Urlaub vorbei – endlich wieder in China!

Hallo,

mein Heimaturlaub, den ich die letzten zweieinhalb Monate absolvierte, ist inzwischen vorbei und ich befinde mich wieder in China. Dass sich die Einreise ins Reich der Mitte momentan nicht besonders einfach gestaltet, kann sich wohl jeder denken. Bevor ich detaillierter von den Reisestrapazen berichte, möchte ich mich noch kurz zu meinem Aufenthalt in Deutschland äußern. Leider habe ich das Land mit recht zwiegespaltenen Gefühlen wieder verlassen. Selbstverständlich habe ich das Wiedersehen mit meiner Familie und meinen Freunden sehr genossen. Das war allerdings nur die eine Seite der berüchtigten Medaille.

Während ich die Corona-Gesetzeslage Ende Oktober noch als mehr oder weniger erträglich empfand, wurden die Einschränkungen im weiteren Urlaubsverlauf ad absordum geführt. Zwar möchte ich meine Meinung hierzu nur beläufig erwähnen, doch der sich ständig ändernde, absolut nicht nachvollziehbare Maßnahmenkatalog und diese gezielte, irrationale Panikmache gingen mir sowas von auf den Sack. Zu Beginn der Pandemie dachte ich noch, die Chinesen wären unorganisiert, doch jetzt bin ich heilfroh, wieder in China zu sein! Was da gerade in Deutschland abläuft, ist für mich schlicht und ergreifend unfassbar.

Dass es aktuell (selbst für chinesische Staatsbürger) nicht einfach ist, in China einzureisen, erwähnte ich bereits. Für einen Ausländer ist es nahezu unmöglich. Glücklicherweise bin ich mit einer Chinesin verheiratet und besitze ein Familienvisum, das noch bis Ende Januar gültig ist. Die meisten anderen Visa werden unabhängig vom Datum nicht mehr akzeptiert. Um einzureisen, benötigte ich also eigentlich nur noch den sogenannten Grünen Code und den sogenannten Roten Code. Ersteren erhält man, wenn man sowohl einen negativen Corona-PCR- als auch einen negativen Corona-IgM-Befund vorweisen kann.

Beide Tests dürfen maximal 48 Stunden vor dem Boarding ausschließlich von speziell hierfür zugelassenen Testeinrichtungen durchgeführt werden. Aus diesem Grund buchte ich bereits vor Wochen für Samstagvormittag einen Termin beim Medical Center des Flughafens Frankfurt. Mit den beiden negativen Befunden erhielt ich über eine eigens hierfür eingerichtete Webseite meinen Grünen Code. Nach einer Übernachtung im Airport Hotel kümmerte ich mich um den Roten Code. Hierfür musste ich lediglich einige Angaben an den chinesischen Zoll senden, der mir den Code schließlich via WeChat bereitsstellte.

Der gesamte Check-in- und Boarding-Prozess war sehr kompliziert, doch natürlich hatte ich ausreichend Zeit eingeplant. Den Flug empfand ich diesmal als recht angenehm, da kaum Langeweile aufkam. Das änderte sich jedoch nach der Landung. Die einzelnen Sitzreihen konnten die Maschine erst nach Aufruf verlassen. Mein Platz befand sich ziemlich weit hinten. Nachdem ich endlich aus dem Flugzeug aussteigen durfte, wurde zunächst mein Roter Code kontrolliert. Danach wurden meine Temperatur gemessen und ein Abstrich für einen PCR-Test gemacht. Im Anschluss ging es zur Passkontrolle – alles perfekt durchorganisiert.

Als ich schließlich mein Aufgabegepäck aufnehmen wollte, fand ich lediglich einen meiner beiden Koffer. Ein anderer Fluggast hatte meinen zweiten Koffer mitgenommen! Man sagte mir, dass sich dieser bereits auf dem Weg zu seinem Quarantäne-Hotel befände. Zum Glück habe ich eine pfiffige Frau. Sie kümmertere sich darum. Dann wurde ich mit einem Bus in mein Hotel gebracht, wo ich nach ein paar Formalien endlich in mein Zimmer durfte. Zum Glück ist es beheizt. Ansonsten ist eigentlich alles in Ordnung. Mein Koffer wurde mir noch amselben Abend vorbeigebracht. Es war ein Traum, endlich ins Bett gehen und schlafen zu können.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich habe es nach Deutschland geschafft!

Hallo,

wie es der Titel vermuten lässt, ist meine Reise nach Deutschland schlussendlich geglückt. Mein Direktflug von Nanjing nach Frankfurt verlief nach Plan. Es kam zu keinerlei Verspätung oder sonstigen Störungen. Jedoch gestaltete sich der „Check-Out“ aus China diesmal noch komplizierter als ohnehin schon. Nachdem ich mein Gepäck am Schalter abgegeben und meinen Boardingpass erhalten hatte, musste ich ein spezielles Formular via WeChat ausfüllen, in dem unter anderem nach meinen Aufenthaltsorten in den letzten zwei Wochen gefragt wurde. Danach wurden meine Angaben geprüft und ich bekam zum Glück eine Ausreiseerlaubnis.

Erst danach ging es zum Zoll, worauf der handelsübliche Security-Check folge. Als ich am Gate ankam, hatte ich noch etwa eine Stunde Zeit bis zum Boarding. Da ich einige Dinge für Haojings Arbeitgeber mitnehmen sollte, wodurch mein Gepäcklimit überschritten wurde, bezahlte dieser mir ein Klassen-Upgrade. Folglich durfte ich „Economy Plus“ fliegen. Die Beinfreiheit war grandios. Normalerweise stoße ich mit meinen Knien gegen die Vordersitze und ein Strecken der Beine ist nur am Gang möglich. Wenn man zwölf Stunden im Flugzeug sitzt, ist das ziemlich unangenehm – man kann schließlich nicht permanent zur Toilette laufen.

