Verrückter wird es wohl nicht mehr!

Hallo,

für den neuen Beitrag möchte ich nicht zu viel versprechen, doch die Ereignisse der zurückliegenden Woche gehören zweifelsohne zu den verrücktesten in meinem Leben. Eigentlich habe ich weder Zeit noch das passende Equipment, um meine Leserschaft auf den neuesten Stand zu bringen. Grund hierfür ist, dass ich gerade mit Haojings Laptop auf meinem Krankenhausbett kauere und notgedrungen diesen Text verfasse. Mit der arbeitsaufwändigen Bildbearbeitung bin ich zum Glück schon fertig. Niemand muss sich Sorgen machen, es geht uns gut. Ich weiß nicht wirklich, wo ich anfangen soll, denn bis letzten Samstag war noch alles völlig normal.

Hendrik bekommt manchmal Besuch von einem kleinen Jungen, der schon etwas älter ist. Trotzdem spielen sie miteinander. Neulich gingen wir sogar eine Runde spazieren. Die Kinder waren glücklich und ich konnte fleißig Schritte sammeln. Später installierte ich noch zwei Überwachungskameras vor unserem Haus. Am Donnerstag hatte Haojing wieder ihre Untersuchung. Die Gelegenheit nutzten wir, um gemeinsam essenzugehen. Diesmal hatte ich sowohl mittags als auch abends eine Pizza. Beide waren besser als das „warme Teilchen“ der Vorwoche. Trotzdem waren sie wegen des süßlichen Geschmacks nicht mit einer europäischen Pizza vergleichbar.

Am Freitag traf Haojing ihre zwei Schulfreundinnen Yuan und Wen, die zum nahenden Frühlingsfest angereist kamen. Wir wurden von Yuans Eltern zum Essen eingeladen. Sie hatten gerade erst geschlachtet und wir kauften einen recht großen Teil des Schweins. Hendrik hatte viel Spaß mit den anwesenden Kindern. Am Samstagnachmittag fuhren wir noch nach Chibi, um einige Besorgungen zu machen. Im Anschluss besuchten wir einen Indoor-Spielplatz, wo ich mich mit meinem Sohn ordentlich auspowern durfte. Währenddessen bemerkten wir den Temperatursturz nicht und wir verbrachten viel zu viel Zeit in der Stadt.

Tagelang hatte es nur geregnet, alles war nass. Die klirrende Kälte sorgte für eine Form der Vereisung, die ich noch nicht erlebt hatte. Jeder Baum, jeder Ast, jedes Blatt – alles hatte plötzlich eine dicke Eisschicht. Dieses Extragewicht sorgte dafür, dass sich endlos viele Bäume umbogen oder ganz abbrachen. Unsere Heimfahrt am Samstag war ein echtes Abenteuer. Wir mussten Slalom fahren und des Öfteren auch Äste und Gestrüpp plattmachen. Unser Haus liegt weit abgelegen in einem winzigen Bergdorf. Dass wir es am Ende überhaupt erreicht haben, glich einem Wunder. Dementsprechend groß war die Erleichterung, als wir wohlbehalten ankamen.

In der folgenden Nacht fiel der Strom aus. In unserem Haus wurde es fürchterlich kalt. Erst am Sonntag wurde das volle Ausmaß der Verwüstung sichtbar. Mittlerweile waren derart viele Bäume umgefallen, dass die Straßen nicht mehr passierbar waren. Darüber hinaus befand sich auf allem eine dicke Eisschicht. Die Prognose für die nächsten Tage war nicht positiv und es blieb frostig kalt. Wir waren ohne Strom oder Heizung von der Zivilisation abgeschnitten und die Handy-Akkus wurden immer schwächer. Immerhin konnten wir noch Feuer machen, doch Trinkwasser war ebenfalls nicht mehr reichlich vorhanden. Wir mussten etwas unternehmen.

Am Montag entschieden wir uns dazu, mit notdürftiger Ausstattung zu Fuß durch den eingefrorenen Bambuswald zu wandern, was mit hochschwangerer Frau und einem Zweijährigen nicht einfach ist. Wir schafften es bis zu einer befahrbaren Straße, von wo wir schließlich nach Liumiqiao mitgenommen wurden. Dort gab es wieder Strom und wir zogen temporär in die alte Wohnung, die noch meinen Schwiegereltern gehört. Die Erleichterung war riesig. Jetzt mussten wir eigentlich nur noch abwarten und konnten uns schon mal auf das Frühlingsfest freuen – und dann kam das Kind. Deshalb sitze ich jetzt im Krankenhaus und schreibe diesen Beitrag.

Liebe Grüße,

Benjamin

Das warme Teilchen und der Hund!

Hallo,

wieder ist eine Woche vergangen und bald bin ich schon einen vollen Monat in China. Die zurückliegende Woche verlief eher ruhig. Es ist eben kein Urlaub, weswegen man nicht jeden Tag ein Feuerwerk abbrennen kann. Vor allem mit Kind und schwangerer Frau gestaltet sich der Alltag in der Regel träge. Außerdem bin ich sehr froh darüber, dass ich an den meisten Tagen für mich selbst kochen kann. Andererseits wäre es mir nicht möglich, hierzulande mein Gewicht zu halten. Wie ich bereits im letzten Beitrag erwähnte, lassen sich die verzehrten Mengen, schlicht und ergreifend nicht abschätzen, wenn man quasi durchgehend ein Buffet vor sich hat.

