Endlich habe ich zu Hause meine Ruhe!

Hallo,

mit dem zurückliegenden Beitrag meldete ich mich direkt aus Chibi, wo wir einerseits meine Schwiegermutter absetzen und andererseits Hejis chinesischen Pass beantragen mussten. Deshalb möchte ich nun an derselben Stelle beginnen, an der ich letztes Mal aufgehört habe. Dienstagabend sind Haojings Bruder und ich zusammen ausgegangen. Er spricht relativ schlechtes Englisch, aber zur Kommunikation reicht es allemal aus. Ursprünglich wollten wir in einen Barbecue-Laden gehen, doch während der Autofahrt erwähnte er, dass er das eigentlich gar nicht so gerne äße. Daraufhin erwiderte ich, dass er sich ein anderes Restaurant aussuchen solle.

Schlussendlich landeten wir in einem relativ teuren Restaurant für Meeresfrüchte. Mein Schwager orderte eine gewaltige Menge und kaufte außerdem viel zu viel ausländisches Bier in einem Supermarkt. Als das Essen schließlich kam, nahm er sich quasi gar nichts. Er hatte alles für mich gekauft. Auf meine verwunderte Rückfrage antwortete er, dass er Meeresfrüchte eigentlich gar nicht so gerne äße – also akkurat dasselbe wie vorher im Auto. Der Kerl ist wirklich verrückt. Immerhin kamen noch zwei Freunde vorbei, die ein klein wenig gegessen beziehungsweise getrunken haben. Dennoch war die Situation für mich durch und durch unangenehm.

Wenn man zusammen ausgeht, geht es mir nicht darum, möglichst viel vom Gegenüber spendiert zu bekommen. Es geht mir darum, eine Sache gemeinsam zu tun. Aus seiner Perspektive hat er natürlich etwas äußerst Großzügiges gemacht. Er ist in ein gehobenes Restaurant gegangen, hat jede Menge Essen bestellt, das er sich eigentlich nicht leisten kann, und am Ende isst er nicht einmal mit. Chinesen sind echt ein komisches Volk. Am Folgetag gab es noch ein Mittagessen mit der Familie, an dem ich sogar komplett um Alkoholkonsum herumkam. Der Abschied von meiner Schwiegermutter fiel zum Glück unspektakulär aus. Es liefen lediglich ein paar Tränen.

Am Donnerstagmorgen fuhren wir mit dem Schnellzug von Chibi nach Shanghai. Dabei mussten wir in Wuhan umsteigen. Auf dem Bahnhof trafen wir noch Haojings reichen Bekannten, der wiedermal über seine Geschäftsideen für Europa reden wollte. Da wir bald nach Deutschland zurückkehren werden, könnten seine Pläne zeitnah in die heiße Phase übergehen. Für die Zugfahrt von Wuhan nach Shanghai hatten wir Businessclass gebucht. Die Sitze waren phänomenal. Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Nach gut vier Stunden erreichten wir Shanghai, was in Anbetracht der Entfernung (als führe man von Nord- nach Süddeutschland) wirklich sehr schnell ist.

In Shanghai bezogen wir ein unheimlich luxuriöses Hotel, das sich nahe der deutschen Botschaft befand. Da wir nur zwei Nächte einplanten, wollten wir uns etwas Gehobenes leisten. 350 Euro pro Nacht sind für uns auch in China eine echte Hausnummer. Dafür bekamen wir ein riesiges Zimmer mit erstklassiger Aussicht auf die Wolkenkratzer der Stadt. Überdies konnten wir in einer Sky-Bar frühstücken. Im Hotel waren selbstredend mehrere Restaurants untergebracht, deren Preise ebenfalls oberhalb unserer gewohnten Verhältnisse lagen. Trotzdem nutzten wir die Gelegenheit und gingen an einem Abend für umgerechnet etwa 160 Euro essen.

Haojings Termin bei der Botschaft verlief nach Plan. Ihr Antrag wird bearbeitet und ist hoffentlich zeitig fertig. Dieses Mal verließ ich Shanghai mit leicht reumütigen Gefühlen. Wir waren in einer der tollsten Städte der Welt und konnten das Hotel kaum verlassen. Für ein Kind muss man einiges opfern. Immerhin werden wir in zwei Wochen nochmal nach Shanghai reisen, um Hejis deutsche Papiere zu beantragen. Der Schnellzug zurück in unsere Heimat fuhr direkt nach Binhai, wo sich der nächste Bahnhof befindet. Dieser benötigte dafür lediglich drei Stunden. Zirka 30 Minuten später waren wir schließlich zu Hause, wo ich nun endlich meine Ruhe habe.

Liebe Grüße,

Benjamin

Die erste große Reise zu dritt!

Hallo,

seit meinem letzten Beitrag, in dem es hauptsächlich um meinen Geburtstag ging, ist verhältnismäßig viel geschehen. Eigentlich kann ich momentan kaum Zeit in meinen Blog investieren, doch wenn ich bis nächste Woche warten würde, müsste ich viel zu viele Infos in einen Beitrag unterbringen. Natürlich möchte ich auch meine Leserschaft nicht hängen lassen und mich mindestens einmal pro Woche melden. Am Donnerstag haben wir ein paar von Haojings Freunden und Kollegen zum Abendessen eingeladen, um uns für die Unterstützung während der Schwangerschaft zu bedanken. Der Abend war wirklich schön.

