Hallo,
bevor Haojing und ich am zurückliegenden Sonntag unsere Reise nach Peking antraten, vebrachte ich noch eine normale Woche in Dayouzhen. Inzwischen hatte sich bei mir ein gewisser Alltagstrott manifestiert, den ich allerdings als ziemlich positiv empfand. Morgens stand ich gegen halb neun auf, schaute mir bei zwei Tassen Kaffee neue Youtube-Videos an, ging dann eine Stunde spazieren und machte mir anschließend mein Mittagessen, bestehend aus sechs bis sieben Eiern und zwei Tomaten. Danach trank ich dann nochmals zwei Tassen Kaffee, ruhte mich ein bisschen aus und ging dann nochmal für eine mittelgroße Runde nach draußen.
Im Anschluss musste ich dann natürlich bis 20 Uhr arbeiten. Erst danach war Zeit für mein Abendessen, das meistens aus grünem Gemüse und Fleisch bestand. Leider benutze ich für die Beschreibung dieser angenehmen Tagesroutine mittlerweile die Vergangenheitsform. Denn durch unsere Woche, die wir nun in Peking verbringen, ist diese natürlich futsch. Eigentlich wollte ich die Sache bis zum Aufbruch nach Deutschland durchziehen, aber immerhin kann ich mir die chinesische Hauptstadt ansehen. Da ich nicht wirklich ein Stadtmensch bin, fällt es mir schwer, alleine die U-Bahn oder andere öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.
Da Haojing die meiste Zeit arbeiten muss und ich täglich bis 15 Uhr frei habe, werde ich jedoch wohl oder übel in’s kalte Wasser springen müssen, aber alles der Reihe nach. Wir kamen am Sonntag an. An diesem Tag musste sich Haojing eigentlich nur um den Hotel-Check-in der deutschen Experten kümmern, weswegen wir beide gemeinsam mit einer anderen Deutschen die Verbotene Stadt besichtigen konnten. Dabei handelt es sich quasi im ein riesiges Schloss, in dem früher der Kaiser von China wohnte. Die Verbotene Stadt ist von hohen Mauern und Wassergräben umgeben. Das Innere besteht aus zahllosen großen Bauten, die durch riesige Plätze voneinander getrennt sind.
Die einzelnen Gebäude erfüllten früher allesamt ihren speziellen Zweck. Der Kaiser war natürlich viel zu wichtig, um ein normales Schloss mit einzelnen Räumen zu bewohnen. Anstelle eines Schlaf-, Bade- oder Ankleidezimmers standen ihm gleich ein ganzes Schlaf-, Bade- oder Ankleidehaus und viele weitere Gebäude zur Verfügung. Dort lebten auch seine Masse an Bediensteten und seine tausend Frauen. Die Verbotene Stadt ist tatsächlich enorm groß und beeindruckend. Heutzutage lockt sie täglich 80.000 Besucher an. Wir besichtigten dort zudem noch eine ansehnliche Ausstellung mit wertvollen Dekorationsobjekten aus der Kaiserzeit.
Im Anschluss an unseren Besuch in der Verbotenen Stadt gingen wir noch Peking-Ente essen – und zwar im Orignal-Restaurant. Wenn man dieses Gericht irgendwo in Deutschland bestellt, bekommt man in der Regel eine minderwertige Ente mit Reis und einer nach Konservierungsmitteln schmeckenden Soße serviert. Die echte Peking-Ente wird in feine Scheiben geschnitten, die man mit Gemüse und Soße in kleine Teigtaschen einwickelt und schließlich mit den Händen isst. Beilagen sind natürlich frei wählbar. Nach dem Abendessen war es übrigens ein echter Kampf, ein Taxi zu bekommen. Es dauerte fast eine Stunde, bis wir endlich fündig wurden.
In Peking ist es zurzeit übrigens sehr kalt und windig. Glücklicherweise gehören Heizungen in Gebäuden hier zur normalen Ausstattung. Am gestrigen Montag habe ich mich mit Haojings Freundin Mingmin getroffen. Sie hat mir eine schöne Gegend mit einigen touristischen Läden gezeigt. Das fand ich eigentlich ganz nett, vor allem da sie sich um den U-Bahn-Transfer gekümmert hat. Darüber hinaus habe ich einen Kaffee und gegen Mittag ein leckeres Essen bekommen. Am Mittwoch wollen wir uns nochmal treffen und zusammen in ein großes Museum gehen. Haojing kann uns wohl leider nicht begleiten, weil sie erneut arbeiten muss.
Liebe Grüße,
Benjamin