Zunächst sei erwähnt, dass wir einige extrem kalte Tage hinter uns haben, die zu einem recht seltenen Ereignis führten: Schnee in Hubei. Es war sogar so kalt, dass wir bis zum Nachmittag wegen gefrorener Leitungen kein Wasser hatten. Selbstverständlich war das für mich kein Grund, die abendliche kalte Dusche auszulassen. Obwohl sich jede Zelle meines Körpers dagegen zu wehren schien, zog ich diese konsequent durch. Das Wasser war derart kalt, dass es regelrecht Schmerzen verursachte. Auch während der Dusche wurde es nicht besser, sondern zunehmend schlimmer. Am Ende ist es jedoch ein tolles Gefühl, sich selbst besiegt zu haben.

In unserer Freizeit absolvierten wir mehrere Spaziergänge. Unter anderem bestiegen wir einen Berg, von dem man eine hervorragende Aussicht auf den großen Lushui-See neben Chibi hat. Nach ausgiebiger Suche konnten wir erfolgreich unser Haus ausfindig machen, das tatsächlich ganz klein im Hintergrund zu sehen war. Um fair zu bleiben: Eigentlich bestiegen wir den Berg nicht vollständig, sondern fuhren möglichst weit mit dem Auto und gingen die letzten Meter. Vom Fuß bis zum Gipfel hätten es Haojing und Hendrik sicherlich nicht geschafft. Unser kleiner König ist sich inzwischen übrigens zu fein für Steigungen. Er möchte lieber getragen werden.

Im weiteren Verlauf des Tages besuchten Hendrik und ich einen Frisör. Unsere Haare waren schon relativ lang und da musste einfach mal etwas runter. Ich bin immer wieder aufs Neue vom Können der chinesischen Frisöre beeindruckt. Sie benutzen deutlich weniger technische Hilfsmittel als es in Deutschland üblich ist und trotzdem sieht die fertige Frisur stimmiger aus. Darüber hinaus waren die zwei Haarschnitte unverschämt günstig. Insgesamt zahlten wir 25 Yuan, was je nach Wechselkurs etwa 3,20 Euro sind. Erwähnenswert ist noch, dass sich unser kleiner Sohn anstandslos und ohne Gegenwehr frisieren ließ, was in diesem Alter nicht selbstverständlich ist.

Immer donnerstags muss Haojing ins Krankenhaus zur Untersuchung. Hendrik bleibt dann normalerweise bei seinem Opa, weswegen wir uns einen schönen Tag machen können. Beim letzten Mal gingen wir mittags Pizza essen. Meine Frau wollte unbedingt ein anderes Lokal (als das uns bekannte) ausprobieren. Unglücklicherweise war das ein Reinfall. Ich bekam etwas, das kaum nach Pizza schmeckte. Man konnte es essen, aber ich würde es eher als „warmes Teilchen“ umschreiben. Immerhin war das Abendessen lecker. Wir waren in einem unheimlich schönen chinesischen Restaurant, wo es sowohl sauber als auch beheizt war und sogar kaltes Bier gab.

Am Sonntag gingen wir nochmal essen. Der Laden gefiel mir weniger. Es war dreckig, kalt und wir warteten eine halbe Ewigkeit auf unser Essen. Nachdem endlich die erste Portion gekommen war und ich davon gegessen hatte, klärte mich Haojing darüber auf, dass es sich dabei um Hundefleisch handelte. Da ich es sowieso irgendwann probieren wollte, war diese nette Überraschung natürlich kein Problem. Geschmacklich war es voll in Ordnung, nur die Art der Zubereitung sagte mir nicht zu. Fast jedes Stück beinhaltete ein Knochenfragment, weswegen man nur vorsichtig und langsam vorankam. Trotzdem kann ich nun legitim behaupten, Hund gegessen zu haben.

Liebe Grüße,

Benjamin

Frühstück, BBQ und Wuhan!

Hallo,

seit dem letzten Beitrag standen nicht mehr ganz so viele Feierlichkeiten auf unserem Programm, doch eine relativ große Sache gab es dennoch. Die Tochter einer Bekannten feierte ihren zehnten Geburtstag, was hierzulande verhältnismäßig wichtig ist. Deshalb wurde ein ganzer Festsaal gebucht. Es waren unheimlich viele Gäste eingeladen. Schon am Eingang war ein kleiner Stand aufgebaut, an dem man seine Geschenke ablegen konnte. Die meisten gaben einfach nur einen Roten Umschlag mit Geld, doch Haojing hat sich mehr Mühe gemacht. Bevor wir zur Feier gingen, waren wir noch zusammen Bücher als Geschenk einkaufen.

Im weiteren Verlauf des Tages haben wir uns außerdem mit einem anderen Deutschen getroffen, der momentan auch in Chibi wohnt. Er ist mittlerweile Rentner, hat aber über zehn Jahre in Shanghai gearbeitet. Wie ich, hat er eine chinesische Ehefrau. Er hat mir viel von seinem Ärger mit den deutschen Behörden berichtet. Obwohl sie verheiratet sind, bekommt die Dame keine längerfristige Aufenthaltserlaubnis in Deutschland. Grund hierfür sind die fehlenden Sprachkenntnisse. Da Haojing Deutsch spricht, ist das für uns zum Glück kein Problem. Trotzdem stimme ich ihm dahingehend zu. Es macht absolut keinen Spaß, sich mit deutschen Behörden herumzuschlagen.

Die Woche verlief zunächst recht ruhig. Nach den zurückliegenden Tagen wollte ich es etwas langsamer angehen lassen und auch beim Essen wieder mehr Disziplin zeigen. Wer mich kennt, weiß wahrscheinlich, dass ich mich jeden Tag mit gesunder Ernährung beziehungsweise Lebensweise beschäftige und viele Dinge ausprobiere. Das ist in China schwierig, da man kaum einschätzen kann, welche Mengen man isst. Darüber hinaus ist eigentlich immer irgendein Pflanzenbestandteil im Essen. Da ich genau das vermeiden möchte, muss ich wohl für mich selbst kochen. Das tat ich dann auch für einige Tage, wofür meine Schwiegereltern Verständnis aufbrachten.