Ebenfalls teilgenommen haben die beiden Deutschen, die nur zwei Tage zuvor aus ihrer vierwöchigen Quarantäne entlassen wurden. Ich konnte mich also endlich wieder ein wenig in meiner Muttersprache unterhalten, was ich wirklich vermisst hatte. Weil ich sozusagen Gastgeber war, musste ich mit jedem der Anwesenden anstoßen und einen Schluck Reisschnaps trinken. Dementsprechend angetrunken war ich, als wir hinterher noch in die Karaokebar gingen. Immerhin singt es sich dann wesentlich leichter. Leider konnten wir nicht allzu lange bleiben, weil die Babysitterin nicht bis spät in die Nacht Zeit hatte und nach Hause musste.

Einen Tag später luden wir erneut ein – diesmal aber zum Mittagessen in kleinerer Runde. Dabei waren die Leute, die uns beim Umgang mit dem Baby aushelfen. Um Alkohol kam ich unglücklicherweise wieder nicht herum, aber es blieb nur beim Bier. Der Samstag war unbeschreiblich stressig. Wir mussten sämtliche Vorbereitungen für unsere Reise nach Chibi treffen. In Haojings Heimatort mussten wir Papierkram für Hejis chinesischen Pass erledigen. Außerdem nutzten wir die Gelegenheit, um endlich meine Schwiegermutter loszuwerden. Ich bin heilfroh, dass wir diesen Menschen bald (wahrscheinlich) länger nicht zu Gesicht bekommen werden.

Zurzeit befinden wir uns noch in Chibi, weswegen ich nicht mit Bestimmtheit weiß, wie sie reagieren wird, sobald sie sich von ihrem Enkelkind verabschieden muss. Ich hoffe sehr, dass es kein Drama geben wird. Die Zugfahrt dauerte fast acht Stunden. Heji war sehr brav und schlief die meiste Zeit. Als wir ankamen war es überraschend kühl und es regnete. Wir nahmen uns einen Leihwagen unmittelbar am Bahnhof, um hier möglichst flexibel sein zu können. Am Abend unserer Ankunft wurden wir selbstverständlich von Haojings Onkeln zum Abendessen eingeladen. Deshalb musste ich erneut eine nicht zu vernachlässigende Menge Schnaps trinken.

Dementsprechend verkatert fühlte ich mich am Montag. Viel geschlafen hatte ich auch nicht. Es ist wirklich nicht angenehm in dieser heruntergekommenen sowie versifften Wohnung auf engstem Raum zu wohnen. Wenn dann auch noch ein Säugling vor Ort ist, kann das enge chinesische Familienleben schon mal ziemlich nervenaufreibend sein. Jedes Mal, wenn Heji in der Nacht schrie, kam meine Schwiegermutter ins Zimmer. Bis zum Donnerstag werden wir das schon noch durchhalten. Dann werden wir nämlich mit Kind und Kegel nach Shanghai aufbrechen, um einen Termin für Haojings Visum bei der deutschen Botschaft wahrzunehmen.

Jedenfalls erledigten wir bereits am ersten Werktag sämtliche Angelegenheiten, für die wir nach Chibi reisen mussten. Wir waren bei der Polizei und bei der Ausländerbehörde. Darüber hinaus fuhren wir in das kleine Bergdorf, in dem Haojing aufgewachsen ist, um unser Haus zu besichtigen. Schließlich zeigte uns Haojings Bruder noch seine Plantage. Heji ist sehr beliebt. Egal wo wir gerade sind, es kommen immer viele Leute zu uns, um ihn anzuschauen. Außerdem denkt jeder, es wäre zu kalt für ihn. Wir bekamen bereits Socken von einer fremden Person geschenkt. Dabei ist es in Hubei momentan deutlich über 30 Grad Celsius.

Liebe Grüße,

Benjamin

Zum dritten Mal Geburtstag in China!

Hallo,

wie es der Titel des heutigen Beitrags verrät, habe ich bereits meinen dritten Geburtstag in China gefeiert. Am Dienstag erreichte ich das stattliche Alter von 32 Jahren. Um bei der aus chronologischer Sicht zutreffenden Reihenfolge zu bleiben, gehe ich erst später detailliert auf meinen persönlichen Feiertag ein. Allerdings ist in der zurückliegenden Woche nicht allzu viel passiert. Sicher bin ich mir, dass meine Leser sehr interessiert an der gegenwärtigen Schwiegermutter-Situation sind. Deshalb gebe ich an dieser Front erstmal ein Update: Bislang ist es nicht wieder zum Super-GAU gekommen. Sie hat uns also nicht nochmal nachts belästigt.

Allerdings musste sie am zurückliegenden Sonntag ihre Wohnung räumen, weil wieder deutsche Experten nach Dayou gereist sind. Wer glaubt, dass sie jetzt bei uns wohnt, der liegt genau richtig. Nun hält sie sich nicht nur tagsüber, sondern auch nachts bei uns auf. Zum Glück müssen wir nur noch bis nächsten Sonntag durchhalten. Dann werden wir mit dem Zug nach Chibi reisen und sie zu Hause abgeben. Ich hoffe inständig, dass sie sich nicht weigern wird. In Chibi müssen Haojing und ich ein wenig Papierkram für Heji erledigen. Dass für die Ausreise unseres Sohns jede Menge Papierkram notwendig ist, kann sich bestimmt jeder denken.