Für den Flug hatte ich mir diesmal einige Podcast-Sendungen von CropFM auf mein Handy geladen. Außerdem sah ich mir den Doppelpass vom letzten Sonntag an und löste ein paar Rätsel. Die Zeit verging relativ schnell. In Frankfurt verlief alles reibungslos. Es herrschte wenig Betrieb. Meine Eltern holten mich ab und fuhren mich nach Hause, wo wir am Dienstagabend gegen 23 Uhr ankamen. Dort fand ich einen Brief meines Kreditkarteninstituts. Mir wurde mitgeteilt, dass schon mal einer der beiden abgesagten Juli-Flüge zurückerstattet wird. Es dauert hoffentlich nicht mehr lange, bis ich auch das Geld für den anderen erhalten werde.

Chronologisch passen die oberen Zeilen eigentlich nicht, da ich außerdem noch ein paar Erlebnisse und Bilder aus Nanjing liefern möchte. Dem komme ich nun nach: Am Sonntagvormittag fuhren Haojing und ich mit vollgepacktem Kofferraum los und kamen gut vier Stunden später in der Provinzhauptstadt an. Nanjing zählt mehr als acht Millionen Einwohner und ist eine der größten Städte der Welt. Die Autofahrt war nicht unbedingt ein Vergnügen, doch im Vorfeld hatte ich es mir schlimmer vorgestellt. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, gingen Haojing und ich in ein Museum, das keine 200 Meter entfernt lag.

Anschließend fuhren wir mit dem Taxi in eine touristische Fußgängerzone, die im klassischen Baustil errichtet wurde. Wie alle chinesischen Großstädte ist Nanjing sehr sauber und aufgeräumt. Nach einer kleinen Runde gingen meine Frau und ich in ein koreanisches Restaurant essen, was mir hervorragend schmeckte. Essenstechnisch bin ich allerdings auch leicht zufriedenzustellen. Hinterher absolvierten wir noch eine Bootstour im Dunkeln durch die Kanäle der Touristenregion. Die Beleuchtung und die gesamte Aufmachung waren wirklich großartig. Leider machen unsere Handykameras bei Dunkelheit keine scharfen Bilder.

Im weiteren Verlauf des Abends trafen wir einige von Haojings Familienmitgliedern, die extra für uns aus Chibi angereist waren. Am Vormittag des Folgetags besuchten wir zusammen den Palast, den der ehemalige König als Wohnort für seine geliebte Frau gebaut hat. Nach einem gemeinsamen Mittagessen reisten die Verwandten wieder ab. Nur Haojings Mutter blieb bei uns. Sie wird ihrer Tochter in den nächsten Wochen Gesellschaft leisten, damit sie in meiner Abwesenheit nicht allein ist. Abends gingen wir noch auf der ehemaligen Stadtmauer Nanjings spazieren. Am Dienstagmorgen fuhren wir schlussendlich zum Flughafen.

Liebe Grüße,

Benjamin

PS: Dieser Beitrag ist der letzte des Jahres. Ich werde mich wohl Anfang Januar wieder melden. Bis dahin wünsche ich meiner Leserschaft eine schöne Zeit, fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch!

Es gab etwas zu feiern!

Hallo,

inzwischen sieht es wirklich sehr danach aus, als würde ich es am 13. Oktober tatsächlich nach Deutschland schaffen. Ich möchte mich an dieser Stelle zwar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, doch es wird offenbar alles nach Plan verlaufen. Bislang wurde der Flug weder abgesagt noch verschoben. Auch die zurückliegenden Flüge von Nanjing nach Frankfurt (LH 781) sind allesamt geflogen. Wenn also nichts Außergewöhnliches passiert, werden Haojing und ich nächsten Samstag entweder mit dem Auto oder mit der Bahn nach Nanjing fahren. Dort werden wir einen Kurzurlaub verbringen, bevor wir uns am Dienstag trennen werden.

Für meine Frau wird es zurück nach Dayouzhen gehen, während ich mich in die Maschine nach Deutschland setzen werde. Sie wird wohl erst Anfang Dezember nachkommen. Wir werden uns demzufolge zirka sechs bis sieben Wochen nicht sehen. Das ist natürlich traurig, aber kein Weltuntergang. Da China aktuell nicht als Risikogebiet zählt, muss ich mich nach meiner Ankunft nicht auf Covid-19 testen lassen. Lediglich ein Kärtchen werde ich im Flugzeug ausfüllen und später irgendwo am Flughafen abgeben müssen. Ich freue mich wirklich unheimlich darauf, bald wieder Zeit mit Familie und Freunden verbringen zu können.

In der letzten Woche hatte Haojing Geburtstag – zumindest für mich, nicht für ihre Familie. Hierzu muss man wissen, dass die Chinesen zwar aufgrund internationaler Standards den Sonnenkalender nutzen, für die einfache Bevölkerung jedoch der Mondkalender die Norm darstellt. Ich habe mich dazu entschieden, den Geburtstag meiner Frau nach dem bei uns üblichen Sonnenkalender zu feiern. Ihre Familie wird ihr erst im Laufe der nächsten Woche gratulieren, wenn Haojing im Mondkalender Geburtstag hat. Die Diskrepanz zwischen Sonnen- und Mondkalender ist übrigens auch der Grund, aus dem Ostern immer auf ein anderes Datum fällt.