Selbstverständlich will ich mich nicht komplett abschotten. Immerhin gilt es auch die kulinarische Vielfalt der chinesischen Küche zu genießen. Am Freitag mussten wir in die Stadt, um die Ergebnisse meiner medizinischen Untersuchung abzuholen und meine Aufenthaltserlaubnis zu beantragen. Der Kleine blieb bei seinen Großeltern. Haojing und ich nutzten diese Freiheit, um authentisch zu frühstücken. Ähnlich wie bei uns, ist das chinesische Frühstück sehr teiglastig. Es gab Nudeln, verschiedene Süßbrote und natürlich Baozis. Im Gegensatz zu den anderen Tagesmahlzeiten, ist das Frühstück in China reich an einfachen Kohlenhydraten.

Hinterher waren meine Frau und ich im Kino. Abends gingen wir noch Chinesisches Barbecue in einem wirklich schönen Restaurant essen. Es war zwar köstlich, aber auch sehr scharf. Außerdem schmeckte mir an diesem Abend das Bier nicht, obwohl ich mir extra Tsingtao besorgt hatte. Einen Tag später fuhren wir (inklusive Kind) spontan nach Wuhan. Dort gingen wir mit einer Cousine, die ebenfalls den Nachwuchs mitbrachte, in ein japanisches Restaurant essen. Danach besuchten wir ein riesiges Einkaufszentrum mit sieben Stockwerken und Skylounge, das durchaus gut besucht war. Das Angebot für Kinder war hervorragend. Unser Sohn hatte jede Menge Spaß.

Leider war es frostig kalt, weswegen wir einen Großteil der Zeit in der beheizten Mall verbrachten. Das störte mich allerdings nicht, da wir sowieso nicht genug Zeit hatten, um uns die Stadt anzuschauen. Übernachtet haben wir bei Haojings Cousine, was unfassbar kalt und ungemütlich war. Erst als wir am Sonntagnachmittag wieder zu Hause ankamen, konnten wir uns endlich wieder ordentlich aufwärmen. Für normale chinesische Wohnverhältnisse ist unser Haus einfach der pure Luxus. Die Klimaanlage sowie die beiden Elektroheizkörper reichen zumindest für zwei halbwegs warme Räume aus und unter der Decke ist es dann sogar echt angenehm.

Liebe Grüße,

Benjamin

Jetlag?! Was ist das?

Hallo,

inzwischen bin ich seit über einer Woche wieder in China. Wie es die Überschrift bereits verrät, hatte ich diesmal tatsächlich keinerlei Probleme mit der Zeitverschiebung. Dass ich die erste Nacht gut schlafen konnte, stellt nach einer beschwerlichen Reise keine Besonderheit dar. Doch auch am zweiten, dritten und vierten Tag wurde ich zur rechten Zeit müde und konnte ungestört durchschlafen. Dieser erfreuliche Umstand verblüfft mich umso mehr, da der Jetlag nach Reisen gen Osten erfahrungsgemäß besonders unangenehm ausfällt. Möglicherweise hilft es, dass mich Frau und Kind tagsüber auf Trab halten und ich nicht auf der faulen Haut liegen kann.

Letzten Sonntag stand die erste Feierlichkeit auf dem Programm. Wir waren auf den ersten Geburtstag in einer befreundeten Familie eingeladen, die nicht weit von unserem Haus entfernt lebt. Viele Gäste waren anwesend. Dementsprechend wurde ordentlich aufgetischt und selbstverständlich auch ausgeschenkt. Es gab Reisschnaps. Im Voraus hatte ich mir die Grenze von einem Glas gesetzt, die ich zwar ruckzuck erreichte, aber nicht überschritt. Zur Erinnerung: Damit ist kein handelsübliches Schnapsglas gemeint, sondern ein Glas mit zirka 100 bis 150 Milliliter Fassungsvermögen. Hinterher waren Hendrik, Haojing und ich noch eine Runde spazieren.

Am darauffolgenden Montag fuhren wir drei in die Stadt. Haojing musste noch im Büro arbeiten. Mittags aßen wir in einem Restaurant. Obwohl wir für unsere Verhältnisse recht wenig bestellten, hatte ich hinterher wiedermal zu viel gegessen. Deswegen fühlte ich mich am Nachmittag ziemlich überfüllt. Meine Frau musste nochmal kurz ins Büro fahren. Währenddessen gingen Hendrik und ich einen kleinen Freizeitpark speziell für Kinder besuchen. Er hatte zwar vor fast jeder Attraktion Angst, doch ich konnte ihn dazu bewegen, mit dem Flugzeugkarussell zu fahren. Als wir den Park schließlich wieder verlassen mussten, weigerte er sich – und es wurde hässlich.

Dienstags gab es die große Einweihungsfeier für unser Haus. Die ganze Verwandtschaft wurde eingeladen und letzten Endes hatten wir fast 100 Gäste. Obwohl das Haus von Haojing und mir bezahlt wurde und wir auch die rechtlichen Eigentümer sind, wird es als Besitz meiner Schwiegereltern betrachtet. Dementsprechend waren sie Gastgeber des Festes. Sie kassierten die zahlreichen Geldgeschenke, organisierten dafür aber auch alles. Es wurde sogar ein Koch engagiert, der sein eigenes Equipment mitbrachte. Es gab derart viel Essen und Schnaps, dass wir immer noch davon zehren. Erneut habe ich mich nicht (allzu sehr) betrunken.