Vor einigen Tagen waren Haojing und ich zum ersten Mal zusammen mit unserem Kind spazieren. Draußen war es sonnig und warm. Unser Kleiner war ziemlich brav. Zweimal mussten wir ihn auf den Arm nehmen, weil er unruhig wurde und schrie. Für mich ist es natürlich kein Problem, Heji eine Weile zu tragen. Darüber hinaus besuchten wir einen Fotografen, um seine ersten Passbilder zu schießen. Damit unser Sohn in Deutschland einreisen darf, braucht er einen Kinderreisepass, den wir bei der Botschaft in Shanghai beantragen müssen. Die Bilder sind sehr hübsch geworden. Ich hoffe, dass sie akzeptiert werden. Bei Passfotos sind Deutsche leider sehr kleinlich.

Am 18. Mai war mein Geburtstag. Zuvor hatte ich schon meinen 30. und 31. Geburtstag in China gefeiert. Dabei war der Ablauf jedes Mal recht ähnlich. Haojing weckte mich morgens mit Kaffee und weichen Brötchen auf. Da ich zumeist keine Getreideprodukte esse, ist das für mich etwas Besonderes. An meinem Geburtstag möchte ich auch mal etwas verspeisen, das ich für äußerst ungesund halte, einfach weil es mir schmeckt. Aus selbigem Grund wollte ich mittags Pizza essen. Da wir inzwischen zu dritt sind, konnten wir Dayou leider nicht verlassen. Demzufolge musste ich mich mit einer Pizza aus einem ortsansässigen Laden zufriedengeben.

In vollem Wissen darüber, dass die Pizza nicht authentisch schmecken würde, bestellte ich mir eine Bacon-Pizza, deren Bild auf der Speisekarte gar nicht mal schlecht aussah. Selbstredend bin ich China-erfahren genug, um zu wissen, dass das Essen hierzulande in den seltensten Fällen so aussieht wie auf der Karte dargestellt. Oft gibt es nicht mal eine Ähnlichkeit. Doch von dieser Bacon-Pizza war letzten Endes sogar ich überrascht. Eigentlich reicht es aus, die Bilder für sich sprechenzulassen. Falls es sich jemand fragt: Ja, das sind Ketchup und Mayo. Die Pizza schmeckte ganz fürchterlich, doch das nahm ich mit Humor. Ich bin um eine lustige Geschichte reicher.

Am Abend ging ich Tischtennis spielen. Ich nahm ein paar Bier mit ins Training und verteilte sie unter den Leuten. Im Anschluss luden sie mich zum Abendessen ein. Dort gab es typisch chinesisches Essen und natürlich Alkohol in Form von Bier und Schnaps. Ich trank lediglich eine moderate Menge, um später nicht sturzbesoffen zu Frau und Kind zurückzukommen. Wie ich vorhin bereits erwähnte, sind inzwischen wieder zwei Deutsche vor Ort. Treffen konnte ich die beiden bislang nicht. Haojings Vorgesetzten kenne ich allerdings schon. Ich bin glücklich darüber, mich demnächst mal wieder mit meinen Landsleuten unterhalten zu können.

Liebe Grüße,

Benjamin

Zum Milch trinken verdammt!

Hallo,

unsere Situation hat sich seit letzter Woche nicht verändert. In der Wohnung herrscht immer noch ein rastloses Kommen und Gehen. Zu den Gästen gehören nicht nur meine Schwiegermutter, die Haushaltshilfe oder unsere Freundin Mingmin. Es kommen auch regelmäßig Bekannte und Arbeitskollegen meiner Frau vorbei, um das Baby zu sehen. Dabei wird keine Rücksicht auf unser Kind genommen. Selbst wenn Heji gerade schläft, reißen die Leute die Schlafzimmertür auf und stürmen hinein, um ihn zu sehen oder in den Armen zu halten. Das ist wieder eine dieser kulturellen Unterschiede, mit denen ich nur schwerlich zurechtkomme.

Immerhin hinterlassen die Besucher Geschenke. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Milch. Da ich der Einzige in unserer kleinen Familie bin, der handelsübliche Kuhmilch trinkt, habe ich noch einiges vor mir. Immerhin ist Milch eine hervorragende Grundlage für einen Proteinshake, den ich mir sowieso regelmäßig mixe. Leider trinken Chinesen gerne süße Getränke, weswegen auch einige der Milchpackungen gezuckert sind. Die werde ich garantiert nicht trinken. Ich gehe davon aus, dass wir sie Mingmin geben werden. Sie ist Chinesin, mag also zwangsläufig gezuckerte Getränke. Vielleicht möchte meine Schwiegermutter auch ein paar Packungen.

Apropos Schwiegermutter: Dass sich die Frau übertrieben in unseren Umgang mit Heji einmischt, hatte ich bereits in meinem letzten Beitrag geschrieben. Nun hat sie jedoch eine rote Linie überschritten. Und zwar kam sie um 1:00 Uhr nachts einfach in unsere Wohnung, weil sie bei ihrem Enkelkind sein wollte. Als sie merkte, dass ich noch wach war, ging sie wieder. Um 3:00 – inzwischen hatte Haojing ihren Schichtdienst – kam sie nochmal und legte sich auf das Sofa neben das Babybett. Am nächsten Tag ließen wir sie wissen, dass sie auf gar keinen Fall nachts unaufgefordert in unsere Wohnung kommen darf und dass wir die Tür von nun an absperren würden.