Der Mondkalender spielt also auch in unserem Alltag eine gewisse Rolle. Um auf den Geburtstag meiner Frau zurückzukommen: Eigentlich schenken wir uns nichts. Ich wollte allerdings nicht vollkommen ohne Irgendetwas dastehen. Es sollte aber eine Überraschung sein, was in meiner Situation nicht gerade einfach ist. Deshalb wartete ich am Vorabend des großen Tages bis sie ins Bett gegangen war und schlief. Im Anschluss schlich ich mich raus, sprang ins Auto und fuhr im Dunkeln durch die Gegend, um an verschiedenen (öffentlichen) Stellen Blumen abzuschneiden. Etwa eine halbe Stunde war ich unterwegs – und erfolgreich!

Meine bessere Hälfte bemerkte nichts. Am nächsten Morgen konnte ich sie wirklich mit einem halbwegs gelungenen Blumenstrauß überraschen, worüber sie augenscheinlich sehr, sehr glücklich war. Wir verbrachten eine schöne Zeit. Nur einen Tag später gab es erneut Grund zu feiern, denn das Mondfest stand vor der Tür. Wegen einiger Störfaktoren, unter anderem meiner bevorstehenden Flugreise, besuchten wir meine Schwiegereltern in diesem Jahr nicht. Dafür waren wir bei einer befreundeten Familie in Dayouzhen zum Festtagsessen eingeladen. Ihr Haus liegt neben einem kleinen See, den ich bis dahin noch nicht entdeckt hatte.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass es sich um eine christliche Familie handelt. Das Familienoberhaupt, eine 80-jährige Frau, geht einmal pro Woche in die ortsansässige Kirche. Ich hatte nicht gedacht, dass das Gebäude aktiv genutzt wird. Vermutlich gibt es keinen Gottesdienst. Es treffen sich wohl nur ein paar Gläubige, um gemeinsam zu beten. Das Essen schmeckte enorm gut. Es gab eine angenehme Auswahl zwischen verschiedenen Fleischsorten und Meeresfrüchten. Ein bisschen Gemüse war ebenfalls dabei. Um den Konsum von Alkohol vermochte ich mich gekonnt herumzureden. Ich armer Junge war an diesem Tag leider „erkältet“.

Liebe Grüße,

Benjamin

Wenig Neues – doch nur Gutes!

Hallo,

mein letzter Beitrag liegt inzwischen über zwei Wochen in der Vergangenheit. Das liegt daran, dass einerseits nicht allzu viel Berichtenswertes passierte und ich andererseits mehr Arbeit als üblich habe. Bezüglich meiner Deutschlandreise sieht nach wie vor alles gut aus. Der für den 13. Oktober gebuchte Flug steht immer noch auf den Flugplänen. Auch ein Anruf beim Nanjing-Büro der Lufthansa, den meine wundervolle Frau tätigte, konnte meine Buchung abermals bestätigen. Demnach werde ich völlig normal – ohne PCR-Test oder ähnliches – an Bord gehen können. Ich benötige lediglich einen grünen Gesundheitscode, damit man mich den Flughafen betreten lässt.

Das ist die einzige Corona-bedingte Einschränkung, die es in China gibt. Um öffentliche Einrichtungen betreten zu dürfen, wozu freilich auch Flughäfen gehören, braucht man einen grünen Gesundheitscode. Jener ist grün, wenn man in den zurückliegenden zwei Wochen nicht auf einen Covid-19-Infizierten gestoßen ist. Eine ähnliche Tracking-App konnte sich in Deutschland nicht flächendeckend durchsetzen, weil sie unter der Bevölkerung nicht auf ausreichend Akzeptanz gestoßen ist. Hierzulande gibt es ebenso Möglichkeiten, ohne Gesundheitscode auszukommen oder sogar zu reisen, aber das macht das Leben unnötig kompliziert.

Für mich ist das ein Musterbeispiel dafür, wie andersartig die chinesische Gesellschaft im Vergleich zur deutschen ist. Anonymität, Datenschutz und Überwachung interessieren niemanden. Die Chinesen nehmen jede technische Errungenschaft ohne kritisches Nachdenken dankend entgegen. Auf weniger technisierte Gesellschaften reagieren sie mit Unverständnis und Kopfschütteln. Diese Einstellung hat die hiesige Bevölkerung längst verinnerlicht. Aus ihrer Perspektive ist alles andere altmodisch oder gar rückständig. Vielleicht haben sie damit recht, vielleicht nicht. Hier muss man schlicht und ergreifend die unterschiedlichen Standpunkte akzeptieren.

Leider habe ich das Geld für meine beiden im Juli abgesagten Flüge immer noch nicht zurückbekommen. Langsam nähert sich die Dreimonatsfrist, mit der mich mein Kreditkarteninstitut bei meinem Anruf vertröstete, dem Ende zu. Ich werde mich jedoch erst weiter darum kümmern, sobald ich in Deutschland bin. An dieser Stelle ist Schluss mit allgemeinem Geschwafel und ich gehe auf die jüngsten Geschehnisse ein. Das zweite Training, das Haojing für einige Mitarbeiter der Huanghai-Farm organisierte, ist endlich vorbei. Damit hatte sie wirklich viel Stress, weil sie sowohl eine fleißige als auch perfektionistische Arbeitseinstellung hat.

Nachdem wir die beiden externen Mitarbeiterinnen zum Flughafen zurückgebracht hatten, suchten wir zunächst wieder unser japanisches Lieblingsrestaurant auf. Beim letzten Mal war es wegen Umbauarbeiten geschlossen – dieses Mal leider ebenfalls. Notgedrungen speisten wir woanders. Im Anschluss kauften wir erneut westliche Produkte im Metro ein. Diesmal gönnte ich mir einige Flaschen Bitburger Bier, die ich genüsslich während der ersten Pflichtspiele von Borussia Dortmund trank. Ich bin enorm glücklich darüber, dass endlich wieder Fußball läuft. Mit (normalerweise) üppig Freizeit ausgestattet, habe ich nicht gerade viele Aktivitäten vorzuweisen.