Am Mittwoch ging die Woche der Feiern weiter. Der fünfte Onkel und seine Frau hatten beide am selben Tag Geburtstag und luden ein. Sie wohnen in einem Hochhaus in Chibi. Diesmal saß ich am Tisch zwischen meinem zweiten Cousin und meiner dritten Tante. Ersterer säuft wie ein Loch und hat mich die ganze Zeit genervt, indem er mich dazu drängen wollte, immer mehr zu trinken. Diesmal wurde kein Reisschnaps ausgeschenkt, sondern irgendein selbstgebrannter Obstler, der mir überhaupt nicht schmeckte. Doch auch die dritte Tante hat mich veräppelt: Irgendwann sagte sie, ich solle mit dem Essen anfangen. Dem kam ich nach, doch das Essen war noch gar nicht eröffnet.

Dieser Fauxpas wurde mir natürlich verziehen, aber geärgert habe ich mich dennoch. Später fuhren Hendrik, Haojing und ich noch in eine größere Parkanlage. Dort gab es einen weitflächigen Platz sowie verschiedene Sport- und Spielangebote. Der Kleine hatte viel Spaß. Für den Heimweg kaufte uns Haojing noch drei Baozis. Am Donnerstag stand die medizinische Untersuchung für meine Aufenthaltserlaubnis an. Im Krankenhaus meldete ich mich zuerst am Empfang an und bezahlte. Danach wurde mir ein Laufzettel mit allen Stationen, die ich aufsuchen musste, ausgehändigt. Eine solche systematische Abarbeitung von Patienten ist typisch für China.

Hierzu zählten unter anderem Blutabnahme, Blutdruck, Röntgenbild sowie EKG- und HNO-Untersuchung. Die finalen Ergebnisse bekomme ich erst in einer Woche, doch auf den ersten Blick war alles in Ordnung. Da Haojing und ich diesmal zu zweit unterwegs waren, probierten wir uns diesmal durch das (gefühlt) ganze Street-Food-Angebot von Chibi hindurch. Die Auswahl ist riesengroß und die meisten Köstlichkeiten sind im Westen völlig unbekannt. Ich kann nur jedem Chinareisenden wärmstens empfehlen, das lokale Street Food auszutesten. Es schmeckt wirklich hervorragend und ist darüber hinaus fast unverschämt günstig.

Nach dem Gaumenschmaus am Mittag gingen wir einkaufen und organisierten noch einen Kuchen. Denn selbstverständlich gab es am Abend eine weitere Party: Diesmal hatte mein Schwiegervater Geburtstag. Da ich aber schon mittags ordentlich zugelangt hatte und nicht mehr als eine Hauptmahlzeit am Tag essen möchte, beteiligte ich mich weder am Geburtstagsessen noch am Schnapstrinken. Für meine Rückkehr nach China habe ich mir also wahrhaftig den richtigen Zeitpunkt ausgesucht. Die ersten Tage im Fernen Osten habe ich wirklich sehr genossen und ich hoffe inständig, dass es genauso weitergeht. Mein Leben ist sehr schön.

Liebe Grüße,

Benjamin

Als wäre ich nie weg gewesen!

Hallo,

nach zweieinhalb Jahren Abwesenheit melde ich mich endlich zurück aus China. Eigentlich hatte ich nicht vor, eine derart lange Pause einzulegen, doch die Covid-19-bedingten Reisebeschränkungen machten ein bequemes Einreisen erst wieder ab Mitte 2023 möglich. Überdies habe ich in der Zwischenzeit meinen Arbeitgeber gewechselt, was mich hinsichtlich längerer Reisen etwas unflexibler macht. Nichtsdestotrotz kann ich nun knapp ein halbes Jahr im Fernen Osten verweilen. Seit nunmehr zwei Tagen bin ich hier und so langsam aklimatisiere ich mich.

Am Mittwoch musste ich bereits früh morgens aufstehen, um den ersten Zug zu bekommen. Um halb acht ging es für mich von Wittlich aus los nach Koblenz, wo ich in den ICE in Richtung Frankfurt Airport umsteigen musste. Das hat – entgegen meiner Befürchtungen – völlig reibungslos funktioniert. Ich war rechtzeitig am Flughafen und hatte mehr als genug Zeit, um das Terminal zu wechseln. Hinterher waren auch Check-in, Security-Check und Boarding einwandfrei. Der Flug verlief gut. Die lange Flugzeit stört mich nicht mehr so sehr wie früher, doch leider fingen dann die Probleme an.

Kurz vor der Landung wurde uns mitgeteilt, dass wir wegen schlechten Wetters nicht auf Shanghai-Pudong, sondern auf dem anderen Flughafen (Shanghai-Hongqiao) landen würden – was dann auch so geschehen ist. Ursprünglich hatte ich ausreichend Umsteigzeit für meinen Weiterflug nach Wuhan, doch ein Flughafenwechsel war da natürlich nicht einkalkuliert. Aber wenn nun alles schnell laufen würde, wäre es noch machbar gewesen. Auch eine kostenlose Umbuchung von Shanghai-Hongqiao nach Wuhan wäre eine gangbare Option gewesen, aber es kam anders.

Stattdessen mussten alle Passagiere im Flugzeug sitzen bleiben. Nach zwei Stunden wurde verkündet, dass wir nun doch zum 52 Kilometer Luftlinie entfernten Flughafen Shanghai-Pudong fliegen würden. Eine weitere Stunde verging, bis wir starteten, und bis wir gelandet waren und endlich aussteigen durften, war nochmal eine Stunde vorbei. So kam es dazu, dass ich gerade einmal 15 Minuten vor dem Boarding-Beginn meines Transferflugs an Land ging. Ich musste mich also in Windeseile zurechtfinden und auch noch durch den Zoll, was eigentlich immer viel Zeit in Anspruch nimmt.