In der darauffolgenden Nacht kam sie trotzdem nochmal. Als sie bemerkte, dass die Tür wirklich abgeschlossen war, rief sie Haojing an. Meine Frau ließ sie schließlich wieder in unsere Wohnung, worüber ich ganz und gar nicht erfreut war. Am Folgetag haben wir ihr nochmal unmissverständlich klargemacht, dass sie nachts nicht einfach so in unsere Wohnung kommen darf. Ich bin gespannt, wie die Geschichte weitergeht. Ich sehe hier großes Konfliktpotenzial, denn ich werde an dieser Stelle definitiv nicht kleinbeigeben. Und wenn es sein muss, bleibe ich die gesamte Nacht wach, um dafür zu sorgen, dass sie nicht reingelassen wird.

Es gibt noch viele andere nervige Dinge, doch die hebe ich mir für zukünftige Beiträge auf. Ich will noch ein kurzes Update hinsichtlich unserer Rückreise nach Deutschland geben. Haojings Visum sollte kein Problem werden. Auch für Heji haben wir bereits alle Papiere zusammen, aber die Zeit bis zum Abflug am dritten August könnte tatsächlich zu knapp sein. Damit seine chinesische Geburtsurkunde von den deutschen Behörden anerkannt wird, muss sie zunächst beglaubigt, danach überbeglaubigt und schließlich legalisiert werden. Der Prozess dauert ungefähr einen Monat. Erst danach können wir die nötigen Anträge bei der Botschaft einreichen.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es also nicht unwahrscheinlich, dass wir unseren Flug verschieben müssen. Letzten Samstag fuhren wir für die Beglaubigung nach Xiangshui. Währenddessen passte die Haushaltshilfe auf unser Baby auf. Die Gelegenheit nutzten wir, um gemeinsam beim altbekannten japanischen Restaurant zu Mittag zu essen. Im Anschluss bekam ich meine zweite Covid-19-Impfung – und Haojing ihre erste. Bei mir kam es zu keinerlei Beeinträchtigungen, während meine Frau am Sonntag von leichten grippeähnlichen Symptomen geplagt wurde. Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten, außer dass die Zeit nach wie vor fliegt.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich melde mich zurück!

Hallo,

Haojing und ich sind zusammen mit unserem Baby nach fünf Tagen in der Klinik nach Hause gefahren. Mit dem Kleinen läuft es gut. Natürlich richtet sich unser Tagesablauf rund um unser Kind. Besonders viel Arbeit ist allerdings nicht hinzugekommen. Sobald man die Basics beherrscht, ist eigentlich alles in Ordnung. Auszehrend ist vielmehr die ständige Bereitschaft. Das Gefühl, sich fallen lassen und entspannen zu können, fehlt irgendwie. Wer selber Kinder hat, weiß mit Sicherheit genau, wovon ich spreche. Meine Schwiegermutter, die sich leider immer noch bei uns aufhält, empfinde ich als deutlich belastender als das Baby.

Letzte Woche war mein Schwiegervater bei uns. Selbstverständlich wollte er sein erstes Enkelkind sehen, doch der Zweck seines Besuchs war eigentlich, seine (blinde) Ehefrau wieder nach Hause zu bringen. Außerdem sollte er sich um den Transfer unserer Möbel von Dayou nach Chibi kümmern. Wie es in China üblich ist, verlief die Sache nicht nach Plan. Der Fahrer des Kleinlasters kam einfach zwei Tage zu früh und wollte auch direkt losfahren. Deswegen hatten wir ziemlich großen Zeitdruck, um alles im Ladebereich zu verstauen. Haojings Mutter hatte keine Lust darauf, zwei Tage zu früh abzureisen und entschied sich dazu, bei uns zu bleiben.

Wir sind uns sicher, dass das nur ein Vorwand war. Sie will gerne länger bei uns bleiben, weil sie das Gefühl hat, wir könnten uns nicht richtig um unser Kind kümmern. Sie hat einen schwierigen Charakter, weswegen hier jede Menge Konfliktpotenzial herrscht. Ich gehe ihr so gut es geht aus dem Weg. Hierzu muss man wissen, dass unter Privatsphäre in China etwas anderes verstanden wird als in Deutschland. Bei uns ist ständig Tag der offenen Tür, was mir arg zu schaffen macht. Ich hatte sehr darauf gehofft, dass sich das nach der Geburt verbessert, aber es ist eher schlimmer geworden. Ich vermisse Zeit, die ich mit mir alleine verbringe.

Wenn ich morgens gegen halb zehn aufstehe, ist meine Schwiegermutter bereits bei uns. Nicht mal meinen Kaffee kann in Ruhe genießen, weil sie ständig irgendetwas will. Das Mittagessen gibt es auch viel früher als mir lieb ist. Im Anschluss gehe ich spazieren und mache den Lebensmitteleinkauf, woran ich mich sehr erfreue. Gegen 14 Uhr kommt für etwa drei Stunden eine Haushaltshilfe vorbei, die auch ein Auge auf unseren Sohn wirft, während ich arbeite. Abends kümmere ich mich um unser Kind, bis ich nachts um zwei Uhr meinen „Bereitschaftsdienst“ beende und schlafen gehe. Dann übernimmt Haojing, die vorher für ein paar Stunden schlafen konnte.