Natürlich ist da noch das Tischtennistraining, das ich dreimal pro Woche besuche. Diesmal liefere ich zwei Spielausschnitte gegen einen der stärksten Gegner, der beim SV Wolsfeld mit Sicherheit in der ersten Mannschaft spielen würde. In den Ausschnitten sehe ich zwar ganz gut aus, doch verloren habe ich am Ende trotzdem. Zu Beginn des Beitrags erwähnte ich, dass ich momentan mehr Arbeit als üblich habe. Das liegt darin begründet, dass aktuell zwei der vier Techniker meines Arbeitgebers ausfallen und mich mein Chef fragte, ob ich in den nächsten beiden Wochen Vollzeit arbeiten könnte. Dem habe ich zugestimmt, weil ich lieb bin.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich habe noch etwas zu erzählen…

Hallo,

um meine Leserschaft auf dem Laufenden zu halten, kommt selbstredend zuerst die gewohnte Info zu meiner Deutschlandreise. An dieser Stelle gibt es nichts Neues. Mein Lufthansa-Direktflug von Nanjing nach Frankfurt ist nach wie vor für den 13. Oktober vorgesehen. Eine kurzfristige Verschiebung halte ich durchaus für möglich. Dass der Flug komplett ausfallen könnte, glaube ich aber nicht. Wenn nichts Außergewöhnliches dazwischenkommt, werde ich dieses Jahr folglich noch deutschen Boden betreten. Auf die Rückzahlung meiner beiden abgesagten Flugreisen warte ich leider noch immer vergeblich.

Mein letzter Beitrag war recht lang, weswegen ich nicht alle Einzelheiten in meinen Urlaubsbericht einbringen konnte. Hinzufügen möchte ich noch, dass in der Region, in der wir unterwegs waren, hauptsächlich Yao-Chinesen leben. Bei diesen Menschen handelt es sich um eine der zahlreichen ethnischen Minderheiten in China. Zur traditionellen Kleidung der Yao zählen Kopfbedeckungen aus roten, gemusterten Tüchern. Zum Schutz der Kultur von Minderheiten gibt es hierzulande übrigens ein Gesetz, nach dem Beamte in öffentlichen Einrichtungen mindestens an zwei Tagen pro Woche ihre traditionelle Tracht tragen müssen.

Die Bergbauern, die Haojing und ich besucht haben und deren traditionelle Kleidung wir anprobieren durften, gehören ebenfalls zur Volksgruppe der Yao. Sie schlachteten extra für uns zwei Hühner. Ich habe zugesehen. Dabei wurde nicht einfach der Kopf abgeschlagen. Den Tieren wurde mit einem Messer die Halsschlagader aufgeschlitzt, das Blut wurde in einer Schale aufgefangen und im Anschluss wurden sie auf den Boden geworfen. Nach ein oder zwei Minuten wurden sie in heißes Wasser gelegt, um die Federn einfacher entfernen zu können. Erst dann hörten die Hühner auf, sich zu bewegen – sie waren also noch ziemlich lange am Leben.

Ich sehe das ziemlich wertfrei, aber natürlich kann sich jeder über diese Sache sein eigenes Urteil bilden. Allzu lange möchte ich nicht bei Urlaubserlebnissen bleiben, denn immerhin gibt es auch ein paar aktuellere Dinge, über die ich schreiben kann. Letzten Samstag fiel das Tischtennistraining leider aus, weil einige Umbauten im Gebäude durchgeführt wurden. Auf dem Rückweg ging ich am Supermarkt vorbei, wo eine Bühne mit Moderation und Tänzerinnen aufgebaut war. Letztere traten bauchnabelfrei auf, was in China bereits das Äußerste ist, wie sich eine Frau in der Öffentlichkeit zeigen sollte. Ich freute mich darüber und schaute ein wenig zu.

Am Sonntagabend offenbarte sich schließlich der Grund für die Umbauarbeiten im Tischtennisgebäude. Der Saal wurde mit einem Gummiboden ausgestattet. Darüber hinaus wurde ein Vorhang aufgehängt, der die Tischtennisbälle davon abhalten soll, in eine schlecht zugängliche Rinne zu fallen. Außerdem wurden zwei Klimaanlagen installiert. Jetzt ist es also endlich möglich, im Sommer bei unter 40 Grad Celsius und im Winter bei über 5 Grad Celsius Tischtennis zu spielen. Am Sonntag bestand die erste Hälfte des Trainings daraus, den Gummiboden zu putzen und die Platten, Banden, Pulte und Stühle an ihren Platz zu stellen.

Am Mittwoch traf ich auf einen jungen Spieler, der ein altes BVB-Trikot trug. Zwar bin ich mir nicht sicher, ob er überhaupt wusste, was er anhatte, aber ich signalisierte ihm, dass ich sein Outfit ziemlich cool fand. Im weiteren Verlauf der Woche mussten Haojing und ich wieder zwei ihrer Arbeitskolleginnen vom Flughafen in Yancheng abholen. Mittags gingen wir gemeinsam japanisch essen. Im Anschluss besuchten wir nochmals das nahegelegene Metro und kauften Produkte ein, die man in China nicht so einfach bekommt. Hierzu gehören unter anderem Butter, Joghurt, Käse, Lachs, Schokolade und Nürnberger Würstchen.

Liebe Grüße,

Benjamin

Viel Spaß bei meinem Urlaubsbericht!