Ich hatte dahingehend Glück, dass ich zu einem Inlands-Transferflug musste. Die meisten Ausländer hatten entweder Transferflüge ins Ausland oder gar keinen Transfer. Beim Zoll musste ich mich dementsprechend nicht anstellen und konnte direkt zum Schalter durchgehen. Schnell verläuft eine solche Prozedur trotzdem nicht. Danach musste ich zu allem Übel auch nochmal einen Security-Check absolvieren, nur um im Anschluss festzustellen, dass ich zudem das Terminal wechseln musste. Die Mitarbeiter, bei denen ich mich durchfragte, haben mich sehr mitleidig angeschaut.

Ich bin wie ein Irrer gerannt, wie man es sonst nur aus schlechten Filmen kennt. Ich kam etwa 20 Minuten nach dem eigentlichen Boarding-Beginn am Gate an. Ich kann immer noch nicht glauben, wie unheimlich schnell (und absolut unbeholfen) ich alle Hürden meisterte. Allerdings stellte ich dann fest, dass auch der Flug nach Wuhan eine Verspätung hatte. Ich habe mich also vollkommen umsonst beeilt und durfte mich zwei Stunden langweilen. Der Flug nach Wuhan verlief ohne besondere Vorkommnisse. Um 18 Uhr Ortszeit konnte ich endlich Frau und Kind in den Arm nehmen.

Haojing hatte einen Fahrer organisiert, der uns bis in unser Haus in der Nähe von Chibi brachte. Nach zweistündiger, ruppiger Fahrt war ich am Ziel meiner beschwerlichen Reise. Es gab noch ein leckeres Abendessen, das von meinen Schwiegereltern zubereitet wurde. Danach hatte ich nur noch Lust auf eine Dusche und auf mein Bett. Wer meinen Blog bereits in der Vergangenheit verfolgt hat, weiß, dass in den meisten Teilen Chinas nicht geheizt wird. Es war also frostig kalt im Schlafzimmer. Glücklicherweise konnte mir ein mobiler Elektroheizkörper provisorisch weiterhelfen.

Der nächste Morgen fühlte sich traumhaft an. Es ist ein überragendes Gefühl, nach einer langen Schlaflosphase bei viel Anstrengung eine Nacht durchgeschlafen zu haben. Ich war immerhin gut 36 Stunden unterwegs. Die ersten zwei Tage in China verliefen recht ruhig. Wir waren schon in der Stadt, um mich hier wohnhaft zu melden und um einzukaufen. Mein erster Eindruck ist ganz klar: Es fühlt sich so an, als wäre ich nie weg gewesen. Ich bin gespannt, wie sich die Lage in den kommenden Tagen entwickeln wird. Selbstverständlich halte ich meine Leserschaft auf dem Laufenden.

Liebe Grüße,

Benjamin

Geschafft! Wie geht es weiter?

Hallo,

trotz aller Widrigkeiten – und davon gab es beispiellos viele – haben wir es geschafft. Unsere kleine Familie ist vergangenen Freitag in Frankfurt gelandet und befindet sich seitdem wieder in Deutschland. Obwohl ich neue Probleme bei der Aus- und Einreise befürchtete, hatten wir diesmal Glück und alles verlief reibungslos. Sämtliche Papiere für Frau und Kind wurden beanstandungslos akzeptiert. Da China in Deutschland nicht als Risikogebiet eingestuft ist, gelten für uns keine Quarantänebestimmungen, weshalb wir uns sofort frei in meiner alten und neuen Heimat bewegen konnten. Die stressigen Wochen sind endlich vorbei.

Im vorigen Beitrag berichtete ich bereits von einigen Strapazen, die uns durch einen lokalen Covid-19-Ausbruch genau in unserer Heimatregion heimsuchten. Die letzten Tage vor unserem Flug, die wir bereits in der Nähe vom Airport verbrachten, verliefen zwar entsprechend angespannt, doch es kam zu keiner neuerlichen Verschlimmerung. Wir konnten die Zeit sogar ein bisschen genießen. Unser Hotel hatte ein großartiges Frühstücksbuffet. Zwischendurch machten wir sogar einen kleinen Abstecher in die Stadt, wo wir ein bekanntes Textilgeschäft aufsuchten, um mir einen Anzug und ein paar Hemden maßschneidern zu lassen.

Obwohl Shanghai, verglichen mit anderen Regionen in China, durchaus teuer ist, waren sowohl Dienstleistung als auch Material ausgesprochen günstig – zumindest wenn man deutsche Maßstäbe anlegt. Darüber hinaus haben wir für mich ein Hemd im asiatischen Stil, bestehend aus spezieller, dunkelbrauner Seide, anfertigen lassen, das nicht gerade günstig war. Die fertigen Kleidungsstücke werden per Post nach Deutschland versendet. Im Übrigen waren wir noch ein (vorerst) letztes Mal in einem chinesischen Restaurant essen. Das war vor allem für Haojing eine traurige Erfahrung. Von nun an muss sie sich erstmal mit deutscher Küche begnügen.

Am Tag der Abreise mussten wir fünf schwere Aufgabegepäckstücke sowie jede Menge Handgepäck plus Baby transportieren. Glücklicherweise gab es einen Shuttle-Bus, der alle 30 Minuten zwischen Hotel und Flughafen pendelte. Ein Hotelbediensteter half uns beim Einladen. Am Terminal gestaltete es sich schwieriger. Da wir jedoch ausreichend Zeit einkalkuliert hatten, konnten wir alles gemächlich, ohne Druck transportieren. Die Schlange vor dem Check-in war sehr lang. Wir standen eine kurze Zeit an, bevor uns das Flughafenpersonal darauf aufmerksam machte, dass wir uns aufgrund des Babys an der First-Class-Schlange anstellen durften.