Die Tage vor dem großen Ereignis haben Haojing und ich noch richtig ausgekostet. Wir fuhren nach Xiangshui, wo wir nach einem kleinen Einkaufsbummel in ein koreanisches Restaurant essen gingen. Dort gab es sogar Flensburger. Leider handelte es sich dabei nur um das Weizenbier, wofür die Brauerei nicht gerade berühmt ist. Trotzdem war ich positiv überrascht und gönnte mir drei Flaschen. Das Essen war auch sehr schmackhaft. Wir mussten es nicht einmal selber auflegen. Das Grillen übernahm unsere Bedienung, was in China nicht unnormal ist. Hierzulande bekommt man als zahlender Kunde in der Regel ganz hervorragenden Service.

Überdies waren wir in Binhai, wo wir eine ganz besondere Dienstleistung in Anspruch nahmen. In einem zwielichtigen Etablissement, in dem unter anderem Massagen (und wahrscheinlich auch andere Dinge) angeboten werden, buchten wir eine Ohrreinigung. Ich empfand diese Prozedur als äußerst unangenehm und werde das nicht noch einmal machen. Danach aßen wir Feuertopf in einem chinesischen Restaurant. Eigentlich bin ich kein großer Fan von Feuertopf – meine liebe Frau hingegen schon. Wenige Stunden später war es schließlich so weit. Haojing weckte mich gegen fünf Uhr morgens auf und wir fuhren zur Geburtsklinik.

Liebe Grüße,

Benjamin

Unser Baby ist da!

Hallo,

am Montag, den 19. April 2021, wurde unser Baby geboren. Es ist ein 50 Zentimeter langer, 4,1 Kilogramm schwerer Junge, der den chinesischen Namen Heji bekommen hat. Wie wir ihn in Deutschland nennen werden, wissen wir noch nicht genau. Details oder Babybilder werde ich auf meinem Blog nicht veröffentlichen. Wer mehr über die zurückliegenden, sehr anstrengenden Tage erfahren will, kann sich gerne persönlich an mich wenden. Haojing und dem Kleinen geht es gut. Einen Beitrag in voller Länge wird es erst wieder nächste Woche geben, denn im Moment habe ich aus nachvollziehbaren Gründen Wichtigeres zu tun.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich hatte Pizza!

Hallo,

am Freitag war die letzte Untersuchung in dem Geburtshaus, wo uns mitgeteilt wurde, dass das Kind in den nächsten drei bis fünf Tagen kommen würde. Mit dieser These hat sich die Ärztin allem Anschein nach geirrt. Möglicherweise war sie von der beachtlichen Größe unseres Kindes überwältigt, was sie zu dieser Fehleinschätzung veranlasste. Laut ihr ist unser Baby nämlich groß und schwer. Vielleicht unterscheiden sich chinesische Verhältnisse von denen in Europa, aber an dieser Stelle spekuliere ich nur. Indes geht es Mutter und Kind gut. Der Geburtsprozess hat allerdings nicht begonnen, weshalb noch alles beim Alten ist.

Da wir von unserer Wohnung bis zur Klinik knapp eine Stunde Fahrtzeit benötigen und folglich keine Zeit verplempern sollten, haben wir das Auto bereits mit den wichtigsten Gepäckstücken beladen. Neben Kleidung für Nachwuchs, Haojing und meine Wenigkeit gehören hierzu unter anderem Bier, Kindersitz, Technik, Verpflegung oder Wasser. Zur Erinnerung: Nach der Geburt werden wir zu dritt für fünf Tage eine kompakte Suite im Geburtshaus bewohnen. Im Idealfall sollten wir demnach alles dabeihaben, damit ich in dieser Zeit nicht extra nach Hause fahren muss, um etwas für uns abzuholen. Babyfotos wird es auf meinem Blog übrigens keine geben.

Vergangene Woche gingen wir erneut an einem Abend aus, um in trauter Zweisamkeit Barbecue zu essen. Wir suchten uns zum dritten Mal in Folge denselben Laden aus, weil das Fleisch dort schlicht und ergreifend am besten schmeckt. Hierzu muss man wissen, dass die Konkurrenz die Latte auch nicht allzu hochlegt. In Dayou sind gute Restaurants im wahrsten Sinne des Wortes Mangelware. In den nächstgelegenen Städten ist das zum Glück kein Problem. Mittlerweile habe ich ein weiteres Bier gefunden, das man relativ genüsslich trinken kann. Und zwar das aus der Xinjiang-Provinz stammende Wusu-Bier mit einem Alkoholgehalt von vier Prozent.

Neulich überraschte mich meine kauflustige Frau mit neuen Schuhen, die sie für mich im Internet bestellt hatte. Beim ersten Anprobieren passte alles. Als ich sie dann bei einem Spaziergang trug, bekam ich auf halbem Wege unangenehme Schmerzen. Diese wurden so schlimm, dass ich die letzten drei Kilometer ohne Schuhe nach Hause gehen musste. Da in China jede Menge Schutt und Splitter herumliegen, war das gar nicht mal so einfach. An meinen Zehen habe ich nun zwei kleine Blasen. Es bleibt abzuwarten, ob die neuen Schuhe nur noch ein wenig eingelaufen werden oder ihre Existenz im Müll fortsetzen müssen.