Hallo,

zu Beginn meines Beitrags möchte ich vorwegnehmen, dass für uns eine recht aufregende, ereignisreiche Urlaubswoche zu Ende ging, aber alles der Reihe nach. Obwohl folgende Info chronologisch eigentlich an letzte Stelle gehören würde, möchte ich zuerst die erfolgreiche Buchung meines Deutschlandflugs vermelden. Am 13. Oktober werde ich mich im vier Autostunden entfernten Nanjing in einen Flieger setzen, aus dem ich erst knapp zwölf Stunden später in Frankfurt wieder aussteigen werde. Die Buchung habe ich direkt über die Lufthansa durchgeführt, weswegen diesmal hoffentlich alles gutgehen wird.

Natürlich gibt es nach wie vor keine Garantie dafür, dass die Reise wie geplant verläuft, doch da ich nirgendwo zwischenlanden und umsteigen muss, wäre eine Verspätung oder gar eine Verschiebung kein großes Problem. Der Flug kostet 11.050 Yuan. Zum aktuellen Wechselkurs sind das ungefähr 1.350 Euro, was ziemlich teuer ist. Deshalb habe ich einen Deal mit meinem Arbeitgeber abgeschlossen, der die Kosten freundlicherweise übernimmt. Im Gegenzug werde ich voraussichtlich vier Wochen Vollzeit arbeiten, aber nur meine aktuelle Teilzeitbezahlung erhalten. Die Einzelheiten müssen allerdings noch geklärt werden.

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Kommen wir nun zu unserem Urlaub: Am frühen Nachmittag des vorletzten Mittwochs ging die Reise los. Haojing und ich wurden von einem ihrer Arbeitskollegen zum Bahnhof nach Binhai gebracht, von wo wir mit dem Zug drei Stunden nach Qingdao fuhren. Diese Stadt weist eine deutsche Historie auf, weswegen sie folglich auch die Heimat des guten Tsingtao-Biers ist. Leider verbrachten wir dort nur einen kurzen Abend. Dennoch reichte die Zeit aus, um in einem als „authentisch“ beworbenen deutschen Restaurant zu essen. Zu meiner Überraschung waren unsere Gerichte gar nicht mal so schlecht, aber natürlich trotzdem chinesisch angehaucht.

Nach einer kurzen Nacht im Hotel ging es für uns weiter zum Flughafen, damit wir unseren Flug nach Nanning antreten konnten. Nanning ist die Hauptstadt der Provinz Guangxi, ganz im Süden Chinas an der vietnamesischen Grenze. Dementsprechend lange dauerte unser Flug. Wir saßen länger als sechs Stunden im Flugzeug, das unterwegs in Chongqing landete, um einige Passagiere abzusetzen und andere mitzunehmen. Solche Zwischenlandungen sind im chinesischen Inlandsflugverkehr vollkommen normal. Als wir endlich in Nanning ankamen, trafen wir uns mit Haojings Bekannten und wurden in unser Hotel nach Fangchenggang gebracht.

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An dieser Stelle muss man wissen, dass es in den ersten Tagen unseres Urlaubs ein paar Termine gab, die Haojing wahrnehmen musste. In China sind die Menschen stets sehr darum bemüht, geschäftliche Kontakte zu knüpfen, um möglichst viele berufliche Möglichkeiten in der Hinterhand zu haben. Selbstverständlich nahm ich auch am Programm teil. Am Freitag ging es schließlich los. Wir fuhren ein Unternehmen besichtigen, das Zimt produziert. Hintergrund war eine Zertifizierung, die für den europäischen Markt unerlässlich ist, aber das nur am Rande. Ich hatte einen schlechten Tag, da mein Handy scheinbar den Geist aufgab.

Als ich während der Autofahrt auf mein Smartphone schauen wollte, blieb das Display schwarz. Die Hintergrundbeleuchtung war ausgefallen. Beim Neustart des Geräts fiel mir jedoch auf, dass die Startanimation völlig normal angezeigt wurde. Erst nachdem das Betriebssystem hochgefahren war, erwies sich das Display als unbrauchbar. Ich vermute, dass ein Virus dieses Problem auslöste. Am Vorabend hatte ich beim Surfen einmal achtlos auf „Allow“ gedrückt. Als Lösung startete ich Android mit erweiterten Startoptionen und führte einen Factory-Reset durch. Das behob das Problem zwar, doch mein Handy blieb unbrauchbar.

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Nach einem solchen Reset startet ein Android-Gerät den Einrichtungsassistenten. Während dieser Prozedur musste ich das Smartphone unglücklicherweise mit meinem Google-Konto verbinden. Da es via erweiterter Startoptionen – also ohne Passwort- oder Mustereingabe – zurückgesetzt wurde, führte kein Weg an einer Google-Anmeldung vorbei. Genau das war nicht möglich, da (fast) alle Google-Dienste in China gesperrt sind. Ich konnte den Einrichtungsassistenten also nicht abschließen und mein Handy folglich nicht nutzen. Dieses Problem konnte ich erst wieder zu Hause, mit Hilfe meines VPN-Routers, umgehen beziehungsweise lösen.

Jedenfalls war ich ab diesem Tag nur noch über Haojing erreichbar. Den weiteren Verlauf unseres Urlaubs schmälerte das jedoch kaum. Lediglich das Reisen wurde komplizierter, weil sich mein Health-Code auf dem Handy befand – aber natürlich kann man in China auch ohne Health-Code reisen. Zusammen mit einer kleinen Gruppe waren wir viel in der Natur unterwegs und besichtigten die in den Bergen gelegenen Plantagen. Am Sonntag wechselten wir nochmal unseren Ort. Vier Stunden benötigten wir mit dem Zug nach Guilin, wo andere Räumlichkeiten und Felder für die Zertifizierung vorbereitet werden mussten.