Nachdem wir Blut geleckt hatten, nutzten wir den Baby-Bonus an jeder erdenklichen Stelle. Der Security-Check war zwar langwierig, doch da weder Betrieb noch Zeitdruck herrschte, war das völlig in Ordnung. Unser Flug war der einzige im ganzen Terminal. Wir hatten also unheimliches Glück, dass dieser nicht auch abgesagt wurde. Der Flug verlief bemerkenswert gut. Wir konnten als erstes einsteigen, weswegen wir keinerlei Probleme hatten, Stauraum für unser Handgepäck zu finden. Der Kleine verschlief fast den ganzen Flug. Meine Frau und ich mussten ihn nur etwa zwei Stunden beschäftigen. Empfangen wurden wir von einem überglücklichen Opa.

Wie geht es jetzt mit meinem Blog weiter? Der Blog bleibt online, jedoch werden vorerst keine regelmäßigen Beiträge mehr erscheinen. Ich behalte mir aber die Möglichkeit offen, ab und zu etwas Passendes zu verfassen. Darüber hinaus werden wir in Zukunft immer wieder nach China reisen und dort auch mal länger bleiben. Dann wird es hier selbstverständlich neue Berichte geben, die sich jeder Interessent nach Lust und Laune durchlesen kann. Das Verfassen neuer Beiträge wird mir fehlen. Trotzdem bin ich froh, dass ich mir die Arbeit nicht mehr machen muss. Über das Kontaktformular werde ich weiterhin auf unbestimmte Zeit erreichbar sein.

Liebe Grüße,

Benjamin

Das Schwierigste kommt zum Schluss!

Hallo,

heute schreiben wir den 4. August und wir befinden uns – anders als im letzten Beitrag verkündet – immer noch in China. In den vergangenen beiden Wochen ist nahezu alles schiefgegangen, was hätte schiefgehen können. Vorwegnehmen möchte ich, dass sich unsere Rückreise glücklicherweise nur um zwei Tage nach hinten verschoben hat. Das Chaos begann damit, dass sich neun Mitarbeiter des Flughafens in Nanjing trotz großer Vorsichtsmaßnahmen mit Covid-19 angesteckt hatten. Deshalb haben die ansässigen Behörden höchste Alarmstufe ausgerufen. Alle Einwohner von Nanjing und auch einiger Nachbarstädte wurden auf das Virus getestet.

Dabei wurden weitere Infektionen entdeckt, woraufhin die gesamte Jiangsu-Provinz unter Generalverdacht gestellt wurde. Wir leben zwar am Arsch der Welt, doch leider liegt dieser Arsch ebenfalls in Jiangsu, weswegen auch bei uns mehrere Maßnahmen umgesetzt wurden. In China sind Lockdowns, wie man sie in Deutschland kennt, eher selten. Hierzulande wird das Reisen eingeschränkt oder auch gänzlich unterbunden. In unserem Heimatort konnten wir zum Beispiel nach wie vor uneingeschränkt auswärts essen oder zum Vereinssport gehen. Wer also nicht gerade verreisen möchte, der leidet nicht sonderlich unter den Maßnahmen.

Zu allem Unglück mussten wir aber genau das. Und zwar nicht einfach irgendwo hin, sondern exakt zu dem Flughafen, der Ausgangspunkt der ganzen Misere war. Der Flug von Nanjing nach Frankfurt, der eine Woche vor unserem angesetzt war, wurde schon gecancelt – unserer noch nicht. Wir standen unter Druck. Sollten wir abwarten bis unser Flug ebenfalls gestrichen würde, um dann kostenlos umbuchen zu dürfen, oder sollten wir rechtzeitig umbuchen, um zeitnah einen anderen Flug zu erwischen? Wir entschieden uns für zweitere Variante und wechselten auf einen Flieger, der zwei Tage später in Shanghai starten würde.

Der Spaß kostete uns 1.300 Euro. Soweit ich es zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen kann, war es aber die richtige Entscheidung. Bis nach Nanjing wären wir wahrscheinlich nicht gekommen. Nach Shanghai zu reisen war bereits schwierig genug. Schließlich mussten wir alles daran setzen, so schnell wie irgendwie möglich in die 600 Kilometer entfernte Metropole zu gelangen. Das Reisen hätte jederzeit vollständig untersagt werden können. Wir mussten unsere Wohnung räumen und packen. Die Mammutaufgabe stand letztes Wochenende auf dem Programm. Hinzu kam noch, dass wir negative PCR-Tests für die bevorstehende Reise benötigten.

Das hört sich zunächst nach einer einfachen Aufgabe an, doch der Schein trügt. Absolut typisch für China: Perfekt durchstrukturierte Systeme, die aber in sich geschlossen sind. Da ich keine chinesische ID-Karte besitze, konnte ich nicht in das System eingetragen werden. Die Nummer meines Reisepasses wurde abgelehnt. Keiner wusste, was zu tun ist. Es hat uns (vor allem meine Frau) unheimlich viel Nerven gekostet, bis man endlich bereit war, mich trotz Inkompatibilität zu testen. An dieser Stelle sollte ebenso bedacht werden, dass wir für einen Weg zur Teststelle 45 Minuten benötigten – und wir mussten zweimal hin- und zurückfahren.

Am Ende hatten wir es trotz aller Widrigkeiten geschafft. Gegen Sonntagmittag waren wir mit den meisten Arbeiten fertig. Den Müll und die Sachen, die wir nicht behalten wollten, werden in unserer Abwesenheit von Bekannten ausgeräumt. Am Nachmittag ging es für uns mit dem Schnellzug von Binhai nach Shanghai. Dabei hatten wir nur das Handgepäck. Die fünf Aufgabegepäckstücke konnten wir schlicht und ergreifend nicht transportieren. Das Handgepäck war schon fast zu viel. Zur Erinnerung: Unser Baby ist natürlich immer bei uns. Den Rest wollten wir zum Hotel direkt am Flughafen liefern lassen, wo wir bis zur Ausreise residieren.

