Hallo,
für den neuen Beitrag möchte ich nicht zu viel versprechen, doch die Ereignisse der zurückliegenden Woche gehören zweifelsohne zu den verrücktesten in meinem Leben. Eigentlich habe ich weder Zeit noch das passende Equipment, um meine Leserschaft auf den neuesten Stand zu bringen. Grund hierfür ist, dass ich gerade mit Haojings Laptop auf meinem Krankenhausbett kauere und notgedrungen diesen Text verfasse. Mit der arbeitsaufwändigen Bildbearbeitung bin ich zum Glück schon fertig. Niemand muss sich Sorgen machen, es geht uns gut. Ich weiß nicht wirklich, wo ich anfangen soll, denn bis letzten Samstag war noch alles völlig normal.
Hendrik bekommt manchmal Besuch von einem kleinen Jungen, der schon etwas älter ist. Trotzdem spielen sie miteinander. Neulich gingen wir sogar eine Runde spazieren. Die Kinder waren glücklich und ich konnte fleißig Schritte sammeln. Später installierte ich noch zwei Überwachungskameras vor unserem Haus. Am Donnerstag hatte Haojing wieder ihre Untersuchung. Die Gelegenheit nutzten wir, um gemeinsam essenzugehen. Diesmal hatte ich sowohl mittags als auch abends eine Pizza. Beide waren besser als das „warme Teilchen“ der Vorwoche. Trotzdem waren sie wegen des süßlichen Geschmacks nicht mit einer europäischen Pizza vergleichbar.
Am Freitag traf Haojing ihre zwei Schulfreundinnen Yuan und Wen, die zum nahenden Frühlingsfest angereist kamen. Wir wurden von Yuans Eltern zum Essen eingeladen. Sie hatten gerade erst geschlachtet und wir kauften einen recht großen Teil des Schweins. Hendrik hatte viel Spaß mit den anwesenden Kindern. Am Samstagnachmittag fuhren wir noch nach Chibi, um einige Besorgungen zu machen. Im Anschluss besuchten wir einen Indoor-Spielplatz, wo ich mich mit meinem Sohn ordentlich auspowern durfte. Währenddessen bemerkten wir den Temperatursturz nicht und wir verbrachten viel zu viel Zeit in der Stadt.
Tagelang hatte es nur geregnet, alles war nass. Die klirrende Kälte sorgte für eine Form der Vereisung, die ich noch nicht erlebt hatte. Jeder Baum, jeder Ast, jedes Blatt – alles hatte plötzlich eine dicke Eisschicht. Dieses Extragewicht sorgte dafür, dass sich endlos viele Bäume umbogen oder ganz abbrachen. Unsere Heimfahrt am Samstag war ein echtes Abenteuer. Wir mussten Slalom fahren und des Öfteren auch Äste und Gestrüpp plattmachen. Unser Haus liegt weit abgelegen in einem winzigen Bergdorf. Dass wir es am Ende überhaupt erreicht haben, glich einem Wunder. Dementsprechend groß war die Erleichterung, als wir wohlbehalten ankamen.
In der folgenden Nacht fiel der Strom aus. In unserem Haus wurde es fürchterlich kalt. Erst am Sonntag wurde das volle Ausmaß der Verwüstung sichtbar. Mittlerweile waren derart viele Bäume umgefallen, dass die Straßen nicht mehr passierbar waren. Darüber hinaus befand sich auf allem eine dicke Eisschicht. Die Prognose für die nächsten Tage war nicht positiv und es blieb frostig kalt. Wir waren ohne Strom oder Heizung von der Zivilisation abgeschnitten und die Handy-Akkus wurden immer schwächer. Immerhin konnten wir noch Feuer machen, doch Trinkwasser war ebenfalls nicht mehr reichlich vorhanden. Wir mussten etwas unternehmen.
Am Montag entschieden wir uns dazu, mit notdürftiger Ausstattung zu Fuß durch den eingefrorenen Bambuswald zu wandern, was mit hochschwangerer Frau und einem Zweijährigen nicht einfach ist. Wir schafften es bis zu einer befahrbaren Straße, von wo wir schließlich nach Liumiqiao mitgenommen wurden. Dort gab es wieder Strom und wir zogen temporär in die alte Wohnung, die noch meinen Schwiegereltern gehört. Die Erleichterung war riesig. Jetzt mussten wir eigentlich nur noch abwarten und konnten uns schon mal auf das Frühlingsfest freuen – und dann kam das Kind. Deshalb sitze ich jetzt im Krankenhaus und schreibe diesen Beitrag.
Liebe Grüße,
Benjamin

























































































































































































































































































