Am Dienstag war das offizielle Programm, bei dem Haojing und ich eigentlich nur Anhang waren, vorbei. Nach der Verabschiedung fuhren wir beide noch in die wunderschöne Gegend um die Stadt Yangshuo, die allerdings auch sehr touristisch angehaucht ist. Dort mieteten wir ein Elektro-Dreirad, mit dem wir uns von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit fortbewegten. In der Stadt trafen wir einen Deutschen, der seit acht Jahren in China lebt und ein Restaurant in der Fußgängerzone unterhält. Dort gab es unter anderem ein frisch gezapftes, bayrisches Helles (Hofbräu München), das wirklich ganz hervorragend schmeckte.

Ich denke, die Bilder sprechen für sich. Wir hatten einen wirklich schönen Urlaub. Erwähnenswert ist noch, dass mir einige Unterschiede zu den Gegebenheiten in unserer Heimat aufgefallen sind. Dort sind die Menschen wesentlich angenehmer und leben mit viel weniger gesellschaftlichen Zwängen. Außerdem ist die Landschaft – im Gegensatz zu Jiangsu – ein wahrgewordener Traum. Allerdings war das Essen dort weniger gut und die hygienischen Bedingungen waren sehr, sehr fragwürdig. Im Restaurant hat sich zum Beispiel kein Einheimischer daran gestört, dass eine Ratte in unseren Raum gekommen ist. Darüber hinaus war es generell dreckiger und versiffter.

Liebe Grüße

Benjamin

Ich habe Handy-Probleme!

Hallo,

ich möchte meine Leserschaft kurz und knapp darüber informieren, dass ich Probleme mit meinem Smartphone habe und auf diesem Wege während meines Urlaubs (bis zum 29. August) nicht mehr erreichbar sein werde. Das betrifft die Handy-Messenger Telegram, WeChat sowie WhatsApp. Auf E-Mails (inklusive Kontaktformular), Facebook und Skype kann ich theoretisch abends im Hotel via Laptop zugreifen. Die Art und Weise meines Handy-Versagens werde ich ausführlich in meinem kommenden Beitrag schildern. Jedoch möchte ich bereits im Vorfeld erwähnen, dass es verrückt war. Wer mich bezüglich dringender Anliegen kontaktieren muss, wendet sich bitte an Haojing oder eines meiner Familienmitglieder.

Liebe Grüße,

Benjamin

PS: Das war übrigens mein 100. Beitrag – wie feierlich!

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Auf zwei ereignislose Wochen folgt Urlaub!

Hallo,

seit unserem Kurzurlaub in Yancheng ist nicht allzu viel geschehen. Bezüglich meiner bevorstehenden Heimreise kann ich noch keine wesentlichen Neuinformationen verkünden. Nach wie vor plane ich einen mehrwöchigen Deutschlandaufenthalt von Oktober bis Ende Dezember oder Anfang Januar. Die Situation an den Flughäfen hat sich inzwischen deutlich verbessert. Die meisten Flieger heben nach Flugplan ab, darunter befinden sich auch einige internationale Flüge. Die Zustände haben sich aber (natürlich) noch nicht normalisiert, weswegen es immer noch gewisse Cancel-Risiken gibt und auch noch im Oktober geben wird.

Aktuell liebäugele ich mit einem Direktflug von Shanghai nach Frankfurt, der mich im günstigsten Fall gut 1.000 Euro kosten wird. Momentan fliegt die Lufthansa zweimal pro Monat nach Shanghai. Da Flugzeuge und Crew wieder zurückmüssen, sind Rückflüge selbstredend garantiert. Wenn es in die heiße Phase (September) geht, werde ich zuallererst bei der Lufthansa anrufen und telefonisch sicherstellen, dass ich einen tatsächlich geplanten Flug buche. Auf die Angaben diverser Internetportale kann man sich nämlich überhaupt nicht verlassen. Bezüglich der Rückzahlungen für meine beiden abgesagten Flugreisen gibt es leider noch nichts zu vermelden.

Die vergangenen zwei Wochen waren mehr oder weniger ereignislos. Aus meiner Perspektive ist das jedoch nichts Negatives. Ich lebe gerne meine stinknormale Alltagsroutine, die ich mir ja nicht umsonst so gestaltet habe, wie sie nun einmal ist. Da ich viel Freizeit habe, denke ich viel nach und beschäftige mich ausgiebig mit meinen Interessen. Jeden Tag lerne ich etwas Neues oder mir kommt wieder etwas Altes in den Sinn, woran ich schon lange nicht mehr gedacht habe. Besonders interessant ist, dass ich jenes Alte dann mit neuerem Wissen verbinden und in einem neuen Kontext sehen kann, den ich vorher nicht auf dem Schirm hatte.

Wer mich kennt, weiß, dass ich mich sehr für die Themen Ernährung und Gesundheit interessiere und meine Schlussfolgerungen an mir selbst ausprobiere. Aktuell faste ich zum Beispiel an einem Wochentag. Dann nehme ich von 0:00 Uhr bis 12:00 Uhr des Folgetages – also 36 Stunden – keine feste Nahrung zu mir. Ein paar Kalorien kommen trotzdem rein, weil ich damit begonnen habe, jeden Tag zwei Tassen Knochenbrühe zu trinken. An den üblichen Tagen esse ich regelmäßig sieben Eier, zirka 300 Gramm Fleisch oder Fisch und etwa ein Kilogramm stärkearmes Gemüse. Ein- bis zweimal pro Woche gibt es Leber – die größte Vitaminbombe der Natur.

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Als Snacks fungieren Nüsse oder ungezuckerte Milchprodukte. Für unsere Gesundheit ist es enorm wichtig, genügend Protein aufzunehmen, insbesondere dann, wenn man gelegentlich fastet. Viele Menschen pumpen sich mit Vitaminen voll und sind dennoch andauernd krank – es fehlt ihnen schlicht und ergreifend an Protein. Als Nichtsportler sollte man täglich mindestens 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen, gerne auch deutlich mehr. Ein paar Mikronährstoffe supplemtiere ich auch, von denen allerdings nur Vitamin D3 wirklich relevant ist. Selbstverständlich ist Ernährung nur ein Aspekt eines gesunden Lebenswandels.