Es gab keine Garantie, dass diese Lieferung funktionieren würde, doch wir hatten Glück. Montagvormittag kamen sämtliche Koffer an. Mir graut es zwar vor dem Transport zum Flughafen, doch irgendwie werden wir das schon hinbekommen. Immerhin liegt unser Hotel nicht weit vom Terminal entfernt. In Shanghai merkt man bislang nichts von der angespannten Situation. Jedoch gab es hier am Flughafen jüngst ebenfalls einen Covid-19-Fall. Dass unser Flug deswegen noch abgesagt wird, glaube ich allerdings nicht. Der Flieger sowie die Crew aus Deutschland befinden sich bereits vor Ort. Die werden schon noch nach Hause fliegen.

In den Tagen vor unserer Flucht aus Dayouzhen wurden wir mehrere Male zum Essen eingeladen. Das Abschiedsessen mit dem Parteivorsitzenden habe ich nicht besonders genossen. Offizielle Anlässe sind hierzulande immer mit einem gewissen Zwang und reichlich Schnaps verbunden. Die anderen Einladungen waren okay. Haojing und ich haben sogar ein neues Fast-Food-Restaurant ausgetestet. Wie es sich für chinesisches Burger-Fleisch gehört, gab es natürlich nur Panade mit ein bisschen Hühnchen. Wie Abschiede nun mal sind, waren wir beide auch etwas traurig. Immerhin ging ein nicht gerade kleiner Abschnitt in unserem Leben zu Ende.

Liebe Grüße,

Benjamin

Unsere Pläne schreiten voran!

Hallo,

dass sich unsere Situation nach einigen schwierigen Wochen glücklicherweise wieder entspannt hat, berichtete ich bereits in meinem letzten Beitrag. Inzwischen gibt es eine weitere positive Neuigkeit zu vermelden: Haojing hat endlich ihr Visum erhalten. Ohne das tatkräftige Engagement meiner Familie vor Ort wäre das sicherlich nicht rechtzeitig geschehen, denn ganz offensichtich lässt die Arbeitsmoral in deutschen Behörden stark zu wünschen übrig. Zwar habe ich mich schon letztes Mal darüber beschwert, aber das Gefühl der Empörtheit hat noch nicht nachgelassen. Leider ist dieselbe Dame auch für die Ausstellung von Haojings Aufenthaltstitel zuständig.

Meine E-Mails mit einem Termingesuch ignoriert sie bis dato sehr gekonnt. Immerhin ist die Sache nicht ganz so dringend. Damit können wir warten, bis wir in Deutschland sind. Da wir sämtliche Papiere für die Einreise beisammenhaben, steht unserem Flug eigentlich nichts mehr im Weg. Theoretisch kann noch irgendetwas Unvorhersehbares passieren, doch diese Möglichkeit besteht sowieso in jeder Lebenslage. Da man zurzeit aus Gründen, die ich nicht nachvollziehen kann, als Flugreisender nach Deutschland einen negativen Covid-19-Test vorzuweisen hat, müssen wir drei schon zwei Tage vor Abflug nach Nanjing fahren.

Die Kriterien, die dieser Test vorweisen muss, können in unserem Heimatort sicherlich nicht gewährleistet werden. Sollte sich irgendein Formfehler im ausgestellten Zertifikat finden, dürften wir nicht ins Flugzeug einsteigen. Meiner Erfahrung nach sind Chinesen hinsichtlich Formfehler deutlich freizügiger als Deutsche, weshalb wir die ausgestellten Zertifikate am besten mehrfach kontrollieren sollten. Vollständig sicher werde ich mich wohl erst dann fühlen, sobald wir auf unseren Plätzen im Flugzeug sitzen. Wir werden jedenfalls in ziemlich genau zwei Wochen in Nanjing abfliegen und am frühen Morgen des 4. August in Frankfurt landen.

Obwohl die zurückliegenden Tage in unserer Wohnung in Dayou aus nachvollziehbaren Gründen eher stressig waren, fanden wir ein bisschen Zeit, um gemeinsam auszugehen. Letzten Donnerstag waren wir bei einem Arbeitskollegen meiner Frau zum Mittagessen eingeladen. Seine Eltern nahmen ebenfalls Teil. Dabei wurde das gewohnte chinesische Essen, bestehend aus Fisch, Fleisch und Gemüse, aufgetischt. Weil wir (teilweise) noch arbeiten mussten, wurde lediglich eine geringe Menge Alkohol konsumiert, worüber ich mich freute. Allerdings beschränkten sich unsere Freizeitaktivitäten nicht nur auf eine gewöhnliche Essenseinladung bei Bekannten.

Am Wochenende fuhren wir zusammen in die nächste Stadt, wo wir unter anderem in einem Steakhouse essen gingen. Es ist nicht einfach, in unserer Heimatregion an gutes Rindfleisch zu kommen. Jedoch hatte ich Glück. Das Steak schmeckte fabelhaft – das Bier war weniger gut. Die mit dem Einschenken sichtlich überforderten Bedienenden brauchten zu dritt bestimmt 15 Minuten für das georderte Weizenbier. Letzten Endes bekam ich es mit Strohhalm und Eiswürfeln serviert, was ich natürlich mit einer Prise Humor nahm. Im Anschluss ging unsere kleine Familie noch eine Runde shoppen. Ich gönnte mir außerdem noch einen großen Eisbecher.