Am Samstag erfüllte ich mir einen bereits etwas länger währenden Wunsch, indem ich das nächste Pizza Hut aufsuchte und mir eine Salamipizza bestellte. Hierfür mussten wir lediglich eine halbe Stunde bis nach Binhai fahren. In einem Einkaufszentrum, das an jenem Abend gutbesucht war, ist auch ein Pizza Hut untergebracht. Zwar saßen wir nicht gerade gemütlich, aber das war mir egal. Endlich konnte ich nochmal eine Pizza essen, auch wenn es sich strenggenommen nur um den amerikanischen Abklatsch des Originals handelte. Meine wundervolle Frau zeigte sich wiedermal selbstlos und gesellte sich trotz ausgeprägter Käse-Antipathie hinzu.

Hinterher schlenderten wir noch durch die einzelnen Etagen des Gebäudes. Ich gönnte mir einen Kaffee sowie einen Eisbecher. Natürlich wurde Haojing auch noch fündig. Wir hatten einen wirklich schönen Abend. Sonntags gingen wir nochmal zum Friseur, damit ich den kommenden Nachwuchs nicht mit meiner zotteligen Haarpracht ängstige. Jetzt sind wir perfekt vorbereitet. Am Dienstagabend spielte ich nach über einer Woche Pause nochmal Tischtennis. Diese Auszeit war bitter nötig, weil der Sport – wenn man es ernst meint – die Knie stark belastet. Um auf Nummer sicher zu gehen, spielte ich sozusagen mit angezogener Handbremse.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ostern gibt’s hier nicht – alles normaler Alltag!

Hallo,

ähnlich wie beim letzten Mal haben wir in der zurückliegenden Woche nicht allzu viel Neues erlebt. Gewiss versteht sich von selbst, dass unser Alltag trotzdem zunehmend schwieriger wird. Das betrifft natürlich vor allem Haojing. Immerhin hat sie den dicken Baby-Bauch, während ich nur ein wenig Nervosität mit mir tragen muss. Die Geburt wird in einer privaten Klinik in Xiangshui stattfinden. Stichtag ist der 21. April. Ob es ein Junge oder ein Mädchen wird, wissen wir noch nicht. In China ist es den Ärzten untersagt, die werdenden Eltern über das Geschlecht ihres Kindes aufzuklären. Grund für dieses Verbot ist ein Frauenmangel im Reich der Mitte.

Jener wurde durch die jahrelange Ein-Kind-Politik in Verbindung mit kulturelleren Gepflogenheiten und Armut verursacht. Da es hierzulande kein soziales Sicherheitsnetz gab, baute man hinsichtlich Altersvorsorge maßgeblich auf die eigene Familie. Nach der Hochzeit ging und geht die Braut auch heute noch offiziell in die Familie des Mannes über. Weil man nur ein einziges Kind bekommen durfte, wollten Eltern unbedingt einen männlichen Nachkommen. Folglich kam es zu einer Reihe von Abtreibungen, um im Alter nicht alleine über die Runden kommen zu müssen. Glücklicherweise hat sich die Situation inzwischen verbessert.

Haojing und ich gehen nach wie vor täglich gemeinsam spazieren. Für sie ist das aus nachvollziehbaren Gründen gar nicht mal so einfach, weswegen ich recht stolz auf sie bin. Das Wetter wird immer besser. Gelegentlich sind zwar ein paar regnerische Tage dabei, doch meistens ist es sonnig und warm. Ich bin bereits ziemlich braun geworden. Um uns herum erwacht die Natur regelrecht. Der Weizen wächst ruck-zuck, die Bäume ergrünen und blühen in bunten Farben. Das lässt die eigentlich hässliche Landschaft für einen kurzen Moment schöner erscheinen als sie in Wirklichkeit ist. Man muss sich halt immer den Schutt wegdenken, der überall herumliegt.

Für letzten Samstag lud uns der Massagemann des Todes zum Mittagessen zu sich nach Hause ein. In China ist es normal, dass man sich in regelmäßigen Abständen zum Essen einlädt, auch wenn man nicht wirklich miteinander befreundet ist. Deshalb nahmen wir die Einladung dankend ein. Als wir nach kurzer Odyssee endlich am Ort des Geschehens ankamen, war er noch am Kochen. Währenddessen schauten wir uns in seinem Haus um. Dieses steht in einem älteren Wohngebiet von Dayouzhen und ist dementsprechend im traditionellen Stil aufgebaut. Es ist sozusagen zwergenhaft klein und besteht aus zwei Hälften mit einem Innenhof.

Im Eingangsbereich befinden sich sowohl Küche als auch Esszimmer. Überquert man den Innenhof, kommt man in den Teil mit dem Schlaf- und Wohnzimmer. Das Bad ist zwar am Eingangsbereich angebaut, aber ebenfalls nur über den Innenhof betretbar. Ich war der Hauptgast des Essens. Allerdings hatte der Massagemann des Todes auch einige Bekannte eingeladen. Dass wiedermal jede Menge hochprozentiger Schnaps getrunken wurde, brauche ich wohl nicht gesondert zu erwähnen, aber der Vollständigkeit halber tue ich es trotzdem. Diesmal ließ ich mir nicht mehr als ein 100-Milliliter-Glas mitsamt kleinem Extraschluck aufschwatzen.

