmutende Stadtbild von Peking.

Liebe Grüße,

Benjamin