Einen Tag danach ging ich Tischtennis spielen. In letzter Zeit konnte ich leider nicht oft am Training teilnehmen, doch verlernt habe ich offenbar nichts – ich war gut in Form. Hinterher picknickten Haojing, Heji und ich im Park. Unglücklicherweise mussten wir uns beeilen. Je dunkler es wurde, desto mehr blutlüsterne Moskitos tauchten auf. Ich bin sowieso völlig zerstochen, doch unseren Kleinen wollen wir gerne schützen so gut es geht. Momentan experimentiere ich beim Kochen relativ häufig. Ich möchte sämtliche Lebensmittelvorräte verbrauchen, damit wir nichts wegschmeißen müssen. Dieser Tage kreierte ich eine Eier-Käse-Pizza mit Tomatensoße.

Liebe Grüße,

Benjamin

Bei uns ist wieder alles in Ordnung!

Hallo,

nach einigen besonders anstrengenden Wochen hat sich unsere Lage wieder entspannt, weswegen ich mich heute endlich mit einem Beitrag melde. Ich möchte hier nicht näher auf diese Phase eingehen. Es sei aber gesagt, dass es unserer kleinen Familie die ganze Zeit über gut ging. In der Zwischenzeit ist natürlich viel passiert. Es fällt mir allerdings schwer, einen guten Anfang zu finden. Unser Flug nach Deutschland ist nach wie vor für den 3. August terminiert. Folglich ist nicht mehr viel Zeit für sämtliche Vorbereitungen übrig. Unser Sohn wurde überraschend schnell mit einer Ausreiseerlaubnis und einem vorläufigen deutschen Reisepass ausgestattet.

Was bis heute noch fehlt, ist Haojings Visum, das wir Ende Mai in Shanghai beantragt haben. Ohne Visum darf meine Frau nicht nach Deutschland einreisen. Aus dem Grund wurden wir aktiv und kontaktierten sowohl Botschaft als auch Ausländerbehörde (in Deutschland). Unglücklicherweise gestaltete es sich nicht gerade als einfach, jemanden bei der Behörde zu erreichen. Erst am vierten Tag hatten wir die zuständige Dame am Telefon – und auch nur, weil es meine Familie vor Ort ständig versucht hat. Offenbar lag Haojings Antrag bereits für längere Zeit unbearbeitet auf dem berüchtigten Stapel. Deutsche Bürokratie ist schlicht und ergreifend unfassbar langsam.

Jedenfalls wurde der Antrag inzwischen bearbeitet und die notwendigen Papiere sind auf dem Weg nach Shanghai, wo die Botschaft das Visum letztendlich ausstellen wird. Ich denke, dass das zeitlich passen sollte. Immerhin sind es noch über drei Wochen, bis der Flieger abhebt. Wir müssen jedoch noch einen negativen Covid-19-Test vorweisen, um einsteigen zu dürfen. Das halte ich zwar für unnötig und albern, doch zumindest mache ich mir an dieser Front keine Sorgen. Da wir unmöglich unser ganzes Hab und Gut mit uns führen können, haben wir schon damit begonnen, große Pakete zu befüllen und nach Deutschland zu versenden.

Beim Inhalt handelt es sich hauptsächlich um Kleidung. Selbstverständlich nehmen wir nicht alles mit in die alte und neue Heimat. Einige Sachen werden wir auch in unserem Haus in Chibi lassen. Zu diesem Zweck werden Haojings Bruder und (leider auch ihre) Mutter kurz vor unserer Abreise mit dem Auto zu uns fahren, um ein paar Gegenstände, die man besser nicht per Post verschicken sollte, abzuholen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Schwiegermutter nochmal einen Anlauf starten wird, Haojing vom Verbleib ich China zu überzeugen. Dabei wird sie sicher auch nicht vor emotionaler Erpressung haltmachen, was mir jetzt schon Kopfzerbrechen bereitet.

Möglicherweise denke ich zu viel über ungelegte Eier nach – es ist noch Zukunftsmusik. Dinge, die in der Vergangenheit liegen, sind da handfester. Herumgekommen sind wir viel. Unter anderem besuchten wir erneut Shanghai und waren ebenfalls in Yancheng. Großartig Urlaub konnten wir selbstredend nicht machen, aber wir hatten definitiv ein paar schöne Abende. Mittlerweile ist es für uns überhaupt kein Problem mehr, mit dem Kleinen auswärts essen zu gehen. Es ist zwar angenehmer, wenn man ungestört essen kann, doch mit Teamwork kommt man trotzdem gut über die Runden. Deshalb konnten wir in letzter Zeit unter anderem Sushi und Pizza essen.

Es gab aber auch Offizielleres. Zum Beispiel waren wir zum Erntedankfest abends zum Essen in einem Hotel eingeladen. Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, weiß, dass in China wegen der höheren Temperaturen zweimal im Jahr Erntezeit angesagt ist. Dabei wurde vor allen Beteiligten verkündet, dass Haojing bald aus dem Projekt ausscheiden wird und wir im August wieder nach Deutschland gehen werden. Daraufhin wurden wir von zahlreichen Gästen auf unsere Pläne angesprochen. Man wünschte uns viel Glück für die Zukunft. Anstoßen musste ich auch mehrere Male, doch es blieb schlussendlich nur bei einer moderaten Menge Bier.

Liebe Grüße,

Benjamin

Sendepause!

Hallo,

es tut mir sehr leid, doch aufgrund einer schwierigen privaten Situation, die mit jeder Menge Aufwand und Stress verbunden ist, werden in nächster Zeit keine neuen Beiträge erscheinen. Ich kann nicht sagen, wie lang diese Sendepause andauern wird. Vielleicht zwei Wochen, womöglich auch drei oder vier. Ich werde mich definitiv wieder hier auf meinem Blog melden, sobald sich unsere Lage wieder entspannt hat. Es sollte sich aber niemand allzu große Sorgen um uns machen. Erreichbar bin ich nach wie vor am besten über Skype, WeChat oder einfach über das Kontaktformular. Vielen Dank!

LG,

Benjamin