Am Nachmittag bekamen wir unerwarteten Besuch. Haojings geschiedene Freundin Jiaojiao hatte ein erstes Date, das ihre Mutter für sie organisiert hatte. In China sind arrangierte Ehen immer noch häufig, auch wenn sich der Zeitgeist langsam ändert. Gemeinsam tranken wir Kaffee und aßen Kuchen. Im Verlauf des Wochenendes ließ ich noch ein paar Gürtel kürzen. Ich war überrascht, wie einfach das geht. Beim nächsten Mal mache ich das selbst. Darüber hinaus reinigte ich den geliehenen Kinderwagen und ich spielte an mehreren Abenden Tischtennis. In letzter Zeit spiele ich zu viel – ich habe Schmerzen in den Knien.

Liebe Grüße,

Benjamin

Schon wieder ist eine Woche vorbei!

Hallo,

diesmal ist nicht allzu viel Berichtenswertes geschehen, doch von ein paar Dingen mag ich trotzdem erzählen. Im Verlauf der letzten Woche gingen wir erneut nach Feierabend aus, um gemeinsam Barbecue zu essen. Wir entschieden uns für denselben Laden wie in der Vorwoche. Überdies kaufte ich mir auch zwei Flaschen desselben Biers. Da es in den letzten Tagen einen gewissen Temperaturanstieg gegeben hat, musste ich das Bier ein bisschen wärmer genießen als mir lieb war. Weil es beim letzten Mal so gut schmeckte, wollten wir diesmal mehr Fleisch. Dementsprechend üppig viel die Bestellung aus, die wir letztendlich aufgaben.

In einem chinesischen Barbecue-Laden sucht man sich zunächst sein Essen aus, das in einer gläsernen Vitrine unter hygienischen Bedingungen, die in Deutschland undenkbar wären, ausliegt. Hinterher gibt man die rohe Kost in der Küche ab, wo sie mit pikanten Gewürzen veredelt und auf offener Flamme gegrillt werden. Es schmeckte wiedermal fantastisch. Mit der Menge hatten wir jedoch tatsächlich übertrieben. Der Donnerstag war leider nicht besonders angenehm für meinen Verdauungstrakt. Hier spielte mir das Gemisch aus einem monumentalen Fleischberg, scharfen Gewürzen und einer nicht zu vernachlässigenden Menge Bier übel mit.

Vielleicht sollte ich mir die kulinarischen Eskapaden für die Wochenenden aufbewahren und von Montag bis Freitag vor allem das Bier vollständig weglassen. Immerhin bin ich immer noch um einen gesunden Lebensstil bemüht. An dieser Stelle versuche ich aber, einen gewissen Kompromiss zu finden, was aktuell relativ gut zu funktionieren scheint. Mein momentanes Gewicht halte ich bereits seit Monaten und dabei habe ich sicherlich Muskelmasse aufgebaut. Das möchte ich am liebsten genauso fortsetzen, bis wir wieder final zurück nach Deutschland kommen. Und auch dort möchte ich meinen mehr oder weniger aktiven Lebensstil beibehalten.

An den zurückliegenden Samstagen waren Haojing und ich regelmäßig im Restaurant essen. Das haben wir am letzten Samstag auch gemacht, doch diesmal waren wir nicht alleine. Es wäre unhöflich, jedes Mal auszugehen und die anderen außenvorzulassen. Damit sind meine Schwiegermutter und die beiden Freundinnen meiner Frau gemeint, die uns zurzeit unterstützen. Leider fiel somit jegliche Form der internationalen Küche weg. Chinesen mögen bekanntlich nur chinesisches Essen und sind der Meinung, dass die chinesische Küche bereits alles abdeckt, was auf irgendeine erdenkliche Art und Weise schmackhaft ist.

Schließlich konnten wir uns auf ein kantonesisches Restaurant einigen, also immerhin auf nicht ganz so alltägliches chinesisches Essen. Hierbei handelte es sich eigentlich um eine Hotelküche, die abends für jedermann geöffnet ist. Das Hotel machte einen recht noblen Eindruck, das Restaurant respektive dessen Preisniveau ebenfalls. Selbstredend waren die Gerichte sehr typisch für China. Sie unterschieden sich nur in Nuancen vom lokalen Essen. Während in Jiangsu und Hubei schärfer und mit mehr Sojasoße gewürzt wird, scheinen in der kantonesischen Küche Süßsauersoße und generell ein eher milder Geschmack im Fokus zu stehen.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass das Essen in China-Restaurants in Deutschland wohl mehr an das Kantonesische angelehnt ist. Zuletzt waren wir zufrieden, auch wenn wir den Abend lieber zu zweit verbracht hätten. Am Sonntag gingen meine Frau und ich endlich mal wieder zur Fußmassage. Leider hatte der Massagemann des Todes keine Zeit, weswegen wir einen anderen Salon ausprobierten. Mit dem Ergebnis war ich nicht ganz zufrieden, aber das ist mir wirklich nicht besonders wichtig. Zu Hause ist uns dann noch aufgefallen, dass aus unserem Rettich eine stolze Pflanze gewachsen ist. Irgendwie hat uns das gefreut.

Liebe Grüße,

Benjamin

Déjà-vu beim Japaner!

Hallo,

mit meinem heutigen Beitrag habe ich viel zu berichten, weil die zurückliegenden Tage recht ereignisreich waren und ich meinen lieben Lesern nicht allzu viele Informationen vorenthalten möchte. Obwohl wir es uns öfters leisten könnten, gehen Haojing und ich gewöhnlich nur an den Wochenenden auswärts essen. Das liegt einerseits daran, dass meine Frau ganz wunderbar kochen kann und ich ihre Kochkünste unheimlich gerne in Anspruch nehme. Andererseits arbeite ich bis mindestens 20 Uhr und meistens sind wir dann zu faul, um noch am Nachtleben teilzunehmen. Letzte Woche gingen wir dennoch an einem Abend aus.