Stress, Umwelteinflüsse sowie Bewegung sind ebenfalls von Bedeutung. Ich achte zum Beispiel darauf, jeden Tag mindestens 10.000 Schritte zu gehen. Darüber hinaus mache ich jeden zweiten Tag meine Liegestütze und spiele dreimal pro Woche Tischtennis. Momentan ist es sehr warm und der Saal, in dem die Platten stehen, befindet sich auf der Sonnenseite. Die Innenraumtemperaturen liegen bei deutlich über 40 Grad Celsius. Es ist fast so, als würde man in einer Sauna Sport treiben. Gerade deshalb halte ich es für ein ausgezeichnetes Herz-Kreislauf-Training. Die Kleidung ist dann so nass und schwer, als käme man gerade aus dem Wasser.

Das hat eine üble Konsequenz: Es entsteht Reibung auf der Haut, die schließlich an den entsprechenden Regionen wund wird und – wenn man nicht rechtzeitig aufhört – sogar zu bluten anfängt. Wie man aus dieser Beschreibung bereits herauszulesen kann, ist mir diese äußerst schmerzhafte Erfahrung leider nicht fremd. Ich muss also wohl oder übel ein oder zwei Gänge zurückschalten. Wenn ich im Training bin, spiele ich meistens zweieinhalb Stunden am Stück, ohne Pause. Die Chinesen absolvieren höchstens zwei Matches hintereinander und setzen sich dann hin. Einige spielen auch oberkörperfrei, aber das ist überhaupt nicht mein Ding.

Eigentlich hatte ich kaum Berichtenswertes für diesen Beitrag, aber wenn ich erst einmal mit dem Herumfabulieren anfange, wird ein Text irgendwie länger als im Vorfeld angenommen. Ich möchte meiner Leserschaft allerdings noch mitteilen, dass Haojing und ich morgen in Urlaub fahren werden. Zunächst geht es mit dem Zug nach Qingdao, von wo aus wir nach Fangchenggang fliegen. Die Stadt liegt in der Provinz Guangxi, ganz im Süden der Volksrepublik an der vietnamesischen Grenze. Dort werden wir eine hoffentlich entspannende Woche verbringen. Mit meinem nächsten Beitrag werde ich sowohl Bericht als auch Bilder liefern.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ein Kurzurlaub in Yancheng!

Hallo,

um meine Leserschaft kurz und knapp auf den jüngsten Stand zu bringen, möchte ich anmerken, dass es noch keine Neuigkeiten bezüglich meiner geplanten Heimreise gibt. Seriöse Angebote stehen nach wie vor auf den Oktober-Plänen der Fluggesellschaften. Es hat allerdings ein paar Änderungen gegeben. Nichtsdestotrotz bin ich recht optimistisch, dass mein dritter Anlauf erfolgreich sein wird. Aller Voraussicht nach werde ich Anfang September buchen. Anmerken möchte ich außerdem noch, dass ich nach wie vor auf die Rückerstattung meiner beiden ausgefallenen Flugreisen warte. Das wird sich wohl noch eine ganze Weile ziehen.

Letzten Freitag brachten Haojing und ich zwei Kurzzeitexperten, die als Aushilfe für das zurückliegende Training der Huanghai-Farm angeheuert wurden, zum Flughafen nach Yancheng. Daraufhin entschieden wir uns dazu, das Wochenende dort zu verbringen und einen Kurzurlaub zu machen, den sich vor allem meine hart arbeitende Frau redlich verdient hatte. Yancheng ist die Hauptstadt unseres Bezirks. Die 1,5-Millionen-Einwohner-Stadt liegt zirka eineinhalb Autostunden südlich von unserem Heimatort Dayouzhen. Die nächstgrößere Verwaltungseinheit ist bereits die Provinz Jiangsu, deren Hauptstadt Nanjing ist.

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Nachdem wir die beiden Frauen am Flughafen abgesetzt hatten, stellten wir missmutig fest, dass unser kurzfristig gebuchtes Hotel 70 Kilometer entfernt – weit außerhalb des städtischen Gebiets – lag. Wir entschieden uns für eine Stornierung und suchten ein mehr oder weniger zentral gelegenes Hotel. Wer meine liebe Frau kennt, kann sich sicherlich denken, dass das kein einfaches Hotel war, in dem man sich nur kurz zum Übernachten aufhält. Natürlich handelte es sich um ein Luxushotel mit Schwimmbad, Fitnessbereich und wirklich tollen Zimmern. Wir kamen im 27. Stockwerk unter und erfreuten uns einer herrlichen Aussicht.

Noch vor dem Check-in wollten wir zum Japaner im europäischen Viertel, von dem ich schon mal in einem vergangenen Beitrag schwärmte, zu Mittag essen gehen. Leider stellte sich heraus, dass dieser wegen Umbauarbeiten geschlossen hatte. Also suchten wir uns ein anderes Restaurant in der Gegend. Den Nachmittag verbrachten wir im Hotel, da ich von 14 bis 19 Uhr arbeiten musste. Abends schlenderten wir noch durch die Stadt und suchten vergeblich nach Badebekleidung, da wir noch ins Hotel-Schwimmbad wollten. Eigentlich hatten wir bereits aufgegeben, doch glücklicherweise konnten wir diese schlussendlich im Hotel bekommen.