Natürlich blieben wir dabei in unserem Heimatort, wo unsere Wohnung relativ nah am Ortskern liegt. Zuerst kauften wir für mich ein Bier im Supermarkt und gingen dann zu einem neuen Barbecue-Laden, den wir zuvor noch nie ausprobiert hatten. Da es abends und nachts recht kalt wird und es keine Heizungen gibt, weist das Bier eine angenehme Temperatur auf. Im Sommer ist die Situation eine andere. Getränke werden hierzulande normalerweise nicht kühl gelagert, weswegen Bier leider pisswarm getrunken wird. Das Fleisch im neuen Barbecue-Laden war übrigens sehr gut. Ein bisschen enttäuscht waren wir aber von den Muscheln.

Unter der Woche gingen Haojing und ich selbstverständlich mehrere Male spazieren. Ich absolviere jeden Tag meine 10.000 Schritte, oft auch deutlich mehr. Für mich ist es mittlerweile regelrecht zur Gewohnheit geworden, jeden Tag für zwei Stunden zu gehen. Außerdem spiele ich drei- bis viermal pro Woche für zwei Stunden Tischtennis, was mir wirklich viel Freude bereitet. Weniger Freude habe ich mit meinen Kraftübungen. Seit zwei Jahren mache ich an jedem zweiten Tag Liegestütze. Vor kurzem habe ich damit begonnen, an den freien Zwischentagen Kniebeugen zu machen. Bei dieser Übung fehlt mir allerdings noch die Feinjustierung.

Denn offenbar scheint meine Liegestützleistung unter der neuen Übung zu leiden. Hier stagniere ich seit Wochen bei knapp 40 Liegestütze am Stück. An meine Rekordleistung von 45 ist zurzeit nicht zu denken. Womöglich fehlt mir die nötige Regenerationszeit. Ich werde mein Krafttraining in den kommenden Wochen dementsprechend anpassen. Wie ich in meinem letzten Beitrag bereits erwähnte, habe ich die Möglichkeit, mich in China mit einem klassischen Impfstoff gegen Covid-19 impfen zu lassen. Nach reiflicher Überlegung entschied ich mich für die Impfung. Deshalb fuhren wir letzten Freitag nach Xiangshui zur lokalen Impfstelle.

In China dürfen sich Personen zwischen 18 und 59 Jahren, die weder Vorerkrankungen noch Allergien haben, impfen lassen. Andere Bevölkerungsgruppen sollen dem Risiko eines kaum getesteten Impfstoffs nicht ausgesetzt werden. Die Impfung ist freiwillig und kostenlos. Hierfür benötigt man keinen Termin, sondern geht einfach zum zuständigen Krankenhaus. Bei mir war das Prozedere ein bisschen komplizierter, weil ich Ausländer bin und einen Wohnnachweis vorzeigen sollte. Geld musste ich ebenfalls nicht bezahlen. Nachdem der Papierkram geregelt war, setzte ich mich zu einer Ärztin, welche mir den Sinovac-Impfstoff verabreichte.

Im Anschluss musste ich für den Fall einer allergischen Reaktion eine halbe Stunde in einem Wartezimmer unter ärztlicher Aufsicht verbringen. Danach durfte ich mitsamt Datum für die Zweitimpfung gehen. Nebenwirkungen hatte ich so gut wie keine. Nach der Impfung war ich müde. Ansonsten ist der Muskel, in den die Injektion ging, auch einige Tage später noch ein bisschen verspannt. Ich möchte nochmal klarstellen, dass ich mich nur impfen lasse, weil ich Angst vor einer möglichen Impfpflicht (oder einer anderen Diskriminierung) in Deutschland habe und ich mir auf keinen Fall eines der beiden dort zugelassenen Vakzine geben lassen will.

Am Samstag fuhren Haojing und ich nach Binhai. Dort wollten wir zuerst eine Runde gehen und anschließend ein japanisches Restaurant austesten. So mancher mag sich darüber wundern, dass wir nach dem vorigen Wochenende nochmal japanisch essen gehen wollten, aber das ist uns vollkommen egal. Wir beide lieben die japanische Küche und hatten schlicht und ergreifend nochmal Lust darauf. Das Restaurant war deutlich besser eingerichtet als das in Xiangshui. Auch die hübsch gekleidete Bedienung gefiel mir gut – nicht zuletzt, weil sie sehr an meiner Person interessiert schien. Hierzulande bin ich nun mal ein exotischer Augenschmaus.

Sowohl das Essen als auch das Bier waren jedoch etwas schlechter als beim Japaner in Xiangshui. Nichtsdestotrotz fuhren wir am Ende des Abends voll und hochzufrieden nach Hause. Ich finde es wirklich sehr schade, dass wir früher so selten ausgegangen sind, doch das kann ich jetzt nicht mehr ändern. Im weiteren Verlauf des Wochenendes wusch ich natürlich Babywäsche per Hand und hing sie anschließend zum Trocknen auf. Am Sonntag begleitete mich Mingmin wieder ins Tischtennistraining, um nochmal ein bisschen mit mir zu spielen. Als Abendessen bereitete mir Haojing auf liebevolle Weise eine Platte mit kalten Köstlichkeiten zu.

Liebe Grüße,

Benjamin