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Am Samstag hatten wir ein volles Programm. Am Vormittag ging es in das Technik- und Wissenschaftsmuseum, das eigentlich ganz nett war. Selbstverständlich konnte es nicht mit dem Museum in Shanghai mithalten, das wir einen Monat zuvor besuchten. Zu Mittag aßen wir diesmal bei einem koreanischen Restaurant. Hierzu muss man wissen, dass Yancheng aufgrund seiner geografischen Nähe zu Korea zahlreiche koreanische Unternehmen beherbergt. Dort lebt eine derart große Anzahl Koreaner, dass sogar die Straßenbeschilderung (neben Chinesisch) auf Koreanisch ist. Demzufolge sollten die Restaurants sehr authentisch sein.

Am Nachmittag besichtigten wir das Salzmuseum. Ins Deutsche übersetzt bedeutet Yancheng „Salzstadt“. Der Abbau von Salz spielte in der Geschichte der Stadt eine enorm wichtige Rolle. Über Jahrtausende hinweg war Salz ähnlich wertvoll wie Gold – nicht nur in China. Ich fand das Museum dementsprechend interessant. Abends probierten wir den Hotel-Fitnessraum aus. Am Sonntag aßen wir schließlich noch bei einem (anderen) japanischen Restaurant und absolvierten einen Großeinkauf im Metro, wo wir unter anderem Joghurt, Käse, Kokosfett und Lachs einkauften. Anschließend begaben wir uns auf den Heimweg.

Liebe Grüße,

Benjamin

Ich wurde als IT-Experte hinzugezogen!

Hallo,

in letzter Zeit vergehen die Wochen nicht gerade schnell. Seitdem ich akzeptiert habe, dass meine Deutschlandreise wohl auch im August nicht stattfinden wird, sehe ich sozusagen ein großes Loch vor mir. Selbstredend steht dieses Loch für die unbekannte Zeitspanne, die ich noch auf meinen Flug warten muss. Leider sehe ich seriöse Angebote, die meinen Preisvorstellungen entsprechen, erst wieder ab September. Im Oktober wird die Lage – aller Voraussicht nach – sogar noch besser aussehen. Sollten sich die Abflugpläne nicht vollständig ändern, gäbe es dann sogar Direktflüge von Nanjing oder Shanghai für weniger als 1.000 Euro.

Weitere Möglichkeiten, bei denen ich nur einmal umsteigen und mich nicht eigenständig um den Transfer kümmern müsste, würden mich etwa die Hälfte kosten. Jedoch ist es für eine Buchung noch viel zu früh. Da man eine Kreditkartenzahlung nur innerhalb der ersten acht Wochen reklamieren kann, werde ich keinen Flug buchen, der weiter als einen Monat in der Zukunft liegt. Im Übrigen sind die Reklamationsanträge meiner beiden ausgefallenen Flugreisen vom 4. Juli bei meinem Kreditkarteninstitut eingegangen und werden zurzeit bearbeitet. Bis ich mein Geld zurückbekomme, können leider bis zu drei Monate vergehen.

Haojing arbeitet bekanntlich für ein deutsches Unternehmen, das im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eine Kooperation mit der chinesischen Huanghai-Farm durchführt. Hierbei sendet ihr Arbeitgeber für drei Jahre ein Expertenteam nach China. Der Job meiner Frau besteht neben Dolmetschen unter anderem auch aus dem Organisieren der verschiedensten Dinge. Obwohl ich es eigentlich für Zeitverschwendung halte, wollten die Entscheidungsträger wohl endlich wieder irgendetwas Produktives machen. Also wurde ein Training für einige Mitarbeiter der Huanghai-Farm angesetzt.

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Die Sache krankte allerdings von Beginn an an folgendem Problem: Sämtliche Experten befindet sich momentan nicht in China und dürfen aus bekannten Gründen nicht einreisen. Dementsprechend sollte dieses Training komplett aus der Ferne durchgeführt werden. Als ich das zum ersten Mal hörte, schlug ich bereits meine Hände über dem Kopf zusammen. Ich hielt diese Veranstaltung schon vorher für blinden Aktionismus. Diese dann aber aus der Ferne – außerhalb von China – durchzuführen, war für mich schlicht und ergreifend Zeitverschwendung. Wer China in der jüngeren Vergangenheit besuchte, sollte um die katastrophale Internetverbindung ins Ausland wissen.

Diese Informationen sind für meinen Blog durchaus relevant, denn ich sollte mich (außerhalb meiner regulären Arbeitszeiten) um die Technik kümmern. Es wurde extra ein teures, vierteiliges Kamerasystem gekauft, das den Raum überwachen und Livebilder nach Europa übertragen sollte. Mir war natürlich von Anfang an klar, dass das nicht funktionieren würde. Trotzdem wird auf der Gegenseite erwartet, dass man es immer wieder aufs Neue probiert. Meiner Meinung nach ist das verrückt. Wenn etwas nicht funktioniert, macht man doch nicht immer wieder dasselbe und erwartet dabei ein anderes Ergebnis. Das ist quasi IT-Alltag.

Eigentlich möchte ich nicht zu viel vom Training schreiben, weil es mich eigentlich gar nicht interessiert. Jedenfalls musste man sich mit Notlösungen (Videochats) über Wasser halten. Ansonsten habe ich aber auch nur wenig zu berichten. Das Wetter ist kurios. Es wechselt alle zwei bis drei Tage von monsunartigen Regenfällen zu strahlend blauem Himmel. Die Temperaturen bleiben dabei absolut im erträglichen Rahmen. Möglicherweise habe ich mich auch einfach an den heißeren Alltag gewöhnt. Ich ernähre mich seit Monaten ketogen und fühle mich nach wie vor sehr gut damit. Außerdem trainiere ich dreimal die Woche intensiv Tischtennis.

Liebe Grüße,

Benjamin